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Der Israelit · 1932-08-25 · Heft 35 (25.8.1932) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 35 (25.8.1932)
Date
1932-08-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 35 25. August 1932 _ , politische Zurücksetzung zu verteidigen und es liegt im höchsten Interesse dieser Judenheiten, daß sie selber die Bürde ihres eigenen Schutzes tragen ohne äußeren Beistand a n z ur u f e n. Natürlich gibt es Gelegenheiten, bei denen die großen jüdischen Organisationen Westeuropas in legitimer Weise intervenieren können. Als Bürger von solchen Staaten, die dem Völkerbund angehören, und die als solche Garanten der Minderheitsverträge sind, haben sie das Recht, ihre e i g e n e n R e g i e r u n g e n, d a z u aufzurufen, dem Rate des Völkerbundes jede Verletzung der Verträge zu signalisieren. Eine internationale Konferenz dagegen und dazu noch eine Konferenz, die von Bürgern der V e r e in i g ten S t a a t e n beherrscht wird, wie es bei der letzten Konferenz der Fall war, hat keinerlei Regierung hinter sich, deren Beistand in Genf sie rechtlich begründet verlangen könnte. Gegen diese Argumentation werden zweifellos polemische Antworten gerichtet werden, aber diese Polemik wird von solchen Leuten herrühren, die erst noch die Grundzüge staatsmännischen Verständnisses und politischer Verhandlungen zu lernen haben. In der Tat ist die ganze Konzeption der jüdischen Weltkonserenz auf vollständiger Unwissenheit oder jedenfalls auf einer verantwortungslosen Achtlosigkeit gegenüber den Tatsachen aufgebaut worden. Sogar ein gelehrter Historiker, wie Prof. . Dubnow, richtete eine Botschaft an die Konferenz, in der er auf die Möglichkeit hinzudeuten scheint, daß man den Juden als Gemeinschaft eine Vertretung schaffen könne innerhalb des Rahmens des Völkerbundes. Das ist eine phantastische Chimäre. Der Völkerbund ist ein Bund von Staaten, von politischen Einheiten und es liegt außerhalb der Grenzen der Möglichkeit, daß in ihm Juden in anderer Weise vertreten sein könnten, denn als Bürger der Staaten, deren Staatsbürgerrecht sie besitzen. Keine der beiden Kundgebungen, welche die Konferenz in ihrer Schlußsitzung an die Welt im Ganzen und an die Weltjudenheit richtete, wird wahrscheinlich den geringsten Eindruck hinterlassen. Natürlich ist die erste Kundgebung, diejenige an die nichtjüdische Welt, Gegenstand günstiger Kommentare desjenigen Teiles der Presse, der den Juden sympathisch gesinnt ist. Aber das einzige sichtbare Ergebnis der Konferenz nach der Seite der Antisemiten war, daß in Genf selbst ein neues und recht giftiges antisemitisches Organ ins Leben gerufen wurde. Was den Ruf an die Weltjudenheit betrifft, sich zu einigen, so würde die Konferenz, um eine heimische englische Wendung zu gebrauchen, besser getan haben, ihren Atem zu sparen, um sich selber Ermahnungen zu erteilen. Dr. Stephen Wise hat nicht weise gehandelt, indem er die Pfeile seines Spottes gegen die jüdischen „Großmoguls" wendete. Es gibt viel realere Uebel als diese eingebildeten Windmühlen, gegen welche unser moderner Don Quixote seine Lanze splitterte. Die Weltjudenheit ist bereits völlig eines Sinnes in der Frage nhrer Selbstverteidigung gegen Angriffe, und sich über die Tatsache der nun einmal ganz v e r s chi e d e n a r t i g e n Maschinerie der einzelnen nationalen Organismen hinwegzusetzen, hat keinen Zweck. Es bedurfte keiner Weltkonferenz, um eine Plattform zu finden von der Art der Erklärung, die diese Woche in Genf fabriziert worden ist. Der Präsident des Amerikanisch-Mdischen-Köngresses sagte, daß wir in diesen Tagen „demütigere und bessere Juden" geworden