Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 34 (18.8.1932)
- Date
- 1932-08-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 34 Der Israelit 18. August 1932 glauben, -aß cs dem Weltverband Schomre Schabbos und selbst seinem misrachistischen Präsidenten innerlich nicht ernst sei uni die Durchsetzung des Sabbatgedankens und der Sabbatbut im neuen Palästina, was ihn stört und was ihn offensichtlich dazu treibt, in der ganzen Einstellung und in aller Tätigkeit des Sabbatverbandes grade gegenüber der p a l ä st inenfischen Sabbatcntweihung Mängel und Unzulänglichkeiten zu suchen, ist die taktische Differenz, die nun einmal im Bezug auf die Bekämpfung der Sabbalcntweihung, wie ans tausend anderen Gebieten des öffentlichen jüdischen Lebens besteht, und die man bloßlegen mutz, wenn man von der Kritik zur Synthese strebt. Wer in misrachistischen Gedankcnbahnen wandelt, geht — trotz aller deprimierenden Erfahrungen — heute noch immer von der Voraussetzung aus. man könne durch gütliches Zureden oder durch zähes parlamentarisches Ringen der religionsfeindlichen Strömungen allmählich Herr werden. Dieser Glaube hat ja bei der Entstehung dieser Gruppenbildungen geradezu Pate gestanden und seine Preisgabe würde allerdings die Existenzberechtigung fraktionsmäßig organisierter religiöser Gebilde in areligiösem Rahmen j geradezu in Frage stellen. Dagegen sind diejenigen Kreise, die, wie zum Beispiel die palästinensische Landesorganisation der Agu-as Iisroel den agudistischen Selbständigkeitsgedankcn in voller Klarheit durchdacht haben, naturgemäß der Ueberzeugung, daß es nicht Aufgabe der Sabbattrcuen im jüdischen Volke sein könne, die entfremdeten Brüder auf dem Boden des G'tteslandes um die Duldung des Sabbats oder um die ,.Schonung" der Gefühle der „rückständigen" religiösen Teile des jüdischen Volkes anzubetteln, sondern daß wir mit Aufgebot unserer äußerster Energie furchtlos und wahrhaftig, auch vor Kampf und Streit nicht zurückscheuend, im Rainen G'ttes, unsres Königs, die unerbittliche Forderung der Thoratreue immer wieder und wieder unablässig zu erheben haben. Pier liegt die s u n d a m e n t a l e Wlein u n g s v e r s ch i e - e n b e i t zwischen E h a - j i m C i ß und Sabbatverb an-, soweit Crez Isroel in Frage kommt, und alle kleinlichen Differenzpunkte verschwinden demgegenüber zu einem bedeutungslosen Richts. Wir aber möchten glauben, daß auch derjenige, der, wie wir selber, von der unbedingten Richtigkeit des agudistischen Sclbständigkeitsgedankcns mit allen seinen Konsequenzen durchdrungen ist, nichtsdestoweniger der schmerzlichen Tatsache des Vorhandenseins anderer, misrachistisch nuancierter Auffassungen noch einen kleinen Schabbos-Rachamu-Trost abzugewinnen vermag. Gäbe es keine Agu-as Iisroel oder wollte Agudas Iisroel in ihrem Kampfe auch nur einen Augenblick erlahmen, dann allerdings müßten vertcidigungsmethoden, wie sie der Gedankenrichtung des „Misrachi" entsprechen, nach kurzen Scheinerfolgen zum völligen verfall und zum völligen Erliegen der religiösen postulate führen. W e n n und weil aber auf der anderen Seite „Agudas Iisroel" den Kampf für G'tt und sein Gesetz mit rücksichtsloser Unerschrockenheit führt, w c n n und weil im heiligen Lande der Kampfesmut unserer Zeire Agudas Iisroel — mögen