Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 39 (22.9.1932)
- Date
- 1932-09-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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22. September 1932 Der Israelit 'Nr. 39 Seite 3 $ a b b r u tf), Bernhard @ d) m i 6 t u. a. ihre kostbare Zeit und Kraft vergeuden müssen^ um auf einer criiften Tagung sich mit solchem Widersinn und solchen kulturellen Rückständigkeiten auseinanöerzu- [ct;en, spricht für den Geist der Zeit, vor allem für die drohende Gefahr einer Rechtskrise, bie die Krise aller Krisen werden könnte. Da umtet schon die p o l i t i s ch e G e d a n kenlos i g k e i t des Nationalsozialismus weit sympathischer an als seine vom wiener Professor vertretenen kulrurellen und staatsrechtlichen „Gedanken". Der Weg zum Krematorium Die l i b e r a l e D i k t a t u r in der B e r l i n e r G e m e i n d e stu b e tastet sich nun, nach Antritt des zionistischen Lrbes, mählich an die aktive Arbeit heran. Ts wird mit mancherlei aufgeräumt, was bisher als Konzession an die Konservativen seinen bestand rechtfertigte. Wenigstens weiß die „Iüdisch- Cibcrßlc Zeitung" die frohe Botschaft zu künden, daß nach Beschluß der Repräsentanten die Verwaltung fortan den Mitgliedern den Weg zum K r e m a t o - r i u m zu erleichtern gedenkt. Bekanntlich hat die Gemeinde seit längerer Zeit auf ihrem Friedhof in Weißensee ein eigenes Urne n f e l d. An der Einäscherung selbst hat sich indessen die Gemeinde nie beteiligt. Sie erlaubte und sorgte auch dafür, daß die Leiche aus dem Sterbe- Hause zur Vornahme der Tahara nach der Friedhofshalle gebracht wurde, aber um den Transport von dort zum Krematorium kümmerte sich die Gemeinde nicht. Ls gab und' gibt Rabbiner und Kantoren, die int Krematorium wirken, sie werden aber nicht durch das Friedhofsbüro der Gemeinde hinzugezogen. Diese Rücksicht auf die Orthodoxie fällt nun weg. „wir haben keine orthodoxe, sondern eine Cinheitsgemeinde von Liberalen und Orthodoxen; und wenn die Gemeinde es einmal zuließ, daß ein Teil ihrer Rabbiner und Kantoren bei Einäscherungen fungieren, wenn ferner auf ihrem Friedhof Aschenreste beigesetzt werden, so bedeuteten alle die hier geschilderten Zustände und die Rlißstände eine recht unwürdige Halbheit", konstatiert das liberale Organ und begrüßt es, daß die Cinheitsgemeinde jetzt bekanntgegeben hat, daß Bestellungen von Trauerfeiern im Krematorium vom Friedhofsbüro der Gemeinde entgegengenommen und durch Gemeindebeamte ausgeführt werden. Wenn schon die Gemeinde so viele zuließ, dann . . . dann, warum auf halbem Weg — zum Krematorium stehen bleiben? Alan kann das Blatt eher begreifen, als die Gemeinde, die es so wer t kommen ließ. Der Segen der Cinheitsgemeinde wird durch diesen ersten „Abbau" auf alle Fälle wieder einmal deutlich. Bolschewismus stürmt gegen Jomkippur — Die Burg ist uneinnehmbar. Das Moskauer Apikorsim-Organ „Lines" jammert: „Allen Maßnahmen zum Trotze sammeln sich die „Klerikalen" in allen Orten zur Begehung der Feiertage. Die Juden in einer Stadt wie Z a p o r o s ch j e, die in der nächsten Rähe des Riesenwerks Dnjepr- Stroj liegt, haben sich einen Vorbeter für 2000 Rubel verschrieben, zu welcher Summe jüdische Heimarbeiter beigesteuert haben. In der jüdischen Kollektivstedlung W i n t s ch e w s k wird der Sabbat vollkommen beobachtet und alle Maschinen ruhen. Im Kollektiv „Roter Acker" haben die religiösen Funktionäre die Ausfuhr von Brot ant Sabbat verhindert. Im Kollektiv „ A e h r e n " wird am Sabbat nicht gearbeiten und sogar im vorgeschrittenen Kollektiv „Stalin" weigert sich der Rechnungsführer, am Sabbat Abrechnung über den gedroschenen Weizen vorzunehmen. Iit sehr vielen Kollektivsiedlungen werden „Rlinjanim" für die hohen Feiertage gebildet." „Emeß" führt noch eine Reihe kleinerer Städte an, in denen jüdische Bauarbeiter an Sabbattagen ruhen. „Wir dürfen es nicht zulassen," schließt das Blatt, „daß die Klerikalen den arbeitenden Klassen Geld für vorbetcr und Prediger abzapscn und auf diese Weise wichtige wirtschaftliche und politische Aktionen stören." Solche „Klagen" hören wir gern. Gäbe G'tt, die kleine Kommunistenklique