Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 35 (25.8.1932)
- Date
- 1932-08-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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_ _ 25. August 1932 Fmnksukt ll. M.f bttt 23. Ab 5692 Nr. 35 irDer Israelif Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab Juli 1939: Deutschland IM Mark monatlich: Ausland: Vterteljahrpretse (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Bersandes) Deutsch-Lfterreich: Schilling 6.—; Amerika I Dollar; England 4 sh.; ab 1 Juli Frankreich23 Fr.; Belgien ab 1.7.37. BelgaS. Holland 3fl.; Italien ab 1.1.38.18 Lire; Jugo« slavien 35 Din.; Litauen 7.50 Sit.; Rumänien ab 1. 7. 27. 150 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Slowakei W Kronen; Nngar» Pengo 5 ab 1. Juli 1937; Dänemark 8.50 Krön.; Norwegen 3.50 Krön.; Schweden 3.50 Krön. Einzelnummer vierzig Goldpfenntge. ■ Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 50 Goldpf. für die stebengesp altene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 40 Pf. Die 75 vom breite Reklamezeile: letzte Textsette 3.— Mk., vorletzte Textsette 2.50 SRI.; Thiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufenden .Inserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnferatenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. b. H., Frankfurt a. SR , Rechnetgrabenstratze 7, Tel. Hansa 31084 sow. durch sämtl. Annoncen-Gxped. d. In- und Auslands. Alleinige Jnseratenann. für Franks. Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Oftendflratze 83 Tel. 45866. Platzoorfchr. ohne Äerbindltchk. Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Ätatn) Nr. 19813. - Aaßecvem an: Potsparkasse Äten Nc.79605.— Postsparkassenamt Budapest Nr. 18434.—PostsHeckkottto Warsckiau Nr. 190787. — Postscheckamt Zürich Nr. VIII7331. — Postscheckamt Amsterdam Nr. 34889 — Postscheckamt Prag Nr. 79.080 — Rumänische Kreditbank Bukarest und ihre samtl. Filialen Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. _ Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit“ für den Monat September Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet _ die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag deslsraelitG.m.b.H., Frankfurt a.M. Alle Welk schaut auf Deutschland und seine Juden. ’a um?’ „Sie sprechen von mir auf allen Märkten." dmum 'irr iwan onv'pi nna^ „Wenn sie sitzen oder ausstehen, schau, ich bin Gegenstand ihres Gesanges." (Psalm 67 und Klagelieder 3.) Ls ist kein beneidenswertes Schicksal, von aller Welt bedauert zu sein. Doppelt hart für einen Menschen, der gewöhnt war, stark und gebesroh anderen zu helfen, sich plötzlich hilflos als Gegenstand des Mitleides und der Sorge zu sehen. In solchem Zustande befindet sich heute Deutschlands Iuöenheit. Was dieses Häuflein Juden für die Millionen Brüder in der Diaspora zur Linderung ihrer Bot, zum Ausbau und zur Aufrechtcrhaltung ihres wirtschaftlichen und geistigen Lebens alles geleistet hat, läßt sich ermessen an der katastrophalen Lage, in der sich heute, seitdem Deutschlands Juden selber verarmt sind und das wort eintraf: “ins? "mv öä die Lehrstätten im Osten, die Thora- und Wohlfahrtsinstitutionen in Palästina befinden. Wenn an der klagemauer in Jerusalem alte Juden um Hilfe für die in politischer und wirtschaftlicher Bedrängnis seufzenden deutschen Juden weinen und beten, so entspringen diese Gebete in erster Reihe dem tiefen Brudergefühl, das keine Grenze nach Ländern und Weeren kennt. Daneben ist es aber ihre eigene