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Der Israelit · 1932-09-08 · Heft 37 (8.9.1932) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 37 (8.9.1932)
Date
1932-09-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 37 Der Israeli t 8. September 1932 8/X0I0? selbstverständlich nur bei Ingenieur fl. J. HEINRICH, Elektrotechnik Hanauerlandstraße 38 Telefon 26382 Sämtl. Apparate werden zur Probe aufgestellt Von der fieichsposf zugelassen. Für die Gartenbauschule in Ahlem beschloß der Ausschuß nach einem Bericht von Dipl.-Jng. W o y d a, eine Subvention von 1000 RM. Ebenso wurde nach einem Referat von R.-A. Horooitz, Frankfurt a. M. für das jüdische Lehr gut in Geringshof, das sowohl in Bezug auf Ausbildung wie Betrieb sehr gute Erfolge gezeigt und die erste jüdische Kolonne des Freiwilligen Arbeitsdienstes geschaffen habe, 2500 RM. bewilligt. Bezirkstagung des Landesverbandes Württemberg. Stuttgart, 5. Sept. Am Sonntag, den 28. August, hielt der Landesverband für die Interessen des gesetzestreuen Judentums in Württemberg seine erste Bezirkstagung ab. In dem hübsch gelegenen Schwarzwalddörfchen R e x i n g e n, das eine recht bedeutende Gemeinde beherbergt, hatte sich in dem jüdischen Gasthofe „Zum Kaiser" eine sehr stattliche Anzahl von Glaubensgenossen jeglichen Alters und Geschlechtes zusammen gefunden, z. T. aus entfernten Teilen des Landes. Herr Oberlehrer Spatz begrüßte im Namen der Gemeinde die Versammlung; Herr Moses Herz aus Hall, der Vorsitzende des Landesverbandes, eröffnete die Tagung mit einem ehrenden Nachruf auf den kürzlich verstorbenen Siegfried Kahn in Kannstatt, der als Mitglied der Landesversammlung und als Vorstandsmitglied des Landesverbandes sich hohe Verdienste um die Sache der Gesetzestreuen erworben habe. Dann gab Herr Herz einen Bericht über die Tätigkeit des Landesverbandes, über seine Zwecke und Ziele. Herr Rabb. Dr. Bohrer aus Gailingen sprach in seinem Vortrage „über die Gefahren der Gegenwart". Er ging von dem Satze aus: die Juden sind durch drei Eigenschaften ausgezeichnet: wwni „sie sind züchtig und schamhaft, mitfühlend und menschenliebend" und warnte vor der gegenwärtig sich breit machenden Schamlosigkeit und Unsittlichkeit, Ehescheu und Mischehen-Seuche. Er führte Beispiele rührender Wohltätigkeit und brüderlicher Hilfsbereitschaft aus Krieg und Frieden an. Der zweite Redner, Rabb. Dr. M. Kahn aus Mergentheim sprach über die „Aufgaben der Gegenwart", die in Rückkehr zum altüberlieferten Judentum bestehen, in Achtung von der Thora und dem von ihr ausgehenden Schrifttum, in dessen Studium und treuen Befolgung. Er wies auf die in ganz Deutschland bemerkbare Rückkehr zum talmudischen Studium hin und besprach noch die Hauptgebote wie Niddo, Schabbos, G'ttesdienst und brüderliches Zusammenhalten und Stolz auf die Zugehörigkeit zum G'ttesvolke. Der dritte Redner des Tages, Herr Dr. med. Würzburger aus Heilbronn a. N. besprach mehr die praktischen Erfordernisse der heutigen Zeit, den Kampf um die Schechito, wobei er aussührte, daß diese Art der Tötung schon darum so vorzüglich sei, weil bei Gelegenheit der vom Religionsgesetz unbedingt geforderten Durchfchnerdung der Luft- und Speiseröhre auch der zehnte Nerv getroffen wird, der das Herz versorgt, so daß der Tod des Tieres sicher und schmerzlos und rasch erfolgt. Dann verbreitete er sich auch noch über Einzelheiten von Erziehungsfragen. Die Versammlung in ihrer bunten Zusammensetzung lauschte trotz qualvoller Ueberfüllung des Saales und drückender Hitze voll gespannter Aufmerksamkeit den mit warmer Begeisterung vorgetragenen Ausführungen, ein Beweis, daß religiöse Gedanken und Gegenstände immerdar der Teilnahme und Aufnahme sicher sind. Herr Herz sprach das Schlußwort und forderte zum Beitritt z um Landesverband auf, was auch Erfolg hatte. Um das Zustandekommen und den äußeren Rahmen der Tagung hat sich Herr Juda Rothschild verdient gemacht; um einen hübschen anmutenden Sprechchor haben sich zwei Lehrerseminaristen von Rexingen bemüht. Die deutlich sichtbare Begeisterung und Mitgerissenheit der Zuhörer dürfte die Anregung