Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 38 (15.9.1932)
- Date
- 1932-09-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Nr. 38 Der Israelit 15. September 1932 In einem zweiten Schreiben an den Senator für Inneres protestierte das Präsidium der jüdischen Gemeinde dagegen, daß versucht wird, die inländischen gegen die ausländischen Juden auszuspielen. In dem Brief wird auf das Strafgesetz hingewiesen, welches die Behörden verpflichtet, gegen öffentliche Hetze zu intervenieren, besonders in einem Falle wie dem angeführten, der Ueberfälle auf schutzlose Juden im Gefolge gehabt hat. Die Regierung sei verpflichtet, Leben und Gesundheit der in Danzig lebenden Juden ohne Unterschied der Staatsangehörigkeit zu schützen. — Abschriften dieses Schreibens wurden an den Präsidenten des Freistaates Danzig und an den Justiz-Senator gesandt. Schweiz. Der schweizerische Bundespräsident gegen den Antisemitismus. Bern, 12. Sept. Bei der Waldstättefeier in Luzern anläßlich der 600jährigen Zugehörigkeit Luzerns zur Schweizerischen Eidgenossenschaft hielt letzten Sonntag der Bundespräsident Motto eine hochbedeutsame Rede, wobei er u. a. auch auf den Antisemitismus zu sprechen kam und den freiheitswidrigen, antidemokratischen Geist neuer politischer Strömungen scharf verurteilte. Er brandmarkte namentlich den Rassenfanatisinus, der sich auch gegen die Juden wende, als unschweizerisch ... Diese Rede wurde durch die Schweizer Sender übertragen und machte ungewöhnlich starken Eindruck, weil sie vom höchsten Magistraten des Landes und in so feierlichem Augenblick in Gegenwart der andern Bundesräte, der höchsten Behörden und Vertreter aller Volksteile gesprochen wurde. Die Juden der Schweiz aber erblicken in der bedenklichen Tatsache, daß dies in der ältesten Demokratie der Welt von höchster Stelle aus ausgesprochen werden muß, ein Zeichen der Zert nach dem Weltkriege und unverdientes „Geschenk" der freundnachbarlichen Länder deutscher Zunge an die friedfertige, Liebe und Völkerversöhnung ausstreuende Bevölkerung des Schweizerlandes. I. M. Polen. Auch der Tabak-Handel in Polen „judenrein" gemacht. Warschau, 12. Sept. Vor Einführung des Tabak-Staatsmonopols in Polen lag fast der ganze Tabak-Engroshandel in jüdischen Händen Seit Einführung des Staatsmonopols wurden die jüdischen Engroshändler systematisch aus ihren Positiven hinausgedrängt. Von den einstigen 800 jüdischen Tabak-Engroshandlungen existierten zuletzt nur 30; 28 von ihnen wurden soeben die Konzessionen entzogen, so daß jetzt nur noch 2 jüdische Engros-Handlungen existieren. In der gleichen Weise wurden auch die jüdischen Detail-Tabakhändler aus ihren Positionen verdrängt. Der Tabakhandel in Polen, einst eine jüdische Domäne, ist heute „judenrein". Lettland. Hitler gegen die Deutschen! Riga, 6. Sept. In Lettland hat sich eine , Nationalsozialistische Partei gebildet, die Hitlers Programm genau übernimmt, aber an dessen Spitze die extremnationalstaatliche Forderung „Lettland den Letten" stellt, die sich eben so sehr gegen die Deutschen wie gegen die Juden richtet. In einer Volksversammlung derlettischen Nationalsozialistischen Partei legte der lettische Hitler, der den deutschen Namen Stellmacher trägt, das Programm der jungen Partei vor. Seine Rede gipfelte in der Forderung, alle Nichtletten in Lettland zu Bürgern zweiter Klaffe zu degradieren: die Staatsgewalt dürfe lediglich in den Händen von Letten liegen, im Parlament sollten in Zukunft nur Letten sitzen, keine Deutschen oder Juden. Stellmacher betonte die Notwendigkeit, sich der „internationalen antisemitischen Bewegung ' anzuschlietzen". Er beruft sich auf Hitler, der für Deutschland die gleiche nationalstaatliche Forderung ausgestellt hat, wie er, Stellmacher, für Lettland. Unter den Deutschen in Lettland besteht Besorgnis im Hinblick auf die. Möglichkeit, daß die junge Nationalsozialistische Partei erstarken und den Boden für die Entrechtung sowohl der Deutschen als auch der Juden in Lettland bereiten könnte. (Weitere Korrespondenzen stehe Seite 13.) POSEN & POSEN SILBERSCHMIEDE Frankfurt a. M., KAISERSTRASSE 5 Bestecke Juwelen, moderner Schmuck Trauringe, Armbanduhren KULTUSGERKTEfür Synagogen-und Hausgebrauch Aparte nwn - Geschenke in größter Auswahl zu billigsten Preisen® Zu den Q'Q' brauchen Sie gute und zuverlässige Augengläser Optik von BIeichsfr.19 am Petersfor, Tel. 21211 | rra Die glückliche Geburt eines gesunden Töchterchens beehren sich anzuzeigen Abraham Wolff und Frau Suzanne geb. Goldschmidt Frankfurt a. M. . i"’’ Friedberger Anlage 1 14, Sept, 1932 Statt Karten J. KALTER und FRAU, Frankfurt a. M. 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