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Der Israelit · 1932-09-15 · Heft 38 (15.9.1932) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 38 (15.9.1932)
Date
1932-09-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 38 Der Israelit richtig bis zur letzten Konsequenz. Die A'iisrachikonferenz in Polen war eine scharfe Abrechnung. Hoffen wir, eine ebenso ehrliche Selbstabrechnung, die zur Einkehr führt; Linkehr in sich und Linkehr in d i e Reihen, wo heute genügend Platz und Arbeit für jugendliche „Arbeitswillige" wäre. Eine Sprache der Verzweiflung. „Zizen^k, podolien. In einem Dorfe sind in einer einzigen Rächt 15 Juden gestorben. Die Rlassenbestattung der verstorbenen machte auf die gesamte jüdische Bevölkerung des Distriktes einen niederschmetternden Eindruck. In Zmerinka sterben die Menschen in den Häusern und das Vieh auf den Feldern Hungers. Die Züge sind voll von Flüchtlingen, die ihre Dörfer verlassen und ziellos umherreisen. Lin Pfund Mehl kostet 2A Rubel, ein Pud (40 Pfund) Kartoffeln SO Rubel, in Odessa sogar 60 Rubel. Die Preise sind noch im Steigen. An den Hunger haben sich die Menschen nachgerade schon gewöhnt, schlimmer stnd die zahllosen plötzlichen Verhaftungen unschuldiger Menschen. Die Verhafteten werden in dunkle Keller geworfen. All das sehen jene Touristen-Gesellschasten, die in Rußland gut empfangen und bewirtet werden, nicht. Wenn' sie zu uns kämen, wir würden sie schon über die wahre Sachlage informieren. Fortwährend steht man in den Straßen Menschen mit vom Hunger geschwollenen Gesichtern und eingesunkenen Augen. Ungeachtet all des Elends werden jetzt auch noch die Deklassierten aus ihren Häusern vertrieben, viele haben kein Dach mehr über ihren Köpfen." Diese Sätze stnd Briefen entnommen, die die Organisation „ H i t a ch d u t h " in _ Palästina aus verschiedenen Gegenden in Rußland erhalten hat und jetzt als Belege zu einem Berichte über die Lage der Juden in Rußland veröffentlicht. Mir geben diese verzweiflungsschreie wieder, nicht aus Sensationslust, auch nicht um Stimmung gegen das „rote Paradies" im Osten zu machen. Zu erschütternd ist die Tragödie, als daß sie in unserer Seele noch Raum für andere Gedanken und Gefühle als für die des Mitleids und M i t l e i d e n s lassen könnte. Cs geht nicht allein um die paar Fälle, die die Briefe betreffen. In einer Zeit, da wir in Deutschland uns in „Krisenzuständen" befinden, in Amerika „Stockungen in der Prosperität" erleben, gehen Millionen unserer Brüder in Polen der Verelendung entgegen, und Polen kann noch als Dorado angesehen werden, im Vergleich zu dem, was sich in Rußland vor unseren Augen abspielt. Tausende Juden sind dort buchstäblich dem Hungertode ausgeliefert. Dadurch, daß die Sowjetregierung den Antisemitismus bekämpft und für die Ansiedlung mehrerer tausend Juden auf dem Lande sorgt, ist das Problem der Hunöerttausende deklassierter Juden, die tatkächlich Hunger leiden, nicht gelöst. Bei aller Würdigung dessen, was die Sowjetregierung nach dieser Richtung Hst, dürfen wir unsere Augen nicht vor der Tatsache verschließen, daß Tausenden jüdischen Familien in Sowjetrußlanö völliger Untergang droht, von dem dem russischen Judentum drohenden geistigen Untergang wollen wir in diesem Zusammenhänge schweigen.; ,i: Was kann, was soll von uns aus zur, Rettung der Brüder in Rußland geschehen? Für große umfassende Aktionen, wie sie unter normalen Umständen die jüdische Bruderliebe, diktiert vom Thoragebot *]sn m hy *naim rr^ hätte schaffen müssen, ist leider keine Möglichkeit gegeben. Im Zeitalter der Schnelldampfer, Zeppelins und Stratosphärenflüge sorgen Zollgrenzen und chinesische Mauern einer Autarkie-Politik dafür, daß vom Ueberfluß der welternte und der Weltwirtschaft kein Weizenkorn die Darbenden in den Ländern des Hungers erreicht. Für Sowjetrußlanö kommen noch andere Faktoren hinzu, die „die Wohltat zum Verbrechen" machen, wo sich aber Gelegenheit bietet, im Kleinen zu helfen, sei es durch Lebensmittelpakete oder indirekte Geldsendung, entziehe sich keiner der Bruderpflicht. Was Rot ist, wissen wir