Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 35 (25.8.1932)
- Date
- 1932-08-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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25. August 1932 terialismus und dem Jndifferentsmus im einzelnen und M der Gemeinschaft auch im kleinsten Kreise vertreten iverden könne. Ausführlich besprach Referent mt? Speisegesetze, die jüdische Ehegesetzgebung, den synagogalen G'ttesdienst u. a. m. Nach einer wirkungsvoll oorgetragenen Rezitation des durch den Synagogenchor referierte Herr Rabb.-Ass, Simon Schwab, Darmstadt, über das Thema „Können wir noch Optimisten sein?" In packender, hinreißender Ausführung gab Redner dem Gedanken Ausdruck, daß es nur auf den Menschen selbst ankomme, ob und wie er die Krise der Gegenwart überdauern könne. Vor allem verstand er es, die Notwendigkeit einer wahrhaften Teschuwo in seiner fast einhändigen Rede dem sichtlich ergriffenen Auditorium näher zu bringen.. Auf vielfachen Wunsch .werden die Ausführungen des Redners noch einem größeren Kreis zugänglich gemacht werden. Eine stimmungsvolle Ueberleitung von diesem Referat zu den folgenden gab der Synagogenchor durch die Komposition von Mismaur 122. Frl. Jetta R o s e n h e i m, Frankfurt a. M., gab aus ihren Eindrücken in Erez Iisroel sodann ein Bild über das jüdische Erziehungswesen im heiligen Lande, nachdem der Versammlungsleiter darauf hingewiesen hatte, daß schon seit Jahrzehnten die Freie Vereinigung durch ihre palästinensische Schulkommission, das erst durch den Krieg unterbrochen, von Herrn Rabbiner Dr. Moses Auerbach, Berlin, geleitete orthodoxe Schulwerk in Jerusalem, Petach Tikwah, Ekron, Sichron Jakob u. a. m. gegründet und bis in den Weltkrieg hin erhalten hatte. Die Fortsetzung dieses Sch ul werk es st eilt der agudistische Ehinnuch in Erez Iisroel dar. Seine Vorzüge und seine Mängel, letztere vor allem bedingt durch die außerordentliche Knappheit an finanziellen Mitteln, wurden in solch eindringlicher Weise von Frl. Rosenheim geschildert, daß spontan aus der Mitte der Versammlung der Wunsch nach Gründung eines Damenkomitees laut wurde, das speziell der Mädchenerziehung in Erez Iisroel gewidmet sein soll. Die Konstituierung dieses Komitees fand noch im Laufe des Tages statt und besteht aus Damen in Bad M e r g e n t - heim, Schwäb. Hall, Edelfingen, Creglingen und Künzelsau. Der gut gelungene Vortrag einer poetischen Bearbeitung von Jirmijahu (Kap. 31, 14/16), „Trost vom Grabe Rahels" schloß den ersten Teil der Tagung. Nach einer Ersrischungspause, welche Gelegenheit zu eingehender Aussprache gab, die zeigte, wie mannigfaltig gerade in Württemberg die Ausgaben der Freien Vereinigung sind, würde der zweite Teil mit einem poetischen Gruß an die Freie Vereinigung von Herrn Oberlehrer Oberndörfer, Niederstetten, eingeleitet. Herr Dr. E h r m a n n , Frankfurt a. M., referierte sodann über die Tätigkeit der Freien Vereinigung und forderte zur Mitarbeit und Mitgliedschaft auf, ein Appell, der starkes Echo fand. Darüber hinaus aber gab Herr Rabbiner Dr. Kahn in seinem. Schlußwort den Gedanken und Gefühlen der Anwesenden Ausdruck, daß die Geineinde Mergentheim und der „Drei - Länder - Kreis", welche an dieser Tagung teilgenommen haben, neue starke Impulse empfangen haben, deren Nachwirkung sicher sich noch als segensreich erweisen werden. Oesterreich. Oie nationalsozialistische Hetze in Oesterreich wird von Deutschland aus künstlich geschürt. Wien, 23. Aug. In der Sitzung des österreichischen Nationalrats kam es anläßlich einer Rede des christlich-sozialen Führers Kunschak in der Debatte über das Lausanner Protokoll, in der er sich heftig gegen die Agitation reichsdeutscher Nationalsozialisten in Oesterreich wandte, zu nürrnischen Auseinandersetzungen zwischen Christlich-Sozialen und Großdeutfchen. Kunschak führte unter stürmischem Beifall der ChristlichSozialen u. a. aus: Heute, nach 18 Jahren (Kunschak hatte unmittelbar vorher auf den Gedenktag des Thronfolger-Mordes von 1914 hingewiesen), ist es der Furor Teutonicus, der: gleichbedeutend mit hohenzollernschem Hausinteresse, Arm in Arm mit Junkern und Jndustriemagnaten zunächst einmal den aufkeimenden welterlösenden