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Der Israelit · 1932-09-08 · Heft 37 (8.9.1932) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 37 (8.9.1932)
Date
1932-09-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 37 Seite 7 8. September 1932 Der Israelit Dollarsendungen aus Amerika erhalten zu haben oder ,onst Devisen zu besitzen, sind Gefängnisstrafen - und allen denkbaren Pressionen der roten Inquisition ausgesetzt. In einem bestimmten Falle wurden in Charkow Mann und Frau getrennt verhaftet, und da alle Peinigungen zu keinem Geständnis, daß sie amerikanische Dollars im Hause hätten, führten, wurde ein „genialer Trick" angewandt. Der Mann wurde von der Polizei nach Hause geführt, wo auf dem Tische eine Anzahl von Dollars lagen. Diese habe die Frau herausgegeben, sagte man ihm. Als er sich dadurch zu einem Geständnis gezwungen sah, daß er wirklich 200 Dollar als letzten Rest seines früheren Vermögens beiseite geschafft hatte, wurde ihm bedeutet, daß er das Geld sofort herauszugeben hätte. Die auf dem Tische liegenden Scheine seien von der Polizei hergebracht worden, um ihn zu überrumpeln. Mit solchen Mittelchen werden die letzten Bestände aus den armen Leuten herausgepreßt und sie selber ins Gefängnis geworfen. Wie zum Hohn, müssen die Beraubten noch eine Erklärung unterschreiben, daß sie die Gelder „gutwillig" und „aus freien Stücken" hergeben. Der Berichterstatter nennt einen Fall, in dem eine darbende Witwe bei Empfang von 100 Dollar von ihrem Sohne in Amerika einfach die Annahme verweigerte und das Geld zurückgehen ließ, weil sie die Scherereien mit der Behörde fürchtete. Es gibt Juden in Moskau und in anderen Städten, die in einer Psychose beim Worte Dollar erzittern. „Dollar" ist ein Synonym vom Gefängnis. Einer der Betroffenen erzählt, daß man ihn im Gefängnis, wohin er, des Dollarbesitzes verdächtig, kam, vor den mitinhaftierten Verbrechern als Kapitalisten und Aussauger hingestellt hatte, worauf ihn diese aufs Korn nahmen und dauernd mißhandelten. Viele Menschen sind auf diese. Weise in den Wahnsinn getrieben worden, man nennt ihn in Rußland den „Dollarwahnsinn". Briefkasten. I. Ti. in T. Baden am Sabbat ist verboten. S. ZZ. St. Betrag für Spende eingegangen. Familiennachrichten. Barmizwoh: Max, Sohn des Selig Iungmann Köln, Brabanterstr. 11, am man '2 's mw 17. September Synagoge Adaß Jeschurun. Vermählung: Klara Braunschweiger mit Siegfried Nußbaum, Trauung in Hünfeld am 11. September.— Sure Malte Folk, Berlin, Weißenburgerstr. 6, mit Jizchok Eistk Engelmeyer, Frankfurt a. M., 16. September in Berlin Sprechsaal. Lügen. „Wahrheit ist somit Bedingung der Gerechtigkeit." „Fluch bringt, wer die Wahrheit stiehlt seinem Nächsten, Fluch, wer lügt." „Jener (der Lügner) nimmt aber das Mittel zum gerechten Leben . . . Ungerechtigkeit erzeugend und Unglück." (Hirsch, Chaurew). Es dürfte wohl kaum einen Menschen geben, der die vorstehenden Sätze, sei es nach früherem oder jetzigen Kennenlernen in ihrem Originaltext oder nach eigener Ueberlegung nicht für richtig anerkennt. Aber wieviele handeln danach? „Lügen!" Das Thema gehört wohl zu den heutzutage in Jugendverbänden o. ä. am meisten behandelten Fragen. Die Jugend wird von ihren Führern über die Verwerflichkeit und Sündhaftigkeit des Lügens aufgeklärt. Sie hört aber auch von den im Beruf stehenden, daß im geschäftlichen Leben doch „alles Schwindel ist", und daß nur der vorwärts kommt, „der am meisten und besten schwindeln kann, denn mit Ehrlichkeit kommt man zu nichts." — Nicht selten der Fall, daß der Jugendliche das als übertrieben auffaßt und erklärt „bei mir wird das mal nicht so