Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 38 (15.9.1932)
- Date
- 1932-09-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2450704-2450741--79068-2536810- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 Nr. 38 Der Israelit kerung in Palästina um 75 000 jüdische Seelen vermehren. Der deutsche Zionismus könnte dabei die Führung übernehmen. Hoofien, der Direktor der Anglo-Palestine Company, ergänzt in einem Korreferat einige Ausführungen Ruppins. In der Debatte wird das Verhältnis des Zionismus zur Assimilation, zum Liberalismus und zum Kommunismus erörtert. Auf die kritischen Bemerkungen antworten Nahum Goldmann und Kurt Blumenfelü. Von den angenommenen Entschließungen seien erwähnt: Abwehrkampf gegen den Verleumdungsfeldzug in Deutschland. Jeder Nationalismus, der auf der Ueberzeugung der Minderwertigkeit anderer nationalen Gruppen beruht, wird verworfen. Vom deutschen Staat wird volle Gleichberechtigung der Juden verlangt. Die weiteren Beschlüsse betreffen die Aufbringung von Alijageldern, Unterstützung von Hachschara-Schulen und Makkabi-Vereinen usw. Der Delegiertentag schließt mit den Wahlen ab. Kurt Blumenfeld wird einstimmig zum Vorsitzenden der Z. V. f. D. wiedergewählt. In den Landesvorstand werden Mitglieder aller Fraktionen in dem Maße, wie sie auf dem Delegiertentag vertreten sind, hineingewählt. Mit einer Schlußrede Blumenfelds geht der Delegiertentag zu Ende. Ablehnung eines Schächtverbotes. D a r m st a d t, 14. Sept. Im Gesetzgebenden Ausschuß des Hessischen Landtages wurde heute der Antrag auf ein Schächtverbot mit Stimmengleichheit a b gelehnt. Protest der Zeire Misrachi für Deutschland. Berlin, 7. Sept. Der Zeire Misrachi für Deutschland hat in seinem in Geisa (Rhön) abgehaltenen 5. Bundeslager eine Resolution gefaßt, worin er gegen die Behandlung des „Hapoel Hamisrachi" in Palästina durch die Exekutive der Jewifh Agency Protest erhebt. Der XVII. Zionistenkongreß habe beschlossen, Scheich A b r e i k, die einzige Siedlung des „Hapoel Hamisrachi", die ihm nach seinem mehr als zehnjährigen Bestehen durch den Keren Kajemeth und Keren Hajefsod ermöglicht wurde, erstmalig in das ordentliche Budget aufzunehmen und finanziell sicherzustellen. Cs müsse aber festgestellt werden, - daß die Exekutive diesem Aufträge in keiner Weise nachgekommen sei und daß darum heute die einzige Seidlung der gesetzestreuen Arbeiterschaft auf dem Boden des Keren Kajemeth vor dem Zusammenbruch stehe. Zeire Misrachi verlangt von der Exekutive, daß sie den Beschluß des Kongresses zur Durchführung bringt. Die gesetzestreue Jugend in der Zionistischen Organisation mache mit allem Nachdruck ihr Lebensrecht geltend und werde für dieses Recht zu kämpfen wissen. Aus der Repräsentantenversammlung. Berlin, 10. Sept. Unter den kleinen Vorlagen und Genehmigungen der Sitzung vom 8. September ist die Bewilligung von 900 Mark für einen neuen Niederlegungsapparat beim Schächten zu erwähnen, der binnen weniger Sekunden das Tier in die für den Schächtschnitt geeignete Lage bringt und somit auch die letzten von tierärztlicher Seite geltend gemachten Bedenken gegen die Vorbereitungsprozedur beim Schächtakte beseitigt. Der Vorsitzende, Dr. Klee, schließt die Sitzung, die letzte im ablausenden jüdischen Jahre, mit einem Rückblick auf die Hetzen und Feindseligkeiten dieses Jahres und mit dem Ausblick auf eine bessere Zeit, in der Vernunft und Verständnis für Menschenwürde wieder die Oberhand gewinnen möchten. will Rußland beschlagnahmte religiöse werke im' Ausland absetzen? Berlin, 6. Sept. Jüdische religiöse Führer und Bibliophilen in Deutschland und wahrscheinlich auch im Auslande haben von der „Meschdunarodnaja kniga" in Moskau, dem offiziellen sowjetrussischen Buchvertrieb, briefliche Verkaufsangebote über hebräische religiöse und weltliche Literatur erhalten. Es heißt in dem Schreiben u. a.: „Hiermit machen wir Sie darauf aufmerksam, daß sich in der jüdischen Abteilung der „Meschdunarodnaja kniga" in großer Auswahl antiquarische hebräische Bücher jeder 15. September 1932 Berlin. Auf die