Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 34 (18.8.1932)
- Date
- 1932-08-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2450704-2450737--79006-2536744- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite. 8 Nr. 34 Der Israelit II f, I |jJ) 1 m ff '.iMt, i l4 * .1 % ¥■ JL fcns bedacht, keine Schwierigkeit gab es, die er nicht demzuliebe überwand. Leuchtete der Sommermorgen auf, der ihn schon in aller Frühe zum Beruf führte — Salomon Steigerwald weihte Beruf und Tagewerk noch früher, indem er sein gewohntes Seifer Thillim sagte. Jahrelanges gefahrdrohendes Leiden hielt ihn nicht ab, nach Möglichkeit täglich das ihm liebe und vertraute G'tteshaus aufzusuchen. Den Schabbos empfand er stets als eine innere Beglückung, selbst im tiefsten Winter mußte zu Ehren der Sabbatbraut der Tisch mit schönen Blumen geziert sein. Es war ihm eine Selbstverständlichkeit, daß er allen Gebeugten und Hilfsbedürftigen nach dem Maß seines Könnens, oft über das Maß seines Könnens hinaus, Halt und Stütze war, mochten es nun Anverwandte oder Fremde fein, stets aber freiwillig und im Geheimen. Einer Großtat mag noch gedacht werden, in der sich seine Adelsnatur vielleicht am weitesten und fruchtbarsten entfaltete. Es war zur Zeit des Krieges, zur Zeit der — sagen wir es mit einem harten Wort heraus — Hungersnot. Der Verwalter der Israelitischen Waisenanstalt pochte vor Pessach an seine Türe, um Fleisch für seine Schutzbefohlenen. Das ergriff Salomon Steigerwald aufs tiefste. Viele Waisenkinder sollten den Feiertag ohne Fleisch verbringen? Er spendete sofort eine größere Summe, spornte alle seine Kollegen zu ähnlichem Tun an und — das Liebeswerk gelang dank seinem rastlosen Bemühen. Glückstrahlend hat er es damals dem Verfasser dieser Aeilen selbst erzählt. Dabei blieb es nicht, alljährlich bis an fein Lebensende wiederholte sich der gleiche Vorgang. Der Ring seines irdischen Lebens hat sich nach dem unerforschten Ratschluß G'ttes, des Allweisen geschlossen. Er hat die Glieder dieses Ringes aus vergänglichen irdischen Gütern zu unvergänglichen ewigen Gütern umgeschmiedet. Er hat den Ring umsäumt mit einem Kranz von Mizwaus, die ewig, bleiben und blühen. Mag das der treuen Lebensgefährtin in ihrem jetzt noch fassungslosen Schmerz ein wenig Trost sein. Mag das den Kindern Ansporn werden, eines solchen Vaters in allen Richtungen würdig und ebenbürtig zu werden. •rraxan Not und Tod eines greifen jüdischen Ehepaares. Im Hause Werrastraße 35 haben der mehr als 70jährige Schneider Max Känigsberger und seine gleichaltrige Frau Selbstmord begangen. Ueber die Gründe wissen die lokalen Zeitungen folgendes zu berichten: Das Geschäft des K. ging bis vor einem Jahre noch gut, stockte aber dann immer mehr, so daß die alten Leute schwer mit dem Leben zu kämpfen hatten. Sie blieben mit der Miete im Rückstände und erhielten dieser Tage vom Hausverwalter die Aufforderung, Wohnung und Laden bis zum 1. September zu räumen. Seit Sonntag mittag wurden nun die alten Leute nicht mehr gesehen. Schließlich schellten Hausbewohner an der Tür. Aber es meldete sich niemand. Montag mittag öffnete nun die Polizei die Wohnung gewaltsam und fand hier in je einem