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Der Israelit · 1932-09-15 · Heft 38 (15.9.1932) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 38 (15.9.1932)
Date
1932-09-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Br. 3$ 1432 *) kosbi Salonae. Eine Erzählung aus biblischer Urzeit. Von Sanon. (Fortsetzung.) 80 kam Pi-Uechas öfters in das Zelt feiner Großtante Zippora. Begeistert hörten seine vettern ihm zu, als er ihnen von seinem Ahnen Joses erzählte; denn ihn in seiner strengen Sittenreinheit hatte er sich vor allen zum Vorbild erkoren. Dann erzählte er ihnen von ihrem Vater, von seinem Geist und von seiner den Tod überwindenden Liebe zum Volke Israel. Da hörten Wose's Linder zum ersten Wale diesen Namen und von seiner Bedeutung für das Volk der Lpriu. Auch Losbi Salonae hörte es, die hinter einem Vorhang versteckt atemlos den Worten des Pi-Uechas lauschte. Sie bewunderte ihn restlos. Und als er den Kindern Wose's nun gar von den zehn Worten erzählte, und von dem einzigen Schöpfer, und von dem Verbote des Götzendienstes, und von der Ehrfurcht gegen die Litern, da zog Losbi Salonae stille Vergleiche zwischen Pi-Uechas und Balak, ja sogar um Bil-Am. Ihr heißes Blut wallte auf. Sie vergaß die Heimat und vergaß Balak. Als sie Ieser fragte, ob sie sich nicht zur Heimkehr rüsten wolle, blickte sie ihn wie entgeistert an. Ieser war entsetzt, denn wie sollte er vor Zur treten, wenn er seine Tochter gar bei den Lpriu gelassen haben würde. Cr drängte Losbi, sich bald zu entschließen. Was aber würde der Priesterfürst Widjans und der Schwäher des Führers der Lpriu, ach nein, wie heißt es doch, der Israel-Sippe sagen, wenn des Wiöjanshäuptlings Tochter ganz bei dieser Sippe bleiben würde? „Losbi?!" „Ieser!" „Und was wird Balak sagen?" Da kam die ganze gewaltige Leidenschaftlichkeit der Losbi Salonae zum Durchbruch. . „Ich will aber, ich will diesen Cleasarsohn zum Gatten. Alles in'mir schreit iiäch ihm. Ieser, gehe 'hin und wirb für mich' um Pi-Uechas, den Sohn Lleasars.'^' 'hM" ’’ Ieser erschrak ob 'dieses Auftrages. Lr versuchte jedoch vergeblich den Stolz Kosbis wachzurüf.en. " ' „Ist das ein Weg für die" Durtochter?' -M.das Widjansitte, daß sich das Wädchen so schamlos d'eü Gatten selbst wählt?-" „Du mit Deiner heimlichen Vorliebe für die Lpriu! Du glaubst wohl, ich bin nicht gut genug für diese stolzen Wenschen. Bin ich weniger gut, als Deine Töchter? Was weißt Du, vertrockneter priestergreis, vom Wollen eines starken Weibes? Ist es Dir nicht genug, daß des starken Zur starke Tochter sich mit dieser Bitte vor Dir demütigt? Gehe und sage, daß ich nicht mit leeren fänden in das Zelt des Pi- Uechas kommen werde, gehe und sage diesen Lpriu, die, wie ich höre, jetzt mit der Waffe in der Hand das Lhamlanö Kenaan besiedeln wollen, daß ihnen die mächtige Freundschaft Widjans sehr wertvoll sein könnte, noch schlimmer aber die von dem gewaltigen Bil-Am genährte.Feindschaft." Dann wurde Losbi weicher und flüsterte dem Ieser ins Ohr: „Gehe und erzähle diesem Pi-Uechas, daß ich schöner bin, als Deine Tochter und schöner als all diese Lpriumäöchen mit ihrem verschämten Blick und ihrem prunklosen Gewand. Sieh mich an, blicke in meine Augen und sage diesem Pi-Uechas, wie Du mich geschauet hast. Gehe, gehe rasch." Ieser befand sich in einem schlimmen Zwiespalt. Lr hatte im besten Falle die Wahl zwischen der