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Der Israelit · 1932-08-25 · Heft 35 (25.8.1932) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 35 (25.8.1932)
Date
1932-08-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 35 ELEKTRISCHE ANLAGEN nur bei Ingenieur A. J. HEINRICH, Elektrotechnik Hanauerlandstrasse 38 Telefon 26382 schast. Auch der Leiter der Jeschiwoh, Rabbi Elijahu B o t s ch k o , selbst, hielt eine zu Herzen gehende Ansprache an die lauschenden Zuhörer. Bis in die späte Nacht hinein blieb man angeregt beisammen. Am Schabbos Morgen hielt der Nasch Jeschiwoh eine tiefschürfende Droscho über die Gegenwartsprobleme anhand der Trost-Haftora von Jefchaja, und zeichnete die Aufgaben der Jugend, die durch das Aufgreifen, Erlernen und Ausüben der Thora, der leidenden Menschheit und insbesondere den Juden, den ersehnten wahren Frieden bringen kann. Darauf sprach Herr Rabbiner Dt. M i ch a l s k i aus Karlsruhe, der als Gast bei uns weilt, in glänzender Rhetorik vom Ziele der Jugend. Mit Scholaus Sudaus-Gefängen klang der Sabbat aus, und bei der im großen Speisesaal sprachen noch die Herren Dr. Meyer aus Mühlhausen — ein großer Freund und Gönner der Jeschiwoh, der zwei Kinder dort hat — wie auch noch einmal Herr Rabbiner M i - ch a l s k i. Auch ein Hörer der Jeschiwoh, Herr Weiner aus Prag, nahm das Wort zu einer kurzen An.- sprache.. Bei den Feierlichkeiten taten sich auch die jetzt französischen Schüler, 20 an der Zahl, unter Herrn Dr. Schnurmann, glänzend hervor. Tschecho-Slowakei. Vor einem Uatastropheii-Winter in Rarpathorußland. Prag, 21. Aug. Wie der ITA. mitgeteilt wird, sehen die leitenden Stellen der jüdischen Sozialarbeit in Karpathorußland dem kommenden Herbst und Winter mt größter Besorgnis entgegen. Der großen Not unter der jüdischen Bevölkerung dieses Gebietes konnte durch die im Frühjahr insbesondere seitens der jüdischen Frauen der Tschechoslowakei durchgeführten Hilfsaktionen nur teilweise und vorübergehend gesteuert werden. In den letzten Monaten hat eine Invasion karpathorussischer undostslowakischer Juden in die historischen Länder eingesetzt. Scharen jüdischer Bettler leben jetzt in den größeren Städten, insbesondere in Prag, Bratislava und Brünn und geben so ein Bild von dem furchtbaren Elend, das in Karpathorußland im Winter noch größere Dimensionen annehmen wird. Polen. Auswanderung aus polen nach Palästina. W a r s ch a u, 16. Aug. Am 17. August ist aus Warschau eine Gruppe von 80 Auswanderern nach Palästina abgereist. Die Gruppe besteht aus Chalizim, Chaluzoth und Auswanderern mit eigenem Kapital von mindestens 1000 Pfund.. In etwa drei Wochen wird eine zweite Gruppe von etwa 50 Palästina-Auswanderern Warschau verlassen. Das Ende einer Misrachi-Aolonie in Palästina. Warschau, 16. Aug. Ein erschütterndes Bild aus der Misrachr-Kolonie „Kfar Chitin" entwirft der bekannte Journalist M. Mark in seinen Schilderungen, die er auf Grund seiner Beobachtungen in Palästina in den östlichen Zeitungen veröffentlicht. Er fand in der Kolonie nur noch einige Kolonisten, die nicht genug klagen und anklagen konnten. Sie fühlen sich abgeschnitten von der Welt, benachteiligt und zurückgesetzt von den zionistischen Instanzen. Von 40 Kolonistenfamilien sind kaum 11 geblieben. „Ueberall," klagen sie, „finden wir geschlossene Ohren und verschlossene Herzen, die hebräische Presse verschweigt unsere Not vollständig, wohl aus Befehl von oben. Der ganze Jischuw in der Kolonie, die Arbeit von vielen Jahren, geht zu Grunde. Unsere einzige Sünde: Wir sind einfache, fromme Menschen und wollen mit der Histadruth nichts zu tun haben." Die zionistische Exekutive wolle sie von der Scholle vertreiben, sie aber, die Uebriggebliebenen, leisten allen Anstürmen heldenhaften Widerstand und wollen zeigen, daß Erez Israel nicht allein Raum für «religiöse Arbeiterkwuzoth hat. Man Der 3 8 i a e I i t sei an sie mit dem Anerbieten, herangetreten, sie mögen mit einer Entschädigung von 25 Pfund pro Kopf den Boden verlassen und einer Arbeiterkwuzah Platz machen, was sie mit Entrüstung ablehnten. Ihre