geben, auch in andern Landesteilen ähnliche Versammlungen zu veranstalten. Die Woche. Berlin. Auf dem Stahlhelmtag am Sonntag glaubte der Führer S e l d t e vor Hunderttaufenden mit dem „Angriff" abrechnen zu müssen, da dieser behauptet hatte, Düsterüerg, ein Führer des Stahlhelms, sei von jüdischer Abstammung. So durfte auch dieser Stahlhelmtag nicht ohne ein bißchen Judenhaß ablaufen. In normalen Zeiten unter normalen Verhältnissen hätte die Verteidigung gelautet: „Nicht die Abstammung macht es, sondern der innere Wert und die Führerqualitäten." Selbstverständlich existiert die „jüdische Abstammung" Düsterbergs nur in der krankhaften Phantasie der nationalsozialistischen Rassenschnüffler. Bad Homburg. Vor verschiedenen Häusern wurde in letzterer Zeit von geheimer bübischer Hand G i f t ge st r e u t, wobei sogar ein Dienstmädchen beim Aufkehren einen schweren Ohnmachtsanfall erlitt. Da das Attentat vor dem Haufe eines jüdischen Viehhändlers ausgeführt wurde und vor einiger Zeit ähnliche Giftmasse auch vor der Synagoge gefunden,wurde, ist man überzeugt, daß der Plan von judenfeindlicher Seite erfolgte. Wien. Eine große Gruppe Nazis drang in den Wiener Justizpalast ein und beorohte den Präsidenten der Advokatenkammer, Dr. Kantor, der Jude ist. Dr. Kantor konnte sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Die Eindringlinge zertrümmerten unter großem Gejohle die Einrichtung des Kammerbüros. Als die herbeigerufene Polizei erschien, waren die Huligans bereits entkommen. Man schätzt den von ihnen angerichteten Schaden auf 5000 Schillinge. Budapest. Am 28. Juli wurde dem Vorsteher des Tempels in der Rombach-ucca Julius Weiß, eine wertvolle Thorarolle gestohlen. Dem Dieb, Josef Bagyanik, begegneten, als er sich mit seiner Beute entfernte, zwei Juden, denen es ausfiel, daß er eine Thora unbedeckten Hauptes trage. Sie riefen einen Wachmann, der Vagyanik verhaftete. Bei der heutigen Verhandlung vor dem Schirilla-Senat des Strafgerichtshofes wurde der Angeklagte zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt. Bukarest. , Mitglieder der Eisernen Garde veranstalteten.vor dem Theater in Galätz, wo eine jüdische Theatertruppe spielte, große Tumulte. Die Demonstranten lärmten und überfielen jüdische Besucher eines nahegelegenen Cafehauses. Als die Polizei versuchte, die Demonstranten vom Platze abzudrängen, kam es zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen Polizei und Mitgliedern der Eisernen Garde, bei dem Schüsse fielen und es auf beiden Seiten mehrere Verwundete gab. Es mußte schließlich Militär eingesetzt werden. Madrid. Das spanische Parlament hatte, wie schon mitgeteilt, auf Antrag des Deputierten Antonio Jean, Direktors des Cordova-Lyzeums, beschlossen, die vor kurzem in Cordova ausgegrabene aus dem 14. Jahrhundert stammende schöne Synagoge den Juden zurückzugeben. Nunmehr hat die Altertumskommission des Unterrichtsministeriums einen Schiedsrichterspruch erwirkt, wonach der Parlamentsbeschluß als wirkungslos erklärt wird. Die Synagoge wird nicht der jüdischen Gemeinde zurückgegeben, sondern wird der Altertumskommission unterstellt. Lzernowih. Am 16. September vollendet der bekannte jüdische Politiker und Publizist Dr. Mayer Ebner, früherer Senator und jetziger Deputierter der rumänischen Kammer, sein 60. Lebensjahr. Moskau. Dem JTA.-Vertreter in Moskau wurde von autoritativer Seite versichert, daß das neue Dekret gegen Spekulation die jüdischen Handwerker in keiner Weise berührt. Das Dekret ist gegen Zwischenhändler gerichtet, unter denen freilich auch Juden sind, aber keineswegs in großer Zahl, da die Juden davor zurückschrecken, wieder „deklassiert" zu werden. Jerusalem. Alle jüdischen Kolonisten von K f a r U r i a h , eines Dorfes, das während der arabischen Unruhen im Jahre 1929 zerstört wurde, übersiebeln an eine andere Stelle des Landes. Sie tauschen ihren Boden gegen einen anderen, in der Nähe von Ramleh, ein, den ihnen - ein arabischer Efendi anbietet. Der' neue Boden der Kolonie Kfar Uriah umfaßt ein Areal von 1600 Dunam, wovon die Hälfte Citrusboden ist. — Fünf jüdische Touristen