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Der Israelit · 1932-09-22 · Heft 39 (22.9.1932) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 39 (22.9.1932)
Date
1932-09-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Leite 6 Nr. 39 Der Israelit 22. September 1932 richtet bat. Dieser hatte sich einige Tage vorher an Israel Hildesheimer mit folgender Anfrage gewandt: Gestern Abend wurde nämlich öffentlich versichert, Euer Ehrwürden selbst hätten einen unw direkt an Herrn Dr. Horovitz empfohlen, auch wurde schon öfters beteuert. das; Sie mit Herrn Dr. Horovitz wieder ausgesöhnt und nun mit seiner Stellung hier einverstanden seien. Die Antwort Israel Hildesheimers lautete: Ihr Geschütztes habe ich erhalten. Es ist nicht wahr, datz ich mich mit dem von Dr. Horovitz zu meinem innigsten Bedauern getanen Schritt ausgesöhnt oöer gar mit seiner Stellung einverstanden erklärt habe. (Die Empfehlung des Schauchet und eine andere indirekte Empfehlung einer non nib'vr-Sache an Dr. Horovitz wird dann ausführlich als Ergebnis ernster Erwägungen als Konflikt zwischen „fiat justitia undnvvnn" entschuldigt). Dann heißt es weiter: Heute ist leider! die Situation unabänderlich, da die Sanktion derselben gegen meine Ueberzeugung von Personen geschehen, deren Frömmigkeit ebensowenig wie ihre talmudische rituelle Kapazität geleugnet werden kann, namentlich von meiner Seite, wo das Votum feit vier Wochen unwiderruflich geworden und für die Anhänger der Sache durch den Nimbus der Verklärung erhöht ist. Aus diesem Schriftstück ergibt sich einerseits die Tatsache, daß Israel Hildesheimer im Gegensatz zu S. B. Bamberger.und Riosche Mainz bei seiner eigenen mit Rabbiner Hirsch übereinstimmenden halachischen Ueberzeugung geblieben ist, es zeigt sich aber andererseits auch die Richtung der persönlichen Erwägungen, die ihn schließlich zur Aussöhnung mit Rabbiner Dr. Marcus Horovitz geführt haben. Ziel und Wege der heutigen Rabbinerausbildung. Von Rabb. Dr. Mofes Auerbach in Berlin. (Fortsetzung.) Seit Begründung unseres Seminares sind nun mehr als 58 Jahre vergangen. Fast zwei ganze Generationen orthodoxer Rabbiner Deutschlands und anderer Länder sind in ihm ausgebildet. Ihr Wirken gehört z. T. bereits der Geschichte an. Rückblickend darf man wohl sagen: Die Erhaltung und Erstarkung des orthodoxen Judentums in Deutschland ist zum großen Teil verdienst der Schüler des Hildesheimer schen Rabbincrsenünares. Rieht alle blieben der Tradition des Meisters treu, aber der weit überwiegende Teil. Auch von ihnen erfüllten nicht alle die Hoffnungen, die man auf die Schüler des Seminares gesetzt hatte. Auf talmudischem und halachischem Gebiet und auch in den anderen jüdisch-wissenschaftlichen Disziplinen erreichten manche nur das Mindestmaß des Geforderten. Aber die allermeisten haben sich oft auf gefährdetstem Posten als Hüter des Judentums, als rnvwA'iviw bewährt. Doch hat sich das kulturelle und gesellschaftliche Leben der Iudenheit, im besonderen der deutschen seit bald sechs Jahrzehnten grundlegend geändert, in den letzten beiden mehr als in den vier früheren. Die Möglichkeit der Synthese zwischen Judentum und Weltkultur zwischen Thorageist und Wissenschaft, die den Gründern unseres Seminares als Axiom galt, wird angcfochten, angefochten von beiden Seiten, den unbedingten 'Anhängern des Thoragcistes und den Anhängern thorafremder Wissenschaft, auch von solchen, die aus verschiedenen Gründen bereit sind, in der Praxis das Thoragesetz im weiten Maße zu respektieren, ohne es aber als von G'tt gegeben anzuerkennen. Beide Gruppen müssen zwangsläufig auch andere Wege der Rabbinerausbildung wünschen. Wenn eine Synthese zwischen Thora und Wissenschaft nicht möglich ist, dann ist für den Thorabejahenden Beschäftigung mit der Wissenschaft, insbesondere die Anwendung wissenschaftlicher Forschungsmethoden auf die Thsradisziplinen ohne inneren Wert, ja sogar gefährlich und kann nur unter dem Zwang der Verhältnisse als üble, bittere Rotwendigkeit geduldet werden. Um der äußeren Form zu genügen, die nun einmal von den meisten Gemeinden gefordert wird, kann irgendein akademisches Studium zugelassen werden. Das einzig innerlich berechtigte Studium ist die Konzentration