Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 37 (8.9.1932)
- Date
- 1932-09-08
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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dev £andesovgan!|a(ion dev Rgudar-Aisvoel in Deuffcnland. 8. Jahrgang ‘ ' Berlin, 8. September 1932 / 7. Elnl 5692 Nummer 10 Schriftleitung: wolfS. Jacobson in Berlin. Verlagspost an statt Frankfurt a. M. I O cksgruppen und Jugendgruppen! ^2? 22^? 71X1 I22^ 71X Mannigfach dienen die Abbreviaturen des ViVk dazu, uns auf die großen Tage vorzubereiten, die er einleitet. Unser Verhältnis zu G'tt sollen sie verinnerlichen helfen, unser Verhältnis zum Rebenmenfchen veredeln. Auch die Beziehungen der' Generationen zueinander werden, erneut geprüft. „Und es beschneidet der Ewige, dein G'tt, dein Herz und das Herz deiner K i n d e r ", so lautet die einleitend zitierte Formel, unter der wir die Beziehungen der Litern zu den Kindern^ der Alten zu den Jungen, zu prüfen haben. G'tt wendet sich zunächst an die Litern und dann an die Kinder, zunächst an die Alten und dann an die Jungen! Wir verkennen keineswegs den hohen Segen, den das Eintreten der Jugend für eine hohe Sache bedeutet. Wir freuen uns ihrer Frische, ihres Temperaments, ihrer Aufgeschlossenheit und ihrer Schwungkraft. Line Sache ist gut geborgen, wenn sie unter der Jugend Annehmer hat. Dieser Freude an der Arbeit und Bereitschaft der Jugend dürfen wir uns aber nur unter einer doppelten Linschränkung hingeben: Den Alten darf der Eifer der Jugend nicht zum Vorwand dienen, selber nichts tun zu brauchen, und die Jugend muß sich bewußt bleiben, daß es die Sache der Alten ist, die sie vertritt. Denn G'tt wendet sich zuerst an die Alten, beschneidet ihr Herz, daß es aufnahmefähig sei für den Dienst G'ttes. Auf den eilten ruht also vor allem die Pflicht, für die Sache des Götzen und Guten einzutreten. Und G'tt sagt der Jugend, daß es die gleichen Ideale, denen die Herzen der Alten bereits geöffnet wurden, fein und bleiben müssen, für die die Jugend sich kämpfend einsetzt. Wir deutschen Agudisten wollen uns diese Lehre recht tief ins Herz prägen. Wir Alten vor allem haben es uns klar zu machen, daß Me. agudistische Jugend uns nicht frei macht von der Arbeit für die Gesamtheit. Man hört es in unseren Kreisen so oft, daß es schön und gut sei, wenn die Jugend sich lebhaft und frisch für die Dinge einsetzt und sich, wenn es nottut, mit ihnen . auseinandecfetzt. Das Alter habe aber ganz andere Sorgen. Der Existenz- und Abwehrkampf absorbiere alle Mittel und Lnergien. Als ob die Lnergien nicht wüchsen, die Kräfte sich nicht vervielfältigten, wenn wir uns über die Lnge des Tages und des Hier hinausheben und neben der Sorge für das Ich die für das Du kennen würden. Die deutsche Landesorganisation hat sich am Anfang dieses Llulmonats mit einnn RundschrRönt an. alle deutschen Agudisten gewandt ":D sie auf die mannigfachen Arbeitsmöglichkeiten und Rotwendigkeiten hingewiesen, die gerade in solchen Uot- und Llendszeiten nicht vernachlässigt werden dürften. Der deutsche Rabbinische Rat hat diese Aufforderung auf das Eindringlichste unterstützt. Wird dieser Ruf das erhoffte Lcho finden? Werden beherzte Menschen, Männer wie Frauen, ihm Erfüllung verschaffen, wird das große soziale Programm, das den Gruppen vorgelegt wurde, wenigstens teilweise Annehmer und Lrfüller finden? Werden sich Arbeiter oder nur — Rörgler finden? „ Ls beschneidet der Lwige, dein G'tt, dein Herz", hoffen wir, daß die Herzen offen, die Hände geschäftig die Hirne nachdenkend sind! . „Und das Herz deiner Kinder!" Unsere Jugend ist unsere