in p a l ä st i n a hätte über ähnliche „Entweihungen des Marxismus und Lenismus" durch Sabbatheiligung in einigen Kewuzoth und Kollektiven zu klagen . . . was aber die wi um den „Emeß" anbelangt, so sei ihnen gesagt, daß der von ihnen nicht umzubringende Iomkippur auch für sie arbeitet. Die Bosheit schwinde — damit hören die Bösen aus, indem sie, bar der dämonisch treibenden Kraft, in den Kreis derer einziehen, die sich um den Willen G'ttes scharen. Frankfurter Reminiszenzen. vor sechs Jahren hat die deutsche Orthodoxie das 50jährige Jubiläum des preußischen Austrittsgesetzes von 1876 begangen. Run reiht sich diesem Gedenktage die geschichtliche Erinnerung an jene Ereignisse an, die sich aus dem Inkrafttreten des Austrittsgesetzes als logische Konsequenz ergaben, die Konstituierung der Frankfurter G e m e i n ö e o r t h o d o x i e, die in der Berufung eines orthodoxen Gemeinderabbiners und endlich der Errichtung einer orthodoxen Synagoge _V.it— »«PCS. Weit über 1000 schreibfertige FÜLLFEDERHALTER mit 14 Karat Goldfeder ab RM. 2.50 zur Auswahl Hausmarken Ceka u. Juwel, sowie die bek. Markenhalter n/IDl BfS IDDEB Kaiserstrasse 75 Schreibwaren jeder Art für die strenggläubigen Gemeindemitglieder ihre Krönung fand. 'Aus diesem Anlaß hat die Frankfurter „Israelitische Gemeinde" eine Festnnmmer ihres Gemeindeblattes herausgegeben, die wir zwar, inangels direkter Uebersendung an die lokale Presse, nur leihweise durch die Güte der Gemeindekanzlei auf einige Stunden erlangen konnten, deren zum Teil recht interessantes historisches Material aber der Veröffentlichung und Beachtung auch über Frankfurt hinaus wert ist. Zunächst kommt in dieser Hinsicht ein Artikel „Zur Umbildung der Frankfurter Gemeinde im Jahre 1876—77" von Prof. Dr. Heine m a n n in Breslau in Betracht, der aus dem Rachlaß seines Vaters, des 1898 Heimgegangenen Institutsvorsteher Dr. Heinrich Heincmann s. 21., einer im Mittelpunkt des Austrittskampfes. stehenden Persönlichkeit, das Fragment einer Riederschrift über die Verhandlungen zwischen den Gesetzestreuen und dem Gemeindevorstand veröffentlicht. Wir geben dieses Bruchstück im folgenden wieder. Dr. Heinemann schreibt: Beim Erlaß des Gesetzes über den Austritt aus der Synagogengemeindc (1876) bestand innerhalb der „Israelitischen Gemeinde" Frankfurts die „Israelitische Religionsgesellschaft", de jure als Verein, tatsächlich mit den Haupteinrichtungen einer Gemeinde: Synagoge, höherer Lehranstalt, allen rituellen Einrichtungen; nur bezüglich des Krankenhauses und des Friedhofs waren ihre Mitglieder auf die „Israelitische Gemeinde" angewiesen und nahmen auch an deren sozialen Einrichtungen Anteil; sie zahlten natürlich Gemeindesteuern; ihr Beitrag wurde jedoch geringer bemessen. Das Austrittsgesetz änderte diese Lage insofern, als nunmehr der Zwang der Zugehörigkeit zur Gemeinde wegfiel. Freiwillige Zugehörigkeit aber konnte nach der Ansicht nahezu aller Gemeindemitglieder leicht als Anerkennung der wichtigsten Gemeindceinrichtungen: Hauptsynagoge und Philanthropin, und der Anschauungen, auf denen diese Anstalten beruhten, aufgefaßt werden. Daher war man sich allgemein darüber einig, daß die seitherige uneingeschränkte Mitgliedschaft zur Gemeinde nicht mehr aufrechterhalten werden könne; ebenso übereinstimmend aber herrschte der Wunsch, sich, wenn irgend möglich, an den seither benutzten Einrichtungen, insbesondere Krankenhaus und Friedhof, weiter zu beteiligen. Rabbiner Hirsch und. die von ihm geführte Vorstandsmehrheit der Religionsgefellschaft sah für die Ablehnung der Mitverantwortung an Schule und Synagoge der Gemeinde nur einen Weg: den Austritt aus der Gemeinde. Diesen vollzogen sie, erklärten sich aber gleichzeitig bereit einen Beitrag für gewisse Gcmeindeanstalten zu leisten, falls die Gewähr für deren weitere rituelle Führung gegeben fei. Der Eemeindevorstand lehnte es ab, mit Männern, die aus der Gemeinde ausgetreten seien, zu verhandeln, erklärte sich aber bereit, den in der Geg«——i" i« —————— auch ist E r wahrlich nicht Feind." Es ist die ewige Liebe des Herren, die sich im Leiden Israels kund gibt. Sein Leidensweg soll zur.Läuterung führen