Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 35 (25.8.1932)
- Date
- 1932-08-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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25. August 1932 Der Jsrselit Nr. 35 Seite 5 nen einzigen Paragraphen von der Thora, — sondern die Laalspropheten. Und Achab und seine Propheten waren schließlich doch noch von anderem Format als die „kleinen Füchse", die gegenwärtig den Weinberg des Herrn verwüsten. Oder kennt Herr Dr. Melchior nicht die Lebensgeschichte des Propheten Iirmijahu, der den Mut hatte, den Gesetzen, die das Volk sich selbst gab, entgegenzutreten und er blieb der Prophet Iirmijahu, und das Volk, das stch seine eigenen Gesetze gab, mußte sein Land und feine Heimat verlassen, weil es so einzelne „Paragraphen" von G'ttes Thora geopfert hatte. Und wenn Dr. M. recht hat, daß die Vorschläge von Arnold wiener eine solche Stimme aus dem Volke waren, so möge er sich gesagt sein lasten, daß solche Stimmen dazu führen, nar pan nkVov die unweigerlich den Zerfall und Untergang des jüdischen Volkes zur Folge haben. Ich hätte also geschwiegen, aber zwei Momente sind es, die mich doch veranlaßt haben, auf die Ausführungen einzugehen. Erstens dürfen derartige Ansichten nicht unwidersprochen bleiben, da ja Herr Dr. Melchior sich zu den gesetzestreuen Rabbinen zählt und da könnte man wirklich der Meinung sein, daß seine Ausführungen doch irgend einen Schimmer von Berechtigung haben, was natürlich nicht der Fall ist. Zweitens aber eine Bemerkung, die er betreffs der Beweggründe des Herrn Wiener vorbringt. „Cr wird von der Angst gequält, daß jeder zweite Jude ein Mamser sein könnte." Diese Angst ist berechtigt und sowohl Herr Rabb. Dr. Merzbach als auch ich haben diesen Befürchtungen in diesen Blättern lauten Ausdruck verliehen. Ich habe gefordert, daß man all diejenigen Herren, die sich Rabbiner nennen und Trauungen vollziehen ohne jüdischen Get, in jüdischen Dingen boykottieren soll; habe der Erwartung Ausdruck verliehen, daß gesetzestreue Rabbiner mit Leuten, die Vxnwa B'ntaa nana sind, nicht in einem gemeinsamen Rabbinerverband bleiben werden, habe erwartet, daß den Resolutionen der beiden thoratreuen Rabbinerverbände auch Taten folgen werden und habe dafür von den Gesinnungsgenossen des Herrn wiener, die nun daran gehen, „Aufbauarbeit auch auf dem Gebiete des jüdischen Gesetzes" zu leisten, die bittersten Vorwürfe erhalten. Ja, Zionismus und Thorawahrheit, das sind noch zwei verschiedene. Dinge. Herr Melchior macht nun den orthodoxen Rabbinen Vorwürfe, daß sie ja xaniy vw? Hb vbivv' daß sie einfache xrnnixn niv'x nicht erlauben wollen. Run kommen wir zur halachischen Seite der Frage. Ich versage es mir mit Absicht, auf die pilegeschfrage in ihrer Allgemeinheit einzugehen, da ein solches Eingehen gegen den Geist des pnnn px nvnya verstoßen würde. Rur durch ihre glückliche Unwissenheit sind die Leuthener Herren imstande, eine Frage von solcher Tragweite in einigen Zeitungsartikeln abzutun. wären sie nicht so unwissend, so müßte man l ihr Vorgehen als frivol bezeichnen. Rur so viel darf gesagt werden, daß Melchiors Ausführungen, daß w^B-Che statthaft sei;- halachisch durchaus falsch - sind. Aus einen von Merzbachs Cinwänöen, daß nach des p'aan eigenem Modus eine m^B -Che Uebertretung der nnry rnsa der pwnpfci, weiß er überhaupt nicht einzugehen. Cs ist aber auch gar nicht nötig, näher hierauf einzugehen. Es handelt sich um Folgendes: Kinderlosen Witwen, die auf Ehalizah warten, soll in der weise geholfen werden, daß für -sie die pilegeschinstitution ins Leben gerufen werden soll; der Frau soll gestattet werden, eine Zivilehe einzugehen, aber man soll weiter bestrebt sein, die Ehalizah zu erlangen, um dann eine religiöse Che eingehen zu können. Herr Rabb. Dr. Merzbach hat darauf hingewiesen, daß eine kinderlose Witwe, die keine Ehalizah erhielt, auch ohne Eheschließung keinem Manne angehören darf, daß die Frau dem Manne, der sie vorher nimmt, für immer verboten ist. Dr. Melchior bestreitet dies und zwar aus zwei Gründen. „Einmal spricht