demokratischen Gedanken im eigenen Lande und insbesondere auch unserem Oesterreich und dessen Volke den Krieg erklärt. So konnten wir es erleben, daß in den letzten Tagen reichsdeutsche Emissäre Der I s r a e l i t _ in geschäftigster Weise sich in Wien bemerkbar gemacht haben. Es fehlt nur noch der schlüssige Beweis, daß das Wort „Der Rubel rollt" umgewandelt werden kann in die Behauptung „Die Mark rollt". Daß diese Herrschaften, die man als Hitzköpfe und Agitatoren landaus, landein kennt, nicht nach Wien gekommen sind, um sich einem Privatvergnügen hinzugeben, ist einleuchtend. Ich stelle diese Tatsache nur noch einmal fest und ziehe daraus die Folgerung, daß es sich bei der Agitation, die da in den letzten Wochen und Tagen durch Oesterreich geht, vielsach um eine künstlich herbeigeführte, und zwar durch ausländischen Einfluß herbeigesührte Aufregung handelt. Es wäre der gemeinsamen Sache des Deutschtums sehr zweckdienlich, wenn die deutsche Reichsregierung diese Fanghunde zurllckpfeifen, an die Leine legen und die Ordnung unserer häuslichen Angelegenheiten unserer eigenen Erkenntnis und unserer eigenen Leidenschaft überlassen würde. Es verlautet, daß der österreichische Ministerrat beabsichtigt, den Vertrauensmann Hitlers in Oesterreich, den reichsdeutschen Abgeordneten Georg Habicht, auszuweisen. Oer Tod des ehemaligen österreichischen Bundeskanzlers Schober. Wien, 19. Aug. Das Hinscheiden des ehemalgen Bundeskanzlers und langjährigen Polizeipräsidenten von Wien, Dr. Johann Schober, wird von weiten Kreisen der österreichischen Judenheit aufrichtig bedauert. Obwohl Dr. Schober der großdeutschen Partei nahestand, hat er persönlich und in seinen amtlichen Funktionen der jüdischen Bevölkerung nicht nur stets eine durchaus gerechte Behandlung zuteil werden lassen, sondern vielsach auch tiefes Verständnis für ihre besonderen Wünsche und Forderungen gezeigt. Wiederholt ließ er sich von jüdischen Führern über innerjüdische Vorgänge und Zustände informieren und hat jedesmal, wenn in Oesterreich, und insbesondere in Wien, antijüdische Exzesse drohten, in energischster Weise Vorkehrungen zum Schutze der. persönlichen Sicherheit und des Eigentums der Juden getroffen. Zur Zeit, als die Heimwehrbewegung in Oesterreich sich in bedrohlicher Weise entwickelte, war es das Verdienst Schobers, eine Radikalisierung der staatlichen Exekutivkräfte und damit Entwicklungen, die zu katastrophalen Folgen für die österreichische Judenheit hätten führen können, verhindert zu haben. Nach dem Sturz des stark antisemitisch eingestellten Heimwehrkabinetts Vaugoin-Starhemberg wurde Schober zum dritten Mal Kanzler, mußte jedoch nach der mißglückten Zollunionskampagne demissionieren und ist seither im öffentlichen Leben nicht mehr hervorgetreten. Schweiz. Die Jüdische Aonfereuz in Gens. Genf, 18. Aug. Die von der jüdischen Weltkonserenz zur Vorbereitung des jüdischen Weltkongresses eingesetzte Exekutive hat beschlossen, mit den Arbeiten zur Popularisierung der Kongreß-Idee in der jüdischen und nichtjüdischen Oeffentlichkeit sofort zu beginnen. Die organisatorischen Vorbereitungsarbeiten werden im Oktober ausgenommen werden. In jedem Lande wird ein eigenes Kongreß- Komitee eingesetzt werden. Genf, 19. Aug. Die Genfer Konferenz fand am Montag mit einem Schlußworte Dr. Nachum G o l d m a n n s und mit der Beschlußfassung, den Weltkongreß etwa innerhalb von zwei Jahren einzu berufen, ihr Ende. Von einem früheren Datum müsse man mit Rücksicht aus den nächstes Jahr stattfindenden Zionistenkongreß absehen. Als Ort des Kongresses wird Genf bestimmt, damit er im Mittelpunkt der internationalen Politik stehe. Die letzten Verhandlungen und Debatten drehten sich um die Frage, ob und inwieweit die Palästinafr a g e und die zionistischen Probleme den jüdischen Kongreß beschäftigen sollen. Goldmann möchte die Palästinafrage nicht ausgeschaltet sehen, aber er möchte zugleich den nichtzionistifchen Parteien volle Möglichkeit zur Vertretung ihres Standpunktes geben. Ein guter Teil der Delegierten war für eine Trennung der zionistischen Probleme von der Tagesordnung des künftigen Kongresses. Berichte wurden noch erstattet: über die Vorgänge und Lage inDeutschlan d von Moses Wald mann lund Leo Motzkin. Letzterer warnt vor einer Unterschätzung der antisemitischen Gefahr in Deutschland. Es sprachen ferner Dr. Nurock als Vertreter der baltischen Judenheit, Dr. Rosmarin, G r ü n b a u m u. a. über die Lage in Polen. Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Warschau, E. M a s u r , erklärte, er habe als Vertreter der größten jüdischen Gemeinde in Europa es als seine Pflicht erachtet, an der Konferenz beobachtend teilzunehmen. Für die Kongreßidee selbst könne er sich aber vorerst nicht erwärmen. Die Konferenz schloß mit der Wahl eines achtzehngliedrigen Präsidiums, das die Beschlüsse der Konferenz auszuführen und den beschlossenen Kongreß zu dem angegebenen Zeitpunkte vorzubereiten hätte. was die offiziellen Kommuniques nicht melden. Genf, 22. Aug. Der Präsident der Warschauer Gemeinde, Herr M as u r, der, wie schon gemeldet, als stiller Beobachter der Konferenz beiwohnte, wurde vielfach bearbeitet, in eine der Kommissionen einzutreten, was er aber mit der Begründung ablehnte, daß er sich im Einvernehmen mit der .Orthodoxie und der Aguda jeder aktiven Beteiligung enthalten wolle. Daß außer der Aguda und anderen großen Organisationen auch die e n g l i s ch e n Z i o n i st e n , sogar Sokolow, der Konferenz fern bliebe'., darüber erfuhr man aus dem Munde Dr. Jochelma.nns Interessantes. In London, dem Sitz der Exekutive, seien die zionistischen Führer sich mehr ihrer Verantwortung bewußt und wissen, was auf dem Spiele steht. Die Initiatoren der Konferenz, sagte Jochelmann, stellen die zionistische Politik über die jüdischen Interessen, sogar über die Palästinapolitik. Das machen die Herren in London nicht mit. Der geplante Kongreß wird eine rein zionistische Sache werden, auch wenn die Vorschläge G r ü n b a u in s, die offen darauf hinausgehen, den zionistischen Charakter des Kongresses zu sichern, nicht durchgehen sollten. Jochelmann setzt auch alle Bedenken des Board gegen den Kongreß auseinander, mit denen er sich restlos identifiziert. Wiederholt ergreift G r ü n b a u m das Wort, um nachzuweisen, daß der Kongreß z i o n i st i s ch oder nicht sein wird. Er sagt ihm Opposition an, wenn er von der z i o n i st i s ch e n Lösung der Juden frage nur in einem Punkte abweichen sollte. Die meisten zionistischen Führer sprechen sich gegen Grünbaum aus. Insbesondere möchte man nicht durch eine exponierte zionistische Politik der Aguda. auf deren Mitarbeit man immer noch hofft, den Weg verbauen. Sowohl Dr. Landau, wie Dr. G o l d m a n n meinen, ohne Miwirkung der Aguda sei ein jüdischer Weltkongreß nicht denkbar. Auch P r i l u tz k i, der sich von Sympathien für die Aguda frei weiß, schließt sich dieser Meinung an. Zu einein wahren Skandal führt die Grünbaunl'sche Opposition in der Sitzung der P o l i t i s ch e n K o m - Mission. Elf nichtzionistische Delegierte, die an der Konferenz beteiligt sind, legen Protest gegen den Standpunkt Grünbaums, den sie als Herausforderung einpfinden, ein. Da über ihre Köpfe Beschlüsse gefaßt worden sind, welche offensichtlich zionistischen Tendenzen dienen sollen, erklären sie, daß sie gezwungen seien, die Konferenz -u verlassen unbeschadet ihrer positiven Einstellung zum jüdischen Weltkongreß an sich. Entsprechend dieser Erklärung sah man bei der Schlußsitzung die wenigen nichtzionistischen Mitglieder nicht mehr im Saale. Damit bleiben die Zionisten bei der Ausführung der Konferenzbeschlüsse und Vorbereitung des Kongresses schön unter sich. Was dieser Kongreß neben dem üblichen Zionistenkongreß noch für eine Aufgabe haben soll, ist zunächst rätselhaft. Sin großer Sabbat in Montreux. Montreux, 21. Aug. Von allen Seiten erstrahlen die Säle und Zimmer der Villa Ouisisana in hellem Lichte. Der Sabbatengel ist eingezogen und mit ihm die Sabbatwonne. Aus Genf kamen prominente jüdische Persönlichkeiten zu Schabbos zu uns, um mit uns denselben zu verbringen. Die Herren Dr. Max Landau aus Berlin, Schriftsteller M i n z vom „Jüdischen Tageblatt" in Warschau und Rabbi H o r o v i tz , Großrabbiner von Brooklyn, sprachen am Freitagabend in der Wohnung des Rektors der Jeschiwoh Worte der Anerkennung und der Freund-