Türrahmen die beiden alten Leute erhängt vor. Ein auf dem Tisch liegender Zettel enthielt die wenigen Worte, daß man in gegenseitigem Einverständnis aus dem Leben scheide, und daß man das beigefügte Geld — etwa 200 Mark — für die Beerdigung verwenden möge. — Unsere Anfrage bei den Gemeindeinstanzen und der Wohlfahrtsstelle ergab, daß K. niemals an diese Stellen um Rat und Hilfe herangegangen ist. Die alten Leute zogen es vor, sich mit ihrem Schicksal in die Einsamkeit und von dort in den Tod zu flüchten. Immerhin sollte dieser tragische Fall unser Gewissen schärfen und unsere Herzen empfindsamer stimmen für die erschütternde laute und stille Not rund um uns herum! Ausflug der Agudas Jisroel-Jugend- und Mädchengruppe. Am Sonntag, den 21. August, veranstaltet die Agudas Jisroel-Jugend- und Mädchengruppe für ihre Mitglieder einen Ausflug in den Taunus. Treffpunkt: 8 Uhr Uhrtürmchen Friedberger Anlage. Rückkunft: zu Mincho. Kosten: Mk. —.60; für Teilnehmer unter 20 Jahren Mk. —.30. Gäste willkommen. Freiwilliger Arbeitsdienst. In. Anlehnung an den städtischen Freiwilligen Arbeitsdienst wurde auch ein jüdischer Arbeitsdienst organisiert, dem alleinstehende jüdische Arbeitslose unter 25 Jahren beitreten können. Anmeldungen an Herrn Ernst Holzer, Corneliusstr. 8. Auskunft erteilen die Jugendoerbände, auch der I. T. B. In Betracht kommen für den freiwilligen Arbeitsdienst Reichsdeutsche, die der Krisen- und Arbeitslosenversicherung unterliegen, sowie Ausländer, die den Versicherungsbedingungen entsprechen. Der Arbeitslohn beträgt bei freier Verpflegung 50 Pfg. pro Tag. Ausgeführt werden z. Zt. Wegearbsiten am Israelitischen Friedhof. Am Sabbat ruht die Arbeit. Ein Frankfurter Pfarrer fordert eine »zweite Zerstörung Jerusalems". In der letzten Nummer des Frankfurter offiziellen Kirchenblatts „Sonntagsgruß" veröffentlicht der Herausgeber des Blattes, der Pfarrer an der Frankfurter Erlöserkirche, Hans Georg P r o b st, unter dem Titel „Kampf gegen Jerusalem" einen antisemitischen Hetzartikel, in dem die Juden als gemeinschädliche Parasiten des deutschen Volkes bezeichnet werden, die ihre Vormachtstellung in Bank- und Finanzwesen zur Auspowerung ihrer Mitbürger ausnutzen. In dem Artikel wird offen ein Vernichtungskrieg gegen das Judentum gepredigt und zu einer „zweiten Zerstörung Jerusalems" aufgerufen. Die von Probst seit längerer Zeit im „Sonntagsgruh" getriebene Hetze „gegen Juden- und Freimaurertum" hat auch in christlichen Kreisen eine starte Protestbewegung ausgelöst. Pfarrer Probst hat die Veröffentlichung antisemitischer Artikel fortgesetzt, obwohl er bereits von der letzten Jahrestagung der evangelischen Landessynode wegen dieser Propagandatätigkeit einen Verweis erhalten hatte. Die Landessynode wird schon energischere Mittel ergreifen müssen, wenn sie nicht anders den bereits längst gehegten Verdacht, die evangelische Landeskirche habe, im Gegensätze zur katholischen Kirche, für die neue „nationalsozialistische Liebe" zumindest großes Verständnis, bekräftigen wollte. Frankfurter Vereinskalender. Verein Melor Chajtm. Schabbos abend eine Stunde vor Nacht Midrasch. .Herr Leopold Schwab. (Alle anderen Schiurim wie