sein." Von diesem mit guten Lorsätzen ins Geschäftsleben Eingetretenen hört man bald, daß es doch mit der Wahrheit nicht so leicht ist und etwas später, daß er schon ganz gut und kaltlächelnd lügen kann. Soweit Tatsachen. — Und nun die alte Frage: Wie dem abhelfen? Man sage nicht durch früheres Angewöhnen nur die Wahrheit zu sagen, oder dergl. altbekannte Mittelchen. Wenn bisse helfen könnten, woher kämen die vielen unehrlichen Menschen? Die Kaufleute, von denen man sagt: „Zwei Seelen wohnen, ach (!) in ihrer Brust." Mir will scheinen, Fehler und Schuld sind nur . bei dem Belogenen zu suchen, Abhilfe nur von dieser Seite aus zu erreichen. — Lüge ist eine Abwehr. Manchmal bewußte Abwehr, manchmal unbewußt aus Angst. Das Kind lügt, weil es einmal vielleicht sich ungerecht gestraft fühlt und sich dieser Gefahr nicht ein zweites Mal aussetzen will. Der Kaufmann bchauptet, die Ware sei schon unterwegs, während sie vielleicht noch auf der Ladentheke liegt. Warum? Weil der Kunde einfach auch einen noch so berechtigten Verzögerungsgrund nicht anerkennen, die Ware nicht mehr annehmen und sonstige Schwierigkeiten machen wird. Diese Beispiele lassen sich vom Kind zum Schüler, Lehrling, Lieferanten, Kunden usw. beliebig fortsetzen. Diese Lügen rühren alle aus der persönlich oder allgemein gemachten Erfahrung, daß sie nicht ausgesprochen, durch den Unglauben des Belogenen dem Lügner pekuniären oder sonstigen Schaden bringen. Unglaube des Belogenen! An den Belogenen ist es, die Lüge aus der Welt zu schaffen. Lernt, Euch in die Lage anderer versetzen, lernt den Glauben an die Wahrhaftigkeit Eures Mitmenschen. Seht nicht erst den Nächsten als schlechten Menschen an, bis Ihr vom Gegenteil überzeugt seid; der Prozentsatz der von Natur aus schlechten Menschen ist wahrlich klein. Und wenn die Menschheit sich all das anerzogen hat, wird kein Grund zur Lüge da sein, und sie wird von selbst verschwinden und damit das Grundübel bei dessen Bestehen es zu einem Frieden nicht kommen kann. Iah. Papeterie H. OPPENHEIM Inhalier BERNHARD BÜBINSIEI» FRANKFURT A. M, OBEMSSE181 Fernsprecher 48005 gegründet 1864 SPEZIALITÄT: “““ Besuchskarten, Dankkarten in Lithographie, Buchdruck u. Steindruck und sämtliche Familienanzeigen Auf telefonischen Anruf komme-sofort mit Muster ins Haus Gleichzeitig Annahmestelle von sämtlichen Familien- Anzeigen für sämtliche Zeitungen speziell Frankfurter Zeitung zu Originalpreisen Personalien. Einführung des neuen Rabbiners. Aschaffenburg. 30. Aug. Am vergangenen Sonntag wurde der zum Nachfolger für Rabbiner Dr. Raphael Breuer s. A. gewählte Rabbiner Dr. Fritz Bloch in sein Amt eingeführt. Nachdem der neue Rabbiner von Mitgliedern des Vorstandes an seinen Platz geleitet worden war, trug Kantor Seif „Boruch habo" vor. Hieraus begrüßte für den Vorstand Dipl.-Jng. Emanuel Freund die Gemeinde, die Ehrengäste und den Herrn Rabbiner selbst. Er dankte hieraus Rabbiner Dr. Gradenwitz, Hanau, für die von ihm als Vertreter des Bezirksrabbinats entfaltete Tätigkeit und ebenso Hauptlehrer Schloß für die von ihm während der Vakanz versehenen Funktionen. Darauf entboten die Herren Rabbiner Dr. Gradenwitz und Dr. H a n o v e r , Würzburg als Vertreter der Nachbarrabbinate und der bayerischen Rabbinerkonferenz dem jungen Kollegen Grüße und Glückwünsche. Nunmehr ergriff der neue Bezirksrabbiner Dr. Bloch das Wort und umriß die charakteristischen Eigenschaften des jüdischen Führers und die Grundlinien seines Wirkens. Namens des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden und zugleich als Vorstand der Münchener Heimatgemeinde des neuen Rabbiners überbrachte Oberlandesgerichtsrat