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Der Israelit · 1932-08-25 · Heft 35 (25.8.1932) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 35 (25.8.1932)
Date
1932-08-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 35 Der Israelit 25' August 1932 Persönlichkeiten, die die heutige Partei, wie aus dem Rationalmuseum, für die altneuen Aufgaben wieder an den Tag gebracht bat. Freilich war es damals ein Salonantisemitismus, mehr in der Idee von den Machthabern und ihren Kerntruppen im alten Junkertum gehütet, voni Volke im Herzen getragen, als in der Tat sich auswirkend. Wozu auch? Der herrschende Adel, von Haus aus auf gute Lebensformen haltend, begnügte sich mit dem Ausschluß der Juden aus den Regierungsstellen, aus dem Dffiziersklub und aus der Leamtenkanzlei. Daß der Jude dadurch in die Industrie und die Finanz gedrängt wurde, kam dem verschuldeten Adel sehr zugute. Der germanische Wolf war satt und das jüdische Lämmlein war ganz. In den kleineren Volksschichten war kein Anlaß zu eruptiven Ausbrüchen gegeben. Bauer und Winzer hatten ihre guten Preise, die ihnen nicht zuletzt vom Juden bestens vermittelt wurden. Der Fabrikant seinen guten Profit und der Arbeiter seine lohnende Arbeit. Der Jude konnte daneben leben, auf dem Lande sogar zu einer soliden Wohlhabenheit gelangen, woraus wiederum eine in erster Reihe den Bauern und den Arbeitern zugute kommende Leistungs fähigkeit sich «sab. Daß ein letzter Winkel im herzen ttagim 6(I1 uuE) reagicrt. von Abneigung und Vorurteilen gegen den Juden nicht befreit war, bildete kaum ein Hindernis im geschäftlichen, aus dem Dorfe auch im gesellschaftlichen Zusammenleben der Konfessionen. mus gewordene Judenhaß von gestern. Reue . Ideen liegen ihm nicht zugrunde, es sei denn die Synthese von national und sozial, die, richtig verstanden und durchgeführt, eine Verwirklichung der großen Perspektiven der Propheten bedeuten würde, die aber in der Ideologie und Phraseologie unserer Zeit gar keine S^nhese ist, sondern zwei lose aneinander hängende Begriffe, von denen man, je nach Bedarf und je nachdem, ob inan mit dem Volke oder den Besitzenden spricht, den einen oder anderen in den Vordergrund stellt.' Geistige Abwehrmittel. So alt wie der Antisemitismus, sind die Stellungen, von denen aus der Kampf gegen ihn unternommen wird, sind auch die Mittel und die Waffen, die für diesen Kampf verwendet werden. Wir sprechen nicht von der handgreiflichen Abwehr der Verleumdungen und Verunglimpfungen, also von der eigentlichen Tätigkeit des Z e n t r a l v e r e i n s , die heute jeder, egal welcher Richtung er angehört, unterstützen muß, wenn er Ruhe im Hause haben will, wir meinen die Art, wie das Judentum in seinen Parteien nach ihrer geistigen Grundhaltung auf den Antisemitis- Wie die neue Form des Judenhasses, so hat auch die neue Form der Abwehr und Apologetik nicht die Spur einer neuen Idee gebracht. Hier standen und stehen sich noch zwei Hauptrichtungen gegenüber: die A s s i m i l a t i o n und der Der Sturm des Weltkrieges warf das alte Gebäude jüdische Rationalismus. Die Assimilation um und rüttelt an den Grundmauern. Die Partei der Unzufriedenen brauchte nicht nach neuen Ideen zu fahnden. Sie waren im alten Haß gegen die Juden und gegen die finanziell Bessergestellten gegeben. Als der Acker mit der Fülle an Frucht, — wegen der gesunkenen Preise — kein Brot mehr brachte, die Schlote nicht mehr