Feindschaft des Vaters und dem Haß der Tochter. Schweren Herzens überlegte er. Wit seinem Schwiegersohn wollte er nicht darüber sprechen, denn er sah tatsächlich, wie dieser von morgens bis abends mit den Obliegenheiten des Lehrers und Führers in Anspruch genommen war. „Ich gehe," sprach er kurz, „um unterwegs Zeit zur Ueberlegung zu gewinnen." Doch unmittelbar vor dem Zelte traf er Pi-Uechas, der wieder seine Vettern unterweisen wollte. „Lehre um, Pi-Uechas," sagte Ieser kurz entschlossen, „kehre um und betritt dieses Zelt nicht mehr, bis ich mit Dir gesprochen habe. Komm' mit mir." Erstaunt kehrte Pi-Uechas um. „Darf ich fragen, was Ieser veranlaßt, mir den Eingang in das Zelt seiner Tochter zu. wehren?" VIII. „Pi-Uechas, Sohn Cleasars," Hub Ieser an, „es wird mir schwer, Dir es zu sagen. Im Zelte meiner Tochter weilt eine Häuptlingstochter aus Widjan. Hast Du sie gesehen?" „Ja, so oft sie mit Deiner Tochter durch das Lager schritt." „Pi-Uechas, diese Tochter Widjans will die Wege meiner Tochter gehen. Sie will ablaffen vom Dienste der Sin und will zum Lpriuvolk gehören. Sie will eines Lpriu-Wannes Weib werden." „Aber sie ist doch, wie ich höre, schon in ihrer Heimat an einen Wann gebunden!" „Sie will sich von ihm lösen." „Ist dies so leicht in Widjan?" ,;Diese Häuptlingstochter, diese Losbi Salonae, ist starken Willens." Ieser war ganz verzweifelt, daß Pi-Uechas ihn nicht verstanden hatte. Lr begann von Kosbis Vorzügen zu schwärmen. Als er immer noch nicht verstanden wurde, ging er geradewegs auf sein Ziel los: „Pi-Uechas, dieses Wädchen begehrt Dich zum Gatten." „Wich?!" „Dich. Und was kann ich ihr zur Antwort sagen?-Doch ehe Du mir erwiderst, überlege, daß eine Abweisung Widjans Feindschaft gegen Dich und Dein Volk bedeuten würde." „Ieser, höre mich an und sei nicht gekränkt, wenn manches Wort ich sage, das Dich, den Vater Zipporas, verletzen könnte. Ich kenne diese Losbi nicht. Aber angesichts ' der neuen Ausgabe, die mir. und meinem Volke geworden, kann'ich" ein Wädchen fremden Stammes nicht in mein Zelt führen. Aber selbst wenn dieses möglich wäre, ich frage Dich, welchen Sinnes muß ein Wädchen sein, das gestern feierlich einem Wann sich angelobt und heute, jeder Sitte bar, sich einem anderen anbietet?" , „Willst Du, Pi-Uechas, ihr das nicht selbst sagen. Vielleicht wirkst Du auf sie zum Guten ein, damit sic wenigstens ihren. Pater und ganz Widjan nicht zur Rache aufstachÄ." '.! - „Heilt, Ieser, ich"will'sie''nicht sehen. Aber bitte, Ieser, sorge dafür, daß sie uns baldmöglichst verläßt. Sie ist kein gutes Beispiel für unsere Schwestern." Schon aus dem verlegenen Blick des rückkehrenöen Ieser erkannte Losbi sehr rasch, daß sie zurückgewiesen war. Sie schäumte, doch sie beherrschte sich und sagte nur: „Ich rüste zur Heimkehr." „Auch ich," sprach Ieser; „wann befiehlt Zurs Tochter den Antritt der Reise?" „Worgen, ehe Sin noch sich vor der Sonne verbirgt." Als sie aber dann mit Zippora allein war, zischte sie in kaum verhaltener Wut: „Ich warne Dich vor diesen Lpriu. Ihnen sind Widjans Töchter nicht gut genug. Aber sei ruhig, ich werde Dich und mich rächen. Ach, wie weise ist doch Bil-Am, und ich sage Dir, das Große, das er mir weissagte, erblicke ich nunmehr im Kampf gegen die Lpriu." Ieser aber trat vor Wose und bat ihn, daß er nicht nach dem Grunde seiner plötzlichen Heimkehr frage. „Ich will sehen, daß