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Der Israelit · 1932-09-22 · Heft 39 (22.9.1932) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 39 (22.9.1932)
Date
1932-09-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 39 Der Isra e l i t 22. September 1932 müssen auch Sie betreiben XJ. HEINRICH, Elektrotechnik Hanauerlamfstraße 38 Telefon 26382 eins der scheußlichsten Verbrechen gesühnt werden soll, erregt in ganz Deutschland größtes Interesse. In unterrichteten Kreisen unserer Bewegung nimmt man an, daß es sich um einen R i tu a l mo rd (vom „Angriff" fett gedruckt) handelt,- Pg. Holz, Schriftleiter des „Stürmer", nimmt daher als Beobachter an dem Prozeß teil." Schon jetzt fordert die nationalsozialistische Presse mit aller Dringlichkeit, daß „der Jude zum Tode verurteilt und schleunigst hingerichtet werde", die gleiche Presse, die die Mörder von Potempa in brüderlichen Schutz nahm. Können die Behörden es ruhig zulassen, daß ein „Fall Meyer" zu einem „jüdischen Fall" und zum Anlaß gemacht wird, die Leidenschaften des betrogenen Volkes gegen die Juden zu entfesseln? * * * Paderborn, 18. Sept. Das Schwurgericht in Paderborn verurteilte heute Kurt Meyer wegen Totschlages an der Martha Caspar zu 15 Jahren Zuchthaus. Meyer hat im Verlauf des Prozesses eingestanden, daß er die Caspar während eines Streites ohne Mordabsicht getötet hat. — Der Prozeß wurde außerordentlich objektiv geführt; weder Richter noch Zeugen machten irgendeine Andeutung dahin, als hätten sie sich im Zusammenhang mit der Tat des übelbeleumdeten und dem Judentum vollkommen entfremdeten Meyer von der nationalsozialistischen Ritualmordhetze beeinflussen lassen. Polen. Eine agudrstische tzachschara-Rolonie. Warschau, 14. Sept. Die neue Welle der Palästinaliebe in Polen hat zur Gründung einer Hachscharakolonie in Korse geführt, die sich glänzend entwickelt. Die Idee ging seinerzeit von einem Jugendkreis aus, der in M l a w a seine Konferenz abhielt. Man nannte die jungen „Revolutionäre" die „Mlawer" und sah ein wenig auf sie herab^ Seit der letzten Palästinareise des Gerer Rebben und seitdem Rabbi I. M. Lewin voller Begeisterung für Crez Israel nach Hause gekommen ist, wehte ein anderer Wind. Das Lehrgut trägt den Namen von Rabbi Clije Kirschbraun Es ist zu hoffen, daß die orthodoxe Chaluzimbewegung in Polen weitere Fortschritte macht und den vielen den Weg nach dem Lande ihrer Träume ebnet. England.; Die Juden in Aden fordern Entschädigung von England. ~ London, 19. Sept. In London weilt gegenwärtig der Vorsitzende des jüdischen Verbandes in Aden, Ven-Tow Messa, um bei der englischen Regierung wegen Entschädigung der Juden, die bei dem letzten Pogrom in Aden viel Schaden erlitten haben, zu intervenieren. Dem JTA- Vertreter erzählte Messa, in Aden herrsche Furcht vor weiteren Unruhen, und auch die Zehntausende Juden in den benachbarten Ländern fühlen sich ihres Lebens nicht sicher. Die letzten Unruhen trugen den Charakter einer systematisch vorbereiteten Revolte. Die aus Moslems bestehende Polizei schritt erst ein, als auch die nichtjüdische Bevölkerung bedroht war. Die Zensur in Aden hält Depeschen, deren Absendung ihr nicht genehm ist, zurück, so daß bei etwa neu ausbrechenden Unruhen die Juden wiederum von der übrigen Welt abgeschnitten sein würden. Die Untersuchung im Zusammenhang mit den Unruhen wird parteiisch geführt, jüdische Zeugen werden nicht gehört. Juden erhalten in Aden keine Staatsanstellungen, obwohl sie am meisten zu den Steuern beitragen. Messa beendete das Gespräch mit einem Appell an die Juden im Auslande, ihren Brüdern in Aden, deren Lage beunruhigend ist, zu Hilfe zu kommen. Die Woche. Berin. Hitler wie Göbbels behaupteten in Vorträgen und in der Presse, Reichskanzler Papen hätte vor dem Empfang Hitlers durch den Reichspräsidenten, der zum Abbruch seiner Beziehungen zur Reichsregierung geführt hat, mit dem bekannten jüdischen Bankier Jakob E o l d s ch m i d t verhandelt. Es wird nun amtlich bekanntgegeben, daß der Reichskanzler niemals mit Jakob Goldfchmidt oder sonstigen jüdischen Finanzmännern sein Wirtschaftprogramm besprochen hat. — In einem neuen Vorstoß der nationalsozialistischen Fraktion, in der Form einer „Kleinen Anfrage" an den Landtag, ebenso in einer Eingabe an die Preußische Staatsregierung, wird gefordert, daß Juden nicht zu Beamten ernannt und alle bisherigen jüdischen Beamten aus der Verwaltung entfernt werden. — Es erregte Aufsehen, daß ein S.