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Der Israelit · 1932-08-25 · Heft 35 (25.8.1932) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 35 (25.8.1932)
Date
1932-08-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Ht'-'.'Sl i ' Mr< Seite 6 Nr. 35 Der Israelit 25. August 1932 'ÜfT' •;ck* v - : ‘ . ■ merkt, daß die beanstandeten Sätze nicht weiter auffallen würden, wenn sie in einem rein zionistischen oder gar radikal-zionistischen Blatte erschienen wären. Tatsächlich war dies der Fall. Der Misrachi braucht sich also in diesem speziellen Falle durch unsere aus irrigen Voraussetzungen erwachsene Kritik nicht getroffen zu fühlen. Die konservativen und der kommende Neichsverband. Berlin, 18. Aug. Die Gründung der Reichsorganisation der deutschen Juden ist durch Verhandlungen unter den Landesverbänden in den letzten Wochen in greifbare Nähe gerückt. Von einer führenden Persönlichkeit der Ko n s e r v a t i v e n im Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden, die als Sprachrohr der Gemeindeorthodoxie in Deutschland gelten darf, wird der ITA. hierzu mitgeteilt: Der vorliegende Entwurf für den „Reichsbund Jüdischer Landesverbände" erfährt in der Orthodoxie auch außerhalb des „Halberstädter Verbandes" entschiedene Ablehnung. Von einzelnen Gemeinden und maßgebenden Personen wird sogar die Auffassung vertreten, man solle dein „Reichsbund" fernbleiben und die die konservativen Wünsche für seine Gestaltung weiterhin ablehnenden Landesverbände verlassen. Diese Stimmung ist um so bedeutsamer, als gerade die Konfervatven in den Landesverbänden die Gründung einer Reichsorganisation weitestgehend gefördert haben, so vor allem den auf den Nürnberger Beschlüssen fußenden Entwurf von 1928, der zwar nicht alle gesetzestreuen Wünsche befriedigte, aber doch einen wirksamen Schutz der gesetzestreuen Minderheit und Sicherungen gegen Gewissenszwang enthielt. Jetzt richtet sich der Widerstand zunächst gegen den Wegfall der Reichstagung, den die meisten Landesverbände nun doch hinzunehmen scheinen. Bedenklich erscheint in dem neuen Entwurf von Baden-Baden der Verbandsname „Reichsb und Jüdischer Landesverbände" statt „Reichs verband". Es handelt sich hier nicht um eine Aeußerlichkeit, sondern um das Prinzip der „Firmenwahrheit". Befremdlich und ernüchternd wirkt die Streichung der „Pflege des Gesamtbewußtseins" unter den Zwecken der Reichsorganisation. Berühren die vorstehend angeführten Bedenken vielleicht nicht die Grundlagen des Verbandslebens, so verleugnet das neue Gebilde schon bei seiner Entstehung seinen Charakter als Einheitsgemeinschaft aller Gruppen des deutschen Judentums: Alle Kautelen für die religiöse und rituelle Führung der vom Verbände zu führenden oder zu fördernden Einrichtungen sind beseitigt und Anträge auf ihre Wiederherstellung abgelehnt. Der Wegfall dieser und noch anderer religiös-kultureller Sicherungen, die allen Juden die Mitarbeit und die Benutzung der gemeinsamen Einrichtungen ermöglichen würden, ruft Mißstimmung und Protest der Thoratreuen hervor. Ueberdies ist die Gefahr der Majorisierung in Fragen des täglichen religiösen Lebens und in Prinzipienfragen jederzeit gegeben. Die Gestaltung der Ausschüsse für Kultus und Unterricht, in einem solchen Verbände von zentraler Bedeutung, und die Einschränkung des rabbinischen Einflusses hindern die angemessene Berücksichtigung, Vertretung und Betätigung des gefetzestreuen Judentums. Sollte es nicht gelingen, durch Verhandlungen innerhalb der nun zur Entscheidung berufenen Gremien die drückendsten Mängel zu beseitigen, ist das gesetzestreue Judentum zur Verteidigung seines hohen Ueberlieferungsgutes auch im Kampfe entschlossen. Andererseits würde der entschlossene Widerstand dieser zahlenmäßig beträchtlichen und als opferwillig erprobten Gruppe des deutschen Judentums den Reichsverband auch in seiner heutigen, „denaturierten" Form in Bestand und Aufbau gefährden. Aufgabe aller Beteiligten ist es, durch loyale Anerkennung des Wertes und der Rechte der gesetzestreuen Minderheit das gesamte deutsche Judentum vor Schaden zu bewahren. keine Koalition zwischen Nationalsozialisten und Zentrum ohne Garantien für gleiche Behandlung aller Staatsbürger. Berlin, 21. Aug. Wie von bestunterrichteter Stelle der ITA. mitgeteilt wird, wird