Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 38 (15.9.1932)
- Date
- 1932-09-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Der Israelit Nr. 38 Seite 3 15. September 1932_ Leite» und störend in den Weg treten soll. In Tvahr- Ljt jft dies nicht der Fall. Durch ernste, zu Ehren DffV betriebene wissenschaftliche Forschung Lm das Thorastudium nur Förderung und Bereicherung erhalten. Alle Begriffe werden mit wissenschaftlicher Klarheit erfaßt, vieles Dunkle wird durch die Forschung aufgehellt und unzählige Irrtümer beseitföt." (Fortsetzung folgt.) Wochenrundschau. AbsplMerungsbeslrebungen im Zionismus. wenn zwei das Gleiche tun, so ist es doch nicht drs Gleiche! Fast zu gleicher Zeit fand in Warschau eine Konferenz der M i s r a ch i j u g e n d und in Wie n gleich eine Welt konferenz der Neri s i o tx i st e n statt. Misrachismus und Revisionismus find trotz taktischer Annäherungen der letzten Zeit zwei Pole, zwischen denen sich alle Spielarten zionistischen Denkens bewegen. Misrachi nimmt, wenigstens grundsätzlich, den Primat der Thora für sich in Anspruch, der Revisionismus raffelt mit dem Holzsäbel und täuscht ein Kraftmeiertum vor, das schon beinahe grotesk anmutet. Also können in Warschau die Verhandlungen sich nicht auf gleichem Geleise bewegt haben wie in Wien. In einem trafen sich aber Warschau und Wien, Misrachileute und Revisionisten: in der strikten Ablehnung der zionistischen Politik, in der Opposition gegen die zionistische Leitung, in dem Schrei der jüngeren Flügel nach Selbständigkeit bis zum Austritt aus der Weltorganisation. Die Klagen des Misrachi sind seit Jahr und Tag bekannt. Der angesammelte Groll kam in Warschau zur explosiven Entladung: Seine Wünsche wurden mcht erfüllt, Versprechungen an ihn nicht eingehal- /cit, sein Schulwerk im Budget stiefmütterlich behandelt, seine letzten Kolonien in Palästina im Stich gelassen. Sie liegen' in der Agonie, während für hie Gründung von neuen Kwuzoth linksradikaler Arbeiter Platz und Geld genug da sind. Man mutet sogar in einem Falle den letzten Misrachisieölern zu, auszuziehen und linksstehenden Arbeitern Platz zu machen. „Wir haben mitgeholfen, die Sabbatentlveihung zu finanzieren, allen Religionsschändern Karriere zu bereiten, was Huben wir für uns erreicht?" bewußte Träger der Sinaikunde fühlen und bewähren. "i rmnnpm 'p^x 'i nnam Daß du es (was das Leben bringt und was es füllt) hinstellst vor dem Angesichte des Ewigen deines G'ttes, auf daß es in seinem Lichte erstrahle — und daß du dich beugst vor dem Angesichte des E. deines G'ttes, (auf daß du in dieser deiner frommen Demut wachsest in deinen Ausgaben und Zielen), das ist im letzten Sinn und Wesen unseres Judentums, mit dem uns der himmlische Vater begnadet hat. Der Schosar erklingt, um uns auf- Zunitteln und unsere Herzen zu G'tt zu erheben. Wer wollte da nicht mit Ohr und Seele lauschen diesen heiligenden, läuternden Klängen? . . . (Die Zahl der gefallenen jüdischen Offiziere.) Aus verschiedene beim Reichsbund jüdischer Frontsoldaten eingegangene Anfragen über die Zahl der im Weltkriege auf deutscher Seite gefallenen jüdischen Offiziere und Sanitätsoffiziere teilt der R. j. F. auf Grund des demnächst erscheinenden Gesallenen-Gedenkbuches folgendes Mit: Von den 12 000 jüdischen Gefallenen Deutschlands smd 10 060 mit allen Personalien, nach Truppenteilen, aus den Nummern der amtlichen Gefallenenliste fsstgeuellt. Unter diesen heeresamtlich festgestellten 10 060 jümschen Gefallenen befinden sich laut genauen Angaben ^0 gefallene jüdische Offiziere. Berücksichtigt man