rauchten und der Arbeiter die Kelle mit dem Stempelbuch vertauschte und so selber zum „Gestempelten", durch Richtstun „Gezeichneten" wurde, da floß der Strom rapid nach beiden Extremen ab. Die einen erinnerten sich auf den alten Haß gegen die Wohlhabenden, die anderen, die meisten, knüpften an den alteingesessenen Judenhaß an, machten daraus eine Lebensanschauung, einen Fahnenglauben. Der Salonantisemitismus des alten Adels, der nun ebenfalls handelnd in die Arena treten mußte und dem nach geheiligter Tradition der Weg nach links abgeschnitten war, baute sich aus den alten Elementen seiner Lebensanschauung die Brücke nach rechts. Der Judenhaß hatte gewaltigen Resonanzboden im Herzen des kleinen notleidenden Volkes gefunden, die kleinen Erben der verdienstvollen Führer vom Adel ließen sich von der Strömung tragen,-und tragen selbst, verschrieben sich mit Leib und Seele, Haut und Haaren dem Volkstribun, den G'tt in seinem Zorne einem aus tausend Wunden blutenden Volke zur Strafe und zur Prüfung entstehen ließ. Das ist der Rationalsozialisspricht von einer prophetischen Wisston des jüdischen Volkes, zu deren Dornenwegen eben der Antisemitismus und seine Aeußerungen gehören, wie das Wartvrium zum Propheten. Sie wartet und hofft und sucht mit der Ueberlegcnheit des jüdischen Geistes, der sittlichen Rlission des Judentums die Feinde zu belehren und zu bekehren. Im scharfen Gegensätze zu ihm der Ra t i o n a l i s m u s , der im Antisemitismns eine ans Rassentiefen hervorgewachscnc naturnotwendige Erscheinung sieht, als Wemento zur e i g en e n Sammlung, zur Stärkung des Gefühles für die eigene Rassen Zusammengehörigkeit. Wan hat hier und dort nichts dazu gelernt. Wan vergleiche die Aufsätze der Führer der. Assimilation und pathen des Reformjudentums zu Beginn des vorigen Jahrhunderts mit den Aeußerungen der Führer der „liberal" umgetauften Reform von heute. Kaum ein neuer Gedankensplitter, kaum eine neue Ruance zu entdecken. In der „Europäischen Revue" spricht Rabbiner Dr. Leo B a e ck in einer „Judentum, Deutschtum, Antisemitismus" betitelten Streben, die Welt zum G'ttesreiche zu machen, aus der sich der gesteigerte Aktivismus des Judentums ergebe. Das sind Töne aus einer verklungenen Well Die Auserwähltheit verpflichtet uns zu einem Asijvismus nach innen, der indirekt zum Weltenheilc führt. Das, was die Feinde „jüdischen Aktivismus" nennen, werden sie als Ausfluß einer Auserwähltbeit — die sie nur für sich in Anspruch nehmen, für die teutonische Edelrasse — erst recht als „jüdische Anmaßung und Ueberheblichkeit" bekämpfen. Wir kennen diese Gedankengänge seit gut hundert Jahren. Line jüdische Wission, die dem einzelnen Juden hn eigenen Haus nichts gibt, sichert uns auch nach außen nichts. Sie bleibt Schall und Schaum und Traum. Der Lärm draußen ist wahrlich groß genug, daß man endlich erwachen sollte. Nationale Spekulationen. Roch weniger hat der jüdische Rationalism u s etwas dazu gelernt. Wenn die „Jüdische Rundschau" Woche für Woche nichts anderes weiß, als uns! mit der Kanzlerschaft Hitlers — sie hatte diese vcr-I fcüht schon als fertige Tatsache behandelt — und den Bombenattentaten im Reiche die Richtigkeit uni die zwingende Logik des L a s e l e r p r o g r a m in - zu beweisen, so wird man sich auch im eigenen Leserkreis der Zeitung fragen, ob die Waterie dock nicht zu ernst und traurig ist, um propagandistisck ausgewertet zu werden — ob