auf Talmud und Halacha, wie es unter tatsächlichem und bewußtem Ausschluß modern wissenschaftlicher Methoden auf den meisten Ieschiwoth getrieben wird. Das Ideal ist der Rur-Talmudgelehrte, bei etwaiger Konzession der äußeren Form des Akademikers. Dies kann einen wirklichen Abschluß von der außerjüdischen Kulturwelt bedeuten, wie er in den früheren Jahrhunderten in den meisten Ländern bestand, z. T. heute noch in Osteuropa unter katastrophalen Opfern zumindest in quantitativer Hinsicht gerade in den Kreisen der Thoragelehrten heute noch besteht. Wer bereit ist, auf Kosten der großen Masse, eine kleine Zahl Hochwertiger zu erziehen und eben in dem kulturellen Abschluß sein Ideal erstrebt, kann dies konscquenterweise wünschen. Intellektuell-ethisch bedenklicher ist es, wenn man die äußere Form der akadenuschen Bildung wünscht, ihr aber letzthin den inneren Wert abspricht, im besten Fall die an einer Universität erworbenen Kenntnisse als professionell Wertvolles betrachtet. Tin innerlich ernst gemeintes Talmud st udium in rein äußerlicher Verbindung mit akademischer Bildung läßt die innere Geschlossenheit des eigenen harmonischen Geisteslebens vermissen und nimmt dadurch die Möglichkeit, auf die zu wirken, die als Juden im europäischen Kulturleben stehend, in dem Rabbiner ihren Führer sehen wollen. Tin ganz anderer Weg für die Ausbildung des wohl konservativen, aber nicht orthodoxen Rabbiners werden ö i e fordern, denen die jüdische Ueberlieferung nicht g'ttlichen Ursprungs ist, die sie wohl als kulturell oder national bedeutend hegen, aber in die Allgemein-Kultur als einen unter anderen Werten eingliedern wollen. Ihnen ist Thorageist nichts Unbedingtes; er ist für sie feinem Ursprung und seinem Werte nach aus. der Menfchhcitsentwicklung zu verstehen und nach ihr zu werten. Die beherrschende Stellung von Talmud und Halacha als wichtigste Ouelle des religiösen Lebens muß dann zurücktreten, ihr Wert wird relativ. Die anderen jüdischen Disziplinen müssen sich der allgemeinen Religionsgeschichte einordnen, von ihr ihren Rang und ihre Behandlung erhalten. Die Lehre tritt zurück hinter der Forschung, die das eigentliche Ziel wird, aber nicht als Erkenntnis des g'ttlichen Willens, sondern zur Aufdeckung der kulturellen und religionswissenschaftlichen Beziehungen. Die jüdische Wissenschaft wird verweltlicht, auch wenn die Halacha für die Praxis eine gewisse Bedeutung behält. Es sind das Tendenzen, die nicht innner bewußt empfunden werden, aber im Unterbewusstsein um so stärker wirken. Grundsätzlich nähern sie sich religionskritischen Anschauungen, wenn sie auch äußerlich die Erudition zu erhalten suchen. Die furchtbare Gefahr, die dem Judentum von dieser Seite droht, darf nicht unterschätzt werden, um so weniger, als sie dem oberflächlich Schauenden gar nicht bemerkbar ist. Demgegenüber muß mit aller Entschiedenheit der übernatürliche, auf g'ttlicher Offenbarung beruhende Charakter der jüdischen Tradition betont werden und deutlich in Zielsetzung und Wegbestimmung der Ausbildung der religiösen Führer zum 2lusdruck kommen. Die Spannung zwischen Thora und Wissenschaft erscheint heute im Zeitalter der Relativität auch in den Bezirken der Geisteswissenschaften stärker als vor 'echs Jahrzehnten?) 2lber nur, wenn man das mehodifche Prinzip von der Wandelbarkeit unserer Erkenntnis von der Wahrheit mit dem Dogma von der Wandelbarkeit derWahrheit verwechseln würde. Die Ueberzeugung von der nur bedingten Sicherheit unseres E r k e n n e n s berührt nicht den Glauben an die u n b e r ü h r t e W a h r - heit. Sie gibt ihm, gegenüber dem stets Wechselnden, eine erlösende Bedeutung. Die feste Ueberzeugung von der uns am Sinai offenbarten Wahrheit, wie sie uns von unseren Weisen überliefert wurde, kann durch wechselnde Formen der menschlichen Erkenntnis nicht erschüttert werden. Wenn wir in diesen Formen, wie in jedem Ausdruck menschlicher Kultur Funken des Feuers der g'ttlichen Wahrheit sehen dürfen, so werden wir sie mit verständnisvoller Liebe betrachten. 