seien. Trotzdem scheint es, daß es immer noch einige Leute gibt, deren Eitelkeit nicht eher zufrieden gestellt ist, bis sie das lauteste Megaphon zur Verfügung haben, um ihre Ansichten in die Welt zu posaunen." Es wäre gut, wenn die vernünftigen Argumente des angesehenen englischen Blattes vor allem in zionistischen und liberalen Kreisen, aber auch in manchen orthodoxen gewürdigt würden, die sich von der Stephen Wise'schen Phrase noch immer allzu leicht berauschen lassen. ValSMna. Der Generalsekretär des Gberrabbinates auf dem Rriegspfade. Jerusalem, 4. Aug. Herr Schmuel Aron Webe^r hat den Kol Jisroel zu einem Din Thora bei dem Besdin der Churba geladen, worauf der Kol Jisroel erwiderte, daß er dieses Besdin nicht anerkenne. Er sei jedoch bereit, über alle seine Veröffentlichungen vor dem Besdin der orthodoxen Gemeinde oder aber vor einem von beiden Seiten zu wählenden unparteiischen Schiedsgericht Rechenschaft abzulegen. . .. S.t r. ,3 s r.a e l t t _ Amerika. Dank der orthodoxen Rabbiner Amerikas an hindenburg. - * N e w york, 19. Aug. Die soeben in Newyork abgehaltene 15, Jahrestagung des Verbandes der orthodoxen Rabbiner der Vereinigten Staaten und Kanadas hat an Reichspräsident von Hindenburg ein Telegramm gerichtet, in dem ihm der Dank für seine gerechte und freundliche Haltung gegenüber den Juden ausgesprochen und er gebeten wird, den deutschen Juden weiterhin seinen Beistand gegen die ungerechten Angriffe der Judengegner zu gewähren. In einer Resolution wird das Bedauern über die Benachteiligung der Juden in Rumänien ausgesprochen. Entgegen der bisherigen Gepflogenheit des Verbandes, sich jeder Einmengung in die allgemeine amerikanische Innenpolitik zu enchalten, hat die Konferenz eine Resolution zugunsten der Kandidatur des bisherigen stellvertretenden Gouverneurs des Staates Newyork, Oberst Herbert H. Lehman auf den Posten einrs Gouverneues dieses Staates angenommen. Eine weitere Resolution spricht sich für die Einführung der Fünftagewoche, durch die dir Beobachtung der Sabbatruhe erleichtert werde, aus. Schließlich wurde eine Schächtsteuer von einem Cent pro Kilogramm Fleisch, ausgenommen Geflügel, beschlossen, deren Ertrag der Erhaltung religiöser Institutionen und der Schaffung eines Altersfonds für Rabbiner dienen soll. Zum Vorsitzenden des Verbandes wurde Rabbi Wolf Margolies wiedergewählt. An den Rabbiner der „Adaß Jisroel in Berlin, Dr. Meier Hildesheimer, wurde folgendes Telegramm gerichtet: „Die Versammlung des Verbandes orthodoxer Rabbiner bittet Sie, unseren Brüdern in Deutschland unsere herzlichen Grüße zu überniitteln. Möge der G'tt Israels ihre Hand stärken, ihren Mut aufrichten und ihre Hoffnungen erstrahlen lassen. Oberrabbiner G. Wolf Margolies. Präsident." Personalien. Griesheim a. M., 20. August. Kurz vor Vollendung seines 60. Lebensjahres, feines 40 jährigen Jubiläums als Lehrer und seiner 25-Jahrfeier als Beamter seiner Orts-nimp verschied an: am 'b Lehrer Jakob Strauß "pn, Griesheim b. Darmstadt nach längerem Leiden. Ein Mann von vorbildlichem Fleiß in der Ausübung feines Amts, von besonderer Herzensgute und Bescheidenheit, der sich die Freundschaft vieler zu erwerben wußte und der mit ganzer Kraft zur Erhaltung von min und ms» in seinen Gemeinden zu wirken sich bemühte, ist mit ihm hingegangen. In einer schlichten Abschiedsfeier in der Griesheimer Synagoge am Sonntag der nya» kam die Trauer zum Ausdruck, die wegen der Nähe des nw bei der miap verstummen mußte. Herr Rabbiner Dr. Merzbach, Darmstadt, zeichnete das Lebensbild des Verschiedenen und ries die Gemeinde zur Heilighaltung ihrer Tradition auf. Es sprachen Herr May als 1. Vorsitzender der