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Der Israelit · 1932-09-22 · Heft 39 (22.9.1932) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 39 (22.9.1932)
Date
1932-09-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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22. September 1932 Nr. 39 Seite 9 D e r I s raelrt Eine Massendemonstration für den Sabbat in Tel-Awiw. Tel - Awiw, 14. Sept., ' Das fromme Tel-Awiw, die Massen im Hintergründe, regen sich. Am Sonntag abend hatte die Jrija (Stadtverwaltung) die Sabbatfrage aus der Tagesordnung. Zur gleichen Zeit hatte aber der Schomre Schabbath- Berein eine Massenversammlung einberufen, die wegen der starken Beteiligung unter freiem Himmel stattfinden mußte. Alle Kreise und Schichten der Bevölkerung waren vertreten. Erschütternde Bilder entwarfen die Redner von den öffentlichen Sabbatentweihungen besonders am Strande. Auch sonst steht es beim Strandleben mit der Sitte und jüdischen Schamhaftigkeit nicht am besten. Der Autoverkehr ist am Sabbat fast ungestört, es fahren die Milchwagen und verteilen die Milch wie am Wochentage. Viele Friseure schließen ihre Läden überhaupt nicht und in den' Cafe- Häusern ist der Sabbat ein europäischer Sonntag. Die Zustände reißen immer tiefer ein und das Schlimmste steht zu befürchten, wenn nicht rechtzeitig das öffentliche jüdische Gewissen dagegen mobil gemacht wird. ‘ Nach der Versammlung formierte sich ein tausendköpfiger Demonstrationszug, der den Weg nach der Jrija nahm. „Genug der Worte, wir wollen Taten sehen! Gebt uns den Schabbat wieder!" hörte man rufen. Die Menge drohte, das Rathaus zu stürmen, doch gelang. es. den Besonnenen, Ruhe zu schaffen und eine Delegation von fünf Mitgliedern zu bilden, die von Herrn R o - k e a ch, dem Vizebürgermeister, empfangen wurde. Dieser nahm die Wünsche der Massenversammlung entgegen und teilte der Delegation mit, daß das S ch a b b a t g e - f e tz vom Rat bereits genehmigt fei und der Regierung zur Bestätigung vorttege. Rach diesem Gesetz würde es keine Möglichkeit mehr für einen Autoverkehr und ein Offenhalten der Läden am Sabbat geben. Die Menge draußen gab sich mit dem von der Delegation überbrachten Bescheid nicht zufrieden. Es wurde, aus allen Schulen und Bethäusern eine lieber* wachungskommission von 600 Mann gebildet, die, auf die verschiedenen Stadtviertel verteilt, den Sabbatschutz bis zur Schaffung genügender Garantien selber in die Hand zu nehmen gewillt ist. K f a r Saba, 14. Sept. Das landwirtschaftliche Komitee in Kfar Saba veröffentlicht einen Erlaß an alle Bewohner des Dorfes und der Umgebung, in dem mit Hinblick auf die zunehmenden krassen Fälle von Sabbatentweihungen in letzterer Zeit alle Mitglieder verpflichtet werden, nur mit denjenigen in geschäftliche Beziehungen zu treten, die den Sabbat hatten. Dieser Erlaß ist die Frucht von Verhandlungen in einer öffentlichen Versammlung, die Ende Aw dieses Jahres stattgefunden hat.' Es ist hocherfreulich, wie sich im ganzen Lande zur Zeit das jüdische Gewissen für den Sabbat und gegen seine Schänder regt, wenn auch auf der anderen Seite betrübend wirkt, daß irtjt; heiligen Lande solche Aktionen überhaupt erst nötig sind. Sind sie aber einmal nötig, so darf man in den Maßnahmen non Tel-Awiw-- und Kfar Saba so etwas wie ein Erwachen erblicken. Argentinien. . Antisemitis^e Ausschreitungen in Argentinien. - Buenos Aires, 2. Sept. In den letzten Tagen ist es mehrfach zu Ueberfällen auf jüdische Passanten und Angriffen auf jüdische Stadtviertel 'gekommen. Donnerstag abends wurde dis Redaktion «'der linksgerichteten 'Wochenschrift „Liberdad" überfallen und die Einrichtung demoliert. Im Anschluß daran kam es zu Ueberfällen in den jüdischen Stadtvierteln B ä r a c o s und Boca. Am Freitag wurden etwa 100 Juden einzeln überfallen und mißhandelt. Die Polizei war gegen die Ausschreitungen machtlos. Es