heute auch im Westen zur Genüge. Vielleicht ist aber gerade in der jetzigen Notzeit unser Herz mehr aufgeschlossen für die noch größere, bis zum buchstäblichen Hunger gediehene Not des Bruders. von einem Aleingemeindebeamten. mm Die Diskussion um die Kleingemeinden mündet allmählich in ein soziales Stadium. Und das ist auch vom religionspädagogischen Standpunkte aus das Gesündere. Die Herren Rabb. Dr. Münk, Ansbach und Oberr. Dr. Alt mann, Trier, haben es mehrmals öffentlich richtig ausgesprochen: Nicht Gemeindesubventionen, sondern Neubelebung des Erwerbes der ländlichen Juden tut am meisten not Das beste Schulsystem und die beste Lehrerpersönlichkeit werden wenig wirken, wenn die Not alle Kulturansprüche erlöschen gemacht hat. Nicht mehr vereinzelt sind infolge der Zeitverhältnisse ländliche jüdische Familien, die selbst um den öffentlichen Schulbesuch, erstrecht den jüdischen Religionsschulbesuch ihrer Kinder nicht mehr sich kümmern können oder wollen. Von der Schulbank führt der Weg i n ni ehr als einem Sinne und in mehr als einem Falle auf die Straße. Wir sollten nicht erst warten, bis eine Linksdiktatur oder eine andere Gesero da ist, die man selbstgerecht für das Aufkommen solcher „Besprisornye" verantwortlich machen kann — solcher Kinderscharen ohne jede religiöse und überhaupt kulturelle Erziehung. Auch wir Klcingemeindebeamten, die wir genug Opfer bringen, indem wir unsere Kinder solchen Vorbildern aussetzen, müssen die Verantwortung ablehnen. Die kleingemeinöe lebte immer von ihren „Arrivierten" in der Stadt oder über See. Daß deren Gabe heute spärlicher als früher fließt, das wird man nur bedauern, nicht tadeln dürfen. Aber Organisation zu sozialer Hilfe für Kleingemeinden ist das Unabweislichste. Wir wollen auf unserem Posten für die jüdischen Lehrer aushalten, wenn man nur unseren Gemeindemitgliedern soweit helfen will, daß sie wieder Willen zu Menschlichem und zu Ueberiröischem fassen können, von einem Thorakenner mag man erwarten, er solle in der Not seinem elterlichen Ideale und unfern heiligsten Gütern treu bleiben. Die seit Generationen in Materialismus versunkene Landbevölkerung wird eines „Auszugs aus der Knechtschaft" bedürfen, bevor sie den Weg zum Sinai findet. Diskussion über den Antisemitismus. Von Dr. MarimMan Landau in JZerki«. (Schluß.) Cs ist bezeichnnd, daß unter den jüdischen Mitarbeitern des Buches, die alle möglichen jüdischen Schattierungen repräsentieren,' k e i.ii Vertreter' ö e s g l Lubigen I u ö e n t u m s v o r tzam'dste ist i st. Der einzige" Beitrag, der^.öas Problem vornehmlich vom rein religiösen Gesichtspunkte behandelt, ist vom Verlag zurückgewiesen worden und ist nunmehr als selbständige Arbeit im Selbstverlag des Verfassers Uriel Birnbaums erschienen (Uriel Birnbaum: Volk zwischen Nationen, Wien l932). Die Lektüre des schönen Aufsatzes macht nicht verständlich, was den Verlag veranlaßt hat, den Beitrag zurückzuweisen. Alan mag mit einzelnen temperamentvollen Uebertreibungen nicht einverstanden sein, aber im ganzen zeugt der Aufsatz von soviel Belesenheit, und soviel Nachdenken über den Stofs und ist mit einem so tiefen Ernst geschrieben, daß er jedenfalls turmhoch über vielen anderen Beiträgen des Buches steht, die das Papier nicht wert sind, das sie bedecken. Cs ist sicherlich paradox, daß, um mit Birnbaums Worten zu reden, die Verteidigung der Iuöenheit gegen den Antisemitismus gerade den ärgstassimilierten, entjuöetstcn Scheinjuden (womit natürlich nicht alle jüdischen Mitarbeiter des Sammelwerks gemeint stnd) Vorbehalten ist — also gerade jenen Leuten, die den Hauptteil des heutigen Judenhasses verschuldet haben — und einer, der sich ganz als bewußter Jude fühlt, seine in mancher Hinsicht klärende und entgiftende Meinung nicht äußern darf.. Denn Birnbaum 16. September 1932 hat ein ebenso feinfühliges Verständnis für die Eigenart des deutsch-germanischen Wesens, wie er von der einzigartigen Bedeutung und großen weltgeschichtlichen Aufgabe des jüdischen Volkes durchdrungen ist. Cr verschmäht es, die Juden nach dem üblichen Schema als „normales" Volk