-A.-Mann, der in der Nacht gum 26. August einen jüdischen Friseurlehrling mit dem Messer schwer bedrohte, und nur durch Eingreifen der Polizei im letzten Moment an der Ausführung seines Vorhabens verhindert wurde, vor dem Schnellgericht mit einer Gefängnisstrafe von nur fünf Monaten davonkam. — Das fünfte Altersheim der Berliner Gemeinde wurde in Cöpenik eröffnet. Damit erreicht die Zahl der Insassen der, Gemeindeheime für Alte und Sieche 700. — Fünf Nationalsozialisten, von denen einer in führender Stellung bei der SA. tätig ist, konnte die Teilnehmerschaft am Attentate in Groß Gaglow nachgewiesen werden; sie wurden verhaftet, einige von ihnen legten bereits ein volles Geständnis ab. Bekanntlich hat der nationalsozialistische Fraktionssührer Kube im Preußischen Landtag seiner Entrüstung darüber Ausdruck gegeben, daß man Nationalsozialisten der Täterschaft verdächtigt. — Am 17. September wurde im Lehrervereinshaus zu Berlin die erste Hebräische Jugendtagung eröffnet. Es nahmen an der Konferenz 65 Delegierte von zehn Jugendbünden aus 18 Städten teil. Dessau. In Anhalt beginnt der Wahlkampf mit einem judenfeindlichen S ch u l e r l a ß , der den Zweck hat, die „Pflege des völkischen Gedankens" in der Schule in der, Weise durchzuführen, daß der Lehrkörper von'Juden und Angehörigen republikanischer Parteien ganz gesäubert wird. Wien. Der frühere Polizeipräsident Dr. Weiß und Gattin mußten Eemunden in Oberösterreich, wo sie sich zur Erholung aufhielten, wegen fortwährender unerträglicher antisemitischer Belästigung verlassen. Prag. In Teplitz- Schönau fanden antisemitische Exzesse statt, bei denen mehrere Juden bedroht und mißhandelt wurden. In der Stadt gibt es eine Zentrale deutscher Nationalsozialisten. Riga. Im Anschluß an einen Fußballmätch des „Hakoah" kam es zu Schlägerein mit nichtjüdischen Sportlern, die sich in der Folge zu regelrechten antisemitischen Ausschreitungen .in,den Straßen auswuchsen. Etwas fpäf griff dje .Pölizei ein und stellte in wenigen Minuten die Ruhe her. Amsterdam. In Utrechtwurde eine^Gesellschaft jüdischer Akademiker in Holland mit dem Programme des ^„Bundes jüdischer Akademiker" in Deutschland ^gebildet. Der Zusammenschluß der orthodoxen Akademiker wird allgemein im Land mit Freuden begrüßt. Moskau. 35 palästinensische Juden, 21 Männer, 5 Frauen und 9 Kinder, passierten Moskau auf dem Wege nach Viro-Bidschan. Es sind gelernte Arbeiter, wie z. B.. Traktorführer, Chauffeure, Bauarbeiter und Wasser-Installatoren. „Ozet" teilt mit, daß am 8. September eine dritte Gruppe Palästina-Juden Palästina verlassen, um sich nach Biro-Bidschan zu begeben. Madrid. Die spanische Negierung hat 10 000 Pesetas zür Restaurierung der vor einiger Zeit neu entdeckten aus dem Mittelalter stammenden Synagoge iü'Cordova bewilligt. Bekanntlich hat das -spanische Parlament beschlossen, die Synagoge den Inden zurückzugeben. Der. Ausschuß für antike Kunst hat - gegen den Beschluß Einspruch erhoben und durchgesetzt, daß die Synagoge als kulturhistorisches Denkmal unter seinen Schutz gestellt werde. Haifa. Der jüdische Wächter Jacob Leviwurde am frühen Morgen des 14'. September in der Nähe von Haifa ermordet aufgefunden. Ein Armenier und zwei Araber, die in der Nacht mit Levi in einem arabischen Cafe spielten, wurden als der Mordtat verdächtigt verhaftet. Man nimmt an, daß der Mord auf Streitigkeiten beim Spiel zurückzuführen ist. Palästina. Forderung nach Zollfreiheit für Palästina-(drangen in England. Jerusalem, 14. Sept. Eine von M. S