Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 34 (18.8.1932)
- Date
- 1932-08-18
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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18. August 1932 Der Israelit Blätter Nr. 9 Seite 3 Aus der Beth Jacob-Bewegung. Oft schon ist Beth Jacob als die notwendigste Gründung im agudistischen Gesamtwert bezeichnet worden. Erst in diesen Tagen hat sich Rabbi Llieser Fintels der Rosch Ieschiwo der berühmten Wirer Hochschule» Besuchern gegenüber geäußert» daß ohne Beth Jacob alle Erziehungsarbeit der — Ieschiwaus umsonst sei. .„Wäre Agudas Iisroel nur gekommen» uns Leih Jacob zu bringen» es wäre genug gewesen." Dieses Bekenntnis des großen polnisch-litauischen Rabbis scheint nur der Ausdruck dessen zu sein» was im Kerzen der Gesamtorthodoxie lebendig ist. In dieser Auffassung werden wir bestärkt» wenn wir die Berichte lesen» die an uns aus Gegenden gelangen» wo bisher Agudas Iisroel und alles» was mit ihr zusammenhing» nur ein Schattendasein führte: Aus der Ostslowakei und aus Rumänien. Während im b u k o w i n i f ch e n Landesteile Rumäniens dank der Tatkraft der Zeire Agudas Iisroel und der Hingebung ihres Führers» des Wisnitzer Rabbiners» bereits feit kürzerer oder längerer Jurist B. I. Schulen bestehen — in Gora humora» Sereth» Wisnitz und Tzernowitz — Anstalten, die sich sehr schnell das Vertrauen und die Liebe der Bevölkerung erobern konnten und deren segensreiche Wirkung von niemand verkannt werden kann» hat jetzt auch eine außerordentlich starke Beth Jacob-Bewegung in den andern rumänischen Lanöesteilen» in Transsilvanien und in Warmarosch eingesetzt. Die Errichtung von Schulen in den verschiedenen größeren und kleineren Städten dieser Gebiete ist nur noch eine Frage von Wochen. In der O st s l o w a k e i» wo die Beth Iacobschule in Kasch au als erste die Pionierarbeit zu leisten hatte» ist die Sehnsucht nach Einrichtung weiterer Schulen außerordentlich groß, presov» Uzhorod» Chust» Tiavoco» um nur einige Namen zu nennen» das sind die Orte» wo Schulen soeben gegründet wurden bezw. in der Gründung begriffen sind. Neber Polen» für dessen Töchter B. I. ursprünglich gegründet wurde» ist B. I. hinausgewachsen» es ist zum Symbol der Bereitstellung der jüdischen Tochter für die großen orthodoxen Gesamtheitsaufgaben geworden, B. I. erschließt der jüdischen Tochter jüdisches Wissen und darüber hinaus das jüdische Wesen. Diese Entwicklung ist gekennzeichnet durch den Weg von der Beth Iacobschule zur Bnaus 2lguöas Iisroel-Organisation. Die deutsche Agudas Iisroel darf sich dieser Gestaltung in besonderem Waße freuen: deutsche Mädchen haben an dieser Entwicklung stärksten Anteil. Reben den bekannten Namen unserer Dozentinnen in Krakau und Wien sind es Frl. R o o s aus Frankfurt» Gibermann und W e i s b e r g aus Köln» Schenkolewski aus Hamburg» die diese Arbeit im Dienste der Gesamtheit unverdrossen leisten. Ihnen den Dank unserer Gesamtheit einmal öffentlich auszusprechen und den Wunsch» daß ihre Arbeit weiterhin so erfolggesegnet bleiben möge» ist der Zweck dieser Zeilen. Im Anschluß hieran veröffentlichen wir den uns soeben zugehenden Bericht über die Eröffnung der Bech Jacob-Schule in Visaul de Sus (Gberwischau) in Transsylvanien: Nach Ueberwinöung vieler Schwierigkeiten ist es dem Beth Iacob-Schulkomitee» das auf Initiative des Herrn Oberrabbiner Hager gegründet worden war» gelungen» am 12. Juli die feierliche Eröffnung der Schule vorzunehmen.t Die Begrüßungsansprachen