Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1932-09-15 · Heft 38 (15.9.1932) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 38 (15.9.1932)
Date
1932-09-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2450704-2450741--79069-2536811
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

15. September 1932 Der Israelit Nr. 38 Seite 7 fchäftsbericht folgenden Generaldebatte werden die vom Vorsitzenden aufgezeigten Gesichtspunkte vertieft und besonders die Frage der Erwerbslosenfürsorge und der Gehilfenschaft eingehend erörtert. Auf dem Verbänüstage sind auch die angeschlossenen Gehilfenvereine, vertreten. In der Nachmittagssitzung referierte Dr. Karl Schwarz, Leiter der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde und des im Entstehen begriffenen jüdischen Museums zu Berlin, über „Das jüdische Handwerk im Wechsel der Zeiten". Am Abend hielten G o l d m a n n, Hannover und Heinemann, Hamburg, Referate über die jüdischen Handwerkervereine im Gemeindeleben. Der Verbandstag hat kurz vor Schluß der letzten Sitzung eine Reihe Entschließungen einstimmig angenommen, die im wesentlichen lauten: 1. Der Zentralverband jüdischer Handwerker Deutschlands anerkennt und unterstützt alle Bestrebungen, Erwerbslose wieder in den Arbeitsprozeß eidzuordnen. Er ist bereit, sich bei den ihm angeschlossenen Vereinen bei Bedarf für die Anstellung jüdischer Erwerbsloser ein-, zusetzen. Den öffentlich-rechtlichen Körperschaften und ihren Jnstitrltionen obliegt die Pflicht, bei Einstellung von Arbeitskräften ausschließlich auf jüdische Erwerbslose zurückzugreifen. Der Zentralverband wird allen Bestrebungen der Gemeindekörperschaften stärksten Widerstand entgegensetzen, die geeignet sind, den gewerblichen Mittelstand in seiner ohnehin gefährdeten Existenz durch Einrichtung von Einzelbetrieben oder durch Bereitstellung von Gemeindemitteln zur Einrichtung und Betriebserhaltung von Werkstätten, in denen- Erwerbslose kollektiv als Auftragnehmer auftreten, noch mehr zu beeinträchtigen. 2. Die auf dem 10. Verbandstag in Berlin versammelten jüdischen Handwerker Deutschlands legen schärfste Verwahrung gegen die Bestrebungen zur Politisierung der Handwerkskammern und Innungen ein. Seit Jahr und Tag wirft man uns Juden vor, wir seien nicht Schaffende, sondern Raffende. Die mit dem Verbandstag verbundene Werbeschau der Berliner Ortsgruppe hat bewiesen, daß jüdische Handwerker in ihrer Hand- und Kunstfertigkeit Hinte rihren andersgläubigen Kollegen nicht zurückstehen. Wir verlangen, daß innerhalb der Kammern und Innungen jede Klassifizierung nach religiösen oder politischen Gesichtspunkten ausgeschaltet wird. Ebenso wie wir jüdische Handwerker jede Bevorzugung innerhalb der berufsständischen Organisationen ableh- "en, verwahren wir uns gegen jede aus der Zugehörigkeit zum Judentum erwachsende Benachteiligung. Entschließung 3 betrifft den jüdischen Siedlungsgedanken, der nur in enger Zusammenarbeit mit den ortsansässigen Handwerkern gelöst werden könne. Entschließung 4 weist auf die Möglichkeit hin, der in allen Gemeinden Deutschlands bestehenden großen Not der jugendlichen Erwerbslosen durch den freiwilligen Arbeitsdienst ZU steuern, der jedoch nur zusätzliche Arbeiten umfassen und nicht etwa den Handwerkern bereits vorhandene Arbeitsmöglichkeiten nehmen darf. Der antijüdlsche Boykott hat eine Zentralstelle. M ü n ch e n, 1. Sept. Der „Völkische Beobachter" Nr. 195 gibt aus Seite 3 des Hauptblattes „Sonderanweisungen des Leiters der Hauptabteilung IV (Wirtschaft)" bekannt. Aus ihnen ist die Tatsache zu entnehmen, daß dieser Wirtschaftsabteilung eine eigene „Stelle zur Organisation der Boykottbewegung" unter Leitung des Pg. Sturm von der „Kampfgemeinschaft gegen Warenhaus und Konsumverein" angegliedert ist. Es steht also außer Frage, daß der Boykott planmäßig und von einer Zentralstelle aus betrieben wird. Energische Abwehr gegen das bayerische Schächtverbot! Würzburg, 12. Sept. Der Landesverband jüdischer Metzgermeister