diese jungen Kämpen auf anderen Gebieten auch manchmal über die Stränge schlagen — die so gerne sanft entschlafende öffentliche Meinung nicht zur Ruhe kommen lassen und jede einzelne Sabbatentweihung als einen immer neuen Faustschlag ins Gesicht der alten weinenden Mutter Knescs Israel stigmatisieren — grade darum kann gleichzeitig auch durch eine Arbeit von innen und mit sanfteren Methoden der Cnderfölg um so besserund gewisser gesichert werden. Wir sehen darum keinerlei Widerspruch in der Vermittlung anstrebcnden Tätigkeit, die perr Dr. Grünbcrg dankenswerter Weise in Erez Iisroel für den Sabbat entfaltete, und den handgreiflichen Protesten, die unsere Jugend im heiligen Lande gegen die sabbatschänderischen Automobilgesellschaftcn, Fußballmannschaften und Kinobesitzer führt. Und wenn ein bittendes Schreiben des Sabatschutzverban-cs an den Rationalfonds, von dem durch ihn seit Jahrzehnten ausgeübtcn empörenden Z w a n g zur Sabbatentweihung endlich abzulassen, wenn ein solches Schreiben in London und Jerusalem bei dem Adressaten größere Würdigung findet, weil es von einem Angehörigen der zionistischen Organisation als Präsidenten des Sabbatverbandes unterzeichnet ist, so darf — falls nur ein Erfolg winkt — auch Agudas Iisroel dieses Ergebnis mit aufrichtiger Dankbarkeit begrüßen. Die Methoden ergänzen sich, und wenn irgendwo, so gilt für diesen Kampf um den Sabbatfriede,r die alte strategische Parole: „Getrennt marschieren und vereint s cb I a g c 11 Eintracht aber im Lager der dein Sabbat treu Gebliebenen wird das tröstende Licht des Schabbos Rachamu in tausendfach gesteigerter Pelle aufleuchten lassen und den Kampf gegen das Dunkel der sabbatlosen G'ttentfremdung zu sicherem Siege führen. IV. Wir steigen noch ein paar Stufen tiefer in das Inferno der xinx x*ido hinab, dorthin, wo die „Kritik" nicht mehr Kritik bleibt, sondern sich in die Formen der ehrsnrchtslosen, haßerfüllten politischen Verfolgung kleidet. Es ist nicht das erste Mal in den letzten Jahren, daß innere Vorgänge der p a m b u r g e r Gemeinde, die scheinbar einem lokalen, ja zum Teil sogar einen persönlichen Eharakter trugen, das Interesse der weiten jüdischen Öffentlichkeit, ja der gesetzestreuen jüdischen Gesamtheit beanspruchen. Denn diese Konflikte, mochten sic auch an die Person des anltierenöen Oberrabbiners des Synagogenverbandes in pamburg 'anknüpfen, wurzelten doch in der einzig dastehenden,; übcrfünftHdicn pamburger Gemeindeverfassung, «die das Experiment zu lösen unternahm, eine p r o g r a mstnatisch ganz allein der Thoraautorität untertane jüdische Gemeinde in den Rahmen eines angeblich neutralen, in Wirklichkeit thorawidrigen Verwaltungs- Mechanismus einzuspanncn, ohne daß dabei die postulierte Autorität des Thoragoistes notleiden -— sollte. Weshalb das Experiment jahrzehntelang zu gelingen schien, haben wir an dieser Stelle vor nunmehr fünf Jahren auseinandergesetzt.' Inzwischen ist die Entwicklung, die damals in ihren Anfängen schon deutlich zu erkennen war, weitergeschritten. Je stärker die finanziellen Röte der Zeit sich geltend machten, desto größer ward die Versuchung, ja der Zwang für die in den fremden Vcrwaltungsmechanismus eingesperrte selbständige Gemeinde, ihre wirtschaftliche Existenz durch die fortschreitende p r e i