und eindrucksvolle Reden über Sinn und Aufgabe der Beth Jacob-Schule und der Bnos Agudas Iisroel- Organisation hielten Frau Rabbiner Mirjam Hager, xfrl. Zimmer mann» ferner Frl. Hager aus Borschau und Frl. Stein aus Moiseu. Die Ansprachen der Damen» die von Begeisterung öurchglüht waren» lösten reichen Beifall aus. Dann gaben mehrere Schülerinnen in eindrucksvoller kindlicher Weise ihren Gefühlen freudigen Ausdruck. In nächster Zeit werden weitere Beth Jacob-Schulen in Oradea und in Vorschau eröffnet. Als Lehrerinnen sind dorthin die Damen Frl. Schreiber und Frl. Finkel - stein aus dem Wiener Seminar berufen worden. Eine Jubttäumsschrift für Beth Jacob in Polen. Zur Zwanzigjahr-Feier der Agudas Iisroel brachte das Beth Jakob-Journal in Lodz (redigiert von C. G. Friedenson) eine Fest - nummer heraus» die sich sehen lassen kann. Sechzig Seiten Großformat (bext in schöner graphischer Ausstattung» mit festem Umschlag. Der Inhalt gibt in seiner bunten Fülle ein klares Bild über das» was die Aguda und in ihr Beth Jakob in den zwei Jahrzehnten erreicht hat und in nächster Zeit zu erreichen gedenkt. An leitender Stelle ein Aufruf des Herausgebers zur Arbeit» in dem die Lage der Erziehung nicht gerade rosig» aber auch nicht schwärzer als sie ist» gezeichnet wird. Cs folgen Aeußerungen. vom Gerrer R e b b e n, Rabbi ThajimOserGrodzensN, Lubliner Raw» Rabbi M e i r S ch a p i r o über Agudas Iisroel» Crez Iisrael» Klall Iisrael und Beth Jakob. Der rührige Eh. C i ß in Zürich referiert über 2 0 Jahre 2l g u d a s Iisroel. Dr. Nathan Birnbaum nennt seinen Artikel „Goral oder Schalwohdigkeit" Das letztere Wort kommt aus dem Hebräischen m*7tp und bedeutet in diesem Zusammenhänge ein friedliches, selbstzufriedenes» ergebenes und fatalistisches Gichgehenlassen» vor dem der Autor warnt. In wenigen lapidaren 2lphorismen zeichnet Jacob R o s e n h e i m unsere Einstellung z u Crez Iisroel. Die Lhareöim haben in Crez Iisroel ein Zentrum der Kedufcha und die Bedingungen für eine orthodoxe Alia zu schaffen. 2luch Crez Iisroel selbst hat mitzuschassen an diesen Bedingungen. Ls folgen Aufsätze von Dr. D e u t s chl ä n d e r über „Judentum und Weltkultur"» Rabb. Dr. pinchas K o h n über »»Schulprobleme des Beth Jakob". Ueber spezielle Frauenprobleme schreiben Rabbi Al. Th. L a u, Rabbi Ieschaja Reich e r » W. Knobelowicz» die verdiente Begründerin des Beth Jakob» Sara Schenierer („15 Jahre Beth Jakob"). Der belletristische Teil (auch Lyrik) wird bestritten von C. S ch i n d l e r» Dr. Salomon Birnbaum» S. Frieömann» Sainuel Nadler, Benjamin Winz» Wiriam U l i an o w e r» 2l. I. L i b m a n o w i t s ch » L. S e e w , I. L e w i, Mosche Mark» B. S o k o l o w, Samuel Rothstein u. v. m. Biographien und Bibliographien bieten Jakob Landau über „Jacob Rosenheim» Samuel F l i s k i n und S. S ch ö n f e l d über den „Thofez Chajim"» S. Ostersetzer über Dr. Nathan Birnbaum» B. Sußmann über Iehudith Wontefiore. Eine Reihe weiterer Beiträge» die nicht alle aufgeführt werden können» bieten dem Leser viel Anregung und vermitteln ihm gründliches Wissen um die Dinge und die Denkart der 2lguöas Iisroel. 