Gemeinde, Griesheim, Herr Lehrer Kahn, Höchst i. O. im Namen der hessischen Lehrerverbände und des Bundes gesetzestreuer Lehrer Deutschlands, Herr Groß als amtierender Schochet warme Worte des Gedenkens. Dem Schmerz .der Familie gab der Schwiegersohn des Heimgegangenen, Herr Goldschmidt-Wiesbaden, herzlichen Ausdruck. Es möge der Verschiedene in rran oaiy das vergolten sehen, was er an Leidvollem in nrn c>i>iy zu tragen hatte. rnaxan. Aurich, 20. August. Unter großer Anteilnahme wurde hier am 17. Aug. der weit über das Weichbild unserer Stadt hinaus bekannte Bäckermeister Magnus von der Walde zu Grabe getragen. Auch der hiesige Kriegerverem, dessen Ehrenvorsitzender der Berslordene war, erwies dem Kriegsveteranen von 1970—71 die üblichen Ehrenbezeugungen. Am Grabe schilderte unser Prediger, Herr Moses, den Werdegang des im 85. Lebensjahre Dahingeschiedenen und wies in packender Rede auf die vielfachen Verdienste hin, die derselbe um seinen Beruf und das Judentum sich erworben. Feststehend auf dem Boden der Wirklichkeit erkannte er frühzeitig die Wahrheit des Prophetenwortes, daß der Mensch berufen sei, wvv sivaieinerseits die ewigen, unvergänglichen, idealen Güter zu pflegen und zu fördern, anderseits sich aber auch ein trautes Heim zu gründen. Durch größte Pünktlichkeit, peinlichste Korrektheit und strengste Rechtschaffenheit sich auszeichnend, hat er es verstanden, seinem Hause einen wert über unsere Stadt hinaus wohlklingenden Namen zu verschaffen. n"arui- Emden i(Ostfrld.), 20. August. In seltener Rüstigkeit feierte Frau Earoline v. d. Walde an der Seite ihres Gatten und im Kreise ihrer 12 Kinder, die an diesem Tage alle iin Elternhause versammelt waren, ihren. 70. Geburtstags In seiner Schabbos Nachamu-Predigt stellte Herr Landrabbiner Dr. Blum Frau v. d. Walde als ein Vorbild wahrer Gatten-, Mutter- und Menschenliebe hin, die dieselbe nicht nur in ihrer Familie, sondern als Mitglied des Vorstandes des israelitischen Frauenvereins weit darüber hinaus im Kreise der ganzen Gemeinde betätigte. Der Vorstand des Israelitischen Frauenvereins, der in seiner Gesamtheit erschienen war, ließ durch Herrn Lehrer Hirschberg in von Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Worten den Dank für die in mehr als 20 Jahren im Interesse des Vereins geleistete Arbeit, sowie die besten Wünsche.für das fernere Wohlergehen zum Ausdruck bringen. Frau v. d. Walde schenkte aus Anlaß dieses Tages dem Frauenverein eine Z'dokoh-Büchfe, und der Synagoge eine Decke für das Vorbeterpult. Amsterdam, 18. August. Unser verehrter Oberrabbiner ist, kaum daß er seinen 70. Geburtstag begangen hat, von einem schweren Schicksalsschlage betroffen worden. Seine Gattin, Frau Oberrabbiner Onderwyzer -Wagenaar, ist am Schabbos Rachamu nach längerem Leiden in dw Ewigkeit abberufen worden. Sie war eine der hohen Stellung, die sie einnahm, würdige Persönlichkeit, die als Ehrenvorsitzende des Niederländischen jüdischen Frauenbundes auch ihren Anteil am öffentlichen Leben nahm, wenn sie auch den Hauptinhalt ihres wahrhaft jüdischen Lebens in der Fürsorge für den Gatten und in der Erziehung ihrer zahlreichen Söhne und Töchter gesunden hat. Der Heimgang der ehrwürdigen Frau löste allgemeine Teilnahme aus, die in der starken Beteiligung bei der Bestattung zum Ausdruck kam. Namens der Beerdigungsbrüderschaft sprach Herr S holberg, für das Rabbinat, Rabbi S. H. S a r I o u i s , ferner Herr Frank als Freund der Fainilie. Möchte der verehrte Oberrabbiner in seinem starken G'ttvertrauen im Kreise seiner Fainilie wahren Trost finden. Leon Tedesco V'^T* Paris, 17. Aug. Am Morgen des 5. August ist in Paris eine der markantesten Persönlichkeiten