Klage des Rundfunkredakteurs, Dr. Arthur Kirschner, gegen die Direktion des Rundfunks beim Arbeitsgericht wegen unberechtigter Entlassung, fällte das Arbeitsgericht das prinzipielle Urteil, daß Entlassungen aus politischen oder Rassengründen ungültig seien. Mit diesem Urteil wird sich die Säuberungsaktion in den Ministerien und höheren Aemtern schwer vereinbaren lassen. — Zur Zeit findet in Berlin die Generalversammlung des Verbandes jüdischer Handwerker und Gewerbetreibende, verbunden mit einer Handwerkerwerbeschau, die ein Bild von der Leistungsfähigkeit der jüdischen Handwerker aller Berufszweige bieten soll. Ueber die' Veranstaltung selbst wird an anderer Stelle berichtet. — In der Flut der kleinen und großen Anfragen der NSDAP, im Landtage befindet sich auch eine solche über die Zeppelinausflüge des früheren jüdischen Ministerialdirektors Badt. Ob er diese nicht auf Staatskosten gemacht hätte, wollen die Herren wissen. Von einem Gedankenhöhenflug der N. S. zeugt diese kleinliche Schnüffelei gewiß nicht. — In einem weiteren Antrag an den Preußischen Landtag suchen die Nationalsozialisten an Hand der letzten Anschläge auf jüdische Waren und Kaufhäuser zu beweisen, wie wenig populär im Volke diese Warenhäuser sind und daß sie schleunigst verschwinden müssen. Erst hetzt man das Volk gegen die Warenhäuser auf und dann ist die Frucht dieser Hetze ein Indiz gegen den Gegenstand der Hetze! — Ministerialrat Hans Goslar, der 13 Jahre die Pressestelle des Preußischen Staatsministeriums leitete und nunmehr durch das kommissarische preußische Staatsministerium zur Disposition gestellt wurde, nahm am Mittwoch Gelegenheit, sich von den Vertretern der Berliner und auswärtigen Presse in Berlin zu verabschieden. Er betonte, daß sein zukünftiger Weg abseits der Politik verlaufen werde. Ein Vertreter der Presse dankte Ministerialrat Goslar für seine Tätigkeit und nannte ihn einen „guten Kollegen". Die Presse werde ihn sobald nicht vergessen. München. In „Ludendorffs Volkswarte"' beschwert sich General Erich Ludendorff in einem mit seinem Namen gezeichneten Artikel darüber, daß der Reichspräsident von Hindenburg in seiner dem Central-Verein übermittelten Erklärung eine Einschränkung der verfassungsmäßigen politischen und religiösen Rechte und die Ausschreitungen gegenüber jüdischen Reichsangehörigen lebhaft mißbilligt, während der „Tannenberg-Bund" und die freien Deutschen, die sich an den Reichspräsidenten wegen der Vergewaltigung verfassungsmäßiger, politischer und religiöser Rechte gewandt hatten, keine Antwort erhielten. Die religiösen Rechte der Tannenberg-Deutschen werden bekanntlich für^ den Wotan in Anspruch genommen. München. Im „Völkischen Beobachter" referiert der bekannte Nationalsozialist Kube über „Von Adolf bis Adolf". Er will die gerade Linie von Adolf Stöcker bis Adolf Hitler aufzeigen. Wir könnten den Stamm-, bäum Hitlers sogar um ein paar Jahrtausende' weiter zurückführen . . . Düsseldorf. Der Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands erläßt zu den bevorstehenden Feiertagen einen Aufruf, worin er an alle jüdischen Arbeitgeber appelliert, ihr jüdisches Personal für die Feiertage zu beurlauben und ihm dadurch Gelegenheit zu geben, „in der Feier dieser Tage neue Kraft und inneren Halt zu gewinnen." Zürich. Das Organ der schweizerischen Katholiken, „Neue Züricher Nachrichten", wünscht, daß die nationalsozialistische Bewegung in der Schweiz als staatsgefährlich verboten werde. Genf. Zum Präsidenten des neunten Kongresses der Völkerbundsligen, der seit dem 7. September in Genf in Anwesenheit von Vertretern des Völkerbundes tagt, wurde H. Jacques Kunstenaar, ein Schweizer Jude, ernannt. Men. Hier wurde ein BunöIüdischer Frontsoldaten Oefterreichs gegründet, der viele tausende Mitglieder umfaßt. Jerusalem. Im Monat Juli ds. Js. betrug die Zahl der jüdischen Einwanderer nach Palästina 418 unter einer Gesamtzahl von 513. Mehrere der jüdischen Einwanderer brachten größeres Kapital zum Zwecke von Neugründungen mit. Art (religiöse, weltliche und wissenschaftliche), unter ihnen sehr viele alte und seltene Ausgaben, befinden und bezogen werden können." Es wird angenommen, daß es sich um jene religiösen Werke handelt, die seinerzeit in den jüdischen Bet- und Lehrhäusern und bei Privatpersonen beschlagnahmt worden sind. Ein damals unternommener Versuch, diese Bücher im Auslande abzusetzen, war durch den seitens der polnischen und litauischen Rabbiner gegen den Ankauf dieser Bücher ausgesprochenen „Eherem" (Bann) gestört worden. Es scheint sich nun um eine Erneuerung dieses Versuchs zu handeln. In einem Gespräch mit dem JTA.