13 gute Bilder zeigen die führenden Männer der Agudas Iisroel und die Institute des Beth Iaakow. Kattowitzer Jubiläumsfeiern. Fürkh i. V. Die Agudas Jisroel-Orts-, Jugend- und Mädchengruppen in Fürth veranstalteten gemeinsam am Sonntag, den 19. Juni im Logenheim eine große Kundgebung anläßlich der 20jährigen Wiederkehr der Kattowitzer Tagung. In dem vollbesetzten Saale konnte der 1. Vorsitzende der Ortsgruppe, Herr David Lehmann, über 200 Anwesende begrüßen. Herr Lehmann gab in seinen Einführungsworten einige persönliche Erlebnisse von der Gründungsoerfammlung der Agudas Iisroel in Kattowitz wieder, begrüßte sodann die anwesenden Ehrengäste und erteilte Herrn Rabbiner Dr. Klein, Nürnberg das Wort zu seinem Referate: Agudas Iisroel, Erinnerungen und Hoffn u n g e n. Herr Rabbiner Dr. Klein griff ebenfalls auf einige persönliche Reminiszenzen aus dem Gründungsuhr der A. I. zurück und verstand es, in anschaulichen Worten, uns ein Bild der damaligen Situation der orthodoxen Judenheit in ihrem Verhältnis zum Zionismus und der allgemeinen Politik zu geben. Redner hob sodann die geleistete Arbeit der A. I. hervor und schloß mit der Hoffnung, daß es bald gelingen möge, in Agudas Jisroel die Vertretung der g e s a m t e n Orthodoxie zu sehen. Mit herzlichem Beifall begrüßt, betrat sodann Rabbi Mosche Blau, Jerusalem das Rednerpodium. Mit zündenden Worten schilderte dieser die Rot unserer Brüder im Erez. Gerade diese sehen in der A. I. die einzige Möglichkeit des Fortbestehens der Orthodoxie. Rabbiner Blau klagte sodann darüber, daß in der A. I. bisher so wenig für Erez Iisroel gearbeitet wurde. Aguda könne nicht ohne Erez und Erez nicht ohne Agada bestehen. Auch er verlangte, daß mehr orthodoxe Führer ihren Wirkungskreis nach Palästina verlegen sollten, als Gegenpol zu dem dort bestehenden Apikorsus. Mit dem schönen Gleichnis von Sch'maur Sch'eiris Iisroel, daß es bald gelingen möge, in Erez Iisroel wieder ein Am Kodausch zu finden, schloß Herr Rabbiner Blau seine Ausführungen. Als letzter Redner gedachte sodann unser verehrter Raw, Herr Rabbiner Dr. Breslauer, des Heimgegangenen Mitgliedes des Zentralrates, Herrn Rabbiner Dr. I. Auerbach in dem wir einen Führer von besten Qualitäten verloren haben. Herr Rabbiner Dr. Breslauer setzte sich dann mit energischen Worten dafür ein, daß jetzt endlich einmal dis Lässigkeit in unseren Reihen der Tauroh und Agudas Iisroel gegenüber aufhören möge und schloß mit dem Wunsche: Wejeiosu kulom Aguda achas! Hannover. Die Agudas Iisroel, Hannover veranstaltete anlässig des Kattowitzer Gedenktages der Gründung der A. I. eine gut besuchte Versammlung. Der Vorsitzende der Gruppe begrüßte zunächst alle Erschienenen und nahm die Gelegenheit wahr, des dreijährigen Grünüungstages der Hannoveraner Gruppe der A. I. zu gedenken. Er verband mit seinen Worten einen Dank, insbesondere an die Herren Landrabbiner Dr. Freund und Lehrer L e v i s o n , die in aufopferungsvollster Weise der Gruppe ihre Lehrkraft zur Verfügung stellten Als Hauptredner des Abends ergriff sodann Herr D. U l l m a n n, Kassel das Wort zu seinem Referat „R ü ckblick und Ausblick der Agudas Iisroel." Er schuf zunächst einen ideologischen Unterbau für die Berechtigung der A. I. In klarer und tiefschürfender Weise setzte er sich mit allen gegnerischen Strömungen auseinander, zeigte, warum A. I. werden mußte, wie sie geworden ist, verfolgte im Einzelnen die verschiedenen Arbeitsgebiete der A. I., immer darlegend, wie alle Einzelausgaben aus dem Erkennen eines Sollens gestaltet werden, und fand schließlich einen mutvollen Ausblick, wenn auch die Rot der Zeit und die Entartung der menschlichen Gesellschaft uns einen trüben Augenblick bereiten. Die hinreißende Wärme der Ausführungen des Redners vermochte den Kreis der Zuhörer eine Stunde lang zu fesseln, die dann auch mit Beifall nicht kargten. — Im