Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 35 (25.8.1932)
- Date
- 1932-08-25
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Losbi Saionae. Eine Erzählung aus biblischer Urzeit. Von Sanon. (Fortsetzung.) Der Vater wollte die ihm wiedergekehrten Enkel im Widjangeiste großziehen, einem Wittelding zwischen rauhem, kräftigem Erfassen der Wirklichkeiten und dem Ahnen übersinnlicher Gewalten. Zippora aber wollte sie nach dem Bild gestalten, das sie sich aus den Bruchstücken dessen geformt hatte, was ihr Mose von dem Glauben und Hoffen der Cpriu erzählt hatte. Reue! machte sich im Stillen Vorwürfe, daß er einst die Heirat mit Wose gefördert hatte und bedachte die des Trostes bedürftige Enkelin mit doppelter Liebe. Er riet ihr zu, aus ihrer Zurückgezogenheit herauszutreten und gesellschaftliche Beziehungen zu den Großen des Landes auszunehmen. An und für sich war die Stellung des Priesterfürstenhauses etwas schwierig geworden. Einst war Ieser zu einer wichtigen Beratung an den Hof Pharaos berufen worden, kam aber plötzlich zurück und blieb jede Antwort schuldig, als man ihn aushören wollte. Da munkelte man von Ungnade bei dem mächtigen Hof im Wizraimlande und die fünf Häuptlinge des Widjanlandes, denen schon lange die selbständige und von 'R&ael gut gehütete Stellung der Priesterfürsten ein Dorn im Auge war, witterten Morgenluft. So ging Zippora, wenn auch unwillig, unter die Töchter des Landes. Dort traf sie eines Tages mit Kosbi Salonaö zusammen, der Tochter des Häuptlings Zur. Eine stolze Gestalt, schön und eitel, heiß und leidenschaftlich, eine begeisterte Anhängerin des Götzendienstes der Wondgöttin Sin. Ein fließendes Gewand umschmiegte ihre Glieder, wertvoller Golöschmuck umrahmte ihr Haupt und ihre Augen. Der Häuptlingstochter war bisher kein Wunsch versagt geblieben, sie war das verwöhnte Kind Zurs, der sogar seine politischen Erwägungen mit ihr teilte. Sie betrachtete alle Erscheinungen und Ereignisse unter dem Gesichtspunkte des Vorteils für Wiöjan, auch sich selbst. Trotz der Sittenlosigkeit ihrer Zeit und ihrer Altersgenosstnnen war sie keusch und rein geblieben. Bei einem Besuch im Nachbarlande Woab war sie trotz aller Zudringlichkeiten der Pfaffen des peor den Orgien fern geblieben. Sie hatte das Empfinden, daß diese mänadischen grauen mehr an ihr Vergnügen, als an eine Tat des Kultus dachten. Anfangs stand sie der Zippora verständnislos gegenüber. Wie hatte sich eine Widjanstochter von einem Menschen aus der verachteten Kaste der Cpriu freien lassen können? Doch als Zippora, der Kosbi nicht unsympathisch war, sie auf den gemeinsamen Ahnen aufmerksam machte, wurde sie stutzig. Sie grübelte nach und belauschte Zipporas Tun. Cs kam ihr sehr seltsam vor. So sagte sie eines Tages zu Röuöl: „Glaubst Du, ehrwürdiger Vater, daß die Art und Weise, wie Deine Enkelin ihre Kinder Märchen lehrt, uns im Miöjanland frommt? Wenn es so weiter geht, werden Deine Urenkel nicht an den Altären opfern, die Du mit Deinem Sohn betreust und die Tempel unserer Sin werden verödet sein. Das aber wird das Ende Miöjans sein . . ." Röuöl erschrak. Wenn das, was Kosbi Salonaö sagte, ein Widerhall der Stimmen im Hause ihres Vaters war, so mußte er etwas Großes, Unerhörtes unternehmen. , V. plötzlich hieß es' im Midjänlanöe, daß Reuöls Haus einer großen Ehre teilhaftig würde, der große Bil-Am, so hieß es, werde seinem Freund