der Grund nicht zu dunkel sei für ein Zukunftsbild, das im. Womente keinem eine Augenweide und ein Trost ist. Der areligiöse jüdischpolitische Rationalismus wird nicht jüdischer uni besser dadurch, daß eine Tageskonstellation die Anerkennung gewisser vornehmer antisemitischer deutscher Rationalisten einbringt. von gleichem Geiste beseelt und getragen waren die vielen Aeußerungen über DeutschlandsI u-M d e n n o t auf der G e n f e r Z u s a m m e n k u n f t. die sich Weltkonscrenz nannte. Stephen W i s e, ein ungesundes Gemisch von Wisstonsasstmilation und radikalem Zionismus, hat den Glauben an das Deutschland von Schiller und Lessing, von Heine und Börne, aber er schreit nach einem j ü d i s ch e n Weltkongreß, ohne uns zu sagen, wie dieser jene guten Geister Deutschlands wecken soll. Georg K a r e s k i, der es immerhin besser weiß, wie es in Deutschland aussieht, als der ameriaknische Rabbi, kargt nicht mit dem Aufträgen schwarzer Farbe für das Bild, das er von der Lage in Deutschland entwirft. Redakteur Woses W a I d m a n n spricht schon gar von der „Filiale Deutschland", die in schwere Rot geraten sei. Sondernummer (wir haben vor kurzem unsere Wei-( während das jüdische Heim in Palästina nnnung über den Wert solchen Zusammentreffens von mer noch eine gute Firma sei. Das genügt jüdischen Führern, Rabbinern usw. mit Wännern von Leo Wotzkin nicht. Cr verurteilt diese Darstctder Art eines Hans Blüher. in Sondernummern zum lungen als „eine Unterschätzung der Gefahr inDeutsck- Weinungsaustausche über Juden und Judentum geland". Roch mehr Kapital aus den Vorgängen für äußert) über die jüdische A u s e r w ä h l t he i t als den Nationalismus, für das Rationalheim, für bat Aus der Zugend Abajes und Rabas. Von Rabbiner Dr. Kaatz in Hindenburg O. S. Im Talmud (Ber. 43 a) wird bei der Behandlung der Frage, ob auch Kinder zum gemeinsamen Tischgebet mitgcrechnet werden, folgendes aus der Jugendzeit der beiden großen Amoräer Abaje und Raba erzählt: Abaje und Raba saßen vor Rabba. Da fragte sie Rabba: „Wem dankt man?" Sie antworteten: „Gott." „Wo wohnt Gott?" Raba zeigte zur Decke. Abaje ging hinaus und zeigte zum Himmel. Da sagte Raaba zu ihnen: „Ihr werdet beide Rabbinen weroen. Das ist es, was die Leute sagen:' „Die Art der Gurke ist schon in der Knospe kenntlich." So weit die Erzählung des Talmud. Schon Tossafot werfen die Frage auf, was denn an diesem Verhallen der beiden Knaben so Besonderes gewesen sei, daß man aus ihm solche Erwartungen schöpfte. Und sie antworten, Abaje und Raba hätten damals in einem so jugendlichen Alter gestanden, daß ihr Verhalten ihm besondere geistige Reife bewiesen habe. Auch Mcharscha erklärt die Erzählung ähnlich und sagt, aus den Antworten hätte man sehen können, daß die Knaben nicht bloß mechanisch nachgesprochen hätten, was ihnen beim Unterricht beigebracht worden sei. sondern daß sie selbständiges Denken bewiesen hätten. Di:se Erklärungen sind gewiß richtig. Aber sie genügen noch nicht, um die ungewöhnliche Begabung der Kinder zu beweisen. Ich glaube nun, daß man, um der Stelle gerecht zu werden, annehmen muß, daß der Vorgang, wie das bei talmudischen Berichten oft geschieht, nicht in allen seinen Einzelheiten erzählt wird, sondern nur kurz skizziert wird, so daß man aus dem Zusammenhang des Ganze.'' entsprechende Ergänzungen vornehmen muß. Meines Erachtens hat man sich den Vorgang etwa folgendermaßen vorzustellen: Bei einem fröhlichen Mahl, das Rabba seinen Gästen gab und an dem auch sein Neffe und Pflegekind Abaja sowie Raba teilnehmen durften, beide in kindlichem Alter stehend, fragte der Hausherr und Gastgeber die beiden Knaben: „Wem dankt man?" Er erhielt zur Antwort nivniP. Das heißt wörtlich: „Dem Barmherzigen." Dieser Ausdruck ist zwar eine Bezeichnung für den allbarmherzigen G'tt, kann aber auch einen barmherzigen Menschen bezeichnen. Rabba fragte nun, Um die Kinder auf die Probe zu stellen, am' rwm r>u»rmi. Er wählte absichtlich den mehrdeutigen Ausdruck 2'v', denn das kann heißen: „Wo wohnt der Barmherzige?" Es kann aber auch, wie z. B. in dem woraufgehenden m-n rpnp ’arr, heißen: „Wo sitzt der Barmherzige?" Um nun die Kinder zu irritieren, machten die anwesenden Gäste den Scherz und zeigten auf den Hausherrn und Gastgeber Rabba, als ob dieser es sei, dem man zu danken habe. Raba jedoch, ohne etwas zu erwidern, ahmte diese Geste schlagfertig nach und zeigte wortlos noch oben. Die Gäste setzten nun den Scherz fort und sahen nach der Decke, als ob dort jemand sich befände, dem man danken müsse. Da lief Abaja, ohne ein Wort zu erwidern, hinaus und zeigte zum Himmel. Aus diesem schlagfertigen und witzigen Verhalten schloß Rabba, daß es sich um besonders begabte Kinder handle. So dürfte meines Erachtens die Stelle zu erklären sein. Das Fehlen des »Run" in Afchre. In pw ->2212 von Mayer Schön wird die Frage ü | Anknüpfung an Talmud Psachim 117 zu lösen gesucht, wo im Namen R. Meirs das Wort in xnäan 1^2 als| ii>'rr io, präziser ii>2. gelesen wird. Es wird dort gesagt daß seit Adams Zeilen die Großen des Volkes Lobundl Bittgebete verfaßt haben, die in der Ueberlieferung uhälten wurden und bei verschiedenen Anläßen, wie bei Opferdarbietung und dergleichen Feste, vom Volke gebetet wurden. Diesen fügte König Dario seine eigenen Psalms hinzu und machte aus dieser Sammlung sein ganzesa'bnn- Buch. Psalmen, die auf spätere Ereignisse anspielen, wie Kap. 14 oder 51, wo für die Wiedererbauung Zions und Ierufcholajims gebetet wird, hat David p-vina gedichtet Im Afchre, worin das ganze 2"n samt dem „Nun" f$| ursprünglich befand, fehlte gewiß nicht der im Talmud, Berachot 4 angeführte Vers, den Amos 5.2 wieder | aufnahm. Jedoch hatte derselbe den Sinn, den ihm die Ierusalemiten («22 p,22) gaben. rwi? - tpow ui-i 'iv> nbina. Es war eine Prophetie für die kommenden Zeiten. Doch nach Eintritt der Katastrophe, da da? Volk der Verzweiflung anheimgefallen war, befürchteten die Weisen, daß das wahre Verständnis für die Deutung des Satzes abhanden kommen könnte, wodurch dic Hoffnungslosigkeit im Volke sich vermehren würde. Soj erlaubten sie stich, rrpyi» w m?»- den ganzen Vers zu streiche Für diese Auffassung spricht auch die Formulierung ’^l n-r-rri rr^ nv. „Weshalb wird der Vers mit 2 im Aschre-Eebcnicht gesagt?" Daß David den Vers geschrieben und | auch wie er ursprünglich gelautet hat, wußten sie wohl, fragten nur, warum er nicht gesagt werde. Leopold Blau, Religionslehrec in Vsetin, Mähren. Iiidisc scheu ' W vecam Airnd> leuchte all de ketten am B die Ir wartci ck dem 3 blie Hunde neu g wissen Eine Strat in I Ischen Erlebi durch den Q ls eümt dische als C: 3 gese Baye ist es gelun, eines Tat; 3 den l durch« dorie daß Inter Blatt allem hin au dem scheckk gehal Zeitsc < der Schri mus" schild« Bezie kerunl

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