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Der Israelit · 1932-09-08 · Heft 37 (8.9.1932) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 37 (8.9.1932)
Date
1932-09-08
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 2 Nr. 10 Der Israel et Glätter 8. September 1932 Tatsache, das; es seit dem Umsturz der unentwegten zionistischen Propaganda gelungen ist, einen Teil der orthodoxen Jugend zu beeinflussen und für ihre Bestrebungen zu gewinnen. - Die Führer der westslowakischen Orthodoxie stnö zu der Ueberzeugung gelangt, dast dieser gefährlichen Werbearbeit nur durch eitle Weltorganisation der Jereim mit Erfolg begegnet werden kann und die Richtigkeit dieser Ueberzeugung ist in den letzten Jahren auf der ganzen Linie bewiesen worden. Gerade Podkarpatska-Rus ist ein klassisches Beispiel für die Richtigkeit des in der Westslowakei hochgehaltenen Anschlußgedankens. In podkarpatska-Rus hat die orthodoxe Landesorganisation seit fünf Jahren a u f g e h ö r t zu funktionieren und die Folge ist eine vollkommene Entartung des jüdischen Lebens in den einzelnen jüdischen Gemeinden. So sind z. B. seit jener Zeit in zwei der grössten orthodoxen Gemeinden gesonderte n e o l o g e Gemeinden entstanden mit der Eigentümlichkeit, das; die Rlilglieder dieser neologen Gemeinden nicht etwa moderne Liberale sind, sondern chassidische Orthodoxe. Ulan blicke nach der drittgrößten jüdisch-orthodoxen Gemeinde, nach Beregsas; dort, wo bisher eine Einheitsgemeinde von etwa 8000 Seelen vorhanden war, entstand vor einigen Monaten eine neologe Gemeinde, deren Mitglieder ausschließlich der chassidischen Richtung angehören. Das ist eine Degencrierungserscheinung im orthodoxen Gemeinöeleben von Padkarpatska-Rus, hervorgerufen durch den Mangel an Organisation, durch das Fehlen einer Zentralstelle, die berufen wäre, alle Streitigkeiten im Wege eines geordneten Schiedsverfahrens auszutragen. Sollte dieser Zustand längere Zeit andauern, wird die komnrende Generation zwischen einer orthodoxen und einer neologen Gemeinde überhaupt nicht mehr zu unterscheiden wissen. Was ich damit zu beweise wünsche, ist die Tatsache, daß eine Landesorganisation trotz ihrer scheinbaren Bodenständigkeit und trotz ihrer 60jährigen Vergangenheit nicht als etwas Vollkommenes und Vollendetes betrachtet werden kann, daß vielmehr nur der engste Anschluß der orthodoxen Landesorganisation an eine Weltvereinigung aller Gesetzestreuen den ungestörten Lebenskreislauf über alle Gefahren der Zeit hinweg sichern kann. Roch klarer scheint uns das durch die Erfahrungen auf dem Gebiete der I u g e n d e r z i e h u n g in Podkarpatska-Rus bewiesen. Gerade dort, wo ein Teil der führenden orthodoxen Kreise aus Furcht vor nichtreligiöser Beeinflussung sich mit Entschiedenheit gegen den Anschluß an Agudas Iisroel gewendet hatten, gerade dort verfällt ein großer Teil der Jugend, die man nicht in die 2l g u d a s I i s r o e l h i n e i n f ü h r e n wollte, unaufhaltsam den Hangar m e n der z i o n 1 st i s ch e n Organisation. So sehr also auch die 2luffassung der hiesigen maßgebenden Gesetzestreuen Würdigung verdient, wonach man die Jugend ohne Berührung mit westlicher Kultur der überlieferten Religion erhalten soll, so darf man sich der Wahrheit der Tatsache nicht verschließen, daß die Werbetätigkeit der Zionisten m i t ihrem unheilvollen, die Religion auflösenden Einfluß nur durch eine umfassende weltumspannende Gegen Organisation aufgehalten werden kann. Sonst schwindet der Einfluß der orthodoxen Führer nicht nur auf die Jugend, sondern auch auf den größten Teil der Erwachsenen unaufhaltsam dahin und man erlebt, daß, wie die parlamcntswahlcn ergeben haben, von 60—90 000 jüdischen Stimmen 70—80 pcoz. für die zionistische Liste abgegeben werden. Diese Crscheinvgnen rechtfertigen vollkommen die weise Voraussicht der an der Spitze der slowakischen Orthodoxie stehenden Führer, die durch ihren rechtzeitigen Anschluß an die Agudas Irsroel-Weltorganisation dee einheimischen Orthodoxie einen unvergänglichen Dienst geleistet haben. Mir unterliegt