Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 39 (22.9.1932)
- Date
- 1932-09-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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22. September 1932 Der Israelit Nr. 39 Seite 5 mit Ziffern bezeichnet, von Hildesheimers Hanö in die Briefe von Rabbiner; Dr. Warcus Horovitz eingezeichnet sind, wiederzugeben und beschränken uns auf die wichtigsten. 1 Note 2: Der1 Teil der Fromnten, der nicht austreten will, mag es eben, wenn es - gegen ihre Ueberzeugung sagen wir lieber Frankfurtertum (?) ist, lassen und status quo-Teilnehmer an der Religionsgesellschaft bilden, ganz wie das bisher geschehen, nicht aber eine ganz überflüssige Separatgemeinde schassen, welche nur den Zweck hat und haben kann, die Religionsgesellschast zu zersprengen: Note 3: Wenn Sie denselben persönlich recht geben, so ist dies eben Geschmacksache, wenn Sie dies aber mit dem angeblichen ov.n tzmp begründen, daß alle Frankfurter, die Koscherfleisch kaufen, auch wirklich Koscherfleisch haben werden, so geht daraus wiederum klar hervor, daß Sie die Antwort Hirschs an Bamberger nicht gelesen haben, sonst müßten Sie wissen, daß dieser auch jetzt bei der Religionsgesellschaft, die ihre Institutionen jedem ohne Ausnahme zur Verfügung stellt, der Kofcherfleisch kaufen, die Mikwe, Neligionsschule usw. benutzen will, längst der Fall ist, weshalb die „Rancüne-Iüdischkeit", wie dort zwischen den Zeilen zu lesen und mir als langjährig ... Hebel der ganzen Secession sehr wohl bekannt ist, wenigstens nicht in die mn' hineingestellt werden sollte. Ihr Ideal des „versöhnlichen Geistes" ist übrigens schon zu Fleisch und Blut geworden, es hat in Breslau seit Fahren Realität, hat es aber richtig zustande gebracht, aus einer der großartigsten Gemeinden voll nnm(?) nrri'i die allermiserabelste herzustellen. Fragen Sie nur... hier darüber, ein abschreckendes Beispiel, das allen Fehudim die Äugen vor solchen Wagnissen offenen sollte Note 4 : Der Jammer Ungarns ist nur dadurch entstanden, daß die Pferdehändler und Konsorten den Rabbonim die Organisation aus den Händen gewunden. sonst sähe es in Ungarn heute anders aus. Dies aber ist bei uns ganz anders. Note 5; Zur Beurteilung meines Briefes an Gold schmidt bemerke: a) Auch ich faßte die Frage „wer" hingeht, nicht die, „ob" einer hingeht ins Auge, und schrieb ihm die Konsequenz für den, der hingeht. Denn das verhehle ich mir nicht, daß der p» nm einen finden wird, namentlich, nachdem man durchaus nicht wühlerisch ist. Wenn nun einer der bekannten Kautschuk-Rabbiner hinkommt, der aus bekannter Blaublütigkeit „versöhnlich" gegen Hirsch ist, so mag dies für ersteren recht bequem sein, letzterem ist es gleichgültig, ob er einen oder zwei... (Brillen?) ignoriert. Wenn sich aber ein „Hildesheimerianer" dazu hergeben sollte, so hört er eben damit auf ein solcher zu sein. Note 6: Das Feststehen der Religionsgesellschaft ist nur leere Phrase, die Kompromißgemeinde sprengt über lang oder kurz dieselbe. Gerade wie die kleinen Gemeinden der Provinz durch Wegzug (?) zersprengt werden — trotzdem die Betreffenden noch 1—2 Fahre ihrer früheren Gemeinde beitragend angehören; in Frankfurt ist nach allen Antecedentien seitens des Vorstandes (rn nicht seitens Rabbi Mosche Mainz und Konsorten) diese längst ersehnte Sprengung sicherlich Absicht. Mit dortigen Kehilloverhältnissen sind die „amerikanischen" Berlins nicht zu vergleichen, sie wären es auch . dann nicht, wenn p'iisn mn ’D’a Rabbiner einer hiesigen Gemeinde mit allen Institutionen, Schechito, Mikwo usw. wäre, umsomehr wo dies nur für Synagoge und Religionsschule ist. Note 7: Non der Koordination des