Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 37 (8.9.1932)
- Date
- 1932-09-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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8. September 1932 Der Israelit Nr. 37 Seite 3 Bekommt ausgezeichnet - Schmeckt vorzüglich Bewirkt günstiges Absinken des Zucker-dehaltes! Machen Sie noch heute einen Versuch. Laib nur 50 Pfennig. diabetikeS-brot N Ä C Hf DB.S E N FT N E R DINGES-B ROTFABRIK G-M-B-H Grenzjenseitige können wir selbst, aus uns heraus nicht finden, man muß es an uns herantragen, in uns hineinlegen, es muß uns geschenkt werden und das vermag nur die Gnade, die Offenbarung. Und da setzt in der Menschheitsgeschichte statt des Uebermenschen eine andere Uebergestalt ein, der Prophet. Der Prophet ist Ienseitigkeitskünder, Träger der Gnade, Führer über uns hinaus. Auch er ist an sich nur Mensch, ist nicht ein Wesen der transzendenten Welt, der Jenseitigkeit, von der er kündet; er ist Fleisch von unserem Fleische und Blut von unserem Blute. Das muß er auch sein, denn seine Sprache, die er spricht, muß die Sprache des Menschen tum Menschen sein. Aber was er kündet, geht über den Menschen hinaus und führt über den Bezirk der Enge hinweg. „Kleine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und meine Wege sind nicht eure Wege" läßt er die Offenbarung sprechen. Das Leben innerhalb der Grenzen des Nichtwissens ist nicht alles. Darüber hinaus dehnt sich eine Welt des unendlichen Seins. Da herrschen nicht Zeit und Raum, sondern Twigkeit und Unbegrenztheit. Dort hinein vermag der Mensch inmitten seiner Zeitlichkeit zu ragen. Sinneskraft und Decftand reichen freilich dazu nicht aus, aber es ist dem Menschen dafür ein anderes eingeborenes Organ gegeben, Glauben und Ahnen, die Kraft der Seele. „Alles hat Grenzen," sagt schon peraklit, „die Grenzen der Seele aber wirst du nicht finden, auch wenn du alle Wege durchwanderst". An die Seelenkraft des Glaubens und Ahnens knüpft die prophetische Botschaft an. Sie hat der Menschheit den höchsten und bis in das Letzte gehenden Dienst erwiesen. Sie hat gezeigt, daß wir nicht endgültig ait eine grausame Ratur, an ein sinnloses Schicksal, an ein verzweiflungsvolles Nichtwissen gekettet sind, sondern zur Freiheit der G'tteskinder bestimmt sind. An Stelle der Hilflosigkeit und des verzagens an allein und an sich selbst, hat sie dem Menschen eine Zuflucht gewiesen, auf der ewigen Suche, einen Halt gegeben, der keine Fiktion ist. Denn alles Bewiesene und zu Beweisende, erweist sich, wenn du ihm bis auf den Grund gehst, als Fiktion. Rur 'das weiter nicht zu Erklärende, Unbeweisbare, aber darum auch Unwiderlegbare des nun einmal Geistgegebenen, erhebt sich zur Unerschütterlichkert der Intuition. Die nicht stille werdende Frage des Weswegen, Wie und warum auf den Lippen des Menschen ist, wie durch keine andere Kraft und Macht, durch die Offenbarungsantwort hinweggeküßt. G'tt ist letzter Grund, in ihm lösen sich dir die Probleme. Sei stille, Mensch, und halte Frieden. Uebcr dich , hinaus führt ein Weg. Letztes Wissen ist dir nicht gegeben, aber letztes Glauben. Erfahrung und Denkkraft sind Begrenztheiten und darum vermengt mit Täuschung und Enge. Offenbarung aber ist weite, Prophetie ist Freiheit und darum Wirklichkeit und Wahrheit. Lausche der Offenbarung, folge der Prophetie. Ist das nicht