Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 35 (25.8.1932)
- Date
- 1932-08-25
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 Nr. 35 Der I sraelit ad. y.ugu|r in feinem pcor und in 6er Form ihrer Verehrung | gelebt werden, auch weiter fortpflanzen. Und rra, 'der furchtbare Entartung. Sie opfern ihre Kinder und Boden scheint bereitet! Tagtäglich laufen Briefe ein, mit ihre -franen ‘ffirihrhrn sink maMM« in thron ber Brite um Lehrerinnen für neu zu gründende Schulen, tyre grauen, Zyre Ulaocyen | nö wahllos m ihren, Nachdem kosice in der Slooakei mit gutem Beispiel Zusschrvelsungen, und die Kraft ihrer Jünglinge verj vorangegangen und schon ein Jahr eine Beth Jakob dorrt. Es ist mir schon schwül, wenn ich sehe, wie Schule hat, hat sich jetzt in Tacovo eine Schule gennfere Häuptlingstöchter sich wegwenden von unserer Sin." „Kun, alter Freund Käuäl, las; uns offen sein; reicht Deine Kiacht noch aus, um die Häuptlinge nach Deinem Willen zu lenken? Mir scheint, ich habe auf den Ttlienen dieser Häuptlinge viel Stolz gelesen. Namentlich auf dem Antlitz dieses Aienschen, dem Vater dieses seltsamen Mädchens, das mir so eigenartig entgegentrat. Me heißt sie doch?" „Kosbi Salonaö." (Fortsetzung folgt.) Zwischen Bayern und Preußen. Als Illustration zu unsrem in jüngster Nummer unter obiger Ueberschrift gebrachten Feuilleton, teilt uns Herr Lehrer I. R. folgende bezeichnende Begebenheit mit: In einem mittelfränlischen Städtchen mit überwiegend national-sozialilistischer Bevölkerung, in einer Gegend, in der der Streicher'che „Stürmer" seine weiteste Verbreitung findet, wurde die Gattin eines in der ganzen Gegend hochgeachteten jüdischen Viehhändlers zu Grabe gebracht. Schon die Teilnahme der gesamten Bevölkerung des Ortes überstieg angesichts der politischen Verhetzung alle Erwartungen. Aus dem Wege zur Begräbnisstätte begegenete dem Leichenzuge eine Radfahrerkolonne der S. A., ca. 50 Mann stark. Sofort verlangsamten die S. A.-Leute das Fahrtempo, nahmen ehrerbietigst ihre Mützen ab und passierten in pietätsvoller Haltung am Leichenzug vorbei. Es steht dieses Verhalten in einem erfreulichen Gegensatz zu den Rohheitsakten auf jüdischen Friedhöfen und zu den Gewalttätigkeiten gegen unsere jüdischen Mitbürger seitens der Nationalsozialisten in anderen Gegenden unseres Vaterlandes. gründet, U z h o r o d , S e v 1 u s in der Slooakei, V i - faul, Vorsa, Ordea in Rumänien, Cernowitz, Wischnitz, Sucava, Seret in der Bukowina haben gleichfalls Schulen oder sind im Begriffe, sie zu gründen. Vorigen Monat wurden die ersten 15 Beth Jakob- Lehrerinnen aus der Wiener Anstalt entlassen; der größte Teil von ihnen i;t^ schon jetzt auf Posten, die andern treten ihre neuen Stellungen im Herbst an. Nun ist die große Notwendigkeikt, einen Nachwuchs von Beth Jakob- Lehrerinnen zu schaffen. Nach aiv tm beginnt in der Wiener Zentralanstalt ein neuer Kurs. Ein großer Teil der Anmeldungen liegt bereits vor. Außer der Ausbildung von Beth Jakob-Lehrerinnen beabsicht die Zentrale dieses Jahr einen Kurs für Beth Jakob-K ind ergärtnerinnen zu schaffen, da dafür große Nachfrage herrscht. Jüdische Mütter! Jüdische Töchter! Denket an euere Zukunft! Beth Jakob ist der Weg, der euch zu einem jüdischen Ziele führt! (Neuer Kalender für 5693). Dr. M. Poppelauers, Volkskalender für Israeliten auf das Jahr. 5693 liegt rm 72. Jahrgang vor. (Berlin. M. Poppelauer, Buchhandlung, Preis 59 Pfg.) Er bringt neben dem üblichen Inhalt, zahlreiche Adressen der Berliner jüdischen Gemeinde-Instanzen sowie die Liturgie der Seelenfeier. — Der Jüdische