anzustellenden Rabbiners mit dem neologen Rabbiner habe ich ja selbst gesprochen... beim eigentlichen Namen genannt. Note 4 der Rückseite: Dr. Klein, dem ich gewiß' auch als einem der mnai» sehr wühl will, I können Sie auch größere niniv tun; wer dorthin geht, > Muß entweder eine Null werden und alles von Vorstands j wegen geschehen lassen, oder ein 'inr smis. Dann wird er den wir nicht vollständig erklären können. Aus dem 1 von uns wieöergegebenen Briefe ergibt sich mit Deutlichkeit, dasi auch nach jener Unterredung Hildesheimer mit^ äußerster Schärfe gegen die Annahme der Stellung durch seinen Schüler Front machte und daß Hildesheimer selbst bei der Unterredung den Eindruck ^empfangen hatte, er predige „tauben Ohren," während Horovitz aus Hildesheimers Haltung offenbar keine absolute Ablehnung herauslas. Als Antwort auf den Brief Israel Hildesheimers vom 7. Wäi schrieb Dr. Marcus Horovitz seinem Lehrer einen Brief voll starker Erregung, worin er darlegt, daß er rein handele und auf Grund seiner tiefen Ueberzeugung von! den Erfolgen, die er in Frankfurt aipan iiaa*?i minn Tna1? erzielen werde. Cr beschwört seinen Lehrer, ein Jahr seiner Frankfurter Wirksamkeit abzuwarten, bevor er gegen ihn auftrete. Einen sachlichen Grund Hildesheimers gegen die Annahme der Wahl habe er v o n i h m nicht gehört, trotzdenr werde er nach Frankfurt abschreiben, wenn Hildesheimer bei seinem „Rein" bleibe. Hierauf schreibt Hildesheimer wie folgt: vtiap Sie behaupten darin, nach wie vor, daß ich bei unserer längeren mündlichen Besprechung Ihrer Angelegenheit leinen sachlichen Grund für den meinerseits gegebenen Rat gegeben hätte; mir erscheinen dieselben größtenteils s e y r sachlich, doch ist es ja bei einer solchen Voreingenommenheit, in welcher Sie sich, wie ich schon in meinem letzten^ Schreiben bemerkte, befinden, sehr erklärlich. baß di ise sachlichen Gründe keine sachliche Würdigung fanden. Sie interpretieren nun mein Stillschweigen auf Ihre Anzeige, datz Sie vom Vorstand (cf. in Gnesen) als Bedingung Ihres Bleibens den Bau einer Mikws und die Anstellung eines Religionslehrers verlangten, dahin, dah es mir angenehmer sei von der Sache nichts weiter zu hören und Sie sich selbst zu überlassen. Wären Sie aber — ima nl-mva — nicht durch Aufregung besangen gewesen, so hätten Sie sich mein Schweigen aufs allereinfachste erklärt, daß ich einem vollendeten Faktum gegenüberstand, da Sie mir schrieben, Sie haben beim Vorstand die erwähnten Bedingungen gestellt. Oder hätten Sie etwa für möglich gehalten, daß ich Ihnen geschrieben hätte... eine Gelegenheit zu benutzen, eine schöne Mikwe und einen Religionslehrer zu bekommen?... Sie kommen nun ... auf die Sache selbst nochmals zurück. Ich gehe nicht darauf ein, sie ist (?)... Sie werden es nicht redressieren und können und wollen es nicht redressieren ... Der Passus von dem nm t-u i»ix>v als „Drohung" und nicht als „Warnung" ist mir nicht recht verständlich. „Drohungen" widerstreben ganz meiner Natur. Das aber kann ich Ihnen nicht unterdrücken, daß die Insinuation, ich hätte Ihnen die ganze Zeit nicht geschrieben, um diese Drohung auszusprechen, mir bittere Tränen entlockt hat. Nein, solche Zumutung habe ich um Sie nicht verdient, dessen bin ich mir bewußt. Uebrigens können Sie ruhig fein, ich werde nichts über Sie schreiben, werde kein absprochondes Urteil über Sie fällen, werde den tiefen Kummer, den ich über diesen Vorgang tief in mir trage, allein tragen." Rach einem Brief von Dr. Warcus Horovitz, worin dieser hierauf im tiefsten Schmerze seinen Lehrer um Entschuldigung bittet und sein ■’nnVo erfleht, findet die Korrespondenz einen versöhnenden Abschluß, indem Israel