es keinem Zweifel, daß diese Taktik früher oder später auch dort zum Durchbruch gelangen muß, wo man bis heute der Uleinung war, sich hinsichtlich des Anschlusses an die Agudas Iisroel Reserve auferlegen' zu müssen. Ein neues Organ der Agudas Zisroel-Zugendorganifation Deutschlands. Das bisher vom Verband gefetzeslreuer jüdischer Iugendvereine Bayerns, also von der bayerischen Abteilung der Agudas Iisroel-Jugendorganisation herausgegebene „ R a ch r i ch t e n b l a t t " ist für den Monat Aw erstmals als Organ der g e - s a m t e n Jugendorganisation erschienen. Cs wird damit erfreulicherweise ein neues geistiges Bindemittel geschaffen, das die Iugendgruppen und die darin arbeitenden jungen Menschen, über die Tagungen und Trefsahrten hinaus, zueinander führt und die Möglichkeit schafft, durch lebhaften Ideenaustausch der Vielseitigkeit und Einheitlichkeit des agudistischen Gedankenkreises zu dienen. Die uns vorliegende Rümmer bringt an der Spitze einen 2lufruf der Organisationsleitung und alsdann eine ganze Reihe frisch geschriebener interessanter Aufsätze von aktuell agudistischcr Bedeutung. Unter der Ueberschrist „2lgudas Iisroel an die Front" wird eine stärkere' Betätigung der Aguöo-Gruppen im Gemeindeleben gefordert. In der Rubrik: „Die Agudobrille" wird in kurzer, oft satirischer Form Stellung genommen zu allerlei Tagesereignissen unter dem Gesichtspunkt der agudistischen Anschauung. Alsdann folgen Rach richten aus der Welt-Agudo und eine spezifisch-bayerische Beilage. Wir wünschen dem Blatte freundliche Aufnahme und stetiges Gedeihen. Das harrende G'ttesgesetz. Von 2. h. in Frankfurt a. 2ft. I. Zwei Jahrtausende befinden sich die Juden, weil sie die ihnen gegebenen g'ttlichcn Gesetze nicht befolgt, aus dem heiligen Lande vertrieben, unter den Völkern der Erde zerstreut. Seit eben so langer Zeit harrt die G'tteslehre auf ihre endliche 2lnerken,mng und Erfüllung seitens aller Juden. Daß wir diese uns gestellte g'ttliche 2lnforderung während des verflossenen langen Zeitraumes nicht verwirklicht haben, ist ein beschämendes und niederdrückenöes Zeugnis dafür, daß das zu erstrebende Ziel nicht unserer ganzen jüdischen Gemeinschaft beständig vor Augen stand, und daß sie ihm nicht mit ganzer Innigkeit des Herzens nachjagte. Das Streben, religiöse Gesetzestreue unserer jüdischen Gesamtheit gleichsam in. Fleisch und Blut übergehen zu lassen, sie diesem Ziel auf dem kürzesten und sichersten Weg entgegenzuführen, mußte zu jeder Zeit unsere vornehmste und dringendste Aufgabe sein. Haben wir uns je nach den Ursachen gefragt, weshalb diesen Bestrebungen ein Totalersolg bisher nicht beschießen war? Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß unsere bisherigen Maßnahmen, dieses Ziel zu erreichen, unzulänglich waren. Den untrüglichsten Gradmesser für diese Beurteilung bildet die Tatsache, daß heute noch leider ein sehr großer Teil der Iudenheit die Gesetzesvorschriften der heiligen Thora nicht befolgt. 2lus tiefster Brust ringt sich der Schrei der Getreuen nach dem starken wann, dem von G'tt erleuchteten Geist, der die gesamte Iudenheit bald und sicher zu dem so sehnlich erstrebten Ziel allgemeiner Thoraerfüllung und damit zugleich in die versöhnten Arme unseres G'ttes zu führen vermöchte. II. In allen kultivierten Ländern arbeiten beständig die besten Köpfe an. den schwierigsten Problemen auf allen wissenschaftlichen Gebieten, deren Lösung nicht nur allein öem betreffenden Volke, in dem sie erstanden, zum Vorteil gereicht, sondern auch Gemeingut der ganzen Menschheit wird. Sollte das Problem, die Juden in ihrer Gesamtheit fest und dauernd im g'ttlichen Gesetz der Thora zu verankern, unlösbar sein, oder sollte dieses Gesetz von der jüdischen Gesamtheit nicht ausführbar sein? Leides ist entschieden zu verneinen. Ein Jeder von uns ist berufen und verpflichtet, an der unser so dringend harrenden Lösung des Problems, ein Jeder nach seiner besonderen Veranlagung, nach bestem wollen und Können mitzuarbeiten. III. Es muß nun zwar zugestanöen werden, daß zu jeder Zeit die Besten in unserer jüdischen Gemeinschaft, sei es einzeln, in Gruppen oder Vereinigungen, bemüht waren, Tauroh und Gesetzestreue unter den Juden zu verbreiten. 