die wesallenen-Gesamtziffer von 12 000, so kommt man zu fein Schluß, daß etwa 322 jüdische Frontoffiziere gefal-;en sind. Unter den 10 060 heeresamtlich festgestellten i"a!lchen Gefallenen befinden sich ferner 155 jüdische Sanitätsoffiziere. Man kann demnach — die Ziffer Verlag des Israelit u. Hermon G. m. b. H. In unserem Verlag erschienen soeben: Die drei großen Propheten Jesajas, Jlrmija und Jecheskel Von Oberrabbiner Dr. Josef Carlebach in Altona 133 Seiten in steifer Broschur RM. 3-— in gediegenem Leinwandband RM. 4- — Zwischen Ruinen und Aufbau in Erez Jisroel Eindrücke einer Erez Jisroel-Reise mit der Palästine-Centrale der Agudas Jisroel von S- Schachnowitz 77 Seiten, steif broschiert, RM. 0.50 Die sexuelle Not in jüdischer Schau Von Dr. med- Jacob Levy 82 Seiten, steif broschiert, RM. 0.50 Lebenskampf und Weltanschauung Eine Erkenntnis und Aufrüttelung von Oberrabbiner Dr. Altmann 29 Seiten, steif broschiert, RM. 0.50 Zu beziehen durch alle besseren Buchhandlungen, sowie auch direkt vom Verlag gegen Überweisung der Beträge auf Postscheckkonto Frankfurt a- M. Nr, 19802, Porto innerhalb Deutschlands für die Propheten RM. 0.30 für die kleinen Broschüren RM. 0.10, für alle drei kleinen Broschüren zusammen RM. 0.15. 12 000 zugrundegelegt — eine Zahl von 185 gefallenen jüdischen Sanitätsoffizieren annehmen. Dr. Felix A. Theilhaber hat in seinem Buch „Jüdische Flieger im Weltkrieg" versucht, die Schicksale einzelner ihm bekannter jüdischer Flieger festzustellen. Nachträglich wurden ihm noch die Namen von weiteren 37 Fliegern bekannt. Insgesamt hat er 168 jüdische Flieger der deutschen Wehrmacht ermitteln können, von denen 30 den Heldentod starben. Eine weitere Zahl dürfte seiner Kenntnis entgehen. In einer Mitteilung an den Reichsbund jüdischer Frontsoldaten gibt Theilhaber die Namen der nachträglich noch ermittelten 37 jüdischen Flieger, von denen 5 den Fliegertod gestorben sind, bekannt. Der R. j. F. bittet seine Kameraden, etwaige Ergänzungen oder Berichtigungen ihm möglichst umgehend zugehen zu lassen, damit sie in der bevorstehenden Ausgabe des Nachtrags zum Fliegerbuch verwendet werden können. (Hitler als Geschichlsdeuler.) Der von Hitler herausgegebene „Völkische Beobachter" teilt unter der Ueberschrift „Das Hakenkreuz in Judenburg" mit, daß die Bergstadt Judenburg in der Steiermark nun ganz vom Hakenkreuz erobert worden ist. Der „Völkische Beobachter" zitiert dann angebliche alte Chroniken, aus denen hervorgehen soll, daß die Judenschast Iudenburgs im Mittelalter die Christenheit unterdrückt hat. Der „V. B." erzählt: „Schon 100 Jahre früher hatten die Einwohner Judenburgs den Versuch gemacht, die Judenplage abzuschütteln und durch Selbstschutz die jüdische Hand von der Gurgel zu ziehen. 1312 flammte der Haß auf, weil die Bürger erfahren hatten, daß die Juden in der Christnacht die sämtlichen Christen der Stadt durch gedungene ruft ein Führer der Misrachijugend. 211(0, Selbständigmachung und Sammlung in einer eigenen Partei! In Wie n waren die Klagen anderer Natur. Auch dieses revistonistischc Lamento kennt man zur Genüge: Man habe England gegenüber zu wenig den starken Mann gespielt! Da aber die zionistische Leitung sich immer noch weigert, „ihre Geschütze und Panzerautos mitsamt ihren Legionen gegen England in Bewegung zu setzen," so müsse man es eben auf eigene Faust tun. Man wünscht 2lbbruch aller Beziehungen zur Exekutive, Austritt, Selbständigmachung. Natürlich denken und reden nicht alle so. Und es ist schon beinahe Ironie des Schicksals, daß sich Iabotinsky, einstmals der jüdische