üblich.) Jahrzeiksskiskungen. Mittwoch, 24. August: Caroline Dannenberg, geb. Blumenfeld-Stiftung. Donnerstag, 25. August: Nesanel Heß-Stiftung. „ „ „ Samuel Speier-Stiftung. „ „ „ Abraham Stein-Stiftung. Liwjakh Chen. Samstag nach Mincho 5^ Uhr im Hörsaale Friedberger Anlage, Vortrag des Herrn Red. S. Schachnowitz. (An der Quelle des ,,Schma"-Gebetes.) Agudiflifche Frauenorlsgruppe. Am Sonntag, 22. August, abends 8.45 Uhr, findet im Hause von Frau Heinrich Eisemann, Friedherger Anlage 15, der Kurs von Herrn Konrektor ■ Hirschberg über „Pirke Owaus" statt. Gäste, Damen willkommen. Jüdischer Turnerbund E. V. ~ Nach Ablauf der Sommerferien haben die Kurse in den einzelnen Abteilungen wieder begonnen Wir veranstalten in nächster Zeit ein internes Abturnen mit Preisverteilung innerhalb unseres Sportbetriebes und bitten daher um regelmäßigen und pünktlichen Besuch der Turnabende. Verband jüdischer Frauen für Palästinaarbeik. Montag, 22. August, 6.30 Uhr gibt Frau Dr. Eugen Mayer eine Fortsetzungdes Berichtes über ihre Palästinareise im Cafe Falk, am Eschenheimer Turm. Agudiflifche Schülergemeinfchafk (A. S. G.). Am Schabbos, 20. August, 17.15 Uhr, findet im Heim (Schwanenstr. 12) der nächste Ausspracheabend statt. Es spricht Herr Rechtsanwalt Jsaac Rosenheim über „Nathan Birnbaum als Führer". Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes. Arbeitssitzung, Donnerstag, 26. August, 10 Uhr vorm. Langestraße 3 I. Stock. Gebetzeiten. Freitag abend 7.00 Samstag NQ2VN 6.30 Samstag morg. 7.43 Samstag nachm. 1.00 u. 5.00 Samstag abend 8.25 Wochengottesdienst: Morgens 6.15 Nachmittags 7.00 Tefillin-Legen am Morgen 4.15 Die Kurpension Hellmann in Bad Tölz erfreut sich trotz der wirtschaftlichen Niederlage auch in diesem Jahre eines starken Besuches; ein Zeichen dafür, wie dies seit 20 Jahren bestehende Unternehmen vom Publikum, sei es für einen Kuraufenthalt oder lediglich als Erholungsstätte, bevorzugt wird. Nicht nur allein die behagliche Unterkunft und bekannt gute Verpflegung, sondern auch sehr bescheidene Preise begründen den guten Ruf, den sich die Pension in weiten Kreisen erworben hat. Das Haus ist in diesem Jahr auch zu den Herbstfeiertagen geöffnet. G'ttesdienst und Sukkoh sind im Hause. AUGENGLÄSER kauft man bei Nathan Optik: Eschwege Bleichstraße 19 _ am Paterstor Sorgfältige Ausführung aller Rezepte- Telefon 21211 geschlossen 8aöbat-Nnfang und Dusgang npy nnw i v. Ort Ans Uhr ang Min. Datum Aus Uhr gang Min. Frankfurt a. M. 7 00 20. 8 25 ■ jJ' Berlin 7 15 August 8 08! l-.li.-: •; München 7 00 1932 8 00 •iV}“1 Köln 7 15 8 30 Stuttgart 7 15 18. 8 15 Bre?lau.. 7 15 na 7 47 Nürnberg 7 95 3w2nn 8 08 Hamburg 1 7 25 8 28 Würzburg 7 15 8 20 Unerwartet verschied mein inntgstgeliebter Mann, uns. treusorgender, herzensguter Vater, Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel Herr Salomon Steigerwald im 63. Lebenslahre. In tiefstem Schmerz; Minna Steigerrvald, geb. Speicr Theodor Steigerwald u. Frau Herta geb. Ladeweg Mar Stergerwald. Frankfurt a. M., 14. August 1932. Ostendstraße 12, 1. Von der Reise zurück! Dr. mell. H. F. Miehe Facharzt für Beinleiden (inkl. Gicht und rheumatischen Erkrankungen) 10—12, 4—6 Bockenheimerlandsfr. 