in Bayern hat auf seiner diesjährigen Hauptversammlung in Würzburg, bei der auch Vertretungen des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden und der Metzgerzwangsrnnung Würzburg anwesend waren, vornehmlich Stellung genommen zum nunmehr zwei Jahre bestehenden Schächtverbot in . Bayern. Die Schächtfrage ist für das jüdische Metzgergewerbe in Bayern heute zur Existenzfrage geworden und es befaßte sich darum die Tagung ausschließlich mit den wirtschaftlichen Auswirkungen des Verbots, die am deutlichsten aus den Schlachtziffern zu ermessen sind. Für Bayern werden gegenwärtig jährlich — es gibt in Bayern 270 jüdische Gemeinden mit 49 000 Einwohnern — außerhalb des Landes mindestens 14 000 Stück Großvieh, 14 000 Kälber und 1500 Stück Schafe geschächtet; dazu kommen noch jährlich 8—10 000 Stück Wurstkühe und Stiere, die vor dem Schächtverbot in Bayern für den Export nach Norddeutfchland geschlachtet wurden, jetzt aber ln außerbayerischen Staaten gekauft und geschächtet werden. Es wurde ferner darauf verwiesen, daß das Schächtverbot in Bayern die Zahl der beschäftigungslosen Metzgergehilfen bestimmt um 200 vermehrt, daß vor allem aber Landwirtschaft und Viehhandel dadurch geschädigt werden,- daß die übergroße Mehrzahl des zu schächtenden Biehes auch außerhalb Bayerns aufgekauft wird, daß die Häute- und Fellverwertungen einen nicht unbedeutenden Ausfall erleiden und daß nicht zuletzt eine bedeutende Mindereinnahme von Schlachthof- und Versicherungsgebühren zu verzeichnen sei. Auch zu dem im preußischen Landtag eingegangenen Antrag auf ein Schächtverbot auch für Geflügel wurde Stellung genommen und dabei besonders heroorgehoben, daß gerade beim Geflügel der Schächtschnitt die rascheste und darum auch die gebräuchlichste Abschlachtung üarstelle und darum auch fast ausnahmslos von allen nichtjüdischen Geflügelhändlern angewendet werde. In der Aussprache war es besonders der Obermeister der Metzgerzwangsinnung Würzburg, Herr Stadtrat Trost, der für die Belange des jüdischen Metzgergewerbes ein ganz intensives Verständnis zeigte. So war es ungemein erfreulich, aus seinem Munde zu hören, daß er die Schächtfrage im Auch Sie sollten nur elektrisch kochen lassen Sie sich über die Tarife aufklären nur bei Ingenieur A. J. HEINRICH, Elektrotechnik Hanauerlandstraße 38 Telefon 26382 Augenblicke als die Kernfrage für den jüdischen Metzger ansehe. In Bayern werde als oberstes Gesetz immer der Satz ausgestellt: Gleiches Recht für alle! Aber dieses gleiche Recht habe gerade der bayerische Staat dem jüdischen Metzger wie der ganzen bayerischen Judenheit genommen. Von den politischen Parteien im Landtag habe nur die bayerische Volkspartei gegen den Erlaß eines Schächtverüotes gestimmt, weil sie eben die Schächtfrage als eine rein religiöse Angelegenheit ansehe. Ebenso wie die christlichen Religionen für sich das Recht freier religiöser Betätigung für sich in Anspruch nehmen, stehe auch unbestritten den Juden das gleiche Recht zu und er empfahl, in dem Schrei nach diesem Recht nicht zu erlahmen. Die Gesamtheit des bayerischen Metzgergewerbes stehe in dieser Angelegenheit hinter ihren jüdischen Kollegen, nur sei der deutsche Fleischerverband erst aufgewacht, als jetzt auch für andere Staaten das Schächtverbot drohte. — Der 1. Vorsitzende, Metzgermeister L e v i, München, dankte dem Redner für diese aufrechten und rückhaltlosen Worte, die in der Hauptsache dazu führten, daß der Verband erneut energischen Protest gegen die einseitige Behandlung erhob. Einstimmig wurde der Beschluß gefaßt, zur gegebenen Zeit und im Einvernehmen mit dem Verband bayerischer israelitischer Gemeinden beim Bayerischen Landtag den Antrag auf Wiederaushebung des Schächtverbotes zu stellen. Bei der vorgenommenen Neuwahl wurde die seitherige Vorstandschaft fast restlos, mit Metzgermeister L e v i, München, als 1. Vorsitzender einstimmig wiedergewählt. L. S. Freistaat Danzig. Lin Briefwechsel zwischen der Danziger Jüdischen Gemeinde und dem