hinzustellen, das nicht anders ist und daher nicht anders gewertet sein will als alle anderen Völker, sondern er bekennt sich stolz zu der Lehre von der Auserwähltheit Israels, für die er schöne Formulierungen findet. „Der Glaube der Juden an ihre Auserwähltheit ist eines der würdigsten Beispiele der Bedeutung und Gewalt jener- Mischung von unbedingtem Stolz und unbedingter Demut, wie nur der Gutgläubige sie fühlen und verstehen kann." Das Iudenproblem, hat Birnbaum erkannt, ist ein metaphysisches, ewiges; auch der Judenhaß ist ewig, denn er stellt ein providentielles Rlittel dar, zur Erhaltung der jüdischen Sonderexistenz zwischen den Völkern . Somit ist eine Lösung der Iudenfrage im Sinne einer restlosen Beantwortung, einer gänzlichen Beseitigung, der Natur der Sache nach, unmöglich. Aber was möglich und notwendig ist, das ist: einen modus vivendi, eine Form des vernünftigen Zusammenlebens zu finden, die der notwendigen Spannung die brutale, unmenschliche Schärfe nimmt, und zur Erreichung dieses Zieles fordert Birnbaum, hierin sich mit Hermann Josef Wehrte begegnend, eine Kanipfgenieinschaft aller gutgläubigen Religionen sowie einen Abbau des als h e i ö n i s ch. e r k a n n t e n N a t i o n a l i s ° m u s. Birnbaum geht mit seinen eigenen Brüdern scharf ms Gericht. Das ist im Interesse einer fruchtbaren Auseinandersetzung nur zu begrüßen, denn bisher litt noch jede Debatte über das Iudenproblem zum Teil daran, daß man auf jüdischer Seite niemals verstehen und Ansehen wollte, was den Gegnern am Herzen lag. Aber Selbstkritik darf nur immanent sein und darf sich nie dem Blickpunkt des Gegners anpassen. Hemmungslosigkeit in der Wahl der Ausdrücke und gelegentliche unwillkürliche Verwendung der antisemitischen Phraseologie, wie sie sich bei Uriel Birnbaum manchmal vorfindet, ist vom jüdischen Standpunkt gefährlich, weil sie übelwollenden Gegnern die Gelegenheit gibt, sich auf Stützung ihrer ungerechtfertigten Anklagen durch jüdische Zeugnisse zu berufen. So wird, in dem besprochenen Sammelwerk selbst, in der dummen antisemitischen Sudelei eines gewissen Hans H a u p t m a n n ein früherer scharf kritischer Artikel Uriel Birnbaums mit großem Behagen zitiert und triumphierend als Selbstbekenntnis des Judentums ausgerufen. Im Grunde aber — und wir stnd Birnbaum dankbar, daß er das ausgesprochen hat, — ist all dies aufgeregte Geschrei um den Antisemitismus nicht sehr wichtig. Für glaubende Juden ist der Judenhaß nicht so bedeutungsvoll wie das durch keinerlei heidnische Rebellion aufzuhaltende Näherkommen der vollen Erfüllung der schop heute halb erfüllten Verheißung: 6-s.ch-e h e n w i r ö,,e s.i.n späten Zeiten, da wstrd auf geeicht et sein der Berg des Hauses des Ewigen über den Bergen, und er überragt die Hügel, und e s st r ö m e n zu ihm all die Völker. Und viele Nationen werden ziehen und sprechen: Wohlan, lasset uns hinaufgehen zu m Berge des Ewigen,zum Hause des G'ttes Jakobs, daß er uns lehre von seinen Wegen . . ." Mensch und Prophet lm Rhythmus der Zeit. Von Oberrabbiner Dr. Adolf Altmann in Trier. (Fortsetzung.) Man muß es aussprechen, mag es auch noch fo 'remd klingen, man muß' es frei heraus sagen: Die Zeit muß wieder kommen, wo die Mneschen nach der Gnade Ausschau halten, nach jenen Ouellen lechzen, die vom Offenbarweröen der letzten Dinge über ch hinaus zeugen. Vielleicht ist diese Zeit, gerade weil ie uns so ferne scheint, nicht mehr allzuferne. Wan ist ja mit dem bißchen Menschenverstand, das da meinte, die Welt im Sturm zu nehmen, beinahe fertig. Der Rationalismus aller Systeme hat versagt- 15. Es r ben, sinnl führj inen, ,1ichi jeder Die nur durch ansg ssn o bcfin erbet könn weist ^u b ten, ins 1 ist, r auf 1 die! Kress bei i recht, ans feit, läßt. Sach Mss hatte hend alles c Zeit in d ben bin, in ö wort mens und verhc nenh diese Zeit. keine mal nis , durch mußt an s Arbc cieili stuft sozio komn guno Elen liebet nicht nicht und denn andc auso diese Dinc Dinc muß Eine West daß fehlt feit, nüns begr lung schm sehr relig des chao es r

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