weltfremd? Ist cs nicht unzeitgemäß, dem Menschen unserer Tage, als Ausweg aus allem, das ihir bedrängt und bedroht, das ihn bestürmt und anfällt, die Flucht ins Uebersinnliche, ins Transzendente und Metaphysische zuzumuten und zuempfehlen? Das ist doch gerade das Gegenteil von dem, was die Welt heute will. Mensch und Prophet in eine Verbindung zu bringen, erscheint doch heute als eine unmögliche Synthese. Und doch ist es die einzig mögliche Synthese. Das wahrhaft Rottuende und wirklich Zeitgemäße, erschien ja niemals den Zeitgenossen als zeitgemäß. Was gerade Gegenteil von dem, was sie wollten, als das Heilsame anzuerkennen, weigerten sie sich schon immer, wie der kranke sich sträubt, die ihm zuwider erscheinende Pille einzunehmen. (Fortsetzung folgt.) Anzeigen-Verwaltnng des Israelit N2iv rwV sagt man gern Den Kunden, Freunden, Lieben. Es ist ein alter guter Brauch Man sollt* ihn heut’ auch üben! Drum haben wir, so schwer es ging, Die Preise stark beschnitten lind hoffen nun, Ihr folgt dem Wink Worum wir freundlichst bitten. Inseratenpreise, nur für mm vm gültig, bedeutend ermäDigt. Größe 2 Größe 1 Größe 3 .JO.- jetzt M. 6, Die Anzeigen-Verwaltiing des Israelit iorrtspoideazeR * Nacdriedle«. Deutsches Reich. Die Wirtschaftshilfe des preußischen Landesverbandes. Berlin, 5. Sept. Der im April ds. Js. vom Verbandstag neu gewählte Wirtschaftsausschuß des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden trat am Sonntag, den 28. August, zu seiner ersten Sitzung zusammen, um das Arbeitsprogramm für das lausende Geschäftsjahr auszustellen. Die Tagesordnung umfaßte alle Gebiete, auf denen konstruktive Maßnahmen zur Linderung der wirtschaftlichen Notlage der deutschen Juden getroffen werden können. Zunächst wurde der Ausbau des jüdischen D a r - lehnskassenwesens behandelt. Allgemein wurden das Bedürfnis nach Ausgestaltung der bestehenden Kassen 51t Begirksdarlehnskassen und Gründung neuer Bezirksdarlehnskassen betont und Wege zur Ueberwindung der verschiedenen örtlichen Schwierigkeiten erörtert. Der Vorsitzende teilte mit, daß den bereits feit über einern Jahre geführten Verhandlungen mit den zuständigen internationalen Hilfsorganisationen wegen Gewährung eines angemessenen Kapitaldarlehens für Zwecke des Darlehnskassenausbaus in allernächster Zukunft ein Erfolg beschieden sein dürfte Was die Arbeit der Kassen selbst betrifft, so soll der wirtschaftliche Charakter der Einrichtung unbedingt beibehalten und die Darlehen keineswegs zu charitativen sondern nur zu! produktiven Zwecken gewährt werden. Innerhalb dieses aber müßte mit Rücksicht auf die wirtschaftliche Entwicklung der letzten Monate eine weitgehende Lockerung der bisherigen starren Bestimmungen über die Darlehnsgewährung eintreten. An die Stelle formaler Sicherheiten müßte die eingehende Prüfung der wirtschaftlichen Zweckmäßigkeit des Darlehns treten. Im Verlaufe der Aussprache wurde auch die Frage der jüdischen Kreditgenossenschaften und Genossenschaftsbanken erörtert, zu deren Förderung ein Betrag bewilligt wurde. Ueber die Arbeiten der Kommission zur Durchführung einer Branchenenguete berichtete Dr. Kurt Ziele n z i g e r. Ueber die Erfahrungen, die mit der Beteiligung von Juden am Freiwilligen Arbeitsd i e n st auf dein Gute in Neuend 0 rf gemacht worden sind, wußte Berger Günstiges zu melden. Zur Durchführung der Beteiligung