Hildesheimer an Warcus Horovitz schreibt: in jideü glücklichen Lage, aus dem Briefwechsels den Rabbiner Israel Hildesheimer mit drei verschiedenen Persönlichkeiten in den entscheidenden Jahren geführt Hatz seine Ueberzeugung in diesen Dingen in lückenloser Klarheit erkennen zu können.! Bruchstücks aus dieser Korrespondenz haben wir vor 12 Jahren veröffentlicht, und wir sehen jetzt,-nachdem mehr äls 50 Jahre dahingegangen, seitdem Israel Hildesheimer das Zeitliche gesegnet hat, keinen Grund mehr, um mit weiteren Veröffentlichungen aus diesen Hildesheimer'fchen Briefen zurückzuhalten. Cs handelt sich dabei, wie wiederholt betont werden soll, um Hon - zepte von Rabbiner Israel Hildesheimer s eigener Hand, die nach feiner Gewohnheit an den Rand und zwischen die Linien der zu beantwortenden Briese geschrieben worden, sind. Hie und da stnd einzelne Worte schwer zu entziffern oder ganz unleserlich; in ersterem; Falle versehest wir die Wiedergabe mit einem Fragezeichen, in letzterem deuten wir die Lücke durch Punkte an. - - Am klarsten und präzisesten zusammengefaßt erkennt man den Standpunkt Hildesheimers zur Frage der Besetzung der Frankfurter Rabbinerstelle aus einem Briefe, den der große Wann im Februar l 878 an Dr. Gold schmidt, damals Rabbiner in Briefen (Westpreußen) richtete. Dr. Goldschmidt teilte dem „Rebbe" mit, er habe aus dem engsten Kreise von Lazar Mainz in Frankfurt am 15. Februar eine Aufforderung erhalten, sich um die dort vakante Stelle des orthodoxen Gemeinderabbiners zu bewerben. Cr verlange als Hilfe gegen seinen eigenen inn NS'' der bekanntlich ein starker Potentat sei, den Rat seines Lehrers; er sei Familienvater und überdies aus gesundheitlichen Gründen genötigt, aus dem unwirtlichen Westpreußen in ein südlicheres Klima zu gelangen. Hierauf schreibt Rabbiner Israel Hildesheimer folgendes: „Was nun den Spezialzweck Ihres Briefes betrifft, so freut es mich sehr, datz Sie die richtige Saite angeschlagen — einen Bundesgenossen gegen den mn ns’ zu haben. Zur Sache selbst kann Ihnen nicht ernst genug zurufen: “inim nawn! Wer dorthin geht, hat folgendes auf dem Gewissen. 1. Die jedes Ausdrucks spottende Kränkung des hervorragendsten Vorkämpfers des orthodoxen Judentums, der es derzeit auf seinen Schultern -allein regneriert und sich imnizv zu ewiger Dankbarkeit verpflichtet, der aber schon, durch diese snn -ix’ nvsv Bekümmernis genug hat, der atzn jpr v'»' und ■’i’in jm» ist nv's-em nnirn n^v' m und dem durch die Besiegelung dieses mvn ™un i"n das Herz brechen könnte und wer die Stelle annimmt, hat dies auf dem Gewissen. 2. Derselbe belastet sein Gewissen aber auch mit der unwillkürlichen Zerreißung der schönsten frommen, auf den gesundesten Prinzipien basierten (orthodoxen) Gemeinde auf Erden und verewigt den otzm ^n. der leider! schon jetzt Orgien feiert, wie feit der Zeit des pozr apsr ’ai 7MV 'H nicht. 3. Er erkennt die Prinzipien als wenigstens paritätisch berechtigt an und subordiniert sich dem neologen Rabbiner (?) dort, oder was. vielleicht noch schlimmer, er macht mit ihm kollegialisch an-ran. Daß die Sache schon sehr wenig geheuer sein muß, können Sie daraus ersehen, daß nicht allein die Ausschreibung der Stelle ohne Erfolg blieb — und dabei gibt es doch heute Hunderte, die ihre „Prinzipien" auf dem Altar eines Stück Brodes opfern —, sondern auch beim Ausbieten der Ware sind die Entrepreneure schon sehr wenig wählerisch, sie fingen an mit.!'■, der sie aber schon entschieden zurückwies. Sie waren auch schon mit dem jungen, sich auch Rabbiner schimpfenden, Rabbiner-Dr. £... in Unterhandlung gekommen — mit wie vielen inzwischen und vorher noch —u wer weiß? So ist die Signatur dieses „Glückes", das Ihnen jedenfalls die Zuträglichkeit des südlichen Klimas für Ihre Gesundheit bei weitem nicht aufwiegen würde; — Sie können daher Ihren mn ->2' bei dieser nnon sehr leicht zur Ruhe weisen." 