Hoffnung! Möge sie nicht zu schänden werden! Cs genügt nicht nur Geschäftigkeit, es gehört auch guter Wille dazu, sich in die Gesamtheit einzuordnen! Die Jugend ist nicht immer klüger und weitsichtiger als das Alter! Sie möge ihren Stolz darein setzen, gemeinsam mit den Alten die großen Aufgaben zu erfüllen, an denen heute wahrlich kein Mangel ist. Sie möge ihr Herz für die gleichen Aufgaben beschnitten wissen, denen Sinn und Seele der Alten aufgeschlossen ist. Und wenn die Alten mal gar zu langsamen Entschlusses, gar zu vorsichtigen Abwartens sind, dann mögen sie nicht gleich ungeduldig werden. Und wenn die Jugend sich in der geistigen Erfassung ideologischer Dinge weiter und weiser dünkt als die Alten, dann, auch dann, möge sie wissen, daß G'ttessurcht, das Höchste, was wir erreichen können, als Lohn der sich einordnenden Bescheidenheit, nicht aber der sich distanzierenden, ihre eigenen Wege wandelnden Ueberheblichkeit winkt. Aber andererseits, man mache es der Jugend nicht zu schwer, daß sie nicht irre wird an dem Sinn der Agudas Iisroel als der Organisation der aufrechten Charaktere, der Organisation der kompromißlosen Orthodoxie. Wenn sie die Lntrechtung der auf dem Boden der selbständigen Orthodoxie Verharrenden als eine mit dem Geist der Agudas Iisroel unvereinbare Vergewaltigung empfindet und darum das Mitwirken führender Agudisten an dem Zustandekommen solcher Lntschlüsse als Verrat betrachtet — Tatsachen, zu denen die Verhältnisse gerade am Vorort der deutschen Landesorganisation die traurigen Illustrationen liefern —, dann darf man sie nicht um des lieben Friedens willen zu beschwichtigen versuchen, dann muß von vernehmlicher und maßgebender aguöistischer Stelle das Wort der Klärung gesprochen und eine Reinigung der Atmosphäre vorgenommen werden. Denn das Herz der Alten und der Jungen soll ja nicht für irgend eine gleichgültige, beliebige Sache gewonnen werden, es geht ja um das Letzte und Höchste: zu lieben den Ewigen, deinen G'tt, nt i 1 deinem g a n z c n Herzen u n d deiner ganzen Seele, um deines Lebens w i l l e it! Ls geht ja darum, daß Alter und Jugend für den Siitn und den Inhalt ihrer jüdischen Existenz zu kämpfen sich bereit finden. Daß sie G'tt lieben und dieser Liebe die höchsten Opfer bringen. Daß sie sich des Warum und Wozu ihres ganzen jüdischen Seins bewußt werden. Solches Bewußtsein zu wecken, und da, wo cs wach ist, zu vertiefen, dies ist ja eine der größten Aufgaben unserer agudistischen Gruppen. Ihre Lösung liegt Orts- und Iugendgruppen g e m e i n f a m ob. Und wenn es vorkommt — und es ist vorgekommen — daß man im jüdischen Kreise die Autorität der Thora in gewissenloser Weise schwächt, und wenn dann Jugend sich wehrt, es wäre die vornehmste Aufgabe des Alters, der Jugend in diesem Kampf bcizustehen, „um deines Lebens willen!" Rach> einem Wort des Baal Haturim entspricht rwt “pn1? nK im Zahlcnwert:n'>wvn nw1? m- Das heißt, Rloschiachs Zeiten sind gekommen, wenn die verschiedenen Generationen sich einmütig zusammenfinden bei der Lösung der großen jüdischen Aufgaben. Hoffen wir, daß die Orts- und Iugendgruppen der Agudas Iisroel die rechten Kreise sind, in denen unsere Rienschen sich finden zu einer festen Gesinnungsgemeinschaft, die Aufgaben jüdischer Gegenwart löst, um damit jüdische Zukunft berbcifübren zu helfen. ' w. S. I.' Die slovakische Orthodoxie und das 20 jährige Aguda-Zubiläum. Von 21?. Gukmann, Präses der orthodoxen israelitischen Kultusgemcinde in kofice. vor etwa 60 Jahren gelang es der orthodoxen Iudenheit im alten Ungarn, ihre vollkommene Selbständigkeit zu erlangen und es ist ihr in diesem Zeitraum gegluckt, diese Errungenschaft sich nicht nur ungeschmälert ungeachtet aller Anfechtungen zu erhalten, sondern ihre Landesorganisation unter Ablehnung aller sogenannten Unifikationsversuche immer mehr auszubauen. Rach dem Umstürze war es innerhalb der Rachfolgestaaten die s l o v a k i s ch e Orthodoxie, deren Führer es zuerst verstanden, noch im Jahre 1920 ihrer Organisation eine gesetzliche Grundlage zu schaffen, bei der Regierung die Anerkennung ihr-.