Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1932-09-29 · Heft 40 (29.9.1932) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 40 (29.9.1932)
Date
1932-09-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450704-2450743--79097-2536841
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

29. September 1932 D ei 3sifldit Nr. 40 Seite 3 Wir haben erkannt, wie vergänglich alles Gebilde der Menschenhand ist. Darum wollen wir nicht mehr unsere Tüchtigkeit und unsere Weisheit bauen tjiuS wollen nicht mehr die Forderungen der g'ttlichen Gebote, sei es des Sabbats, sei es der Menschenliebe, mit den Maßen unseres Vorteils messen, nicht mehr kit Geschäftsgedanken über die Sabbatruhe, nicht mehr den klugen Rützlichkellssinn über die Herzensgiire auch nur im Geiste siegen lassen, auch nur den 0icg der Hoffnungslosigkeit davontmgen lassen. In diesen Zeiten der Rot erzieht uns G'ttes alliebende Vaterhand mit verstärkter Macht zur Umkehr. „Groß Hst die Umkehr, denn sie stellt uns an d'e n g'ttlichen Chrenthron selber?' Am Iabbok blieb Stammvater Jakob zu nächtlicher Stunde allein, von allen Mächten der Erde verlassen, findet Israel seither seinen Weg durch die Völker allein. Und damit ist es G'ttes Gefährte. Denn auch von G'tt spricht Iesaja^(2, 11): G'tt bleibt mächtig. Er allein an jenem Tage. An jenem Tage aber wird G'tt als Linziger anerkannt sein und Sein Uame als Einziger. Wochenrundschau. Zum Geburtstag Hindenburgs. Am Tage, da wir dieses Jahr mit Bittgesang und Schofarklang G'tt als „unserem Vater und König" huldigen, feiert Deutschland den SS. Geburtstag seines ehrwürdigen Reichspräsidenten. Deutschlands Juden werden an diesem Tage in ihren G'tteshäusern in die Reihe der Weihegebete ein stilles Gebet für ein weiteres langes Leben Hindenburgs bei ungetrübter Gesundheit und ungeschwächter Kraft einschalten. Man darf in diesem Zusammenhänge nicht von dem üblichen „heiteren Lebensabend" sprechen. Hindenburg ist kein Alters Präsident. Der Lenker der Geschicke, der ihm dieses Alter geschenkt, hat seinem Älter auch die Frische gegeben, an der Spitze eines großen Reiches aufrecht zu stehen, und die Kraft, mh offenem Auge und sicherer Hand, mit klugem Sinne und starkem Willen das Staatsschiff durch alle Brandungen des politischen und Parteilebens zu steuern. Möge er Deutschland zu dem Ziele führen, das wir alle ersehnen, und das wir in unseren Festgebeten als Etappe zum letzten Ziele der Gesamtauch jüdisches Hoffen. Der Trostspruch, der an sie ergeht, Hingt fort durch alle Zeiten und Geschlechter und ist die leuchtende Inschrift auf dem Wegweiser zu unserem Zukunftszielc. a’ix fix» iavi n dio “iss? v', „Es gibt einen Lohn für dein Wirken spricht G'tt/ sie kehren zurück aus Feindesland, nipn v'i obiaab man iavi "i vru, Und noch gibt es Hoffnung für deine Zukunft, spricht G'tt, als Rinder kehren sie zurück in ihr Gebiet." Vom Strahl der E'tteserkeuntnis erleuchtet und geadelt und veredelt, befehden die.Menschen nicht mehr Israels Rinder, das ist der Sieg des G'ttlichen auf Erden. Dieser Sieg des Judentums, der von Israels treuem Wirken zeugt, wird gekrönt durch 'Israels vollendete Heimkehr zu G'tt und zu seiner Thora, nach Zion und der heiligen E'ttesstätte. Wann unser Hoffen sich verwirklicht, wer kann es künden? Wo aber unsere Geschichte und Vergangenheit so deutliche Spuren der besonderen Liebe G'ttes zu Israel aufweist, da geziemt es für uns, daß wir stark bleiben und standhaft in unserm Glauben, in unserm Lehren und Hoffen, daß wir uns würdig erweisen jener edlen Frauen, die wir als Mütter unseres Volkes verehren, deren Zuspruch fortklingen möge, uns weihend und läuterndwVnia nw wnnrr ayi mwn vom Anfang des Jahres bis zu seinem Ende. Dann wird das neue Jahr, wie wir es erhoffen und ersehnen, ein n?inr na®, ein Jahr der Erlösung von Lummer und Druck, ein Jahr der Erhebung und Veredlung, ein Jahr, das uns und durch Israel die ganze Menschheit dem Endziele der Wellvervollkommnung und Welterlösung näher bringt. Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton S. Schachnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate i. SS.: S. Schach-!k.o witz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L Kaufmann, in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag oes Israelit und Hcrmon G. m. b. H., Frankfurt a. M. — Druck Hermon Druckerei, Frankfurt a. M. Menschheit erhoffen: Friede den Menschen, geeint durch G'tteshuldigung. Für das Wohl dieses Reichsoberhauptes zu beten, ist uns in diesem Falle nicht allein Gebot des Religionsgesetzes im Sinne des bw nai^n ^ana ’in sondern auch Gebot der Dankbarkeit, inneres Herzensbedürfnis. Wir deutschen Juden haben in kritischer Zeit, in einer ripspb ms nü'imc sie die westliche Iudenheit seit dem Mittelalter nicht mehr erlebt hat, Hindenburg vieles zu danken. Gewählt zum ersten Male unter Auspizien, die wenig glückverheißend schienen, bewährte sich der alte General, der Held von Tannenberg, in seiner ersten Amtsperiode als Hort des Rechtes, als unerschütterliche Mauer, von der alle Anstürme gegen Gesetz und Verfassung zurückprallten, als kraftvoller treuer Beschützer auch des vielfach bedrohten jüdischen Rechtes. Das geschah in solchem Maße, daß nach Ablauf seiner ersten Amtszeit seine Wiederwahl zu einer Ehrensache und Lebensfrage der Demokratie, die ihn früher bekämpfte, zum innigsten Wunsche aller, die zu Recht u n d v e r f a s s u n g , Ruhe und Ordnung stehen, wurde, psalmgebete, die im Auslande und auch an der Westmauer in Palästina für seine Wiederwahl ertönten, zeugten in ergreifendster Weise vor G'tt für den Mann, der als braver Soldat in schwerer Zeit auf seinem Posten ausharrte und mit eiserner Kraft, bei allem Schlimmen noch Schlimmeres verhütete. Fast wollte cs scheinen, als sollte zu Beginn seiner zweiten Amtsperioöe mit dem Sturze Brünings eine Kursänderung eintreten. Wer so dachte, verkannte den eisenfesten Charakter Hindenburgs. Und als es dem „Alten" vor kurzem gelang, allen Anstürmen der nationalistischen Machtgier sein „Rein, nimmer!" entgegenzusetzen, und er damit zeigte, daß die Einsetzung der Präsidialregierung für ihn nur ein Mittel zur politischen und wirtschaftlichen Sanierung, nicht aber ein Abrücken vom alten Kurs des Rechtes und der Verfassung bedeutete, war das vertrauen zu ihm vollends wieder hergestellt. Wir haben uns in Hindenburg nicht getäuscht. vor kurzem spielte in einer hemmungslosen Rede von erschreckender Offenheit der Führer der nationalsozialistischen Bewegung seine eigene Jugend gegen das Greisenalter seines 'Gegners im Reichspräsidium aus. Richts deckt so sehr die Kluft zwischen der Weltanschauung des Judentums und der seiner Gegner aus, wie jene taktlose Bemerkung, wo es gilt, mit geistigen Waffen zu herrschen und zu kämpfen, da ist Greisenalter keine Schwäche, sondern ein Aktivum, eine Kraftquelle, naan twwn* Möge eine höhere Wallung an dem Tage, von dem wir betend sagen: -laa' w mnan dein jugendlichen Greis die Kraft geben, sein Volk zu Frieden und Wohlfahrt Kleines Feuilleton. Erklärung des rnsoiri m ro mzsm «mn: •"]wn nrr uns?1? Der wunderschönen Erklärungfolgend „wenn der Ankläger merkt, wie innig Israel die mar» liebt, mutz er verstummen" ist es leicht, auch das sonst schwer begreifliche wvoin zur Stelle mundgerecht zu machen. Es sei gestattet, den Ausspruch des in i"v,n-3 vorauszuschicken: •'man qni>a um y*in nar um zvv um» Causa essiciens die Sünde! Wem es gelingt, den bösen Trieb zu bezwingen, der steht ohne Sünde da. Wenn die ernsten avivRlänge uns zum ersten Mal aufrütteln, so wachen die Schläfer auf und gehen mit sich selbst zu Gericht. „Wie erhebe deine Stimme und sage meinem Volke seine Fehler und dein Hause Jakob seine Sünden!" Wenn der Ankläger so zum ersten Mal die iviv'Töne hört, so erschrickt er, denn der Grund seiner Anklage weicht, bu^v" tut miwv Der Ankläger kennt uns jedoch und weitz nur allzu gut, datz es nicht lange währet bis die Sünde sich wieder hervorwagt und so gewinnt der Ankläger wieder seine Fassung. Wenn aber zum zweiten Male der heilige ivir?