Widjan Luch ein freundlicher Uachbar werde auf Eurem Wege in das Land Eurer Väter. Ls kann fein, daß dieser versuch den prieflerthron des Hauses Reuels kostet. Aber ich bin ohnedies ein treuer Sucher Deines G'ttes geworden." Unterwegs wurde wenig gesprochen. Uur einmal sagte Losbi höhnisch zu Ieser: „Uun ja, Luer Freund Hiob, von dem man ja sagt, daß er ein ergebener Diener des G'ttes dieser Lpriu sei, hat wenig Freude erlebt. So mag ich denn hoffen, daß dieser G'tt auch diese Lpriu nicht schützen wird, wenn alle Linder Sins sich gegen diese Sippe erheben." „Und hörtest Du nicht, was mit Wizraimlanö und seinem Pharao geschah?" „Was frage ich nach diesem Blute Lhams. Ihnen fehlt die Weisheit Urs, die Bil-Am kennt." Kaum waren sie in der Heimat angelangt, da ließ Losbi ihren Verlobten rufen. „Balak, ich bin Dein von heute an, wenn Du willst, aber es ist nichts für Dich, hier als Gefolgsmann nieines Vaters zu verkommen. Suche Wacht. Und versprich mir, daß Du diese Wacht einem Ziele weihst." „Was befiehlt Losbi Salonae?" „Den Untergang der Lpriu." „Und willst Du mir Gefährtin sein auch auf diesem Wege?" „Gefährtin nicht, aber Führerin." „Losbi Salonae, ich fürchte Dich beinahe." „Zipporsohn Balak, dann wirst Du um so pünktlicher meine Wünsche vollstrecken rönnen." Als aber der Wonö wieder voll einfwurö, da führte Balak unter großem Gepränge die Tochter des Zur in fein Zelt. Bei der üppigen Hochzeitstafel erschien auf schäumendem Roffe ein Bote des Bil-Am. Cr brachte eine Botschaft seines Herrn, auf eine kleine iLenplatu eingekritzelt. „Balak und Losbi Salonae, ich charre Cures Rufes." IX. Täglich stachelte Losbi den Ehrgeiz ihres Wannes, den sie mit ihrer Schönheit vollkommen bezauberte. Sie war selbst nicht untätig und knüpfte weittragende politische Beziehungen an. Sie stand in Verbindung mit der Lsansippe, welche im unwegsamen Gebirge Seir sich eine stolze Hauptstadt errichtet hatte. Lin König stand als unbeschränkter Herrscher an ihrer Spitze und Losbi schürte seinen Haß, indem sie es verstand, die Iakobsenkel als Erbfeinde des Cfauvolkes hinzustellen, von all ihren Schritten war Bil- Am unterrichtet, der ihr in halben, versteckten Andeutungen manchen wertvollen Wink gab. Wit der Zeit gelang es ihr auch, das Widjanvolk aufzupeitschen. Denn füglich war das ganze Gefahren der Lpriu den Nachbarvölkern zum Rätsel geworden. Die aus Wizraimlaliö befreiten Lpriu hatten so viel davon gesprochen, daß sie ungesäumt in das Iordanland ziehen würden, und nun wanderten sie scheinbar planlos in der Wüste umher. Was war da natürlicher, als daß man annahni, sie fürchteten die gewaltige Kriegsmacht der Lhamiten, die sich im Iordanlande feste Burgen und Städte und ein in Stammeskämpfen wohl erprobtes Heer geschaffen hatten. Wag' blieb ihnen aber dann anders übrig, als sich auf die schwächeren Uomadenftämme zu werfen? „Ls bleibt also," so sagte Balaks Weib zu ihrem Vater, „nichts anderes übrig, als daß sich die Semstämme enger verbinden gegen die Lpriu. Ihr müßt Lrnst machen mit dem Bündnis zwischen Woab und Widjan." Das wurde Kosbis Lieblingsgeöanke. Als nun gar wieder einmal eine Gesandtschaft Woabs am Hofe des Zur erschien, da glaubte sie ihren Augenblick gekommen. Sie erzwang sich den Zutritt zu der Geheimbecatuna und gewann alle Anwesenden durch ihre feurigen Worte:

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