Frauenbund gibt in gewohnter künstlerischer Ausstattung seine Umlege- und Abreißkalender heraus. Diesmal werden Bilder zur Bibel gezeigt, wobei aus den verschiedenen Epochen nur solche Kunstwerke ausgewählt wurden, die nicht allzu bekannt sind und die auch dem jüdischen Empfinden einigermaßen entsprechen. Die Anordnung der Bilder ist chronologisch nach' den Büchern der Bibel geirossen. Bestellungen sind an die Geschäsisstelle des Jüdischen Frauenbundes, Berlin N 24, Monbijouplatz 10 zu richten. Preis ercl. Porto und Verpackung für den Umlegeblock Mk. 1.80, für einen Abreißkalender Mk .2.10, für eine Metallunterlage Mk. 1.— was ein anderer gar nicht so dringend braucht. Freilich wird er sich einschränken müssen, aber du sollst Rücksicht daraus nehmen, welche Lebensweise er früher gewohnt war.. Dazu gibt es eine schöne Geschichte. Es war einmal ein sehr wohltätiger Mann, der täglich seinen Diener in die Häuser der Armen sandte um Spenden zu verteilen. Eines Tages hatte der Diener auch wieder einen der Bedürftigen der Stadt besucht, aber als er zurückkam, sagte er zu seinem Herrn: „Diesem Armen müßt Ihr aber nichts mehr senden! Ich traf ihn gerade zum Mittagszeit und da hatte er sine Flasche Wein auf dem Tisch stehen!" . „Wein trank er zum Essen?" fragte der wohltätige Mann. „Wie nötig muß er den Wein haben und wie sehr würde er ihn entbehren, wenn er selbst jetzt nicht darauf verzichten kann, ihn zu trinken. Ich will ihm das nächste Mal eine größere Gabe schicken, damit er sich den Wein auch weiter kaufen kann, da es ihm so bitter schwer fällt, ihn zu entbehren!" Die Abkürzungen. Im Semmeringer Bekh-Zakc-b-Ferienheim. „Sie müssen einmal die Mütter eine Woche lang zu einem Ferienkurs einladen, das wäre die erfolg reichste Propaganda", meinte dieser Tage eine recht bewußte jüdische Mutter, die ihr dreizehnjähriges Töchterchen zu einem Ferienkurs nach Aue geschickt hatte, um den Kinde einmal einige Wochen die Möglichkeit einer gleichgesinnten und gleichaltigen Umgebung zu verschaffen. Und ganz erfüllt von den Erlebnissen im Beth Jakob- Heim fahren nun Mutter und Kind wieder heim. Was haben sie nun daheim zu erzählen, im Kreise derer, die ihre Sommererlebnisse berichten? Müssen sie nicht zurück stehen bei den Erzählungen der beliebten Sommerunterhaltungen, Flirts, Schönheits- und Modekonkurrenzen usw? Das Kind, das bei uns war, wird anderes zu erzählen haben; wie sie bei allen Ferienfreuden, Wanderungen auf den Semmering und in die ganze schöne Umgebung unseres Heimes, wie sie bei all ihren Spielereien doch einige Stunden täglich dem jüdischen Lernen widmeten und wie auch der deutsche Unterricht, auf den die Eltern besondern Wert legten, jüdischen Dingen gewidmet war. „Das Schönste vom Lernen war max ’fns"' sagten mir die Kinder immer wieder; ihnen allen ging ein Ahnen auf von der Tiefe und Schönheit der jüdischen Lehre. Und dann kamen die Feierstunden, unsere Freitagabende, die den Höhepunkt jeder Woche bildeten. Am Freitag nachmittag gingen die Kinder hinaus, Blumen zu pflücken und brachten ganze Büsche von Zyklamen heim; frische weihe Tischtücher gaben dem _ Zimmer cm festliches Aussehen, auf allen Tischen strahlten die Schabboskerzen und das Strahlendste am Schabbostische waren die Kmder selbst. Mit einem schönen aa'Vs 'iV® den sie bei uns gelernt, wurde nach gemeinsamen Beten der Schabbos empfangen und den ganzen Abend wurden gesungen und da unsere Kinder acht verschiedenen Ländern entstammen (Deutschland, Oesterreich, Schweiz, Ungarn, Polen, Jugoslavien, Rumänien, Slooakei), so hörten wir allerhand