mußte abends militärische Verstärkung zur Unterdrückung der Unruhen herangezogen werden. Faschistische Gruppen drangen auch in - einzelne Kino-Theater in den jüdischen Vierteln ein und mißhandelten die Zuschauer. In der argentinischen Deputiertenkammer haben die sozialistischen Abgeordneten eine Interpellation wegen dieser Ausschreitungen eingebracht, in der darauf'hingewiesen wird, daß die faschistischen Terrorakte der letzten Tage in der jüdischen Bevölkerung lebhafte Beunruhigung und Furcht vor Pogromen ausgelöst haben. Eine, jüdische Delegation hat im Innenministerium vorgesprochen und Maßnahmen der Regierung gegen die ständige Bedrohung der jüdischen Bevölkerung verlangt. Der Innenminister gab der Delegation gegenüber die Versicherung ab, die Polizei werde weitere Ausschreitungen mit allen Mitteln unterdrücken. Eine ähnliche Erklärung wurde vom stellvertretenden Innenminister in der Kammer abgegeben. 4-Jd V Verlag des Israelit u. Hermen G. m. b. H. In unserem Verlag erschienen soeben : Die drei großen Propheten Jesajas, Jirmija und Jecheskel Von Oberrabbiner Dr. Josef Carlebach in Altona 133 Seiten in steifer Broschur RM. 3.— in gediegenem Leinwandband RM.. -4.— Zwischen Ruinen und Aufbau in Erez Jisroel Eindrücke einer Erez Jisroel-Reise mit der Palästine-Centrale der Agudas Jisroel von S- Schachnowitz 77 Seiten, steif broschiert, RM. 0.50 Die sexuelle Not in jüdischer Schau Von Dr, med. Jacob Levy 82 Seiten, steif broschiert, RM. 0.50 Lebenskampf und Weltanschauung Eine Erkenntnis und Aufrüttelung von Ojberrabbiner Dr.. Altmann. . 29’!Seiten,’1 steif broschiert, RM. 0.50 1 Zu beziehen durch alle besseren Buchhandlungen, sowie auch direkt vom Verlag gegen Überweisung der Beträge auf Postscheckkonto Frankfurt ,a. M. Nr. 19802. Porto innerhalb Deutschlands für die Propheten RM. 030 für die kleinen Broschüren RM. 0.10, für.alle drei kleinen Broschüren zusammen RM. 0.15. Afrika. Frauenwahlrecht in Südafrika abgelehnt. Iohannisburg, 19. Sept. Die Generalversammlung des Synagogenrats, der Per einigten jüdischen Gemeinden Südafrikas hat mit 34 gegen 34 Stimmen, also mit Stimmengleichheit, den Vorschlag, den Frau e n Wa h lr e ch t Zu den Körperschaften der jüdischen Gemeinde zu geben, a b g e l e h n t. Der Antrag wird in der Jahrestagung der Synagogenvereinigung noch einmal zur Abstimmung gestellt werden, und es ist zu erwarten, daß sich dort eine größere Mehrheit gegen ihn ausspricht. Vermischtes. '' ‘ ' Berlin, 20. Sept. Das G e fä l l e n e n g e d e n k -- b u.ch>des Reich s b u nd e s jüdifcher Frontsoldaten gelangt" iyi Oktober ds. Js. zur Ausgabe. Es enthält auf 430 Seiten die Namen der jüdischen Gefallenen des Weltkrieges in einem alphabetischen Namens- und Ortsverzeichnis mit näheren Angaben über jeden Einzelnen. Der Preis des Buches, in ganz Leinen gebunden, beträgt Mk. 4.—. Bestellungen nehmen die Ortsgruppen des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten oder die Bundes-Geschäftsstelle Berlin W. 15, Kurfürstendamm 200, entgegen, Postscheckkonto Nr. 70 885. Berlin, 18. Sept. Der Stellennachweis des B. I. A. (Rechtsanwalt Dr. Artur Katz, Berlin C 2, Neue Promenade 3) weist auf eine günstige Niederlassungsmöglichkeit für einen Baryngologen in einem bekannten westdeutschen Badeort hin. Das Amt ist auch für Mitteilungen ähnlicher Fälle stets dankbar. — Ein Arzt sucht eine Medizinalpraktikantenstelle an einem Krankenhaus, ein Zahnarzt eine Assistentenstelle. Ferner wird von Lehrern, insbesondere Religionslehrern, Anstellung gesucht; auch Privatunterricht ist erwünscht. Berlin, 21. Sept. Der Frauenoerein der Berliner Logen U. O. B. B. hat, der augenblicklichen Not der Zeit folgend, im Mütter- und Kinder-Heim ein Stockwerk als Altersheim unter dem Namen „Minna Schwarz-Heim" eröffnet. Diese Umänderung geschah einerseits aus dem Bedürfnis heraus, ältere Leute in einem Heim