Röuöl einen Besuch abstatten. Man zerbrach sich die Köpfe, was es wohl zu bedeuten hätte, aber man sprach allenthalben davon. Mit Reib hörten es die Nachbarstaaten, die Nomaden erzählten es sich im Abendschatten, wenn ihre Kamele wiederkauend behaglich lagerten. Aus allen Gauen strömte es nach der Residenz. Man wollte wenigstens einen Zipfel des Mantels des großen Zauberers erfassen, um einen heißen Kuß der Verehrung darauf zu drücken. Bewunderung mischte sich mit Grauen. Im Zelte Röuöls waren alle Vorbereitungen zum würdigen Empfang des hohen Gastes getroffen. Man war in fieberhafter Erregung. In stoßweise hervorgebrachten Worten fragte Ieser seine Tochter: „Möchtest Du nicht Deine Kinder während der Zeit des Besuches von Lil-Am entfernen? Ich weiß, er liebt die Cpriu nicht und ein böser Blick seines Auges möchte den Kindern Schaden bringen." „Nein, ich fürchte ihn nicht, und ich kenne meine Wege, um meine Kinder selbst vor einem so mächtigen Mann zu schützen. Wieso weißt Du übrigens, daß er die Cpriu nicht liebt? Er nennt sich doch volklos. Wie kann er dann ein ganzes Volk hassen?" Ein Schatten flog über Iefers Antlitz. „Darüber laß' mich schweigen." Drinnen aber im Zelte spielte sich eine ernste Unterredung zwischen dem Häuptling Zur und dem pciestecfürsten Röuöl ab. „Laß' Deinen Gast den Gast des ganzen Volkes sein, laß' mich ihm ein besonderes prunkzelt bauen, in dem er von ganz Widjan bewirtet werden soll." „Du kennst Bil-Am nicht. Ich bitte Dich, unterlasse diesen Versuch. Aber ich werde ihn um unserer alten Freundschaft willen und um Deiner Tochter willen, die ich wegen ihrer Widj antreue hoch schätze, ernstlich bitten, Dir einen feierlichen Besuch abzustatten." „Aber Du wirst doch gestatten, daß ich ihn gebührend an der Grenze empfange?" „Gewiß, mächtiger Zur, wir werden ihm zusammen 'entgegengehen." Verdrossen entfernte sich Zur, um nach vertraulicher Beratung mit den anderen Häuptlingen einen großen Empfang in Szene zu setzen. Es strömte aus allen Zelten. Mit pauken und Posaunen, in wildem Ritt auf Reitkamelen stürmte die Jugend voran. Dann folgte auf kleinen Reiteseln Röuöl und sein Sohn Ieser. Hoch zu Roß sodann die fünf Häuptlinge und hinter ihnen fremde Gäste, Männer aus dem Lande Woab. Sie wurden umschwärmt von Gruppen in Reigen sich schwingender Menschen, allen voran in fließendem Gewände und mit gelöstem Blondhaar Kosbi Salonaö. Da kamen mit verhängtem Zügel die Vorreiter. „Er kommt." Schon erschien er, schlicht und fast unscheinbar, getragen von einer im langsamen Schritt sich bewegenden Eselin. Hinter ihm ein kleines Gefolge, ohne Waffen, denn es war der Stolz Bil-Ams, daß er des Schutzes der Waffen entraten konnte. Aus dem Gefolge ragte ein junger Mann mit aufmerksamem Blick. Da nahte ihm demütig Röuöl: „Sei gegrüßt im Namen ..." „Bitte, schweige, denn im Namen des großen G'ttes, der zu mir spricht, kannst Du nicht grüßen. Aber ich grüße Dich in seinem Namen." „Lasse Dir danken. Aber sieh, ganz Miöjan zieht Dir freudig entgegen. Hier die Häuptlinge unseres Volkes." Hochmütig und gönnerhaft nickte ihnen Bil-Am zu. Fast blicklos starrte sein Auge in die Ferne. Da erschaute er unter den tanzend ihn umschwärmenöen jungen Menschen die Kosbi, die ihn starr anblickte. Cr winkte sie zu sich. „Wie ist Dein Name?" „Kosbi Salonaö." „Und Deines Vaters Name?" „Zur, der große Häuptling." „Kosbi Salonaö, Zurs