135,1 ^Ich habe die Praxis der Zahnärztin Dr. Bondi übernommen Brau&aciistraSe 36 - Ecke Neue Krame im Hause der Kopfapotheke Sprechstunden täglich außer Samstag: vormittags 8V2 — 1, nachm. 3ll2 — 6V2 Uhr Zu allen Krankenkassen zugelassen ZAHNARZT DR. JOS. SAFFRA Telefon 26525 y^Privatwohnung UHLANDSTRASSE 57^ Von der Reise zurück Dr. Lurje Nervenarzt Goethestr.37 Tel. 24190 V8‘/2—9>/ä und 2—3 Uhr , Don.auch 61/2—7l/2 U. J Von der Reise zurück^ Dr. Richard Cramer Fach arzifiir Hautkrankheiten Sehillersir. 7 Sprechst.: 1-3, 4l/«-6l/2 U. Tel. : 2.442.7. Das" ' 7 Jüdische Kinderheim Gelerina bei St. Moritz bietet auch erwachsenen Kurgästen bet mäßigen Preisen angenehmen Ferienaufenthalt. Während der Herbstmonate geöffnet. Staatlich geprüfte Kindergärtnerin und Hortnerin sucht Anstell. i. Heim, Kindergart., Hort, Waisenh. od. Fam. a. Ausl. Off. unt. 3561c a. d. Exped. mit Staatsexamen sucht Pflege bei ätt. Herrschaften od. älterer Dame p. 1. Sept. od. spät. Off. 3362c g. Erp. Ein auf dem Gebiete des. Chasonus durchaus vollktg. Mann mit gut. Stimmbe. gabung u. gedteg. jüd.Bild. (auch Redner) sucht zu den ä'tniin v'»' einen Posten als Vorbeter auch in groß, gesetzesireuer Gemeinde. Ref. stehen auf Wunsch zur Verfüg. Augeb. unter 3950c an die Exp. Wohnung zum 1. Oktober zu vermieten (5 Zimmer incl. Badezimmer) Königswaiteisir.il 1. Stock zu erfragen 2. Stock Gut erhaltene Grude mit Wasserschiff zu kaufen ges. Off. unt. 394l)c a. Exp. Gelegenheitskauf! Eine guterhaltene rnw iso m. rabbinischem ->v2N billig abzugeb. Bucbh. Waldmann OstendstraßeS Rasieren ohne Messer mit bestem Rasterpulver v. Matbilde Destelier,Nürnberg A, Färberstr. 13. Interest. Probesendung gratis Rennen Frankfurt a. M.-. Sonntag, 21. August 3.15 Uhr nachm. 5 Flach- und 2 Hindernisrennen. Reiseprämien-Verlosung Mk. 300.—, 150.—, 50.— Eintritt von Mk. 1an Alleinltehende Dame gesetzestreu, Gestnnungsqdel, gutmütig, Herzens- und Geistesbildung, Alter 40—50, für vornehmen, ebenbürtigen Herrn gewünscht, gesicherte Position, angenehme Lebensverhältniste. Zuschriften mit Lebenslauf, Familie, gegenwärtige Verhältnisse und Lichtbild (welches sofort retourniert wird) nur direkt erbeten unter 3945c an die Expedition ds- Blatt. Strengste Diskretion zugestchert. Ca. 10Zentner “ " ' -Mehl hergestellt unter Aufsicht Sr. Hochehrwürden des Herrn Oberrabbiner Dr. S. Spitzer. Hamburg, abzugeben. Kommission I. d. Besorgung d. Mazzolh Hamburg 13, Bornplatz 8 Hilferuf! Verzweifelter Vater bittet edle Menschen um Geldspenden für schwer kranken Sohn, 27 Jahre, str. relig.» u. in Sanatorium Heilung zu finden. Geldspenden unt. 3946c an die Exped. (Angaben durch Referenzen bestätigt. Verlag d. Israelit und Hermon G. m. b. H.) <*»♦♦♦♦♦♦»♦♦♦♦♦ r Geprüfte streng rel.^enipf. sich für sof. und später. Ost. 3942c Exp. Suche z. 15. 9. kinderlieb., arbeitsames streng fromm. Mädchen aus,gut. Hause, d. mit mir grötz. Haush, und 4 Kinder besorgt. Ost. mit Gehaltsanshrüch. Frau Rabb. Dr. Mörzbach, Darmstadt. L» ist ausschließlich Sache der Leser, die im Jnseralenleil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben reNgionrgesehlichen Charakter» auf ihre ZuvertLssigkeit zu prüfen. ^652 D:2^ C3$$C