Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 40 (29.9.1932)
- Date
- 1932-09-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nr. 40 Der Israelit Snezialhaus 0 unDSOHfi Zeit 95 und Töngesgasse 25—27 zen Familie mitbestimmt ist. Noch beschämender, ja empörend, wenn in Geschäften, die ausschließlich von Juden leben und mit den drei hebräischen Buchstaben luo ihre Prosperität begründen, konsequent nichtjüdisches Laden- und Büropersonal angestellt wird; wenn in jüdischen Hotel- und Restaurationsbetrieben, sozusagen unter den Augen der aufsichtführenden Rabbinate, grundsätzlich und de facto nur nichtjüdische Kellner und Serviermädchcn beschäftigt werden. Wan sage nicht, es gäbe kein gleichwertiges jüdisches Personal, das religiöse Gewissenhaftigkeit mit geschäftlicher Zuverlässigkeit verbindet. Das ist ein schweres Vorurteil, nicht minder zu verwerfen wie alle Vorurteile, die unsere Feinde gegen die Iudenheit insgesamt hegen; ein Vorurteil, von dem jeder Geschäftsinhaber bald geheilt ist, wenn er einmal die Probe aufs Cxempel macht und sich überzeugt, daß der fromme Jude in feiner Treue und Zuverlässigkeit hinter keinem anderen zurücksteht, daß Religionstreue im Gegenteil mit eine Basis für erhöhtes Verantwortungsgefühl im geschäftlichen Leben ist, daß der gesetzestreue Angestellte, schon aus Dankbarkeit und um den ausgefallenen Sabbat wieder einzubringen, die Woche über mit doppeltem Fleiß und doppelter Kraft dem Betriebe zu dienen bestrebt ist. In einem bestimmten Falle, wo es sich um einen unter Aufsicht stehenden Restaurationsbetrieb in einer Residenzstadt handelte, entschuldigte man sich damit, es gäbe einfach keine jüdischen Oberkellner. Warum aber gibt es keine? weil die jüdischen Wirte, so wurde uns versichert, keine jüdischen K e l ln e r l e h r l i n g e a u f n e h m e n. Auch ein Oberkellner ist nicht vom Himmel gefallen, wenn man der der Schule entwachsenen jüdischen Jugend von vornherein den Weg in viele Gebiete des Berufslebens versperrt, klage man nicht hinterher über den Wangel an vollwertigen jüdischen Hilfskräften. Ts soll dies kein Aufruf zu Boykott sein. Dieses fremde Wort trifft uns heute alle zu hart, als daß wir uns der gleichen Waffe bedienen könnten. Aber ein berechtigtes Waß von Gegenwehr, von Selbsterhaltung, auch von Selbstachtung wäre doch zu empfehlen in einer Zeit, da sich der Kreis der Cxistenzmöglichkeiten für Juden, zumal für solche, die treu zum Sabbat halten, immer mehr verkleinert. Das vielgepriesene jüdische Solidaritätsgefühl sollte wenigstens in dem Womente nicht versagen, da wir von äußerer Rot und Feindsellgkeit auf einen Punkt gedrängt weiden, wo wir stark aufeinander angewiesen sind.' ' ' ■!; Ziel und Wege der heukigen Rabbinerausbildung. Non Rabb. Dr. Moses Auerbach in Berlin. (Schluß.) Dementsprechend konnte auch unser Seminar die Ansprüche an seine Hörer in den talmudischen und halachischen Disziplinen erhöhen. Ts will und kann dabei aber in der Regel nicht das an talmudischer Ausbildung bieten, was etwa die litauischen Ieschiwoth ihren Schülern gewähren. Auf Grund grandioser Einseitigkeit herrscht dort eine Konzentration auf Talmud und Halacha, wie sie in einer Anstalt zur Ausbildung deutscher Rabbiner nicht sein kann und darf. Andererseits ermöglicht die Anwendung wissenschaftlicher Methoden und die enge Verbundenheit mit den Grenzwissenschaften auch beim Studium von Talmud und Halacha eine Art fruchtbarer Forschung, wie sie die Ieschiwoth nicht bieten können und wollen. So wünschenswert deshalb der zeitweise Besuch dieser Ieschiwoth zur Vertiefung und Erweiterung des Talmuörvissens ist, so wenig ausreichend ist der ausschließliche Besuch für die Ausbildung der zukünftigen Rabbiner für Deutschland und andere Länder. Die Bibel-Exegese will vornehmlich Kenntnis der Bibel und Verständnis für sie vermitteln, gestützt auf unsere klassischen Cxegeten des Mittelalters, aber sie will auch die modernen jüdischen und nichtjüdischen Erklärer und die Resultate der Sprachwissenschaften und der orientalischen Geschichtsforschung benutzen und zu ihnen vom Standpunkt des Thorajudentums Stellung nehmen. Die geschichtlichen Studien sollen