schöne neue Weisen. Am letzten Sonntag feierten wir neben dem Abschiedsfest für den ersten Turnus der Ferienkinder, dascnw auf nm» irrt ersten Kurs der Beth Jakob Lehrerinnenbildungsanstalt, die ebenfalls den Sommer dort verbringt. Im festlich gedeckten Spcisesaal versammelten wir uns mit unfern Gästen und beendeten die letzten rnpivv von mn® Mit ernsten und heitern Ansprachen seitens der Lehrerinnen und Schülerinnen wurde diese Feier ein schönes Erlebnis und zeigte unseren Kinder, daß auch wir Freudenfeste feiern können, daß aber unsere nnv® anders ist, wie die der Umwelt. 30 jüdische Mädchen verbringen den Sommer bei uns und bringen ernstes Streben nach jüdischem Leben und jüdischer Lehre heim. Hunderte, tausende unserer Schwestern leben in Unkenntnis der Dinge, die auch dem jüdischen Mädchen Lebensinhalt und Lebensfreude sein sollten. Wie können wir all denen helfen? Beth Jakob will den Weg dazu weisen, indem es durch Gründung^ der Beth Jakob- Schulen diese " Uinderecke. Sind wir Knechte oder Kinder G'ttes? Einst sagte Turnus Rufus, der römische Statthalter, zu Rabbi Akiba: „Ihr habt doch merkwürdige Gesetze in eurer Lehre. Steht da geschrieben, ihr sollt die Armen unterstützen. Wenn G'tt die Armen liebt, könnte er sie ja selbst ernähren — da er sie hungern läßt, liebt er sie auch nicht, sondern hat ihnen ihre Armut als Strafe auferlegt. Woher ist es daun eine gute Tat, sie zu unterstützen? Wenn der Kaiser einen Sklaven hat und will ihn bestrafen, so darf doch niemand wagen, die Strafe aufzuheben und dem Knechte dafür Gutes zu tun!" „Du hast recht," erwiderte Rabbi Akiba, „nur ist dir ein kleiner Fehler unterlaufen — du hast von einem Knechte gesprochen! Denke dir aber einmal, du habest einen Sohn, den du in die Fremde schicken mühtest. Du hast ihm Geld zum Leben mitgegeben und dein Sohn hat es verloren. Und es kommt jemand und steht ihm bei, hilft ihm und sorgt für ihn — würdest du das auch unrecht finden?" „Dies nicht," antwortete Rufus, „aber wer sagt dir denn, daß ihr G'ttes Kinder seid?" „G'tt selbst hat es gesagt," erwiderte Rabbi Akiba, nV onx Q’33 hat er selbst in seiner Thora geschrieben! Und noch einen Beweis will ich dir dafür sagen, daß wir Kinder G'ttes find und nicht feine Knechte. Wenn deine Sklaven sich untereinander streiten, so stört dich dies nicht. Die Hauptsache ist dir, daß sie dir gegenüber gehorsam sind und ihre Pflicht tun. Nicht so bei unserm G'tt. Wenn er uns gnädig sein soll und uns verzeihen, o verlangt er von uns, daß wir uns zuerst untereinander versöhnen, dann erst verzeiht er uns. Einem Herrn ist es unwichtig, ob seine Knechte sich vertragen, aber die Kinder eines Vaters sollen untereinander einig sein. Und ein Bruder sollte dem Bruder nichts schenken?" Wohlkun. Zu der heutigen Sidroh (Kap. 15, V. 8),. sagen unsre Weisen: Wenn du einen Armen unterstützt, gib ihm entjprechend dem, was ihm fehlt, d. h. wenn er sehr reich gewesen ist und gewöhnt war, gut zu leben, so Zdeen, die unserer Mitte gelehrt und! wird es ihm sehr schwer fallen, auf manches-zu verzichten, Wundert Ihr Euch, daß dieses Mal die Lösung einer Aufgabe so einen großen Raum einnrmmt, anstatt bescheiden hinten an zu stehen? Ja, wißt Ihr, das war ja auch kein gewöhnliches Rätsel, das Ihr da aufbekamt, sondern eine recht wichtige Sache, über die man sich schon mal den Kopf zerbrechen muß und deshalb wollen wir uns auch noch mal ein wenig darüber unterhalten. Die Abkürzungen, die meist aus den Anfangsbuchstaben eines oder mehrerer Wörter bestehen (die andern Buchstaben muß man sich dazu denken), heißen