Dr. Neume.yer, München die herzlichsten Wünsche. Als Vertreter der Stadt Aschaffenburg widmete ihm Bürgermeister G r ä f warme Worte der Begrüßung. Er sagte u. a.: Wie die Stadt tief erschüttert an der Bahre des verstorbenen Rabbiners Dr. Breuer gestanden, so teile sie auch die Freude darüber, daß '65 der jüdischen Gemeinde gelungen sei, einen würdigen Nachfolger für das in unserer Zeit so verantwortungsvolle Amt des Rabbiners gefunden zu haben. Die Stadt halte sich zur Teilnahme an den Vorgängen in ihrer jüdischen Gemeinde berechtigt, wie sie auch von jeher Wert darauf gelegt habe, mit der sonst so vielfach angefeindeten jüdischen Gemeinschaft Frieden zu halten. Die loyale Haltung der Stadtverwaltung stehe auch heute noch im Einklang mit der Ueberzeugung weiter Bevölkerungskreise der Stadt. Das fei der taktisch klugen Führung Dr. Breuers zu danken, der die jüdischen Interessen wirksam zu vertreten wußte und es verstanden habe, das Judentum auch Nichtjuden nahe zu bringen. Im Sinn? dieses Mannes zu wirken, lud Bürgermeister Gr-'ft den neuen Rabbiner zu harmonischer Zusammenarbeit mit den städtischen Körperschaften ein. Die Stadt bringe dem neuen Rabbiner das Vertrauen entgegen, das sie seinem Vorgänger vorbehaltlos entgegengebracht habe. Treue um Treue. Vertrauen um Vertrauen! Mit dem Gesang „Schir hamaalaus" schloß die würdige Feier. . Schlüchtern, 6. Sept. neun rnsy niun- Nur in diesen Worten kann das zum Ausdruck kommen, was der Heimgang unseres geliebten Jakob Hirsch Rothschild für unsere nV’np bedeutet. „Gefallen ist die Krone unseres Hauptes". Der Mann, der in ca. 30jähriger unermüdlicher Arbeit als Vorsitzender unserer Gemeinde ihr berufener Führer war, ist nicht mehr. Im Elternhaus mrv>i mwn nna by erjogen, kam er in jungen Jahren nach Fulda. Den Kern zur Entwicklung seiner kraftvollen Persönlichkeit legten der alte Fuldaer Dr. Cahn die bekannten Fuldaer Dn-rck Emanuel V"xr und Wertheim Als er nach achtjährigem Fuldaer Aufenthalt mit 23 Jahren ein eigenes Haus begründete, hatten die onn Dr. Cahn Vst, und der. alte Hanauer ai Dr. Koref b'nin ihm schon den jungen ian erkannt und dieses Titels hat er sich bis zum letzten Moment von Stufe zu Stufe steigend würdig erwiesen. Nun beginnt seine große Laufbahn in Schlüchtern. Das Arbeitsfeld, das er vorfand — wiewohl er von Beruf Kaufmann war — war sehr vielseitig. Bei allen Institutionen in der Gemeinde hat er sich mit Löwenmut dafür eingesetzt, daß alles piai rrn jederzeit vor sich ging. Seine Größe war hierbei außerdem, daß er es verstand, durch seine feine, ruhige Art, Menschen zur Jüdischkeit heranzuziehen und heranzubilden und hierbei hat er iminer als eine der vornehmsten Aufgaben im Gemeindeleben niio-Studium und Einrichten von nnwer gesehen. In mehrjährigem Zyklus wurde in einem Schiur der gesamte apy ps durchgelernt. Schwer aber ist es, die Worte dafür zu finden, was er dem gesamten Judentum außerhalb Schlüchterns — neben seiner Arbeit für die Gemeinde, die Tag und Nacht nicht ruhte — gewesen ist. Keine n2'v'. kein Seminar, keine Institutionen im In- und Ausland, die nicht tatkrüftigst durch ihn von der nVnp unterstützt wurden. Da ließ er es sich Zeit und Geld kosten, um sich diese mmn nprn nicht entgehen zu lassen. Alles, was an ihn herantrat, erledigte er persönlich. In den letzten Jahren, als die Füße ihn kaum trugen, ließ er es sich nicht nehmen, die Sammlungen persönlich vorzunehmen. In nicht zu übertreffender Form hat er ovniK nvrs.i npns nwai in seinem Hause erfüllt. Selbst ausgestattet mit einem reichen niin-Wissen, erkannte inan immer seine ungeheure vmnn nx-mn- Unter größten körperlichen