unterzubringen, andererseits aus der Erkenntnis, daß infolge des Geburtenrückgangs auf die Dauer mit einer geringeren Belegung des Mütter- und Kinder-Heims zu rechnen ist. Berlin, 21. Sept.Die Chewra Kadischa Groß- Berlin, deren erste Gründung in das Jahr 1672 fällt, die ihre offizielle Tätigkeit jedoch 50 Jahre hindurch unterbrechen mußte, tritt in ihrer erneuerten Organisation — die Neubegründung erfolgte am 20. Oktober 1912 — in das dritte Jahrzehnt ein. Mit der Erneuerung der Organisation erfolgte auch eine Erweiterung ihres Arbeitsgebietes. Ursprünglich als eine nur konservative Kreise umfassende und nur für diese tätig sein sollende Organisation gedacht, hat die Chewra Kadischa sich in den letzten Jahren derartig entwickelt, daß sie gegenwärtig die Berliner Juden aller religiösen Richtungen und politischen Parteien für ihr höchstes Ideal, für werktätige Nächftenlieüe, eint. Die Chewra Kadischa.ist an der Größe und Vielseitigkeit ihrer segensreichen Arbeitsleistung gewachsen und hat bei der Gesamtheit Hochachtung und Anerkennung gefunden. Getreu ihren Richtlinien arbeitet die Chewra Kadischa innerhalb der Gemeinde und ist bei voller Wahrung ihrer Selbständigkeit bemüht, als ein der Gemeinde sich einordnendes Glied, im Einvernehmen mit ihr, zum Wähle der Armen und Bedürftigen zu wirken. Zum Chewra-Gedanken haben sich in den letzten Jahren führende Persönlichkeiten, Männer und Frauen von hohem geistigen Format, von Rang und Namen, freudig bekannt. Zu dem Aufschwung der Chewra Kadischa Groß-Berlin, der Erweiterung ihres Arbeitsfeldes und ihrer wachsenden Geltung im religiösen und sozialen Leben der Berliner Juden hat der gegenwärtige Direktor der Chewra, Rabbiner Dr. Link, sehr viel beigetragen. Straubing. 18. Sept. Am asn-'s na» feierte die hiesige Gemeinde die 25. Wiederkehr des Tages der Einweihung der im Jahre 1907 erbauten Synagoge. Aus diesem Anlaß hielt Herr Bezirksrabbiner Dr. Weinberg, Regensburg, eine alle Zuhörer fesselnde Festpredigt, in der er u. a. den Opsersinn der Männer hervorhob, die den herrlichen Bau, ein wahresvvvvax-». ermöglicht haben. Ein besonderes Gedenken widmete er dem s. Zt. amtierenden Distriktsrabbiner ,, Pr.., G e l i g m a n n Meyer — Eine gemütliche Familienunterhaltung, in der Herr Rabbiner Dr.^ M. Hildesheimer, Berlin, der zufällig anwesend war, herzerquickende riiin-Worte an die Versammelten richtete, beschloß die Feier. Montreux, 19. Sept. Vor kurzem weilte der Frankfurter Raw, Herr Rabbiner Josef Horovitz aus Frankfurt a. M., in Montreux, um die Jefchiwoh zu besichtigen. Bor den versammelten Bachurim im.großen Hörsaale begrüßte der Leiter der Jefchiwoh den Herrn Rabbiner. Darauf hielt der Gast' eine geistreiche Rede, in der er mit feurigen Worten die Aufgaben der jüdischen Jugend besprach. Unter Hinweis auf die speziellen Montreurer Leistungen und Aufgaben, wie die hingebungsvolle Aufopferung des Rektors der Jefchiwoh, verlieh der Frankfurter Raw die Jefchiwoh, mit dem Versprechen, sie in kurzer Zeit wieder zu besuchen. Diesen Donnerstag verließ Herr.Rabbiner Dr. Mich a l s k i aus Karlsruhe bie. Jefchiwoh, in der er Gemoroschiurim für die französischen Akademiker sowie Tnach und Mussarschiurim für die ganze Jefchiwoh leitete, die bei allen Teilnehmern großen Beifall fanden. Mit besonderem Danke gedenken wir auch an dieser Stelle seiner freundlichen Hingabe zur Jefchiwoh. Herr Rabbiner Michalski hat an den zuständigen Stellen angeregt, daß von Zeit zu Zeit Akademiker-Kurse und Vereinstagungen in Montreux abgehalten werden sollen, für die die Jefchiwoh dann extra Schiurim und Ferienkurse einrichten wird. Unter den vielen Gästen, die in den letzten Wochen bei uns weilten, möchten wir vor allem die Herren Professor Dr. Hamburger aus Utrecht und Rabbiner Covar aus Denver (Kolorado) erwähnen. Herr Prof. '! -J<

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