2lber all' diese Bemühungen erreichten niemals dasjenige Ziel, das zu erreichen einzig doch nur anzustreben war und angestrebt werden muß: Ganz Iisroel mit Tauroh zu erfüllen, und die Tauroh von seiner Gesamtheit ausgeführt zu sehen.- Cs geht nicht an, daß sich das Interesse der Gesetzestreuen unter uns vorwiegend auf ihre eigene religiöse Vervollkommnung und der ihnen Gleichgesinnten konzentriert, während sie für den Indifferentismus und Abfall unter unfern Brüdern meist nur ein Bedauern übrig haben. Sie werden sich in erhöhtem Maße auf den Gedanken einstellen müssen, daß sie für diese. religiös Gleichgültigen und vom Judentum Abfallenden vor G'tt haftbar sind, und daß sie. unentwegt mit den aussichtsreichsten Mitteln darauf hinwirken müssen, religiöse Interessenloflgkeik innerhalb der Iudenheit radikal zu bannen, und statt dessen der Tauroherfüllung zu einer ständigen, dominierenden Stellung in der Gesamtjudenheit zu. verhelfen. IV. Dieses Ziel in der Gesamtjudenheit zu erreichen, muß ein neuer Weg beschritten, ein neues System erwählt werden, wie dies im Rachfolgenden noch Erwähnung finden soll. Der Erfolg wird vielleicht erst in mühevoller, hingebender Arbeit erreicht werden, und soll gründlich erreicht werden und s. G. w. ohne Rückfälle und von dauerndem Bestand sein, so lange dieses System aufrecht erhalten wird. V. ' Zu diesem Ziel, Laurohersüllung in die Gesamtjudenheit einzuführen, kann kein anderer weg, alsder unserer entsprechenden Beschäftigung mit dem. Cinzelindividuum in unserer jüdischen Gemeinschaft führen. Unsere kontrollierende 2lufmerksamkeit vor allem nach der religiösen Richtung muß den Einzel- Menschen, den Linzeljuden von seiner Geburt an, sein ganzes Leben hindurch, bis zu seinem Tode begleiten. Aber nicht nur auf seine religiöse Ertüchtigung zum gesetzestreuen Juden allein werden wir achten müssen, sondern, wo dies erforderlich, auchauf seine sanitäre, berufliche und wirtschaftliche. Csmuß ihm außer Tauroh erforderlichenfalls auch Gesundheit und Brot vermittelt werden, denn wo die beiden letzteren fehlen, wird auch die erstere verkümmern. Diese zusammeufassende Beschäftigung mit dem Cinzelmenschen tu unserer jüdischen Gesamtheit ist unerläßliche und grundlegende Bedingung zur Erreichung des anzustrebenöen Zieles. Wehe, wenn wir hierbei auch nur eine einzige Seele ln Israel übersehen! Sich selbst überlassen, kann sie Gefahr über die ganze jüdische Gemeinschaft bringen und zu ihrem Sturze führen. VI. Im vorstehenden ist versucht worden, in kurzen Umrissen die notwendigsten,. elementarsten Erfordernisse zur Gesundung und dauernden Aufrichtung eines allgemein gesetzestreuen Judentums zu geben. Dieselben zum Leben, Wachstum und zur schließtichen Vollendung auszubauen, wird unter Leitung hierzu Berufener unser stetes und dringendstes Anliegen sein müssen. Gin Lebenslauf. Im Nachfolgenden veröffentlichen wir auch den Begleitbrief, der uns zu dem vorstehenden Aussatz zugegangen ist, da er die aus dem Leben geschöpften Motive zu den Ausführungen des Verfassers enthält und den Schlüssel zu ihnen bietet. An die Redaktion der Blätter der Landesorganisation der Agudas Iisroel in Deutschland. Ich gestatte mir, Ihnen einliegendes Manuskript „Das harrende G'ttesgesetz" mit der höflichen Anfrage zu übersenden, ob Sie dessen Druckaufnahme in Ihrem geschützten Blatte übernehmen würden. Um Ihnen einigen Aufschluß über mich, und damit vielleicht gleichzeitig auch über die innersten Beweggründe, die mich zu meiner beiliegenden Schrift veranlaßten, zu geben, gestatte ich mirnachstehend eine kurze Schilderung meines seitherigen Lebensganges zu geben, soweit religiöse Beziehungen mit demselben in Verbindung zu setzen sind. Als Kind armer Ettern in einer kleinen Stabt der Provinz Westpreußen geboren, verlor ich meine fromme Mutter bereits, als ich noch nicht 5 Jahre alt war. Mein -

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