das Zentrum keinesfalls bereit sein, mit den Nationalsozialisten in Preußen eine Koalition einzugehen, wenn diese nicht alle Ga¬ Die Woche. Berlin. Die in Welt:erband jüdischer Studenten organisierte jüdische Studentenschaft hat ihre Stellungnahme zur Frage eines jüdischen Weltkongresses in einer Erklärung präzisiert, in der die Schaffung eines jüdischen Weltkongresses vorbehaltlos begrüßt wiro. Zum Weltkongreß seien alle diejenigen, aber auch nur diejenigen, die sich z u m jüdischen Volke bekennen, zuzulas'en. Danzig. Vor kurzem hatten die Nationalsozialisten in Danzig einen Demonstrationszug veranstaltet, in dem Transparente mit der Aufschrift „Tod den Juden!" mitgeführt wurden. Der Danziger Eentral-Verein, ebenso der Vorstand der Jüdischen Gemeinde hatten dem Senat ein Memorandum überreicht, in dem Maßnahmen gegen die judenfeindliche Hetze der Nationalsozialisten verlangt wurden. Der Danziger Senat hat nunmehr eine gerichtliche Untersuchung gegen die für die Zulassung dieser Demonstration Verantwortlichen angeordnet. — In einer großen Konferenz in Danzig wurde der Zusammenschluß der zionistischen Arbeitercerbände „Poale Zion" und Hitachduth vollzogen. Antwerprn. In Belgien hat eine antiiüdische Boykottpropaganda eingesetzt. In den Straßen, von Antwerpen wurden Anschläge angebracht, in denen die Bevölkerung aufgefordert wird, von den Juden, die „das belgische Leben vergiften" nicht zu kaufen. Diese Boykottpropaganda ist geeignet, die wirtschaftliche Notlage der jüdischen Bevölkerung zu verstärken, die von der allgemeinen Wi'tschast-krise in Belgien besonders hart getroffen ist, weil sie bisher hauptsächlich in der Juwelenindustrie und Dlamanterschleiferei, zwei Verufszweigen, dis . fast vollständig zugrundegogangen sind, tätig war. Pari;. Der Vorstand der Internationalen Liga gegen den Antisemitismus hak beim Ministerpräii)enten Edouard H e r r i o t und bei verschiedenen Mitgliedern des Parlaments die notwendigen Schritte unternommen, um eine Aufklärung über Entstehung und Bedeutung der Ereignisse von S f a x im Verlaufe einer parlamentarischen Debatte herbeizuführen. Beim Wiederzusammentritt der Kammern wird eine Interpellation eingebracht werden. — Entgegen manigfachen Gerüchten, wird von höchster Stelle mitqeteilt, daß nach einem Berichte des französischen Oberkommissar in Beyrut kein Grund zu der Befürchtung antijüdlscher Unruhen in Syrien vorhanden ist. — In Lille wurden junge Deutsche, die in Hitlerunisorm auf der Straße erschienen, verhaftet. Sie gaben bei der Untersuchung an, sie wollten sich auf den Schlachtfeldern in Frankreich neuen Mut für den nationalen Kampf in Deutschland holen. Czernowitz. Wie ITA meldet, wird der Prozeß gegen die Gendarmerie-Beamten, die an der Folterung von Samson Braunstein in Jedinetz beteiligt waren, am 18. Oktober vor dem Czernowitzer Appellationsgerichtshof eröffnet werden.. Die Interessen des Priratbetei'igten werden in dem Prozeß von den jüdischen Deputierten Dr. Mayer Ebner und Ado. Michael Landau sowie von dem Rechtsanwalt Siegfried Rosenzweig vertreten werden. Bukarest. Als Vertreter des jüdischen Kultus wurde Oberrabbiner Senator Dr. N i e m i r o w e r in die Senatskommission für Kultus und Unterricht gewählt. Ihr obliegtdie Prüfung und Bearbeitung aller dem Senat vorgelegten Fragen, die sich aus Kultus und Unterricht beziehen. — Am 11. August (Tischa b'Aws wurden in Jassy die Reste ^der zehn, Thorarollen, die bei der Derastierung der Jassyer Synagoge durch Mitglieder der „Eisernen Garde" im März d. I. zerrissen, geschändet und zum Teil verbrannt worden waren, feierlich bestattet. An der Bestattungsfeier nahmen viele taussude Juden teil. Alle jüdischen Geschäfte und Büros in Jassy waren geschlossen. Wilna. In Olszany kam es bei einer Kirchenprozession zu Ausschreitungen, bei denen ein jüdisches Haus bis auf den Grund zertrümmert wurde. Die Bewohner, Familie K o s I o w i k i, konnte sich noch mit knapper Not in Sicherheit bringen. Die Behörden leiteten strenge Untersuchung vor. Warsrlan. Polnische Huligans überfirlen in der Nacht zum Dienstag, den 16. August, die von der „Jüdischen Landbau-Eesellschaft" in Jasczud u w k a in der Nähe des Kurortes Zakopane eingerichtete Sommerkoloni», nachdem sie?u -or die telefonische Verbindung mit der Kolonie