aus Jugoslawen wurden von palästinensischen Jmmigrationsbeflmten an der Grenze zurückgewiesen, weil er sie verdächtigte, daß sie die Absicht haben,, ihren ständigen Wohnsitz in Palästina zu nehmen. Oesterreich. Weltkonferenz der Zionisten-Revisionisten. Wien, 1. Sept. - In der weiteren Verhandlung wurde beraten, wie Englands antijüdischer Palästinapolitik entgegenzutreten sei. Zum ersten Male in der Geschichte der Bewegung wurde auch scharfe Kritik an I abotinsk y geübt. B en Ch o r in aus .Palästina ruft ihm zu: „Zurück nicht nur zu Herzl, zurück zu Jabotinsky", womit er jagen wollte, daß I. seinen eigenen Tendenzen untreu geworden wäre. Als Anwalt für Jabotinsky, seine Politik und auch seine letzte gemäßigte Taktik tritt Robert Stricker auf: Er rühmt.ihn als den besten Vertreter des demokratischen. Führerprinzipes. In der Sitzung am 30. August versuchte Machover einige Erfolge der Revisionistischen Fraktion im zionistischen A. C. festzustellen, so in der Ablehnung des Frenchberichtes. Nach weiteren Frieüensäußerungen proklamiert ein Wiener Delegierter einen „revolutionären Revisionismus", da die Demokratie ausgespielt habe. Ein neuer Tumult entsteht nachmittags um Richard Lichtheim, der eine Rückkehr Jabotinskys zur zionistischen Organisation forderte. Die Nachtsitzung erreichte um drei Uhr morgens ein vorzeitiges Ende. Die benachbarten Häuser, durch den Lärm beunruhigt, riefen nämlich die Polizei herbei, die die Versammung bis ZUM folgenden Tage hermfchrckte. Nach der Generaldebatte hielt Wladimir Jabotinsky feine zweite großangelegte Rede. Er spricht vom Anwachsen der revisionistischen Bewegung und mahnt zur inneren Diszeplin. Nicht Austritt aus der Zionistischen Organisation, sondern, deren Eroberung! Man müsse auch andere jüdische Körperschaften erobern. Die Annahme der Präsidentschaft der Union macht er davon abhängig, daß das Budget bis Mitte Oktober, gesichert sei. Mit den Zellen innerhalb des Revisionismus und ihrem diktatorischen Gehaben rechnet er scharf ab. Die Le.gionsidee bleibt ein Programmpunkt der Union. Er sei Gegner vom Militarismus und Weltkrieg, man müsse aber für alle Fälle gerüstet sein. (?) Er betont die Legalität des Revisionismus auch der ungerechten englischen Politik gegenüber und schloß mit ein paar beruhigenden und schmeichelhaften Worten an die Palästinenser. In den Kommissionen wird über die Massen- Petition an die Regierungen beraten. Es ist geplant, eine solche auch dem Völkerbunde zu übermitteln. Sonntag nacht ging die Konferenz nach neuntägiger Dauer zu Ende. Von der palästinensischen Opposition kamen -vorher noch der Dichter Uri Z w i und I. Katze nelson zu Wort. Letzterer polemisierte gegen die nationale Fondswirtschaft, die nur die Privatinitiative beeinträchtige. Es wurden nach scharfen Meinungskämpfen mehrere Beschlüsse angenommen. Die versöhnlichen Schlußreden von Großmann und Jabotinsky vermochten an der gespannten Stimmung, in der die Konferenz auseinanderging, nichts zu ändern. Polen. Urteil des Revisionsgerichts im Prozeß wulfin. Wilna, 2. Sept. Das Wilnaer Kreisgericht hat soeben das Urteil im Prozeß gegen Samuel W u l f i n verkündet. Das erstrichterliche Urteil, welches auf zwei Jahre Gefängnis gegen Wulfin lautete, wurde aufgehoben und Wulfin zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. In der Begründung heißt es, in Wilna seien weder antijüdische noch antipolnische Unruhen vorgekommen, es hätten bloß Zusammenstöße zwischen chauvinistischen Gruppen stattgefunden. Es mutet wie ein Verlegenheitsurteil an. Aber immerhin: man schämt sich doch wenigstens der Ausschreitungen! ... Rußland. Die Dollarinquisition in Rußland. Riga, 25. Aug. | Die furchtbare Notlage der Juden in Rußland konnte rüher stellenweise noch durch Unterstützungen aus Amerika gelindert werden. Die amerikanischen Hilfsquellen ind bekanntlich infolge der . Krise eingetrocknet. Auf die wenigen Dollars, die aus Amerika nach Rußland noch kommen, veranstalten aber die Sowjetbehörden eine wahre Hetzjagd. Die Menschen, die im Verdachte stehen.

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