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Der Israelit · 1932-08-18 · Heft 34 (18.8.1932) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 34 (18.8.1932)
Date
1932-08-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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18. August 1982 Der Israelit Nr. 34 Seite 3 Hamburg stehenden, 'ung, -die ogra untertane angeblich cvaltungLdie postusollte. g ZU gcnunmebr s in ihren weiterge- ' Zeit sich ich ung. ja igsmechaihre wirtitenöe i t zu erveges im t führen, mit Aufstet. hte stand rmburgcr sc. Run tragische und von nagogent oder in Zweiil geleseic förmxi xi», quisition i würde. Gemeinröe vorielte, die i' ttcswist kein bhorageüionalen t schwer, ntat Herfen des hen Lr- 't nicht lr unter- )organg a n z e n r Hamoar, als eine jede anze erihr; Trumistet und den allms aber rm Vern Schatz,;n läßt, in unser bringen uns sor- > '»i-rr ivrrv die ihr rdet qcirdet er- < hx iB’sn die euch en, daß haben n ihrem ganzen nis eiv- 3’tt auienfchei - lebrachi l n ihren >en wir wahreii enschenicht nur en, sauer sich dazu entschloß, einen heute ja sehr leicht möglichen Konflikt mit seinem Gemeindevorstand über das Recht willkürlicher Gehaltsfestsetzung vor das staatliche Arbeitsgericht zu bringen, kann bezweifelt werden. Zwar hat der Vorstand, indem er unentschuldbarerweise den vom Oberabbiner zur Beseitigung der Meinungsverschiedenheit vorgeschlagenen D i n Thora ablehnte, ein trauriges Beispiel assimilatorischer und die Disziplin des Thoragesetzes negierender Gesinnung gegeben, und er hat den Oberrabbiner dazu noch durch Setzung einer ultimativen Frist formell gezwungen, einen rechtlich entscheidenden Schritt zu unternehmen. Aber vielleicht wären dennoch nicht alle Mittel erschöpft gewesen, um die Anrufung einer außerjüdischen Instanz zu vermeiden. Wie dem aber auch sei: wenn die Leiter des Svnagogenverbandes sich darauf beschränkt hätten, zur Wahrung ihres eigenen Standpunktes der Oeffentlichkeit eine Rotiz über den schwebenden Gehaltskonflikt zu übergeben, so wäre das zwar nicht zu billigen, wohl aber immerhin noch zu verstehen gewesen. Diesen juristischen Konflikt aber zum Anlaß zu nehmen, um nun aus einer Jahre z u r ü ck r eich e n d e n Vergangenheit alle möglichen und unmöglichen „Sünden" und angeblichen Unzulänglichkeiten des Oberrabbiners herauszuzerren, sie mit den beleidigendsten Unterstellungen zu verknüpfen und aus dem Ganzen ein Höllengebräu zu fabrizieren, das offensichlich darauf berechnet ist, die Stellung des geistigen Führers der Gemeinde nach jahrzehntelanger 'Amtstätigkeit vor Jung und Alt unmöglich zu machen, das alles noch dazu ohne Rücksicht auf den schwer leidenden Zustand des Angegriffenen, das ist ein vergehen, für das es nach jüdischer Aufastung nicht so leicht eine Sühne gibt. ' Hiergegen schärfste Verwahrung einzulegen, ist heiligste Pflicht der jüdischen Gesamtheit. Sieht man sich die einzelnen Bestandteile des Gifttrankes an, der in der Hamburger Hexenküche zwecks Beseitigung des unbequemen geistigen Führers zusammengebraut worden ist, so ergibt sich, daß alle Anklagepunkte auf zwei M o m e n t e zurückzuführen sind. Das eine ist die tragische Tatsache, daß der derzeitige Hamburger Oberrabbiner zu einer Zeit nach Hamburg berufen wurde, als er noch glauben mußte, das geistige Oberhaupt einer unverfälscht orthodoxen G e m e i n ö e zu sein. Man hatte damals in den führenden Kreisen des Hamburger Svnagogenverbandes die Kunst noch nicht entdeckt, sich dem neutral - liberalen Verwaltungsmechanismus demütig anzuschmiegen, und man war auch noch nicht auf die kluge Idee gekommen, durch Massenaufnahme aller möglichen gesinnungsfremden (Elemente — Mann für Mann zu x Mark Einkanfsgeld — in den Svnagogenverband diesem seine einheitlich-religiöse Schichtung dern wir bahnen diese Erkenntnis überall auf Erden an und erweisen uns als würdige Enkel derer, die überall G'tt Altäre errichtet und überall Menschenliebe und Gerechtigkeitsstreben gefördert. Ist solche Arbeit nicht auch in unseren Tagen erforderlich und gar sorgenverheihend? Warum hadern die Menschen und zerklüften sich gegenseitig und scheuchen von der Erde die Engel der Liebe und des Friedens? Erkennen wir es nur, es gibt kein rechtes Suchen mehr nach G'tt und kein unbedingtes Streben mehr nach px nach der Gerechtigkeit, wie sie G'tt fordert. Darum verstehen die Menschen nicht mehr voll die Sprache der Liebe und der Menschlichkeit, und statt des Rechtes und der Gerechtigkeit beherrschen Gewalt und Frevel die Menschen. Glauben wir nicht, wir seien nur wenige, wir können gegen den Geist der Zeit nicht stürmen. Tun wir voll unsere Pflicht —, seien wir ’sn 't n pnx nachjagend dem Rechte und G'tt suchend — zunächst in unserm Krese. Das Gute und Edle keimt fort und treibt Blüten und reift Früchte, wenn es in Treue und mit Beharrlichkeit gepflanzt wird. Der Herr hat jeder Saat Frucht und Ernte verheißen, das ist zum Gesetz der Natur geworden, ist aber nicht minder ein Gesetz der Sittlichkeit. Auch die Saatenkeime des des Nechtsweals sprießen aus, das ist unsere Hoffnung UNb Zuversicht und dann geschieht's nnanyi pya mann n»»- •mnr Vipi min m kx»’ nrintPi jietp 'i 733 :-Er macht Eden gleich ihre Wüste, seinem Garten gleich ihre Steppe, drinnen wird Wonne und Freude gesunden, Danklied und Stimme des Gesanges." verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton «-Schachnowitz, Frankfurt a. M; Inserate i. V.: S Schach- «owitz. ebenda. - Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. «aufmann, in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Berlag "es Israelit und Hermon G. m. b. H., Frankfurt a. M. — Druck Hermon Druckerei, Frankfurt a. M. zu rauben. Der Hamburger Oberrabbiner, der vor Jahrzehnten dorthin ging, mußte vielmehr glauben, daß man von ihm nichts weiter wünsche, als die p r i n z i p i e n t r e u e, mannhafte, vor keiner Tagesströmung und Gassenmeinung zurückscheuende Vertretung des R e l i g i 0 n s g e s e tz e s in Wort und Tat, daß er berufen sei, T h 0 r a z u l e hr e n und zu pflanzen und Recht zu s p r e - ch e n im Kreise seiner Gemeindemitglieder, daß es aber nicht seine Ausgabe sei, mit der heute von den Rabbinen leider häufig verlangten Rbiquität und Beweglichkeit überall zur Stelle zu sein, wo man irgend eine dem Einzelnen vielleicht ganz erwünschte Dienstleistung fordern zu dürfen glaubt. Cs war somit nach allen Regeln des vertragsrechtes Pflicht des Svnagogenverbandes, die Individualität seines geistigen Führers, nachdem er ihn in freier Wahl einmal erkoren, ehrfurchtsvoll zu respektieren und nicht plötzlich eine giftige und herabsetzende Kritik an ihr zu üben. Der andere Punkt ist die von uns bereits eingangs gekennzeichnete Veränderung, die in der Stellung des Svnagogenverbandes selber während der Amtsdaner des Oberrabbiners sich vollzogen hat, und die naturgemäß dazu führen mußte, daß man von dem Oberrabbiner eine mehr oder minder direkte Anerkennung liberaler Geistlicher als „Kollegen" fordert, diesem also u