durchgeschnitten hatten. Dir Huligans eröffneten ein Steinbombardement gegen die Häuser der Kolonie, sodaß alle Fensterscheiben zersplitterten und mehrere der im Schlaf überraschten Kolonisten mehr oder weniger erheblich verletzt wurden. Die Polizei leitete eine Untersuchung ein. rantien für die Aufrechterhaltung und Achtung der V e r s a s s u n g u n d für i> i e g l eiche Behandlung aller Bürger des Staates geben werden. Antisemitische Ausschreitungen in Beuchen nach Verkündung der fünf Todesurteile gegen Nationalsozialisten. B e u t h e n, 23. Aug. Die Unruhen nach Verkündung der fünf Todesurteile egen die Mörder des Pietzuch begannen schon im Gerichtshöfe und setzten sich auf den Straßen von Beuten bis in die späten Abendstunden fort. Es kam zu nationalsozialistischen Massenversammlungen auf dem Kaiser Franz Joseph- Platz, der im Hauptgeschäftsviertel der Stadt, in unmittelbarer Nähe des Gerichts, liegt. Die Ausschreitungen nahmen zum Teil einen direkt antisemitischen Charakter an. Die jüdischen Geschäfte in der Stadt wurden darum sämtlich geschlossen, die Rolläden wurden herabgelassen. Dennoch konnte nicht verhindert werden, daß an einer Reihe von Läden, deren Inhaber Juden sind, sämtliche Schaufensterscheiben eingeschlagen und auch sonst Schäden angerichtet wurden. U. a. wurden die Schaufenster einer großen jüdischen Elektrizitätssirma demoliert. Ein jüdischer Obsthändler wurde schwer verprügelt. Ein Lynchakt an ihm wurde durch das Dazukommen der Polizei verhindert. Die Schutzpolizei, die in großer Stärke in Beuthen zusammengezogen war, trieb die nationalsozialistischen Demonstranten wiederholt auseinander und stellte die Ruhe wieder her. Die von Breslau eingetroffenen SA-Formationen sind nach dem Eingreifen der Polizei wieder abtransportiert worden. Schomre Schabbos-Stellenvermittlung. Fürth, 19. Aug. Die hiesige agudistifche Schomre Schabbos- Stellenvermittlung hatte längere Zeit Schwierigkeiten mit dem staatlichen Arbeitsamt, das unter Berufung auf die geltenden Vorschriften eine besondere! Stellenvermittlung neben der allgemeinen nicht zulassen wollte, obgleich diese Stellenvermittlung seit Jahrzehn- Iten bestand. Nunmehr ist es endlich gelungen, das Landesarbeitsamt von der Gerechtigkeit unserer Wünsche zu überzeugen und der Verwaltungsausschuß des Landarbeitsamtes Bayern hat in seiner Sitzung vom 8. Juli folgendes beschlossen: Die Neuerrichtung einer nicht gewerbsmäßigen Stellenvermittlung und Berufsberatung für den Bezirk des Landarbeitsamtes Bayern durch den j Verein Schomre Schabbos, Fürth wird genehmigt, so- ■ weit sie sich lediglich auf Sonnabend-freie Beschäftigung und auf solche jüdische Personen erstreckt, die aus religiösen Gründen des Samstags nicht arbeiten wollen. Bezirkstagung der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums in Bad Mergentheim. Bad Mergentheim, 21. Aug. Die erste Bezirkstagung auf württembergischem Bo- - den darf wohl als ein unerwartet starker Erfolg gebucht werden. Trotz der fast tropischen Hitze waren gegen dreihundert auswärtige Besucher dem Rufe der Freien Bereinigung gefolgt, aus Württemberg, aus Bayern und Baden, um der Tagung im schönsten Saale des anmutigen Badestädtchens beizuwohnen. Man spürte deutlich, daß schon das bloße Zusammenkommen der Gleichgesinnten aus den kleinen und kleinsten Gemeinden jedem!das bedrückende Gefühl der Vereinsamung und Isolierung nahm. Darüber hinaus war der Verlauf der Ta-; gung ein solcher, daß wohl der nachhaltige Eindruck weit über die Zeit der Tagung hinaus bleiben wird. Mit einem würdevollen und feierlich vorgetragenen „Voruch-habo" durch den Synagogenchor der Gemeinde Mergentheim wurde die Tagung eröffnet. Vegrüßungsworte des Vorsitzenden der Gemeinde Mergentheim, Herrn Dr. Hirnheimer, ferner des Herrn Moses Herz, Schwäb. Hall, im Namen des Gesetzestreuen jüdischen Landesverbandes in Württemberg leiteten die Tagung, die von Herrn Dr. Ehrmann im Namen des Vorstandes der Freien Vereinigung eröffnet wurde, ein. Das erste Hauptreserat hielt Herr Bezirksrabbiner Dr. Kahn, Bad Mergentheim, über das Thema „Unsere Aufgabe in der Gegenwart". Der Redner verstand es, überzeugend nachzuweisen, wie auch in der Gegenwart das ewig geltende Sinaigesetz gegenüber dem Ma-

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