Tochter, Du bist zu Großem und Schönem geboren." „Bil-Am, und ich glaube, Du bist mein Schicksal." Alles war starr; so hatte noch niemand zu dem gewaltigen Zauberer gesprochen. Zur ritt erschreckt heran, um die Keckheit seiner Tochter zu entschuldigen. Bil-Am winkte ab. „Wenn ich die Häuptlinge Midjans besuche, werden wir weiter darüber sprechen." VI. Sehr zurückhaltend hatte sich Ieser bei dem Empfang verhalten. Bil-Am hatte über ihn hinweggesehen. Als sie endlich in den weiten, geräumigen Hof des Röuölzeltes eingeritten waren, kam das erste freundliche Wort von Bil-Ams Lippen. Es galt seiner Eselin, indem er einem aus seinem Gefolge zuries, er möge ganz besonders darauf achten, daß das treue Tier gut in Stall und Wartung stünde. Dann begab er sich in das Zelt selbst. Die Speisen berührte er kaum. „Du hast mich gerufen, Röuöl, ich kam. Du wirst mir später sagen weshalb, aber vorher habe ich mit Deinem Sohn Ieser ein wort zu reden. Tritt näher." Und Ieser nahte gesenkten Hauptes. „Ein eigenartiges Wiedersehen, nicht wahr? warst ja so plötzlich vom Hofe Pharaos verschwunden! Warst wohl zu feige, mitzuraten gegen die Cpriu? Wirst es noch bereuen. Ich höre wenig Gutes aus Wizraimlande. Weine besten Schüler und Adepten streckten die Waffen vor einem Bruöerpaar aus der Cpriusippe. Wenn es mir nachgegangen wäre, mit Stumpf und Stiel hätte Pharao diese Cpriu ausgerottet. Sie sind mir ein Dorn im Auge, ich hasse sie." „Und warum?" wagte Röuöl schüchtern zu fragen. „Weil sie behaupten, dem großen G'tt, der zu mir spricht und aus mir spricht, näher zu stehen. Weil sie Bruchstücke der alten Ur-Wahrhcit von einein ihrer Ahnen überkommen haben, dünken sie sich Crbbesitzbr dieses G'ttes zu sein. Und nun, Ieser," fuhr er den Röuölsohn herrisch an, „was hast Du zu erwidern?" „Ich floh, weil ich durch Dich verwirrt war. viel hattest Du mir gegeben von Deiner Weisheit. Und als ich an den Zelten der Cpriu lauschte und zu ihren greisen Lehrern in Beziehung trat, da hörte ich manches, was dem ähnlich war, das Du mich gelehrt hattest. Da begann ich sie zu lieben, verzeihe mir, Kleister, und ich wollte an der Beratung gegen sie nicht teilnehmen, ich floh." Erschreckt fuhr Röuöl empor.. Dies alles hatte ihm sein Sohn verschwiegen. Jetzt begriff er die Verdrossenheit, mit der sein Sohn die priestcrhandlungen zu vollziehen schien. Aber schon wieder ertönte die Stimme von Bil- Am, der wie in sich hineinsprechend, fast bekümmert sagte: „Werkwürdig, welchen Eindruck die Cpriu machen können. Auch unserm Freund Hiob verschlug damals das Wort." Röuöl war froh, eine Ablenkung gefunden zu haben. „Wie geht es dem alten Hiob?" „Frage nicht. Doch nun, Röuöl, was ist Dein Begehr. Weshalb riefst Du mich?" „Ick bedarf Deines Rates, Deiner. Weisheit." „Rede." „Du weißt wohl von dem mächtigen Aufschwung des Cmoriterlanöes. Ein herrscksüchtiger Fürst ist tatendurstig geworden, sein Name ist Sichon." „weiß ich." „Ce beöräut Woab." „weiß ich." „Und nun, was soll ich tun? Soll ich den Häuptlingen raten, Woab zu helfen. Sind ja auch Enkel Sems. Auch Enkel jenes Terach, dessen Botschaft Du mir gütigst gesandt hast." „ Was sind Deine Bedenken dagegen?" „Zuerst die Wacht Sichons. Cr scheint unwiderstehlich zu sein." „Und dann?" „Und dann fürchte ich, daß eine allzugroße Annäherung zwischen meinem Wiöjan und Woab mein Wiöjan verdirbt. Woab hat in seinem Kemosch und