des orthodoxen Judentums, Leon Tedesco, im achtzigsten Lebensjahre verschieden. Der Verstorbene war der Sohn von Giacomo Tedesco, eines der weit und breit durch ihre Frömmigkeit bekannten Pariser Inhaber der großen Gemäldehandlung Tedesco freres, der feine gewissenhafte Treue zur mm durch zwei Momente im Leben zum Ausdruck brachte, die es jetzt noch verdienen, der Oeffentlichkeit bekannt gegeben zu werden. Bei der Verheiratung feiner Töchter, die in Umgebung des glanzvollen Pariser Lebens aufgezogen waren, suchte er sich in Deutschland, selbst an den kleinsten Plätzen, Männer aus, um sie in streng jüdischem Sinne zu verheiraten. Aber erst seine letzte Handlung zeichnete vollkommen die ganze Grüße seines festen Prinzipes. Als im Anfänge des Jahres 1871 die Stadt Paris durch die Kommunisten eingeschlossen und von allen Lebensmitteln von auswärts abgeschlossen war, ließ er sich nicht, wie viele andere, zu nimvmi>an» bewegen. Er zog es vor, dem Willen seines Schöpfers treu zu bleiben, litt an seiner Gesundheit und fand dabei seinen Tod. Als in den folgenden Jahren nach dem Friedensschluß die religiösen Zustände in Paris bedauerlicherweise sehr zu wünschen übrig ließen, da war es Leon Tedesco und seine beiden Brüder Joseph und Abraham die in ihrem gemeinsamen Hause eine Zusammenkunftsstätte, ein streng jüdisches Leben bildeten, wo die in Paris wohnenden und die dort als Fremde Eintreffenden, sich zusammenfanden und da es in Paris damals keine Restauration gab, die in Bezug aus rrnva Anspruch auf Zuverlässigkeit bieten konnte, in diesem Hause eine Gastfreundschaft genossen, wie sie wohl in der weiten Welt kaum sonstwo zu finden war. Die Brüder Tedesco errichteten gemeinsam eine kleine Gemeinde, die in der Rue de la Coule rouge regelmäßig den G'ttesdienst abhielt, und diese Synagoge war die Vorgängerin der noch jetzt bestehenden Synagoge in der Rue de Eodet. Im Jahre 1876 fand Leon Tedesco die ebenbürtige Gattin in einer Tochter des großen Frankfurter Philantropen und hochherzigen Gönners und Führers der Israelitischen Religions-Gesellschaft, Selig Goldschmidt An der Seste dieser allbeliebten und frommen Gattin, Frau Helene Tedesco s?"»y wurden die Tugenden der Elternhäuser und die getreue Erfüllung alter nis» auf diesem schweren, steinigen Boden des Pariser Luxuslebens weiter gepflegt, Wohltätigkeit in reichem Maße geübt und manche Institution der Pariser Hauptgemeinde, wie mp» etwa zum Besten gefördert. Aber auch die Schöpfungen des Frankfurter Elternhauses fielen bei dem Ehepaare Leon Tedesco nicht der Vergessenheit anheim und so zeigen zahlreiche Zuweisungen im Laufe der Jahre an die Israelitische Volksschule, an die Israelitische Waisenanstalt, hier, die nie erloschene Anhänglichkeit zu alledem, was die edlen Eltern-für alle Zukunft an Schönem und Erhabenem ins Leben gerufen haben. So ist denn jetzt mit Leon Tedesco diese würdige patriarchalische Erscheinung, dieser herrliche Mensch von uns gegangen und die noch lebende frühere Generation des streng jüdischen Pariser Kreises, wie auch die Frankfurter Kehillo, in deren Mitte er so oft verweilte, werden mit großem Bedauern das Hinscheiden des p'mr vernommen haben, dem sie ein ehrendes Andenken bewahren. . maxjjv Die Woche. Die Sommerfeien im Henriette Vesthoff-Hort. Wenn auch in diesen! Jahre zum ersten Male seit Bestehen des jüdischen Mädchenhortes die treue Fürsorge der Frau schmerzlich vermißt werden mußte, deren Namen der Hort jetzt trägt, so gelang es doch wiederum, den etwa 120 Kindern frohe und gesundheitsfördernde Ferientage zu bereiten. Wie alljährlich verbrachten die Mädchen

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