von Juden am FAD. in allen Teilen des Reiches soll in den nächsten Tagen ein ausführliches Merkblatt von der als Zentralstelle für den FAD. fungierenden Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge herausgegeben werden. Rechtsanwalt Horovitz, Frankfurt a. M., regte an, die zahlreichen verfallenen Friedhöfe nicht mehr bestehender jüdischer Gemeinden durch den Landesverband selbst im FAD. wieder Herrichten und einzäunen zu lassen. Ueber den Ausbau der jüdischen Arbeitsnachweise und die Organisierung der Erwerbsbeschaffung erstattete Adler-Rudel den Bericht. Er gab von der bisherigen Tätigkeit der Vereinigten Zentrale für jüdische Arbeitsnachweise in Deutschland Kenntnis und schlug vor, im Herbst einen Werbemonat zu veranstalten, durch den die gesamte jüdische Oeffentlichkeit — Arbeitgeber und Arbeitnehmer — auf die Bedeutung der jüdischen Arbeitsnachweise und die Möglichkeiten einer organisierten Erwerbsbeschaffung hingewiesen werden sollen. Ueber die Selbsthilfebestrebungen von jüdischen E r - w e r b s l o s e n durch Gründung von Selbsthilfe- Werkstätten wie in Berlin und durch kollektive Selbsthilfe von Erwerbslosen für Erwerbslose, sowie über die Einrichtung von Fortbildungskursen referierte S z a n t 0. Als Ergebnis der Aussprache konnte festgestellt werden, daß die Nachahmung des in Berlin geschaffenen kleinen Arbeitskollektivs auf genossenschaftlicher Grundlage nicht überall zu empfehlen ist. Wieweit die Selbsthilfe von Erwerbslosen für Erwerbslose bei den beschränkten jüdischen Verhältnissen durchzuführen ist, steht gleichfalls dahin. Als nächster Punkt der Tagesordnung wurde das Problem des Boykotts jüdischer Angestellter und jüdischer Firmen behandelt. An ein Referat von Dr. Ludwig Holländer, der auf die bisherigen Wege der Boykottbekämpfung und auf die Problematik der ganzen Angelegenheit, besonders auch auf die Gefahren, die von jüdischer Seite selbst einer wirksamen Bekämpfung des Boykotts erwachsen, hinwies, schloß sich eine lebhafte Aussprache an, in der zahlreiche Anregungen und Vorschläge gemacht wurden. Durch, systematische Verfolgung aller gebotenen Möglichkeiten, insbesondere auch durch eine umfassende Aufklärung der Oeffentlichkeit soll gegen das Eindringen wirtschaftsfeindlicher Bestrebungen und Tendenzen in das Wirtschaftsleben, von denen der antisemitische Boykott nur eine Form darstellt, angegangen werden. Die jüdischen Arbeitgeber sollen mit allem Nachdruck auf ihre Verp f l i ch t u n g, auch jüdische Angestellte zu beschäftigen, h i n g e w i e s e n w e r d'e n. Zur Durchführung der Boykottbekämpfung wurde ein angemessener Zuschuß bewilligt. Zum Schluß der umfangreichen Tagung erstatteten R.-A. Dr. Elkeles und Direktor Benario Bericht über die Siedlungsbestrebungen und ihre Bedeutung für die Berussumschichtung der deutschen Juden und die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Es wurde davon Kenntnis genommen, daß die Siedlung in G r 0 ß- Gaglow als konsolidiert angesehen werden kann und weitere Zuschüsse nicht benötigt. Allgemein wurde aber der Wunsch ausgesprochen, den jüdischen Charakter von Groß-Gaglow stärker als bisher zu wahren. Der „Reichsbund für jüdische Siedlung" soll als Patron von Groß-Gaglow dieser Aufgabe seine besondere Aufmerksamkeit widmen. Es wurde diesem für seine weiteren Arbeiten ein Betrag von 3200 RM. bewilligt.