bittersten Klagen richten' sich gegen die Führer des Misrachi, die ihre Versprechen Nicht einhielt'en und sie jetzt vollkommen im Stich gelassen hätten. Sie haben sich nunmehr vom Misrachi losgesagt, aber die erwartete Hilfe von der zionistischen Leitung blieb aus. Die Felder und die Stallungen sind stark vernachlässigt, da die 11 Männer die Arbeit der 40 Nicht leisten können, und die Stütze ausbleibt. Ein gleiches Schicksal erlitten und erleiden auch die anderen frommen Kolonien wie „Ksar Gideon", „Kfar Chassidim". ' In diesem Zusammenhang muß auch auf einen Artikel im letzten Hefte der Monatsblätter der unabhängigen Misrachilanöesorganisation Deutschlands „Zion" aufmerksam gemacht werden, der sich mit der Tragödie einer anderen Misrachi-Kolonie, „Scheich-Abrek", befaßt. Auch diese Kolonie, die als erster Stützpunkt des religiösen Misrachijischuw gedacht war, scheint dem Schicksal von „Kfar Chitin" anheimzufallen. Zur gleichen Zeit, da die letzten Misrachikolonien in den Zustand der Agonie gelangen, wird vom Keren Hajessod für den linkssozialistischen „Schomer Hazair" ein neuer Siedlungsplan finanziert. Das Blatt fordert zum schärfsten Proteste auf der A. C.-Sitzung auf, wenn es auch vor einem Boykott des Keren Hajessod und zu scharfem Vorgehen des Misrachi abrät. Das Blatt hofft, daß der Vertreter der Misrachiexekutioe in den Sitzungen die Interessen der Misrachikolonien schon wahrnehmen würde und warnt auch vor Austritt des Misrachi aus der Exekutive. — Wir wissen nun, daß in den Sitzungen des A. C. nichts, zu Gunsten des Misrachi-Jischuw geschehen ist. So sehen denn die letzten Misrachikolonien im Lande einem Untergange entgegen, der die Alleinherrschaft der Linken in den Kwuzoth besiegeln würde. Lekkand. Die Baltische Vereinigung orthodox-jüdischer Akademiker gegründet. Riga, 22. Aug. Die Versammlung der orthodoxen Akademiker fand größtes Interesse und lebhafte Beteiligung. Stud. G a - l a f t s ch i n e r eröffnet Sonntag abend 9 Uhr bei vollgefülltem Saale und Anwesenheit von Delegationen aus vielen Ländern die Versammlung. Eine Reihe von Begrüßungen, u. a. eine solche vom litauischen Konsul, dann von Dr. Stern im Namen des Bundes Jüdischer Akademiker in Deutschland folgte der Eröffnung. Unter den verlesenen Telegrammen löst ein solches vom lettischen Staatspräsidenten große Begeisterung aus. Es spricht dann Deputierter M. D u b i n über die Bedeutung der Vereinigung orthodoxer Akademiker als Demonstration gegen die irrtümliche Meinung der Welt, Wissenschaft vertrage sich nicht mit Religion. Das Referat wird von Dep. S. Wittenberg ergänzt. Damit wurde der erste Konferenztag ausgefüllt. Montag wurde das. Präsidium tritt Dr. Holzberg an der Spitze gewählt und einige Kommissionen gebildet. Cs folgten dann Berichte über die jüdischen Studenten in Litauen, Estland und Lettland, die alle darauf hinausgehen, die vitale Notwendigkeit einer Zentralisierung der orthodoxen Studentenarbeit im Baltikum zu beweisen. Am Nachmittag entwickelte Dr. Holgberg in einem großangelegten Referat das Programm, die Arbeit, die Wege und die Ziele der orthodoxen Studentenorganisation. Das Referat wurde in einem glänzenden Hebräisch gehalten. Am Dienstag ging die Konferenz mit begeisterten Schlußworten zu Ende. Als Präsident der Organisation wird einstimmig Dr. Holzberg aus Kowno gewählt. Aus den Beschlüssen der Konferenz seien folgende kurz erwähnt: Mitglied der Organisation kann jeder Akademiker sein, der die Souveränität der Thora für das Volksleben wie für seine Person anerkennt. Die orthodoxen Studenten im Wilnaer Gebiet und in Finnland werden gebeten, sich der Organisation anzuschließen. Der zu wählenden Zentrale gehören je drei Mitglieder aus jeder Landesorganisation an. Das Präsidium fetzt sich aus 5 Mitgledern zusammen, von denen je zwei aus Litauen und Lettland und eines aus Estland ist. Sitz der Zentrale ist die Universitätsstadt, in der der Präsident seinen Wohnsitz hat (zur Zeit Kowno). Mindestens einmal in zwei Jahren ___r :; 25. - August 1932 wird eine allbaltische Konferenz einberufen. Eine allweltliche