- Vertreter machte Herr Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer, dem ebenfalls ein solches Verkaufsangebot zugegangen ist, darauf aufmerksam, daß der von den Rabbinern ausgesprochene Bann noch heute gilt. Jüdische Firmeninhabex können antisemitische Angestellte fristlos entlassen, Berlin, 6. Sept. Das Arbeitsgericht Berlin hatte vor kurzem entschieden, daß die jüdischen Inhaber einer Firma nicht berechtigt sein sollten, einen Angestellten wegen beleidigender antisemitischer Aeußerungen fristlos zu entlassen. Das Landesarbeitsgericht hat jetzt das Urteil der ersten Instanz abgeändert und der Berufung der Firma stattgegeben. Der Kläger war Kriegsbeschädigter und arbeitete als Kontorist in einer Großhandlung neben vielen jüdischen Kollegen. Nach den Preußenwahlen führte er wüste antisemitische Gespräche. Obgleich die Entlassung eines Kriegsbeschädigten nur mit Zustimmung der Hauptfürsorgestelle ausgesprochen werden darf, falls er nicht einen wichtigen Grund zur fristlosen Kündigung gegeben hat, entschlossen sich die Inhaber zur fristlosen Entlassung und zahlten freiwillig noch zwei Monatsgehälter. Nach Ansicht des Landesarbeitsgerichtes hatten die Aeußerungen des Klägers den Sinn, daß die Juden keine anständigen Menschen seien. Diese Worte wären auch gegen seine Arbeitgeber und seine jüdischen Arbeitskollegen gerichtet gewesen. Bei einer so erheblichen Ehrverletzung der Inhaber einer Firma sei ihnen die Weiterbeschäftigung des Angestellten nicht zuzumuten. Die Aufrechterhaltung eines ordnungsmäßigen Betriebes wäre gefährdet gewesen, wenn die Inhaber das Verhalten des Angestellten geduldet hätten. verbandstag der jüdischen Handwerker Deutschlands. Berlin. 13 Sept. Der 10. Verbandstag des Zentralverbandes jüdischer Handwerker Deutschlands wurde am Sonntag, den 11. September, in Gegenwart von vielen Hunderten jüdichen Persönlichkeiten aus allen Kreisen der Berliner Gemeinde eröffnet. Die erste, Begrüßungsansprache hielt der Vorsitzende des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Direktor h. c. Wilhelm Kleemann, als Protektor der » Werbeschau des jüdischen Handwerks. Der zweite Verö bandsvorsitzende und erste Vorsitzende des Berliner Orts- - Vereins, Tapezierermeister W o lff, Repräsentant der Jüdischen Gemeinde, gab ein umfassendes Bild von der vom Verband und-seinen Ortsvereinen geleisteten Einzelarbeit, wie sie sich in der großen Werbeschau verkörpert. Nach Jahrzehnten verminderter Aufmerksamkeit 'ür die Notwendigkeit eines jüdischen Handwerkerstandes wird sich die jüdische Oeffentlichkeit seit kurzem unter dem Einfluß des Zentralverbandes jüdischer Handwerker ihrer Verpflichtung gegenüber dem Handwerk bewußt, die zugleich eine Verpflichtung gegenüber der Zukunft des Judentums ist. Bruno W o y d a überbringt die Grüße und Wünsche des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden. Am 12. September, morgens, begann der - geschäftliche Teil des Verbandstages. .Der Vorsitzende des Zentralverbandes, Wilhelm Marcus. Berlin, gibt die eingelaufenen Vegrüßungskundgebungen bekannt. In dem dann folgenden ausführlichen Geschäftsbericht befaßt sich der Vorsitzende zunächst mit Interna des Verbandes usid belegt alsdann im einzelnen, wie erst durch die Zusammenfassung der jüdischen Handwerker in ihren Ortsvereinen und im Zentralverband die Bearbeitung der jüdischen Oeffentlichkeit Erfolg gehabt und das jüdische Handwerk in Gemeinden und Verbänden eine angemesl sene Vertretung hat erlangen können. In der dem Ge-