-Ton in Ohr und Herz hineintönt, dann schrecken wir aus unseren Selbsttäuschungen und Illusionen auf, in die wir uns gewiegt hatten und tun ganz ernstlich nawn. Der Ankläger aber verliert dadurch völlig die Fassung und wagt keine haltlosen Anklagen vorzubringen. Er glaubt und wir hoffen es mit ihm, datz dies die Zeit des i-in isieo ypmn rmm'V sei. Ist aber die Zeit gekommen, datz die Sünden von Weit über 1000 schreibfertige FÜLLFEDERHALTER mit 14 Karat Goldfeder ab RM. 2.50 zur Auswahl Hausmarken Ceka u. Juwel, sowie die bek. Markenhalter £"*> n Bai Bf fl BDDB7I KAISERSTRASSE 75 Schreibwaren jeder Art ZU leiten, möge er es noch erleben, daß „alle Bosheit wie Rauch verschwinde" und sich die Menschen alle von der Ehrfurcht vor G'tt erfaßt, in die große Gemeinschaft derer oinreihen, die „sich u m d e n Willen G'ttes sammeln." Jüdische Geschäfte — judenrein. In letzterer Zeit gelangen viele Beschwerden an uns über Ausschluß jüdischen Personals und Mchtberücksichtigung von Bewerbungen jüdischer sabbathallender SteUungsuchenden von Seiten auch gesetzestreuer jüdischer Geschäftsinhaber. Es soll sogar Geschäfte geben, die unter rabbinischer Aufsicht ihre Ware nur an jüdische religiöse Kundschaft absetzen und dennoch in ihrem Betriebe j u d e n r e i n sind. Die letzte Korrespondenz über diesen Gegenstand führten wir mit einer Beschwerdestelle und einem Betriebe in Wien. Was aber in Wien zu klagen Anlaß gibt, gilt in gleichem Maße auch in Deutschland und überall. Und es liegt darin eine Ungerechtigkeit, eine Lieblosigkeit, ja ein Mangel an Selbstachtung, gegen die die Öffentlichkeit, die Kundschaft und besonders, soweit es sich um unter Aufsicht stehende Betriebe handelt, die zuständigen Rabbiner mit mehr Energie vorgehen sollten, als es bisher der Fall war. In dem konkreten Wiener Fall, der dieser unserer Betrachtung zugrunde liegt, hat das Eingreifen der berufenen Instanzen zu einer wesentlichen Besserung, zur Abstellung der schlimmsten Uebel geführt. Sollte es nicht auch anderswo möglich fein, durch ein rechtes Wort am rechten Platz einen 2lusgleich zugunsten der doppelt und dreifach unter der Rot der Zeit leidenden sabbathaltenden Angestellten herbcizuführen? Es ist betrübend und tief beschämend, wenn in einem am Sabbat geschlossenen Geschäfte bei gutem Lohne Angestellte beschäftigt werden, die den Sabbat nicht kennen, die als Richtjuöen von anderer Seite nicht boykottiert werden, denen mithin die ganze Welt, d. b. der ganze Wirtschaftsapparat offen steht; während zur gleichen Zeit ebenso fähige und zuverlässige Menschen, die den Sabbat heiligen, als Juden von den nichtjüdischen Firmen ausgeschlossen werden und durch ihre Gebundenheit an das Religionsgesetz in der Wahl der Branche und in der Anstellungsmöglichkeit gehemmt sind, ohne 2lrbeit und Erwerb dein Elende verfallen, wovon oft genug das Schicksal einer gander Erde geschwunden sind, wyvii pinn za wxvn i»n dt>n ny/ so ist damit auch der Tod geschwunden, denn nur weil die Sünde da war, kam der Tod p« ■>»« a*i *i»x (m ">3i rran trn mwinn vom wai rrvn sVa nwa Das ist die Zeit von der Jesajas rra spricht: nas^ man y^a. Dr. M. Ascher-Ber. (Das jüdische Museum in Worms). Worms am Rhein ist nicht nur die Nibelungen-, Dom- und Luther-Stadt, es birgt in seinen Mauern auch den ältesten israelitischen Friedhof Deutschlands und die ehrwürdige, 900 jährige Synagoge, das älteste jüdische E'tteshaus auf deutschem Boden. Vor dem gotischen Frauenbau der Synagoge wurde um 1625 eine Vorhalle erbaut, in deren Obergeschoß der Ratsaal der jüdischen Gemeinde eingerichtet wurde. Dieser altertümliche Natssaal hat die kunst- und kulturgeschichtlich wertvollen Sammlungen der jüdischen Gemeinde, die von I. Riefer neugeordnet wurden, ausgenommen. Es ist die Eigenart dieses Museums, datz alle Gegenstände zur Wormser Iudengemeinde irgendwelche Beziehungen haben oder aus ihrer Mitte hcroorgcgnngcn sind. Zur Geschichte der Juden am Rhein bietet die Sammlung sehr viel wertvolles Material. Glanzstücke des Museums sind die beiden Machsorim (Gebetbücher von 1272) mit den ganzseitigen romanischen Miniaturmalereien. Rostbare Zeugen jüdischer Buchmalerei sind die Thorarollen aus sechs Jahrhunderten. Thvravorhünge aus der Zeit um 1700 — herrliche Erzeugnisse rheinischer Tertilfabrikation — zeigen auf dunklem Samtgrund kostbare Stickereien in Gold und Silber. Die reiche Sammlung kultischen Silbergeräts zeigt, datz auch im einstigen Ghetto künstlerische Tradition eine Pflegestätte hatte. (Aus der Vergangenheit Aschaffenburgs). Bei der Feier der Amtseinführung des neuen Rabbiners in Aschaffenburg, Dr. Fritz Bloch, hielt u. a. der Präsident des Verbandes bayerischer israelitischer Ge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.