nm öglicheGe wissensopfer zumutct. Dies alles geht aus dem ftaatsanwaltlichen Plädover selber für jeden, der in den Zeilen und zwischen den Zeilen lesen kann, mit aller nur wünschenswerten Deutlichkeit hervor, und dieses plädover selbst gestaltet sich damit zu einem geradezu tragische n Dokument. Cs erzählt die Tragödie einer G e m e i n d e, die einst ein jüdisches Zibbur mit einem ganz allein dem Thorawillen verantwortlichen wirklichen „Oberrabbincr" war, und die nun, da ihr Geschick fick erfüllen will, an dem lebcntötenden Widerspruch stirbt zwischen ihrer historischen Aufgabe und ihrer unzulänglichen Verfassung. Cs erzählt aber auch die Tragödie des zur Unwirklichkeit verurteilten „Oberrabbiners", der die vergifteten Pfeile des politischen Hasses über sich ergehen lassen muß, weil er nicht biegsam genug war, um sich m i t der Gemeinde zu wandel n und Menschenwillkür über religiöse Prinzipien zu stellen. — Die Sabbat-Rachamu-Kerzen sind erloschen — aber, während noch die tröstenden Flammen dieses Rachamu-Freitag-Abends brennen, nicht erst mit dem Clul-Schofar, reißt nach uraltem deutschen Svnagogenbrauche auf den himmelwärts stürmenden Tonwellen des xa*772 •jT’axi der Vorbeter die Gemeinde zur rrnwn und man empor' Darf ein süddeutsches Zeitungsblatt der stolzen Hamburger Gemeinde, die wohl keinen aschkenasischen Minhag hat, diesen deutschen xa^srn ]Taxi der dennoch in aller Bescheidenheit zur Beherzigung empfehlen? Al eines Feuilleton. Montreux. Es ist noch gar nicht solange her. da kannte man diesen Ort nur als eine Stätte der Erholung. Man wußte, es ist gut zu träumen zwischen diesen Bergriesen, es ist gut zu ruhen am Spiegel dieses Sees, es ist gut zu leben im Sonnenglanz zwischen blühenden Blumen. Diese anmutige Stätte des Lebensgenusses und der Wiederauffrischung der Daseinssreude hat aber nun eine neue Note in die Reihe seiner Reize gebracht.- Es ist ein Zentrum jüdischen, echt jüdischen Wollens geworden. Da blüht die Botfchko'sche Jeschiwoh, welche wirklich eine gesunde Renaissance darstellt. Der heilige Frühling des ganzen Landes und begeisterte junge Menschen aus den Nachbarländern bevölkern diese Heimstätte des Lebens. Da wirkt schon seit längerer Zeit das Marcus'sche Töchterinstitut. Auch dieses schickt sich an, dem Ernste der Zeit Rechnung zu tragen. Während schon bisher, wie allbekannt, der religiöse Geist dieses Pensionates über jeden Zweifel erhaben war und infolgedessen die Resultate der Erziehung sich vortrefflich gestalteten, soll jetzt das religiöse Wissen noch intensiver gepflegt werden. Der Unterricht wird so umgruppiert, daß einerseits die jungen Mädchen zu geprüften Sprachlehrerinnen herangebildet, andererseits ertüchtigt werden, als Lehrerinnen im System der Beth Jakob-Schulen ihren Beruf zu erfüllen. Ist es doch sicher, daß auch im Westen der Weg der Beth Jakob-Schulen als notwendig und segensreich empfunden wird. Und sicher dürfte dieses Montreux auch schon neben der Jeschiwoh eine Pflanzstätte für die wahrhafte jüdische Kultur unter der Frauenwelt im Westen und Süden werden. ^wei wackere Männer sind aus dem Vorstand des svnagogenverbandes ausgetreten mit der öffentlichen Erklärung, daß sie sich aus moralischen Gründen mit den gegen den Oberrabbiner angewandten Praktiken nicht identifizieren wollen. Könnte dieser Schritt nicht das Signal zur,121171) und ,1122 von innen heraus werden? Gibt es in Hamburg keine öffentliche Meinung mehr, die — mag auch das Geschick des Svnagogcnverbandes als eines jüdischen Zibbur