m i l i a n s k i aus Rechowoth geführte Abordnung jüdischer Kolonisten sprach beim High Commissioner, General Sir Arthur Wauchope, vor und ersuchte ihn, bei der englischen Regierung dahin zu intervenieren, daß der lOprozentige Zoll auf Palästina- Orangen in England nur für die Zeit vom 15. Mai bis 30. Oktober, nicht aber für den übrigen Teil des Jahres, wo große Orangenladungen aus Palästina nach England verschickt werden, gelten soll. Im weiteren Verlaus der Unterredung wurden auch Fragen der geplanten neuen Munizipalordnung, des Schutzes der Baumbestände in den jüdischen Kolonien vor Zerstörung durch Nomaden- Beduinen u. a. m. behandelt. Etwas später empfing der High Commissioner eine Abordnung arabischer Orangenzüchter, die hinsichtlich der Aufhebung des Orangenzolls in England die gleiche Bitte wie die jüdische Abordnung vorbrachte. Beiden Abordnungen erklärte der High Commissioner, daß das Colonial Office in London gegenwärtig die Einbeziehung Palästinas in Imperial Preference Scheme erwäge. Sollte diese Einbeziehung Wirklichkeit werden, o werde die Frage der Zollfreiheit für Palästina-Orangen von selbst gelöst sein. Wie vor kurzem bekannt geworden ist, beabsichtigt das Cölonial Office, bis zur Einbeziehung Palästinas in Imperial,Preference Scheme Palästina-Orangen in England in der Zeit von Oktober 1932 bis April 1933 vom Zoll zu befreien. Schomre Schabbos-Landeskonferenz in Palästina. Jerusalem, 15. Sept. Als Frucht der Verhandlungen, die der Präsident des Weltverbandes Schomre Schabbos, Herr Dozent Dr. S.. Grünberg, Berlin, im Frühjahr in Palästina geführb hat und die aus die Schaffung einer Einheitsfront allein an der Sabbatfrage interessierten Kreise gerichtet waren,- tritt am Dienstag, den 20. September, eine Schomre- Schabbos-Landeskonferenz unter Führung der palästinensischen Organisationen „Lemaan Haschabath" und „Mischmeret Haschabath" in Jerusalem zusammen. Alle Rabbiner des Landes, die Vorsteher der Gemeinden und Führer der Organisationen, sowie eine weitere größere Zahl prominenter Persönlichkeiten des palästinensischen. Judentums sind zu dieser Konferenz eingeladen worden und es werden auch Vertreter der Palästina benachbarten Länder erwartet. Die vorgesehenen Referate betreffen u. a. die rechtliche und wirtschaftliche Lage des Sabbat, die Erziehung der Jugend zum Sabbat und die Erweckung der öffentlichen Meinung zum Schutz des Sabbat. Spezielle Beratungen gelten den pielbesprochenen Fragen der sabbatlichen, Sportveranstaltungen unddes Automobilverkehrs. (ITA.). ' Das (reue Pressegesetz in Palästina.? >i: , I e ru s alem, 14. Sept. Etwas spät, aber nicht zu spät, wurde vom-Pressedepartement ein neues P-ress eg esetz vorbereitet, das strenge Maßnahmen - gegen Hetzkampagne in Dtuck und Schrift vorsieht Die Verhetzung eines Teiles der Bevölkerung gegen den anderen zieht ein sofortiges Verbot der Zeitung für alle Dauer nach sich. Verantwortliche Redakteure müssen ein gewisses Maß von Bildung Nachweisen. Die Institution des Sitzredakteurs, hinter dem' die Schuldigen sich der 'Verantwortung entziehen können, wird abgefchafft. In einigem scheint allerdings das Gesetz zu weit zu gehen; so verlangt es sogar von Fachblättern, (auch Zeitschriften für Thorawissenschüst), daß ihre Schriftleiter im Besitze einer abgeschlossenen englischen Gymnasialbildung seien. Einige -Schönheitsfehler werden am Gesetz wohl noch zu beseitigen sein. Im Ganzen könnte man mit dem Gesetz zufrieden sein, obwohl in .Wahrheit beide Teile, Juden wie-Araber, viel an ihm zu mäkeln haben. Allerdings mit einem kleinen Unterschied: Während den jüdischen Zeitungen das Geetz zu mild, erscheint, fühlen sich manche arabische Blätter, da ihnen die Möglichkeit der Hetze, genommen wird, so gut wie brotlos. Auch, paßt ihnen die gewünschte europäische Bildung nicht. Sie lehnen einmütig das Gesetz als „eine Mache der Juden mit Hilfe ihres großen englischen Protektors" ab. 1885

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