-r völligen Autonomie zu erlangen und p' vnieC:w' dieser Autonomie in Bratislava das cvit Zentralbüro zu errichten. Die 2lutonomie, deren sich die iüoifche Orthodoxie in der Tschechoslowakei seit!? gabren erfreut und die in mehreren Entscheidungen des obersten Verwaltungsgerichtes anerkannt n nt ist, gelangt in der Praxis zur vollen 2Rwn. >g, indem die Staats- und Landcsbehörden jeden Eingriff in die Selbstverwaltung der slowakischen orthodoxen Iudenhert ablehnen und die Auslug!-.w aller strittigen und administrativen AngelegeAnM-n sowohl der einzelnen Gemeinde als auch der Gesamtheit der obersten Spitze der autonomen konfesi-o:'.. der Zentralkanzlei, zuweisen. Trotz dieser gesetzlich garantierten iuk aus fester Grundlage beruhenden Selbständigkeit uuo Unabhängigkeit hat die orthodoxe Zcntralleituug uutcr der bewährten Führung des in diesem Jahre leider dahingegangenen Oberrabbinec Weber Vrsn schon vor einigen Jahren den A n s ch l u ß t <: d e. Agudas Iis r o e l - W e l t o r g a n i § a : io n vorbehaltlos vollzogen, so daß in den orthodoxen Kultusgemeinden der Westslowakei Ortsgruppen der 2lgudas Iisroel seit jener Zeit ins Leben gerufen wurden und in fortdauernder Weiterentwicklung eine erfolgreiche Tätigkeit entfalten. Dagegen sind dem Einzüge der 2lgudo-Bewcgnng in der O st f l o w a k e i, insbesondere im Gebiete von p o d k a r p a t s k a - R u s Schwierigkeiten in den Weg gelegt worden, u. a. mit der Begründung, der 2lnschlnß an die 2lgudas Iisroel bedeute eine wenig wünscheitswerte 2lnnäherung an das zwar orthodoxe, aber allzu kulturfreundliche Westeuropa, andererseits genüge der feste Rahmen der heimischen Landesorganisation. Das 20jährige Jubiläum, das die 2lgudas Iiscoel-Weltorganisation soeben begangen hat, gibt erwünschten 2lnlaß auf die praktischen Erfolge der 2lgudas Iisroel auf allen G e b i c t c it des wischen Lebens insbesondere aus dem Gebiete des C r z i e h u n g s w e s e n s in Polen, hinzuweisen und es war gebotetl, im Zusammenhang damit doch einmal die Berechtigung der' reservierten Stellung zu prüfen, die manche orthodoxe Kreise in der Ostslowakei dem 2lgudo-Gedanken gegenüber cinncbmcn zu müssen glauben. Was die Führer der slowakischen Orthodoxie zu der Erkenntnis zwang, daß ’ der Anschluß an 2lgudas Iisroel nicht mehr aufgeschobeit werden dürfe, war zunächst der große Gedanke der Eiitigung aller Gefetzestrenen der Welt in einer Zentralorganisation, die keines Landes mii kräftigem orthodoxjüdischem Leben entraten kann. Das liegt im Intereffc der Länder selbst und bedeutet vor allem, daß immer dann, wenn eine Landesorganisation ans welchem Grunde immer, in ihrer Zfnnktion versagt oder Schaden erleidet (das kann trotz aller gesetzlichen Garantie jederzeit sich ereignen), die Weltorganisation als Kraftquelle für jedes Land verbleibt. Der 2lnfchluß an die 2lgudas Iisroel-Weltorganisation müßte aber auch erfolgen im Hinblick auf die E r z i e h u n g u n s c r e r I n g e n d. Trotz der im Geiste des Ehatham Sofer geleiteten und g'ttlob blühenden slowakischen Ieschiwos mit ihren Vorbilönngsanstalten ist es eine unleugbare