Anstrengungen sah man ihn in den letzten Monaten zu seiner Lieblingsstätte, der Synagoge, gehen. Besonders sind seine Leistungen für die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" und für die Deutsch-holländische Palästina-Verwaltung neben vielen anderen Institutionen und Gremien, hervorzuheben. Er gehörte dem erweiterten Vorstand des „Halberstädter Bundes" an. Als tüchtiger Geschäftsmann und kluger Weltmensch hat er es verstanden, auch bei den städtischen Behörden als Stadtverordnetenvorsteher ,in der Schuldeputation und Sparkasse als einer der ersten Strafte mitzuwirken. Weit und breit — auch in nichtjüdischen Kreisen — war er als Ratgeber in allen Lebenslagen bekannt. In inniger Freundschaft war er dem zuständigen Provinzialrabbiner Dr. Bamberger >sr, jetzt Prov.-Rabb. Dr. Gradenwitz verbunden. So bedeutet denn alles in allem fein Heimgang ein kaum zu verwindender Schlag für unsere Gemeinde. Die Sorge, wie wir seine Arbeit ersetzen können, legt uns hiermit eine sich bis ins Unendliche steigernde Verantwortung auf. Möge uns aus seinem war die Kraft dazu erwachsen. .rrasan Schlüchtern, 6. Sept. In diesen Tagen begeht Herr Bär Adler seinen 90. Geburtstag. Wer den jugendfrischen Greis kennt, weiß, mit welcher Liebe er dem Synagogenbesuch morgens und abends nachkommt. Nicht Wind und Wetter können den Greis zurückhalten, den Weg zum nv»n rva und emnn mn zu nehmen. Trotz seines Alters läßt er es sich nicht nehmen, seine wöchentlichen Fasttage durchzuführen. Möge n~2pn uns den verehrten Greis erhalten. Z ♦crsnasr Malmö. 5. Sept. Bei der am Sonntag, den 28. August abgehaltenen Rabbinermahl wurde Herr Rabbiner B erlin g e r aus Schönlanke mit großer Mehrheit zum Rabbiner unserer Gemeinde gewählt. Herrn Rabbiner Berlinger geht der Ruf eines hervorragenden Kanzelredners und eines tüchtigen Erziehers voraus. Er wird sein Amt am 1. Oktober antreten. Ellingen, 4. Sept. Nach Ausgang des 2x2 -0 verschied Frau Sofie Gutmann, und unsere Gemeinde hüllte sich von neuem in Trauer. 1122 ani'bsn rief Herr Nabb. Dr. Munk, Ansbach, klagend und tröstend am Tore unseres Städtchens der aus allen Schichten der Bevölkerung bestehenden Trauerversammlung zu, als er das Leben dieser teuren Verblichenen schilderte. Alle die von Salomo besungenen Tugenden einer wahrhaft jüdischen Frau zierten den Charakter dieser Edlen, nena tidb. Ihr reiches Herz gab jedem, gab alles, dem Nahen und dem Fernen ideelle und materielle Güter mit lebensfrohem und reichern religiösen Gemüte. Ihr Leben war ein '.1 emp in wahrhaftem Sinne des Wortes, ein Trost für den schwer betroffenen Gatten, ein Trost und eine Lehre für die in ihrem Sinne lebenden Kinder, ein Trost und eine Verherrlichung für die schwergeprüfte, mit allen Fasern ihres Herzens geliebten und verehrten, im 85. Lebensjahre stehenden Mutter. Die Klage der Gerneinde und Umgebung fand beredten Ausdruck am Grabe durch die Herren Lehrer Schuster, Ellingen und Hauptlehrer Fulder, Treuchtlingen. n"22w> Frankfurter Vereinskatender. Verein Melor Ehajim. Samstag morgen nach Schul im Hörsnal: Dinim, Herr Dr. E. Posen — nachmittags 3/4 Stunde vor Mincho im Vereinslokal Mikro, Herr Dr. W. Hofmann. — 4 Uhr (ebenso Sonntag 8.30 Uhr vorm.) im Vereinslokal Gemoro. Herr I. Soffer. Sonntag morgens nach Schul (ebenso Mittwoch), b-tk "n, Herr Red. S. Schachnowitz. — Vormittags 9.15 Uhr (ebenso Dienstag 6.30 Uhr) Gemoro. Montag (auch Donnerstag) nach Schul: Mischna Mitgliederlernen.— abends 7 Uhr (auch Mittwoch) Gemoro Herr Rabbiner Dr. Jos. Breuer. — abends 8.15 Uhr. (auch Donnerstag) Gemoro Herr Dr. E. Posen

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