Ludendorff geannnt, von den jüngern Stoßtrupps in seiner Partei sagen lassen muß, er sei ein schlapper Pazifist, ein Opportunist, der die Flinte ins Korn werfe und einen müden Frieden suche, Frieden mit der zionistischen Leitung, Frieden mit England. Da nützt es nichts, daß sich seine alten Freunde, Groß m a n n, L i ch t h e i m , Stricker, deckend vor den Führer stellen. Auch sic sind eben Verräter, besonders L i ch t h e i m , der im verdachte steht, mit der zionistischen Leitung verhandelt zu haben . . . Es gibt „Maximalisten" und „Aktivisten" im Revisionismus, den sogenannten „Achimeier-Block", der kategorisch auf dem 2lus tritt aus der Zionistischen Organisation besteht. Es ist das altbekannte Spiel aus der großen Politik, das sich hier im Kleinen bis auf den letzten Zug wiederholt. Demagogen und Scharfmacher haben niemals die Massen, die sie scharf gemacht haben, in der Hand. Jugend nimmt Phrasen wörtlich, macht sic zur Parole und Weltanschauung und zieht die letzte Konsequenz. Die verantwortlichen Führer einer radikalen Bewegung möchten, wenn sich die Dinge all zu sehr zuspitzen, bremsen, die „Sturmabteilungen" innerhalb der Bewegung sind aber nicht mehr zu halten ... Da wird auch die von der „Jüdischen Rundschau" für nötig erachtete „Abgrenzung des jüdischen Nationalismus gegen andere Formen des Nationalismus, wie sie uns aus der Umwelt entgegentreten," nicht viel nützen. Beim Misrachi wirkt sich diese naturnotwendige Erscheinung mehr zum Guten aus. Eine ehrliche, weniger komplizierte Jugend versteht sich nicht auf Politik, auf „Versprechungen aus Staatsraison", sie will, aktivistisch eingestellt, Taten sehen. So nennt sie das Kind beim richtigen Namen und drängt folge- D1AK9N “ Puder bewahrt Ihren Liebling Vor Wundsein. Söldner töten lassen wollten, um allein und ungehindert in dem damals stark befestigten Ort regieren und den lebhaften Handel bestimmen und ausnützen zu können. Das gepeinigte Volk stand auf und rächte sich für den Wucher und die Aussaugung. Zwei Drittel der in Judenburg wohnenden Juden wurden totgeschlagen." Hitlers Organ bringt aus diesen „alten Chroniken" weitere Berichte über „Judenschuld" und „Volksrache an den Juden". Aus dem Blutdurst der mittelalterlichen Horden wird ein edler sittlicher Trieb, aus den Märchen, die krankhafte Phantasie zur Stillung der Blutgier ersonnen, historische Fakta gemacht, und aus der ganzen Darstellung ist zu ersehen, daß sich der Schreiber von diesen Mitteilungen Wirkung auf die Gegenwart verspricht. (Wieviel Juden gibt es in Marokko.) Die Zahl der Juden in Französisch-Marokko betrug Ende Mai 1931 laut den im Regierungsanzeiger veröffentlichten Ziffern 107.603. Diese Zahl betrifft jedoch nur die eingeborenen Juden, nicht aber ausländische oder europäische Juden, deren Zahl auf 5000 bis 6000 geschätzt wird. Außerdem zählt man in der internationalen Zw)e in Tanger und in Spanisch-Marokko, die in die obigen Zahlen nicht eingeschlossen sind, eine jüdische Bevölkerung von annähernd 20 000 Seelen. Die Gesamtzahl von Juden in Marokko ist laut begründeter Schätzung 150 000. Die bedeutendsten jüdischen Zentren in Marokko sind Casablanca mit 19 960, Fez mit 11307, Meknes mit 7 715, Mogaüor mit 5 468 und Rabat mit 4 218 Juden. Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton E. Schachnowttz, Frankfurt a. M.; Inserate i. V.: S. Schachnowitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann, in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag oes Israelit und Hermon G. m. b. H., Frankfurt a. M. — Druck Hermon Druckerei, Frankfurt a. M.