Senat des Freistaates. Danzig, 9. Sept. Das Präsidium der Jüdischen Gemeinde Danzig sandte vor einiger Zeit ein Schreiben an den Senator für Inneres, in welchem es sich darüber beschwerte, daß bei einer nationalsozialistischen Straßenkundgebung ein sogenannter „jüdischer Wagen" mitgeführt wurde, aus welchem jüdische Karikaturen und hetzerische Aufschriften zu sehen waren. Der Senator hatte geantwortet, die Regierung habe keinen Grund gehabt, gegen diese Demonstration einzuschreiten, da dem Mitführen des „jüdischen Wagens" keine andere Absicht zugrunde lag, als das Volk zu erheitern: die Karikaturen sollten auch nur ausländische Juden darstellen, gegen die die nichtjüdische Bevölkerung Antipathien hegt. .> Pelzmäntel Jäckchen, Füchse, Kragen und Gollers In ecbl Nerz, Marder und Iltis Reparaturen, Modernisieren, Umarbeiten Manleiligung nacli neues!. Modellen in eigJerMälle zu sehr niedrigen Preisen. Ia Qualitäten. Der Zwischenhandel ist ausgeschallei! Leipzig. Pelzwarenhaiss A. GRÜNES Frankfurt a. M, Gr. FrieiergerstraOe I3-II, Für orthodoxes, gebildetes Mädchen, 29 Jahre alt, aus gutem. Hause mit schöner Aussteuer und Barmitgift bis zu 15 Mille, wird frommer Gatte gesucht am liebsten Beamter, evtl, kommt Tauschheirat mit Beamten in Frage. Ausführliche Offerten unter H 450 an die Expedition dieses Blattes. Seriöse Einheirat Junger Mann aus bester Familie, in Bank- und Schuhbranche bewandert sucht Einheirat mit hübscher Dame. Eigenvermögen vorhanden. Gewerbsmäßige Vermittler verbeten. Anfrag. unt. S. K. 2833 durch Rudolf Masse, Stuttgart. | Gnädige Frau! Nirgends besser und billiger als bei uns! ■oclieii). Reinigiwfl Anzug nw 4.80 Kleid nur 4.30 Mantel fällen 6.20 an etc. etc. loWäsche Kragen auf neu la 12 fl. Oberhemden la 40 fl. Bügel-Salon »CITO« Geschw. Bastanski Seiler str. 25 Telefon 25793 Aulträge iür v"' Frühzeitig erbeten. geschlossen. Sofer M. Beer I Hinter der Schönen Aussicht 14, 2 empfiehlt besonders billig | Tefillin von Mk. 6.- u. Mk. 8 - an Mesusofh von 60 Pfg. per Stück Tefillin nachsehen 1.50 Barmizwotaliesim, Wimpel Grahschriften sehr billig I! Für garantiert koschere Ausführung bürgt meine langjährige Tätigkeit in Frankfm. Höhenluftkurort GERSFELD (Rhön) Pension Griinebaum Volle Ia Verpflegung incl. Zimmer pro Tag 4 M Henny Richter Damenschneiderei Neuheiten Hohlsäume 25 Pfg. Pfingstweidstr. 12ptr. _Telefon 48714 _ H Ein in den allerersten, vornehmsten und hoch- W 8 angesehensten Familien des In- und Auslandes 8 8 wohleingeführter Herr, der infolge feiner Reife- 8 R tätigfeit erste, glänzende Beziehungen zu allen 8 8 Kreisen hat, vermittelt streng dtsfret u. coulant 8 8 unter Verschwiegenheit nur seriöse, 8 | gute und reiche Partien H H In der Schweiz, Franfreich, Belgien, Holland 8 IS und England ganz besonders bekannt. Ausführl. 8 R Off. mit Rückporto unter „Massel 17" an die Exp. R Es ist gelungen , für das Bcshamidrasch den vom Muncacevor Raw rr"v'^D als hervorragend. nVsn Van empfohlenen Herrn Rabb.B. Seltzer "i Vw3"rvn m zum Borvelen in unserem vnrm n’3 zu gewinnen. Zwecks recht zeitiger Platzbestellung wende man sich an den Vorstand, „Beshamidrasch Frankfm., Rechneigrabenstr. 12,2. Große gut erhaltene Siiiftofi zu leihen oder zu kaufen gesucht. Angebote erbeten unter 4065c an die Exp. ds. Bl. Os ist ausschließlich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthalten. Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesetzlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen Gesucht für streng orth. Leipziger 3 Personen-Haushalt arbeitssames tüchtiges Alleinmädchen für Haus und Kückio. Off. Hamburg 13, Bornstr.2,2 l. Ein alleinftehend.Fräulein, der. Vater; erst gestorben ist, sucht Wirkungskreis in ein. Keim od. nröO. Betrieb gegen wenig Vergütung. Off. unt. 4066c an die Exp. Aeltere Haoshäflerin sucht baldigst Stelle. möal. in frauenlos. Haush. Gefl. Ang. unt.40ööe a. Exp. Denken Sie bei Hermon-Druckerei 942

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.