und zu den Höhen weisen, auf denen der Stern der Erlösung leuchtet. Mit solchen Hoffnungen können wir gestärkt und zuversichtlich vorwärts schauen. Da hat sich trotz allen äußeren Nöten und Kümmernissen an uns bewährt das Wort unserer Weisen: m&yrm isw rmi>nna n:® - bs, Ist auch das Jahr in seinem Anfang, in den Wurzeln äußerer Sorgen und Bedrängnisse armselig gewesen, — es schließt doch reich an inneren Werten, die es uns vermittelt. Wir nehmen mit uns hinein in die neue Zukunft, die wir im Lichte G'ttes unter der Sonne seiner Gnade schauen, den größten Schatz des Glaubens und der Zuversicht. Wahren wir uns dieses Gut als unzerrinnbaren Gewinn, dann bleiben wir aufrecht wie der Fels im Meer und mmvizi rus» Vnn das neue Jahr kommt mit der Fülle seiner Segnungen für uns,, für ganz Israel und für die gesamte Menschheit. Das «Run" in Afchre. Für die Wahrscheinlichkeit der Hypotese des Herrn Leopold Blau im Israelit Nr. 35 spricht die Aeußerung des Rabbi I. I. Reines in seinem *py B’ra-wn ivo awis, die im Auszug ungefähr lautet: Die s’Enp in Brachst ’ivrw pi mns: n» '32V zielt nicht auf den Buchstaben zv- Denn wäre es so, was für einen Sinn hätte da die Antwort? Könnten nicht andere Sätze als yi mit dem Nun als Anfangsbuchstaben geschrieben werden? Nur ist es so, daß derpivv: m *pio S’i’sun darauf tjinbeutct, daß vorher wirklich ein pvojder von spräche, zu stehen hätte. Nur weil vivv den Gedanken von 'Wi mp «pvin iü> ni-rn ausgesprochen hat, deshalb ist das ausgelassen worden. A. I. Jacobsohn. (Hebräische .und Jiddische Literatur und Presse in Polen). Das polnische statistische Amt veröffentlichte Material über die im Jahre 1930 in Polen gedruckten Bücher und Zeitungen. Daraus ist zu ersehen, daß l. I. 1930 in Polen 12 274 Bücher mit insgesamt 77 332 (XX) Eremplaren erschienen waren, davon waren 629 jiddische Bücher mit insgesamt 5 280 700 Exemplaren, 192 hebräische Bücher mit insgesamt 259 900 Exemplaren, 31 jiddisch-hebräische Bücher mit 44 700 Exemplaren und 86 jiddisch-polnische Bücher mit 657 100 Exemplaren. Im ganzen erschienen also i. I. 1930 1 145 hebräische und jiddische Bücher, d. s. 9,3 Proz. aller im Berichtsjahre in Polen erschienen Literatur. Mehr als die Hälfte der jiddischen Bücher sind Berichte sozialer Vereinigungen oder Propagandabroschüren staatlicher und sozialer Institutionen. Den zweiten Platz nimmt die schöne Literatur mit 167 Büchern ein, die insgesamt in 202 000 Exemplaren erschienen waren. 117 jiddische Bücher mit 376 000 Exemplaren betreffen populärwissenschaftliche Literatur, 52 Bücher mit 54 400 Erempqlaren rein wissenschaftliche Literatur. Es erschienen ferner 18 Lehrbücher in 15 600 Exemplaren. Von den hebräischen Büchern betreffen mehr als die Hälfte wissenschaftliche Literatur. Im Jahre 1930 erschienen in Polen 122 jiddische und 16 hebräische periodische Schriften. Davon waren 20 jiddische Tageszeitungen, 60 jiddische Wochenschriften und 24 jiddische Monatsschriften, während in hebräicher Sprache eine Wochenschrift und 9 Monatsschriften erschienen waren. In Warschau erschienen 38, in Wilna 13, in Lodz 11, in Eaizien 8 Tageszeitungen und Journae. Von vielen Seiten wird es sicher mit Freuden begrüßt werden, daß jetzt in Genf ein erstklassig geführtes Restaurant und Pension, unter Aufsicht Sr. Ehrw. des Herrn Rabb. S. Brom, Luzern, eröffnet worden ist. Die langjährige Tätigkeit des Inhabers Leopold K e m p l e r, in dem bestbekannten Hotel Villa Federico Lugano, bietet Gewähr für vorzügliche Küche und fachmännische Führung. Wochenkalender. vom 24. Sept bis 1. Okt. 1982 > 23. Elul 5692 bis 1. Hifchri 5693 wi' tp mt’a Samstag 24 23 *7 Sonntag c». 25 24 n Montag 26 25 1 Dienstag 27 26 T Mittwoch 28 27 n 73'IDS N'NN Donnerstag 29 28 v Freitag 30 29 ' 7IWN emn Samstag Okt. 1 ’Dtwi 1 'x ni’ nst&n VN1 Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton S. Schachnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate i. V.: S. Schachnowitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann, in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag oes Israelit und Hermon G. m. b. H., Frankfurt a. M. — Druck Hermon Druckerei, Frankfurt a. M.