der Schulchan Aruch auch von einer Frau, die sich des mar schuldig macht, und es ist oben unter nnnp gezeigt, daß pilegesch und Snuth nichts gemeinsames haben." wörtlich so Zu lesenbei Herrn Dr. Melchior! Cs gehört dies Stückchen in die Rubrik unfreiwilligen, rabbinifchen Humors, über -den man lachen könnte, wenn es nicht so beschämend traurig wäre, daß dies ein Rabbiner, der sich thoratreu nennt, niederfchreiben konnte.rnaiv n n 2 ' r v ■ an'- so heißt es nämlich dort in ynx ty'ipr bedeutet also nur, wenn sie rrm treibt, nicht aber wenn sie in monogamer Verbindung mit einem Manne lebt. Rach Ihrer Meinung, Herr Dr. Melchior, wäre also auch eine epx NVX n n a' t nr nur dann nbvib nmox, wenn sie mta ist, nicht aber, wenn sie ein dauerndes Verhältnis mit e i n e m Manne eingeht, wenn sie die eines anderen Mannes wird, da dies ja mit mal nichts zu tun hat. So lernt man in Beuthen! Rach dieser Kostprobe des mana*? dieser Herren könnte man sich alles weitere sparen, aber wir werden,-da wir doch im Züge sind, noch weiter hören. Das zweite Argument, das Herr Dr. Melchior vorbringt, ist, daß diese Ansicht ja nur die von anaix v ist und auf 'pia'i *]OV zurückgeht, und gegen dessen Ansicht - wenden stch ja die Späteren mit offensichtlicher Schärfe. Die ■anaix V' wollen die Che des ‘j’ina mit der 22' mau? nnrw auch nach der ns'^n verbieten, denn ohne ns'^?n ist es mal' denn nna'iw Dl’ m»w bedeutet selbstverständlich genau so wie nna’m V'X nwx einen jeden geschlechtlichen Verkehr mit einem anderen als dem aa' und für diesen Verkehr bekommt sie mp'pa wegenn^np niv'X'wie dies aus demselbennat?a »pa nx'a mo’X i"vB? hervorgeht, den Herr Dr. Melchior zitiert, um zu beweisen, daß das ntfX 'nn xV nswn nan bei einem derartigen V^B-Verhältnis einer aa'1? npipi gar nicht angeht. Run wollen wir sehen, was es damit für Bewandtnis hat. In maa* 2"S streiten a-1 und ^xiaw* Rach an bedeutet dieses nan ihm* 'nn daß naa'a posw pwvi'p px» daß eine aa' man? zu den mnsr gehört und wenn ein anderer von ihr ein Kind hat, dieses Kind ein maa ist. (Siehe '"rrn zu a"3? v"a man’, posin pnm’p paa na-i nwxn 'sn naxn a-ia *>a na 'nn xb nr vnxb nan nm 'nn x^ anan naa'a (nraa nHm nn 'X1»V dagegen ist im Zweifel, ob es diese Bedeutung hat oder aber nur als ixh steht und dann sind pvvpp na pvBin, allerdings nur so weit, daß sie einen m benötigt. Also nach '"En würde ein Kind, hervorgegangen aus einem Geschlechtsverkehr mit einer 22' nnaiw nach an ein maa sein, nach ^xiaV ein maa pBv- Rambam und Schulchan Aruch paskenen, daß das Kind kein maa ist, nur nach anaix ist es ein panna niaa. In rn^'x na n"B wird die Frage von nav?a 2N^ aufgeworfen, warum nach2"aan, der wie bHinu? paskent, das Kind nicht zumindest maa pso ist, und wie denn einer, der mit an' mal» verkehrt, mp^a bekommt, da es doch nach hxiav zweifelhaft ist, ob nan nwx 'nn Hb fünxV fommt. Man vergleiche dort, wir können hier nicht näher darauf eingehen, da es zu weit führen würde. Run fragt sich, wie es stch mit mp^>a verhält. Rach 'D ■pann in rspn mxa bekommt man für nx'a allein mpVa. Cs heißt dort ausdrücklich: npi'? aan np'i. nnn xni naan bv xai ni bv nasn und ebenso fie: nmyi naisn1? nVsraai nnasrnxw nipsxi nipVa aina xn 2aw aa'^ npipT (Das -N7BX1 bedarf der Erklärung, da ja vx nuvin nE?xV und überall *?;na und. n^ai die gleiche Strafe erleiden.) Rambam aber paskent, daß mpha erst nach pvii'p und n^'ya kommen, weil bei allen 'a"n pix^/ wo pvsin pvn'p sind, mp*?a erst nach p^in'j? kommen. Run sagt mwa fjoa, daß wenn 2"aan auch lernt, daß bei den pix*? '2"N auch für n'vya allein mp^a kommen, aber nicht für den ix^>, sondern wegen nsnp so z. B. bekommt ein ^na für n^'Zta nVin^ kein nip^a für nwinan ixb, sondern wegen nunp niv'X' Und genau so verhält es sich bei npipr 22'^.Darum hat Dr. Merzbach recht, daß eine npipt 22'^' wenn sie eine mb^Q eines anderen würde, nach 2"aan für n«np mo’x auch mp^a bekäme. Man kann eine npipt nicht für sich nn'a sein, auch nicht als da sie doch an den 22' gebunden ist. Vielleicht hat man aber auch in Beuthen vor dem nia^n Vs?a ni!?in3 etwas