Kenntnis der Tatsachen der jüdischen Geschichte und ihre Würdigung 8llb «pecie aeternitaties bieten, die welthistorische Stellung Israels und des g'ttlichen Waltens in der Geschichte zu verstehen. Besonderer Augenmerk ist dabei auf die kulturhistorischen Zusammenhänge und die geschichtsphilosophischen Gesichtspunkte zu legen. Während die allgemein pädagogische Ausbildung der Universität überlassen wird, ist die Ertüchtigung zum Unterricht in den jüdisch-religiösen Disziplinen Aufgabe der Rabbinerbildungsanstalt, eine Aufgabe, der in Zukunft wohl mehr Sorgfalt zuzuwenden ist, als zur Zeit geschieht. Daneben darf die praktische und theoretische Beschäftigung mit der Jugendfürsorge nicht vernachlässigt werden. Den Anforderungen ihrer späteren Wirksamkeit entsprechend, muß bei 29. September 1932 der Ausbildung der Rabbinen Theorie und Praxis der Kanzelrede gepflegt werden. Won großer Bedeutung für die einstige Tätigkeit ist, die Vertrautheit mit den sozialen Fragen. : - Eine gewisse Gefahr der Zersplitterung bei der Vielheit der Disziplinen, besonders noch durch Hinzukommen des Unwersttätsstudlums liegt vor. Doch kann sie dadurch vermieden werden, daß, abgesehen von den grundlegenden talmudischen Studien, in den einzelnen Semestern die verschiedenen Disziplinen nicht immer in gleicher Intensität betrieben-werden, daß zu bestimmten Zeiten die Hauptarbeit abwechselnd auf das eine, dann auf das andere Gebiet verwandt wird. Unentbehrlich ist bei allem Fleiß und Ausdauer in der Arbeit. Wir sind uns der schweren Aufgabe und der großen Verantwortung bewußt, die auf denen ruht, deren Beruf die Heranbildung der künftigen Rabbinen ist. von der Art der Heranbildung ist die Entwicklung des thoratreuen Judentums in Deutschland in weitem Waße abhängig. Unsere Aufgabe ist, in buchstäblichem Sinne nTnan^i min b'-i^:die Verbreitung und Stärkung des Thoragedankens in Leben und Lehre. Immer wieder muß uns die Frage beschäftigen, ob wir Ihnen, unseren Schülern, den richtigen weg weisen, und die notwendigen Hilfsmittel hierzu bieten, wir vertrauen auf G'tt, daß er uns seine Hilfe ''nun rmv'v gewähre, selbst den Weg der Wahrheit zu gehen und ihn unfern Schülern zu öffnen. Wir fühlen uns dabei nicht als die einzelnen Wänner, sondern als Ring an jener großen Kette der Lehrer unseres Volkes, von denen jeder zu seiner Zeit und an seiner Stelle sein Teil beizutragen hat, Israel der Thora und die Thora Israel zu erhalten. Und an Sie geht unsere Bitte: Helfen Sie uns in vertrauensvoller Zusammenarbeit. Nicht nur auf Ihr Lernen sind wir angewiesen, noch viel mehr auf die Anregung, die der Wechselwirkung von Lehren und Lernen entspricht, wie es einst izmpn im ausöriicfte: ■»Tö^n» ü^lD» ‘int’ Nur hierdurch kann ein Stillstand, der immer Erstarrung in sich birgt, überwunden werden. Lehrend sind wir Lernende, lernend sind Sie -Lehrende. Bei der ersten Eröffnung unseres Seminars wurde als besonderes Gebet, die Benedikion und Bitte nsn pin 'na vorgetragen. Sie ist das Wotto und das Programm unserer Anstalt: 1Z2N '12 nzn inKö Wöge G'tt uns Alle, die wir hier arbeiten wollen, an der heiligen Aufgabe der Thoraverbreitung mit seinem Geiste begnaden, daß wir ihm dienen in Wahrheit. >n wip ‘■jnsnty’V meinden, Oberstlandesgerichtsrat Dr. Alfted Neumayer, eine Ansprache, in der er über die Vergangenheit Aschaffenburgs u. a. berichtet: Schon Benjamin . Tudela, der im Jahre 1160 eine Reise unternommen hat, die ihn dreizehn Jahre lang durch drei Weltteile führten, nennt unter den Städten, in denen viele reiche'und gelehrte Juden ge-- wohnt haben, neben Regensburg, Bamberg und Würzburg auch Aschaffenburg. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts lebte dahier der Gelehrte Rabbi Abraham, ein Zeitgenosse des Rabbi Meir aus Rothenburg. In einer Urkunde von 1335 wird die Synagoge erwähnt, die hinter dem Rathaus gelegen war. Nach wechselvollen Schicksalen standen die Juden in Aschaffenburg Ende des 16. Jahrhunderts unter der Herrschaft der kurfürstlich-mainzischen Regierung und unter der Aussicht des Mainzer Landesrabbiners. Der erste selbständige Rabbiner in Aschaffenburg war Hillel Wolf Sondheimer um das Jahr 1800. (Wie der Sabbat in der Schule in oen verfchieoenen Landern Europas geachtet wird). Der Weltverband „Schomre Schabbos" hat eine Enquete eingeleitet, um festzustellen, ob und wie dem Sabbat in den .Schulen Europas Rechnung getragen wird. Für England bestimmt das Schulgesetz bezüglich der öffentlichen Elementarschulen, daß die jüdischen Eltern für ihre Rinder vollständigen Dispens am Sabbat verlangen können. In der Praris liegen die Dinge dadurch noch einfacher, daß die meisten Elementarschulen überhaupt am Sonnabend geschlossen sind. In den höheren Schulen kann für die Zeit des synagogalen G'ttesdienstes Dispens beantragt werden, darüber hinaus gilt der Schreibdispens. Bemerkenswert ist, daß öffentliche Elementarschulen, die vornehmlich von jüdischen Rindern besucht werden, eine spezielle Ferienordnung haben, die so eingeteilt ist. daß die Ferien die jüdischen Feiertage mit einschließen. In den Niederlanden ist der Schuldispens ein vollkommener und gilt in gleicher Weise für Elementarwie für höhere Schulen. In A m st e r d a m wo in bestimmten Vierteln die jüdische Bevölkerung überwiegt, gibt es öffentliche Schulen, auch höhere, die am Sonnabend gänzlich geschlossen sind. Auch in Deutsch - land liegen die Verhältnisse günstig. In- Preußen kann jedes jüdische Rind vom Schreiben sowohl wie vom Gesamtunterricht am Sabbat befreit werden. Das Gleiche ' gilt für die Hansestädte. In Sachsen und H e s - s e n wird die Ilnterrichtsbesteiung unter der Bedingung gewährt, daß für einen Ersatz der ausfallenden Stunden durch Privatunterricht oder in anderer Weise gesorgt wird. Die süddeutschen Länder geben den Unterricht in der Regel insoweit frei, als dies zur Teilnahme der Schüler am E'ttesdienst erforderlich ist. Thüringen und Oldenburg gewähren Schreibdispense sowie Befreiung von sonstiger manueller Tätigkeit. Auch in den österreichischen und tschechischen Schulen erhallen die jüdischen Rinder keine Unterrichtsbefreiung, ausgenommen an jüdischen Feiertagen. Hingegen ist bestimmt, daß bei der Abfassung der Unterrichtspläne auf das für die jüdischen Rinder geltende religiöse Verbot des Schreibens tunlichst Rücksicht zu nehmen und daß jeder direkte und indirekte Zwang zur Uebertretung dieses Gebotes von Seiten der Schule zu unterlassen ist. Auch in Ungarn wird Unterrichtsbefreiung prinzipiell abgelehnt und nur Schreibdispens zugestanden. Polen macht nur in den Elementarschulen Konzessionen, in den höheren Schulen ist keinerlei Dispens gesetzlich vorgesehen; doch, gelingt es vielfach in Einzelfällen, Dispense durchzusetzen. In Jugos I a v i e n hat das zuständige Ministerium auf die erneute Intervention der jüdischen Instanzen hin eine Verfügung über vollständige Unterrichtsbefreiung in Aussicht gestellt. In der Türkei besuchen nur 2 Proz. der jüdischen Schüler staatliche Schulen, sie müssen ausnahmslos am Sabbat schreiben. Eigentümlich sind die Verhältnisse in der Schweiz. Neben.'Rantonen, die vollständige Unterrichtsbefreiung gewähren, gibt es solche, in deren höheren I Schulen nicht einmal ' Schreibdispens zugestanden wird. In -F r-a-n dr e i ch und I tu l r e n ist formell wenig festgelegt;:-soweit jüdische'Eltern für..ihre Rinder Ausnahmen beantragt haben, haben sich die Schulleitungen entgegenkommend gezeigt. In Elsaß-Lothringen ist wenigstens der Schreibdispens für die Elementarschulen offiziell festgelegt. Hier wird auch eine gewisse Zahl von Schülern für die Zelt des Sabbat-Morgeng'ttesdienstes vom Unterricht dispensiert. In Dänemark gibt das Ministerium Gesuche, jüdischer Eltern auf Befreiung ihrer Rinder vom Schulbesuch am Sabbat dem Oberrabbiner zur Begutachtung weiter, auf dessen Befürwortung der Dispens erteilt wird. Schreibdispens wird ohne weiteres gewährt. Auch Norwegen kennt keine Bestimmungen, die Praris ist loyal. In den öffentlichen Schulen Schweff dens ist eine Dispensation am Sabbat noch nicht erteilt z worden. Wochenkalender. vom 1. - 8. Okt. 1833 / 1.- 8. Tischri 6693 I 'vl' tp 1 nsn Samstag Okt. 1 ntwi 1 X' 'X dl' mvn VX"> Sonntag 2 2 2' dt> nawn VX1 Montag 3 3 . a» rpV-u cis Dienstag 4 4 i' Mittwoch 5 5 iv Donnerstag 6 6 w Freitag 7 7 7’ Samstag 8 8 N' mw oav irrx.T