Not, die sie damit hinausweinen, denn vom Schicksal der deutschen Juden ist zum guten Teile ihr eigenes Schicksal, das Schicksal ihrer Kinder, das Schicksal ihrer Waisen- und Krankenhäuser, ihrer Lehrhäuser und Schulen bedingt. In unserem Verlag erschienen soeben Die sexuelle Not in jüdischer Schau Von Dr. med. Jacob Levy 82 Seiten, steif broschiert, RM. 0.50 Lebenskampf und Weltanschauung Eine Erkenntnis und Aufrüttelung von Oberrabbiner Dr. Altmann 29 Seiten, steif broschiert, RM. 0.50 Zwischen Ruinen und Aufbau in Erez Jisroel Eindrücke einer Erez Jisroel-Reise mit der Palästine-Centrale der Agudas Jisroel von 8- Schachnowitz 77 Seiten, steif broschiert, RM- 0.50 Zu beziehen durch alle besseren Buchhandlungen, sowie auch direkt vom Verlag gegen Überweisung der Beträge auf Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 19802. Porto innerhalb Deutschlands für jede einzelne Broschüre RM. 0.10. für alle drei zusammen RM. 0.15. Die Rot der Juden in Deutschland ist aber schon deshalb der gesamten Diaspora so nah und gegenwärtig, weil sie, wie kaum ein anderer Bezirk im jüdischen Weltschmerz, die Iuö en n o t an sich, das Golusgeschick Israels, das unabhängig ist von den Gesetzen der Zahlen und der Vernunft, darstellt. Worin anders als in einer unfaßbaren g'ttlichen Wallung könnte der Judenhaß in Deutschland begründet sein? In der Zahl der Juden gewiß nicht. Was bedeuteten die knapp 600 000 Juden im Sechzigmillionenvolke, wie gering würden ihre 100 000 Wahlstimmen bei den über dreißig Millionen Wahlberechtigten ins Gewicht fallen, ginge es mit natürlichen Dingen zu, würden nicht gewisse getriebene Treiber mit einer Verbissenheit ohnegleichen immer und immer wieder gerade diese Winiaturziffern aus der Gesamtsumme herausgrelfen, an sich behandeln und in einem Zerrspiegel so zeigen, daß sie dem Volke Angst und Grauen einjagen?! Wan sucht heute vieles mit einem TU inderwertigkeitskomplex zu erklären. Cs fällt schwer, dem Volke Goethes und Kants Minderwertigkeitsgefühle anzuöichten. Diese Angstpsychose vor dem Juden und der daraus wider alle Gesetze der Ratur und Vernunft erwachsene Judenhaß sind neue, g'ttliche Warkzeichen auf dem Leidenswege der Menschheit und der Iudenheit. Wohin sie führen, wird erst die Zukunft zeigen, hoffentlich zu Zielen, die der Leiden und Prüfungen wert waren. Antisemitismus und Nationalsozialismus. Die neue Phase des Judenhasses in Deutschland, so sagt man, ist aus der allgemeinen Weltnot, von der Deutschland ein gerütteltes Maß abbekommen hat, entsprungen. Damit aber wären wir an dem Punkte angelangt, von wo aus sich unsere Sache gar nicht so schlimm und verzweifelt ansteht, wie sie das Ausland betrachtet. Im Grunde und im prinzipe hat sich in der Cinstellung der deutschen Bevölkerung zu den Juden wenig geändert. Der Nationalsozialismus hat nicht, wie manche irrtümlich meinen, den Judenhaß geschaffen, er ist vom Judenhaß geschaffen worden. Der Rationalsozialismus ist der Form, Partei und Bewegung gewordene Judenhaß von gestern. Die allgemeine Rot hat ihm, dem alten, matten und verblaßten Bilde, deutliche Farbe und tiefdunklen Rahmen gegeben. Line junge Generation, die glaubt, so was habe die deutsche Iuöenheit noch nicht erlebt, sei daran erinnert, daß wir bereits vor fünfzig Jahren und früher einen Stöcker hatten, vor vierzig Jahren einen A h l -- w a r d t, vor dreißig und zwanzig Jahren noch einen B ö ck e l, der die hessischen Bauern bis zur Weißglut gegen die Juden aufgestachelt hat, neben anderen