Anschluß daran ergriff Herr Landrabbiner Dr. Freund das Wort, der die Agudas Iisroel begrüßte, ihr weiterhin viel Glück wünschte und vor allem ihre Lehrbestrebungen begrüßte. An Hand geistvoller Erklärungen legte er seine Auffassung dar, was ihn hindere, sich auch formell der A. I. anzuschließen, so sehr er insbesondere in der Jetztzeit das vom Vorredner geschilderte Gebiet der Bekämpfung der Gottlosenbewegung und das des Keren Hathora auf das Stärkste zu fördern, als seine Pflicht erachte. Die Politik der Agudas Iisroel könne er nicht billigen, so sehr er auch anerkennen muß, daß der Vorredner sich bemüht habe, auf Grund der Rosenheim'schen Definition, der Politik der A. I. einen weitgespannten Rahmen zu geben, aber in der Praxis verhielte sich die A. I. anders. Dennoch wünsche er der A. I. eine gedeihliche Fortentwicklung. — Der Vorsitzende, Herr Julius Löben st ein, dankte dem Referenten nochmals für seine aufrüttelnden und mutigen, von froher Hoffnung getragenen Worte, und schloß damit die Versammlung. (Zu diesem Bericht schreibt uns Herr D. U l l m a n n, daß es im Rahmen der öffentlichen Kundgebung nichr möglich gewesen sei, Herrn Landrabbiner Dr. Freund auf seine Ausführungen zu erwidern, da das den Gesamteindruck gestört hätte. Abgesehen davon, daß es von vielen Zuhörern als eigenartig empfunden wurde, daß der Herr Landrabbiner, wenn auch in durchaus sachlicher Weise, gerade an diesem Abend gegen die Politik der A. I. polemisiert habe, sei doch noch festzustellen, daß die Stellungnahme der A. I. zum Austritt mehr sei, als ein Kämpfen um belanglose Dinge. Wenn A. I. auch direkt nicht zu dieser Frage offiziell Stellung nehme, so sei ihr Weg doch durch den Kampf um den Paragraphen 4 und die Entscheidung in dieser Frage gekennzeichnet. Man könne gewiß nicht die A. I. dafür verantwortlich machen, wenn vielleicht auch zuweilen von ein oder der anderen Seite einmal ein kleinliches Wort gefallen fei, die Politik der A. I., die die Verwirklichung der höchsten sittlichen und religiösen Ideale im össentlichen Leben erstrebe, sei nicht zu verwechseln mit dem hier und dort vielleicht einmal entstehenden Kämpfen innerhalb einzelner Gemeinden. Der vielleicht nicht so gemeinte Hinweis auf die beiden Gemeinden in.Frankfurt, sowie die Bemerkung über das Verhalten der Deutschen auf der ersten Kenessio Gedaulo von Seiten des Herrn Landrabbiner sei vom Standpunkt eines Agudiften nur zu bedauern. Wir hoffen, in Kürze einmal Gelegenheit zu haben, in einem besonderen Vortragsabend über die Politik der A. I. ausführlich sprechen und diskutieren zu können. Immerhin bleibt es durchaus dankenswert, daß der Herr Landrabbiner, her ja selbst die A. I. durch Schiurim fördert, ein Teil ihrer Arbeitsgebiete als berechtigt und dem tiefsten Sinne der Orthodoxie entsprechend, anerkennt und das in aller Oeffentlichkeit festgestellt hat.) Karlsruhe. Am Mittwoch, den 15. Juni versammelten sich anläßlich des 20jährigen Bestehens der Agudas Jisroel auf Einladung der Orts-, Frauen- und Mädchengruppe dis Mitglieder derselben. Herr Marcus Stern begrüßte die Erschienenen und wies auf die Bedeutung der Aguda hin. Sodann ging Herr Rabbiner Dr. Mich a l s k i auf die Ideologie der Aguda und ihrer Statuten ein. Er wies nach,, wie sie sich in den 20 Jahren bemüht hat, im Sinne derselben zu wirken, insbesondere berichtete er über die Tätigkeit der Karlsruher Gruppen und gedachte der Männer, die diesen ihre Kraft gewidmet haben. Mit einem Nachruf auf Herrn Rabbiner