orthodoxe Studentenkonferenz wird angebahnt, zuletzt wird noch eine Protestresolution gegen den Antisemitismus auf den Universitäten beschlossen. ' Frankreich. Abermals judenfemdttche Ausschreitungen in Tunis. Paris, 19. Aug. Aus allen Teilen von Tunis werden ernste judenfeindliche Ausschreitungen gemeldet. Kleinere Zwischenfälle sind zu einer täglichen Erscheinung geworden. Zivilbehörden und Polizei haben energische Maßnahmen zur Unterdrückung dre Bewegung ergriffen, oft ist es jedoch unmöglich, den Ausbruch der Unruhen, die in vielen Fällen aus ganz geringfügigen Ursachen entstehen, vorauszusehen. In A r i a n a, einer kleinen Stadt bei Tunis, hat eine große Menge von Arabern unter dem Rufe „Der Heilige Krieg ist verkündet", die Juden angegriffen. Diese setzten sich zur Wchr, mehrere wurden im Kampfe verwundet. Aus Tunis in Automobilen herangeführte Polizei machte dem Aufruhr ein Ende. Mehrere Araber, unter ihnen der Sohn der mohammedanischen Ortsvorstehers Cad, sowie ein Jude, der an der Verteidigungsaktion teilgenommen hatte, wurden verhaftet. Zu ernsteren Unruhen ist es auch in Sakkiert und Sidi Poussef während des letzten Wochenmarktes gekommen. Beduinen griffen die jüdischen Marktfahrer an und plünderten die jüdischen Läden. Es ist vorläufig noch nicht möglich, weitere Einzelheiten über die Ausschreitungen in Tunis zu erlangen.. England. »Jewifh Chronicle" und die Jüdische weltkonferenz. London, 19. Aug. Es scheint uns der Mühe wert, im folgenden die Stellungnahme des „Jewifh Chronicle" zu der soeben beendeten sogenannten „Weltkonserenz" in Genf auch einem deutsch lesenden internationalen jüdischen Publikum zur Kenntnis zu bringen, weil „Jewifh Chronicle" als radikal-zionistisches Blatt gewiß über den von den Initiatoren der Genfer Konferenz geäußerten Verdacht erhaben ist, seine Stellung sei durch Feigheit, assimilatorische Gesinnung oder übertriebene Loyalität gegen die einzelnen Staaten diktiert. Das Blatt schreibt: „Die unglückselige Versammlung in Genf während der ersten vier Tage dieser Woche, welche von ihren Veranstaltern eines grandiosen Titels gewürdigt wodren ist> der ihrer Bedeutungslosigkeit und ihrem unrepräsentatioen Charakter wenig entsprach, wird nach kurzer Zeit im Orkus der historischen Kuriositäten verschwunden sein. Ihr Verlauf kann sogar ihren Veranstaltern wenig Befriedigung gegeben haben, obgleich wir erwarten können, daß sie ihren Kummer hinter tapferen Worten verstecken werden. In Wahrheit wurde nicht nur nichts Wesentliches vollbracht, sondern es. ward auch nicht der leiseste Versuch unternommen, etwas zu erreichen für die Verbesserung der gegenwärtigen ökonomischen, politischen und sozalen Bedrängnisse, die die Juden in. vielen Teilen der Welt beschweren. Es, wurde beschlossen, einen „jüdischen Weltkongreß" auf das Jahr 1934 einzuberufen, aber niemand kann erklären, was dieser Beschluß nützen kann, um die ernste Gefahr, die der deutsch-jüdischen Gemeinschaft von Hitlers Brutalitäten 1932 drohen, was er den jüdischen Massen von Ost- und Mitteleuropa nützen kann, um ich den veränderten ökonomschen Bedingungen anzupas- >en, oder um die russische Judenheit von der unmittelbar drohenden Gefahr ihrer Vernichtung durch Assimilation zu retten oder sogar die Judenheit der Vereinigten Staaten vor der ökonomischen oder sozialen Zurücksetzung zu schützen, die gegenwärtig das Kennzeichen der amerikanischen Lage ist. Hauptsächlich wegen der Nutzlosigkeit der Konferenz haben wir stetig die englische Judenheit vor der Teilnahme gewarnt und wir glauben, daß die Haltung, die wir einnehnien, reichlich gerechtfertigt worden ist. Ungeachtet der donnernden Deklamationen des Hauptakteurs auf der Genfer Bühne wird die Welt weitergehen wie zuvor und es wird weiterhin den bestehenden autoritativen jüdischen Organisationen in den einzelnen Ländern der Diaspora, zufallen, diejenigen Maßregeln zu treffen, wie sie die Umstände erfordern mögen. Es gibt heute nur wenige Länder, wo die jüdischen Gemeinden unfähig wären, sich selber gegen

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