sich erfüllen — doch die Ehrfurcht vor der Thora und die jüdische Sittlichkeit zwischen Gemeinde und Rabbiner gewahrt wissen will und ein „Sterben in Schönheit" wünscht? wir hoffen es. - Dann bäte der Schabbos Rachamu doch auch an den Mißtönen dieser trostlosen Drei-Wochen-Dissonanz sein lösendes, sänftigendes Werk bis zu einem gewissen Grade vollbracht: — ]isr 122' mm Xi.il lvochenrundschau. Zur Lage. Die Dinge im Reiche haben durch die gescheiterten Verhandlungen zwischen dem vom Machthunger getriebenen Führer der R. S. und dem klug abwägenden Reichspräsidenten vorerst eine ganz andere Wendung genominen, als in den letzten Tagen zu befürchten war. Immerhin: daß Hitler solchen Anspruch glaubte erheben zu dürfen, daß man an höchster Stelle seinen Ansprüchen bis zur höchsten Machtstellung innerhalb des bestehenden Präsidialkabinetts entgcgenkommen zu müssen glaubte, kennzeichnet den Ernst der Lage, auch und nicht zuletzt der jüdischen Lage in Deutschland. Eine direkte Gefahr für die Rechte und die Sicherheit der Juden in Deutschland würden wir auch dann nicht gefürchtet haben, wenn die Rationalsozialisten all ihre sehnlichst erwünschten Ziele erreicht hätten — schon aus dem Grunde nicht, weil die Sozialdemokratie an der Spitze der kleinen liberalen Parteien bei Einzug des Braunhemdes in die Regierung doppelt auf der Hut bleibt und weil das Zentrum, solange das Parlament nicht ausgeschlossen ist :— mit oder ohne Koalition — schließlich auch noch was zu sagen hat. Wenn wir somit das' Gespenst der direkten Gefahr nicht an die Wand malen wollen, so ist auf der anderen Seite übertriebener Optimismus erst recht nicht am Platze. (Ein Pfarrer, der sich für die Rettung eines Juden opfern will.) In Michalovce verstarb dieser Tage der römisch-katholische Pfarrer Kanonikus Alexander Oppitz. An seinem Grabe trauert auch das slowakische Judentum, denn er hat sich in einer für die jüdische Bevölkerung schweren Stunde als ein Freund der Juden erwiesen, wie man ihn selten findet. Als im Jahre 1919 im Kampf gegen die ungarischen Bolschewiken das ostslowakische Michalovce von den tschechischen Soldaten besetzt wurde, nahm man einige Geiseln. hauptsächlich Juden. In der Nacht wurde ein csl. Soldat, der Telefonist Kaderabek, von unbekannter Hand erschossen. Der Kommandant gab darauf den Befehl, die Geiseln zu erschießen. Auf die Bitten einer Deputation unter Führung des Pfarrers Oppitz erklärte er sich schließlich damit einverstanden, nur einen der Geiseln erschießen zu lassen, der durch das Los bestimmt werden sollte. Das Los fiel auf den völlig unschuldigen Moses Deutsch, einen Juden. Pfarrer Oppitz suchte neuerdings den Kommandanten auf und bat ihn, von dieser Exekution abzusehen. Schließlich bot er ihm an, an Stelle des Äeutfch ihn selbst erschießen zu lassen. Er habe keine Kinder mehr und habe keine Verantwortung für eine Familie. Der Kommandant ließ schließlich von der Exekution ab. Dieser in der Geschichte der jüdisch-christlichen Beziehungen vielleicht alleinstehende Fall hat Pfarrer Oppitz die dauernde Achtung und Freundschaft der Juden seines Ortes gebracht, die bis zu seinem Tode anhielt. (Georg Bernhard fürchtet keine Bomben . . .) Der ehemalige Chefredakteur der „Bofsischen Zeitung", Georg Bernhard, der in der nationalsozialistischen Zeitung der „Angriff" offen mit einem Bombenattentat bedroht worden war, hat an die Redaktion des Berliner „8-Uhr- Abendblatt" folgendes Schreiben gerichtet:

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