'Hiernach muß a l s festgestellt gelten, daß Israel Hildesheimer im Februar 1878 in der Errichtung einer orthodoxen Abteilung innerhalb der religiös-neutralen Gemeinde nidit nur eine Kränkung Rabbiner Hirschs erblickte, sondern erstens: die Zerreißung der R e l i g i o n s g e s e lisch a f t und der Orthodoxie überhaupt, was zu einer Verewigung des Ehillulh a s ch e m führen müßte, zweitens: eine A n - erkennung des Liberalismus als gleichberechtigter Richtung i m I u - d e n t u m und die Anerkennung der liberalen Geistlichen als Rabbiner. Roch im gleichen Wonat, im Februar 1878, begann dann auch die Korrespondenz, die Israel Hildesheimer mit Warcus Horovitz in G n e s e n führte. Wir müssen aus Raumrücksichten darauf verzichten, alle einzelnen Rotizen, die in Form von Roten, allerdings 'tfnp'b. h. zwischen der Kompromrßpartei und der neologen Partei herbeiführen, was übrigens nicht nötig ist, da er hier schon besteht, die Kluft mit der Religionsgesellschaft--wird verewigt. Note 5: Sie sprechen in Ihrem Gesamturteil über den Hirsch-Bambergerschen Streit, ein großes Wort mit einer Gelassenheit — sit venia verbo — einer Vornehmheit aus, die es mir wahrscheinlich macht, daß Sie die Anwort Hirschs an Bamberger nicht gelesen haben, in der, man mag sagen, was man will, der poa ein wahrhaft unwiderleglicher, so großartig angelegt und so gediegen begründet, datz ihn kein D'airuav pur (?) hätte besser hergeben können." Die Korrespondenz läuft weiter bis zum 7. Wai 1878. An diesem Tage schreibt Israel Hildesheimer an yViatcm Horovitz: „Obgleich nach dem heute erhaltenen Schreiben 'a dvb wahrscheinlich in diesem Augenblicke alea jacta est und wenn auch ich hierin, wie bei Ihrem jetzigen (?) Hiersein mir schon zur Gewißheit wurde, bei Ihnen sehr tauben Ohren predige, will ich doch auch bei so entfernter Hoffnung auf Erfolg nicht unterlassen, Ihnen nochmals zuzurufen: 7131p»! •>aa 'nvl>Vi '/mv imp nbsnn prrl>i 7*m pulnrn 7'nrrni> >'pl»'31 '»Sv '2N2 'S»l Dieser Brief Hildesheimers ist historisch um deswillen wichtig,, weil er offensichtlich n a ch der peronlichen Zusammenkunft geschrieben ist, von der in den jetzt veröffentlichten Aufzeichnungen von Rlarcus Horovitz die Rede ist. Hier klafft ein Widerspruch, Glauben Sie M i r, d a-ß ich Ihre Intention nicht ei ns eitig beurteile; ich schließe um Ihnen nicht über Gebühr das Herz zu erschweren. In einem weitern Briefe von Dr. Rlarcus Horovitz vom 24. Juni teilt dieser die von ihm in Frankfurt gestellten Forderungen mit und schreibt: Gehen Sie darauf ein, so ist der Fingerzeig.. .„ daß die Orthodoxie berufen wird nun nach.langer Zeit des Druckes zu triumphieren, noch deutlicher. Rach diesen historischen Dokumenten kann über die Stellungnahme Israel Hildesheimers zur Frankfurter Austrittsfrage und insbesondere über seine rückhaltlose U e b e r e i n st i m m u n g in i t Samson Raphael Hirsch in der h a lach i s ch e n und weltanschaulichen Beurteilung d e r F r a g e für die Geschichte kein Zweifel mehr bestehen. Zum psychologischen Verständnis der Tatsache aber, daß nichtsdestoweniger Hildesheimer allmählich wieder in ein durchaus freundschaftliches Verhältnis mit seinem Schüler in Frankfurt gelangte und sich später wohl auch innerlich mit dessen Stellung vollkommen abgefunden hat, mag zum Schlüsse der Brief dienen, den der große Wann einige Wochen nach Antritt der Frankfurter Stelle durch Rabb. Horovitz an Elias S ch w a b a ch e r in Frankfurt ge-