2luch da, wo die Hülle im Widerspruch zur Thorawahrheit zu stehen scheint, suchen wir in ihr Wirken g'ttlichen Geistes. Diese freudige Bejahung menschlichen Geistes und die Ueberzeugung von seinem g'ttlichen Ursprung und damit das Bewußtsein der einheitlichen, ewigen Wahrheit, wie sie am Sinai offenbart wurde und wie sie oft unbewusst^ *) Vgl. Jeschurun VII 1920, S. 506. das Ziel alles ernsten, menschlichen Forschens ist, bildet auch heute die Grundlage unserer Stellung zur Wissenschaft. Der Grundsatz von der schließlichen UebereinstimmungH der geoffenbarten Wahrheit und der von Menschengeist erforschten Wahrheiten hat heute seine Gültigkeit wie zu den Zeiten des Gaou R. Saaöja, unseres Rambam und unserer Lehrer R. E.sriel Hildesheimer und R. David Hoffmann. Hierauf beruhen auch heute Zielsetzung und weg der Rabbinerausbildung unseres Hildesheimer'schen orthodoxen Rabbinerseminars, wir dürfen wohl sagen, daß G. s. D. die Richtung die gleiche geblieben ist, wie sie vor bald 60 Jahren gewiesen wurde. Entsprechend der Wandlung der Zeiten haben sich manche Einzelwege geändert, und werden m. G. H. auch in der Zukunft manche Aenöerungen eintreten. Ein bleibendes Verdienst unseres Lehrers Dr. Jos. wohlgemuth '"2' ist die intensive Beschäftigung mit den philosophischen Zeitproblemen, die früher meist nur in Verbindung mit den religionsphilosophischen Werken des Mittelalters behandelt wurden. — Die Frage, die heute das deutsche Hochschulwesen bewegt, ob die Universität in erster Linie Forschungsinstitut oder Bildungsanstalt ist, hat auch für unser Seminar größte Bedeutung. So wünschenswert eine ganz im Sinne des überlieferten Judentums arbeitende judaistifche Akademie ist, so wird doch das Seminar in erster Linie Bi l d u n g s a n st a l t sein müssen, mehr die Forderungen an 2lusbildung jüdischer Rabbiner zu erfüllen suchen, als seine Kräfte, auf Heranbildung jüdischer Gelehrter zu konzentrieren. Die Möglichkeit der besonderen Förderung wissenschaftlich begabter und interessierter Schüler ist damit nicht ausgeschlossen, doch werden die Vorlesungen in der Hauptsache wissenschaftlich vertiefte Kenntnisse und das Verständnis für die allgemeinen Gesichtspunkte und großen Zusammenhänge zu vermitteln suchen, und die Einzelforschungen besonderen Hebungen überlassen. Eine ganz besondere Stellung haben in unserm Seminar immer Talmud und Halacha eingenommen.?lls Grundlage des Studiums der mündlichen Lehre und des praktisch-religiösem Lebens mußte ihnen bei der Ausbildung des Rabbiners, des ntnin mm, der über die Fragen des religiösen Lebens zu entscheiden berufen ist, ein größerer Zeitraum zugemessen werden. In erfreulicher Weise hat in den letzten Jahrzehnten das Talmudstudium in Deutschland an Umfang und Tiefe wieder zugenommen. (Schluß folgt.) Mensch und Prophet im Rhythmus der Zeit. Von Oberrabbiner Dr. Adolf Altmann in Trier. (Schluß.) In allen außerjüdischen idealgecichteten Kreisen hat sich die unheinlliche Vorstellung festgesetzt, der Jude der Zeit sei der Prototyp der veräußerlichten Bürgerlichkeit. Unfähig zur Erhebung in das Reich der Idealität und des Irrationalen, schwingt seine Figur zwischen Verstandesmäßigkeit und Sachlichkeit. In ihm findet jede Bewegung, die auf die Entgeistigung und vermaterialisterung des Lebens ausgeht, Stütze und Rährboden. Run denn, sie haben wahrlich nicht recht, wir wissen, der so geartete Vorwurf kommt uns, nicht mehr und nicht weniger, als allen Lebenden der Generation zu. Wir sind nur so wie die anderen, nicht mehr und nicht weniger, eben Kinder der Zeit. Aber, wir Juden sollten es doch weniger als die anderen sein. Seit wann sind wir Juden nur Kinder der Zeit und sehen nur die vier Ellen Spanne vor uns her und nicht darüber hinaus? Wir waren doch sonst die Träger des Ewigen inmitten alles Zeitlichen, mehr und intensiver als alle anderen. Warum wollen wir jetzt Zusehen, wie andere sich unserer Jahrtausende alten Domäne bemächtigen und sich anschicken, die Renaissance des Irrationalen und Religiösen der Entgottung der Zeit entgegen zu setzen, ohne die Ersten und Vordersten aus uns selbst heraus dabei zu sein? Wäre es nicht jetzt, gerade jetzt, wie noch nie, unsere geschichtliche 2lufgabe, uns wie ein Wann dem Heiligen zuzuwem Vgl. Jeschurun VII 1920, S. 499. )id vo kel De AI no du U11 lei mi in ge he do in Ei ze K, dc w m Ul E B G

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