Respekt. Dieser, dessen Worte n^ap nan sind, sagt, daß eine 22' maiW' die mit. einem anderen Manne verkehrt, bei jeder nx'2 eine msa nwsr Übertritt, nämlich ix^i nnx xVi '^bv xa' naa' •nw» nrrw ^aa xan (vgl. r» '’sro ü"ip!t".nx |n^n pnr und nn!?nix a"Si v"a rpaa’.) So sieht also in Wirklichkeit der Vorschlag der neuen Chereformer aus. Cs wird uns dadurch auch klar, warum die großen 2'ianöes Erstens bisher nicht auf diesen genialen Einfall gekommen sind. Es bleibt also dabei, daß die Witwe eines kinderlos verschiedenen Mannes von jeder Verbindung mit einem anderen Manne, in welcher Form innner ausgeschlossen ist, bis sie Ehalizoh bekommen hat, auf Grund der Thora-Vorschrift und nicht nur wegen irgendwelcher Erschwerung; und daran können alle Künste der xna xn'nnn nichts ändern. Roch stümperhafter und leichtfertiger ist der Vorschlag des 'xin by m» den Herr Melchior gar nicht begründen kann. warum ist der 'xw der bürgerlichen Scheidung anders zu bewerten als die anderen 2'XW? Cs klingt daher ganz lächerlich, wenn er in den Stoßseufzer ausbricht, daß es doch tragisch ist, daß der nana die Einrichtung der zivilen Scheidung nicht gekannt hat, sonst wäre er Zadok Kahn und wiener zuvor gekomnien. Ja, wenn er pv'3 eben so wenig gelernt und verstanden hätte wie die Herren Chereformer. Cs ist übrigens — nach dessen eigenen inzwischen veröffentlichten Briefen — nicht wahr, daß Zadok Kahn den Vorschlag des 'X3n'$s>''t» gemacht hätte, die „Zisterne" des Herrn wiener scheint doch etwas löcherig zu sein. Cr sprach von Xw by pim’~* Und da genügt es, wenn ich die Worte Hoffmanns anführe, daß diese Idee dazu führen würde: pt?'ä min to’? nVNn QTan rix npm a'Ennan ö^ann nax* na a"a nai pann'p '*» ns'Vm nb an'mpinp min naa B'oavnnmxn n^x pn:b"in (•a"a "v 3"ki naVa) 2^212 ns?n nn pxun 2'2iv Und ähnlich äußern stch alle Ich glaube, dies dürfte genügen. Cs ist ein ganz ungeheuerliches Unterfangen, wenn Männer, die keine Ahnung von der ganzen Tragweite der angeschnittenen Fragen haben, es wagen, in aller Deffentlichkeit den B'ian vorzuwerfen, daß sie nur Erschwerungen kennen und für die Röte des Volkes kein Verständnis haben. G'tt schütze uns vor solchen „aufbauwilligen Kräften!" (Der Ausdruck dürfte uns geläufig fein.) Ich wage zum Schlüsse noch die Behauptung, daß die sog. Chenot bei Hunderten Millionen Katholiken noch weit größer ist als bei uns und es würde doch kein Katholik wagen, so leichtfertig mit solchen Reformplänen hervorzutreten, die die ganze weihe und Heiligkeit der Cheinstitution zu untergraben geeignet sind. Soll wirklich das nBin '"y ^xnw iay anpa pVin'pl zu einer leeren, inhaltlosen Phrase herabgewürdigt werden? von dem „sittlichen Crnst", von dem Herr Dr. Melchior spricht, ist wahrlich in den Ausführungen nicht viel zu merken, wäre es den Herren ernst gewesen, so hätten sie in privater Form ihre Anregungen den nmnn 'Vna unserer Zeit vortragen sollen, die ihnen sicherlich das gesagt hätten, was ihnen nun ein 'ganz Kleiner zuruft: tlancb off! Korrespondenzen « Dacbricbten. Deutsches Reich. Gill Ikttum. Frankfurt a. M., 19. Aug. Wir haben in Nr. 33 unseres Blattes unter der Ueberschrift „Ist Tischobeaw überholt?" einige Sätze kritisch betrachtet, die wir in einem in Wien erscheinenden Blatte zum Trauerfasttage der Tempelzerstörung gelesen hatten und die an Stelle der alten Tischo-beaw-Trauer den Weg der S e l b st h i l f e als einzigen Weg der Erlösung unterstrichen. Das Blatt, das den Titel „Der jüdische Weg" führt, war von uns irrtümlicherweise für ein misrachistisches gehalten worden, während wir jetzt von einigen Lesern darauf aufmerksam gemacht werden, daß es sich hier gar nicht um ein dem Misrachi irgendwie nahestehendes oder gar von ihm zu verantwortendes Presseorgan handelt, sondern um eine Zeitschrift revisionistischen Charakters. Damit entfallen natürlich auch die Konsequenzen, die wir in gutem Glauben, aber irrtümlicherweise an die von dem Blatte veröffentlichten Aeußerungen geknüpft hatten, soweit es sich dabei um eine Kritik des Misrachi handelt. Wir hatten j« einleitend selber be-