deshalb nian '®xi. Wir finden im hebräischen Schrifttum, besonders in der Gemoro und im Midrasch eine Unmenge derartige Abkürzungen, die aus verschiedenen Gründen entstanden sind. Zum großen Teil hat man abgekürzt, um beim Abschreiben an Zeit und an Platz, d. h. an Schreibmaterial zu sparen. Ein anderer Teil der Abkürzungen entstand aus dem Wunsch, sich eine Reihe von zusammengehörenden Wörtern leichter merken zu können, also nur als Gedächtnishilfe. Von derartigen "wrvo-'kennt Ihr alle das 3"vxa ®~iy j'jn aus der Hagodo. Eine dritte Gruppe umfaßt die Namen, die ebenfalls aus den Anfangsbuchstaben zusammengezogen wurden; aus welchen Anfangsbuchstaben, fragt Ihr? Nun natürlich aus denen des eigenen Namens und dem des Vaters mit dem Rabbititel davor. So z. B. a^am zusammengesetzt aus Rabbi Mosche ben Maimon. Ein großer Teil der Abkürzungen, besonders solche die nur aus Platzmangel entstanden sind, werden aber nicht vokalisiert und also auch nicht so ausgesprochen, wie sie geschrieben sind. Sondern man liest den gemeinten Ausdruck und ergänzt die fehlenden Buchstaben. Sicher kennt Ihr aber auch Abkürzungen, die man als solche lesen darf, z. B. >v"® ,D"i3y (mVtm cmaaia •nais?) und andre mehr. Nun habt Ihr gewiß schon gemerkt, daß zu der Aufgabe nur solche Abkürzungen gewählt wurden, die man nicht ausspricht, sondern im Lesen fir auflösen mutz. Das lernt sich aber recht schnell und ich bin überzeugt, daß die Meisten der Großen unter Euch schon vielleicht 100 Abkürzungen im Nu enträseln können, auch wenn sie nicht so leicht sind wie unsre zehn. Und nun wollen wir endlich mit ihnen beginnen. No. 1 heißt: x'x, das bedeutet B’imx i’x oder i®ox ’X - also zwei Ausdrücke, die natürlich im Talmud oft Vorkommen und von denen man also voraussetzen darf, daß jeder weiß, was gemeint ist. Trotzdem haben Zerline Carlebach und Raphael Sänger natürlich nicht unrecht, wenn sie meinen, x»x könne auch ii'ax nniax bedeuten. Freilich kann das mal stimmen, besonders z. B. in einem Midrasch, in dem vielleicht schon vorher von den man die Rede war, aber als allgemein gültige Abkürzung kommen doch nur die ersten in Frage. Uebrigens, wer kennt die merkwürdige Ablürzung 'rrrx'K? Das kann man wirklich schwer herausbringen! Es soll heißen: D'EIX *px m D’inis 1'X! Bei No. 2 war der Ausdruck gemeint, den man im Schreiben so oft benutzt, den man Briefers, Mitteilungen usw. voranstellt: n®n miM» mit G'ttes Hilfe. könnte freilich auch 'n jm bedeuten, auch xin Pkw aber letzteres gebraucht man eher in der Zusammensetzung xin lila ®iipn der Heilige, gelobt sei er (rrapn)- 3. x"i - inx 131 ein andres Wort, meist eine andre Auslegung. 4. 'iLi-i»ir7usw.; das sind beides geläufige Abkürzungen für jeden, der schon ein wenig lernt. No. 5. 3"' -1123 ai» und No. 7 * n’nys '2, die kanntet Ihr natürlich längst aus der Tefillo, auch 6.a'Tö'a Frankfurt am Main habt Ihr dot wohl schon oft angetrossen, weil der Frankfurter Minhag öfters mal erwähnt wird. Bei denken wir natürlich sofort an Erez Jisroel, denn diese Abkürzung begegnet ' uns jetzt sehr häufig, auch auf den palästinensischen Marken könnt Ihr sie entdecken. Die Abkürzung ®"p stand ffir sn» nx'ip, auch für dV® ®’ipunb — Euch zu liebe — will ich auch na® nVap gelten j lassen. * ... ... . . ' Ihr seht aber schon bei diesen Beispielen, wie viel- , deutig manche Abkürzungen sind, da heißts oft recht gut auspassen, wenn man keine Dummheit machen will. Und nun kommt noch r® nax mV® der Vorbeter. Warum ich dies als Letztes erwähne? Weil ich Euch hierzu noch etwas erzählen wlll (Hoffentlich habt Ihr