s g a b e i h r e r S e l b st ä n d i g k e i t zu erkaufen. Die Etappen dieses trüben Golusweges im einzelnen zu schildern, würde hier zu weit führen. Leser, die den Rachrichtenteil des „Israelit" mit Aufmerksamkeit verfolgen, sind darüber unterrichtet. Oft schon im Laufe dieser Leidensgeschichte stand — wie schon angedeutet — die Person des pamburger Oberrabbiners im R'iittelpunkt der Ereignisse. Run aber hat der damit gegebene naturnotwendige tragische Konflikt seinen Pöhepunkt erreicht: Auf Grund von Informationen aus Vorstandskreisen des Synagogenverbandes — an ihrer unmittelbare n oder mittelbaren Urheberschaft kann kaum ein Zweifel sein — veröffentlicht man in einem viel gelesenen pamburger jüdischen Presseorgan eine förmliche Anklageschrift gegen den an», die einem mit allen Wassern der poliischen Inquisition gewaschenen Staatsanwalt alle Ehre machen würde. Daß dieser in der Geschichte der jüdischen Gemeinschaft sicherlich ohne viele Vorbilder dastehende Vorgang sich in den „drei Wochen" abspielte, die das Gedächtnis an den UntergangdcsG'ttcsheiligt u m s immer wieder erneuern, ist gewiß kein Zufall; die Verachtung und Kränkung der Thoragelehrten war ja eine der Ursachen unserer nationalen Katastrophe. 'Aber in diesem Falle ist es in der Tat recht schwer, in die trüben Gedanken, die durch dieses Attentat hcrvorgerufen werden, auch nur einige Tropfen des Trostes und der Wiederaufrichtung zu gießen. Auf die Einzelheiten der staatsanwaltlichen Ergüsse hier im einzelnen einzugehen, ist nicht unsere Absicht. Mit Rachöruck möchten wir nur unterstreichen, daß der zum Änla ß genommene Vorgang nicht über Sinn u n d I n h a I t -d e s ganzen Vorgehens hinwegtäuschen darf. Ob der pamburger Oberrabbiner desonders gut beraten war, als Trost und Läuterung. Von Rabbiner Dr. M. Lewin in Hamburg. Israel ist das Volk der besonderen G'tteswahl und darum des gnadenvollen Waltens der Vorsehung in außergewöhnlichem Maße gewürdigt. Das ist die Zusicherung, die wir in den mannigfaltigsten Klängen und Weisen aus dem Munde unserer Propheten vernehmen. Es ist nicht eiteles S e l b st g e s ü h l und nicht Eigendünkel, die uns diese besondere Note zuerkennen lassen. G'ttes geheiligtes Wort spricht uns die Würde und Weihe unserer Erwählung zu — in keinem Falle aber, um uns Sonderrechte zu verleihen, sondern uns zu Ausgaben und Leistungen zu verpflichten. In dieser Erwählung liegt die Würdigung unseres Volkes als Bannerträger des Heiligen und Erhabenen und als Pfadweifer zu den ewigen unvergänglichen Werten wahren, reinen Menschentums. Die Keime der Entsagung und Selbstverleugnung, die dieser Beruf zur Pflicht macht, haben wir von unfern Stammvätern ererbt. Der Lohn für ihr Tugendwalten, für ihre Hingabe und ihr uneingeschränktes G'ttvertrauen ist den späten Enkeln zuteil geworden, die der Herr mit dem Diadem besonderer Weihe gekrönt hat. „Wohl dem, der seiner Väter gern gedenkt!" Unsere Stammväter und Stammütter sind uns allezeit die leuch- : tenden Sterne am Lebenshimme! unseres Volkes. Sie j sind unser ^tolz und die Bürgschaft, daß wir nie ganz! in den Strudel der Sünden und Laster versinken können. Das ist der Sinn des Wortes unserer Alten: nww w» ny rrn« „Wie lange dauert der Väter Verdienst?" Darauf antworten sie: abiyb nias mar „Der Väter edles Tun wirkt fort bis in die fernsten Zeiten." Was dereinst die Väter als Keime hineingepslanzt in den Geist des jüdischen Hauses, das hat ewige Lebenskraft, das hört nie auf, in Israel segensreich zu walten. Mag auch oft das Unkraut die gute Saat überwuchern, schließlich kommt die Zeit, wo jenes schwindet und die alte Edelpflnaze in ihrer vollen Kraft sichtbar wird und die späten Enkel würdig zeigt ihrer großen Ahnen aus der Urzeit Tagen. Verstehen wir es nun, warum der Prophet auf die n as hinweist, da er uns trösten will ob unserer Schicksale, ob. der Nackenschlüge, die wir immer wieder über uns ergehen lassen müssen, gleich dem G'ttesknecht, der von sich rühmt: „Geöffnet hat G'tt der Alliebende mir das Ohr. wnoj xb -iins ’rm» rrb pjxi ich aber, ich habe nicht widerstrebt, ich bin nicht zurückgewichen niaba» vnnon rrb ps bpmb "nbi apnb w: ’ia „Den Schlagenden gab ich hin meinen Nacken, den Raufenden meine Wangen beide, mein Antlitz habe ich nicht verborgen vor Schimpf und Vespeiung. Mir hilft mein Herr, der Allgütige, viarr xb '2 yis trabna 'w -,rnv p by -wabaa xb p by darum wurde ich nicht zum Schimpf, darum konnte ich mein Antlitz kieselgleich machen, ich wußte es ja, daß ich nicht enttäuscht werde." . . . Der .Hinweis auf Abraham, der G'tt erkannt, noch ehe er gerufen ward, auf Jfak, der bereit sich zeigte, auf G'ttes Geheiß sich als Opfer niederzulegen auf den Altar und auf Jakob, der die denkwürdigen Worte sprach: „Da mich G'tt begnadet, ba p w> pi besitze ich alles, der Hinweis auf unsere edlen Stammütter, die drinnen! im Zelte walteten in Reinheit und G'ttesfurcht, eine jede von ihnen geschmückt mit einem duftreichen Kranze erhabenster Frauentugenden, bietet uns die Gewähr ba am pp p am p daß der Herr einst tröstet Zion, tröstet alle ihre Trümmer." Jener Hinweis, der uns immer wieder tröstet und uns ausrichtet aus unserem Golusleid und aus den allgemeinen Nöten und Sorgen des Tages, will uns aber auch zur Läuterung führen, damit die Gnade zum Verdienst uns werde. Das was mar ist nur dann ein Schatz, der seinen wahren Glanz über uns ausstrahlen läßt, wenn wir den Vätern nachstreben und deren in unser Volk gestreuten Saatenkeime zur Entfaltung zu bringen suchen. Das ist es, was nun der Prophet von uns fordert, wenn er ausruft: anipa to mpn b«i anaxn -nx brr iapn p •>®paa pns wii °>brr iyrrv „Hört auf mich, die ihr nachjagt der Wahrheit, die ihr G'tt suchet! Blickt auf den Fels, daraus ihr . wurdet gehauen, auf die Brunnenhöhlung, daraus ihr wurdet erhöhet!" maasi inaiarri i'rripa ins p aabbnnn m» brri bbpx amas brr iapn „Blickt auf Abraham,' euren Vater, auf Sara, die euch gebar. Denn als einzelnen habe ich ihn berufen, daß ich ihn segnete und ihn vervielfältigte." Wie haben Abraham und Sara geglaubt und vertraut und in ihrem Glauben und ihrer Hingebung an G'tt mit ihrer ganzen Kraft sich für die Verbreitung der G'tteserkenntnis eingesetzt und vor allem.selbst dem pax, dem von G'tt ausgestellten Rechtsideal nachgestrebt und überall Menschenliebe, Wahrheit und Friedfertigkeit zur Geltung gebrach!! Eisern wir diesem Ahnenpaare nach, das sich in ihren Kindern und Enkeln vervielfältigte, dann werden wir Verfechter und Anbahner der Verwirklichung der wahren Gerechtigkeit auf Erden mit und unter den Menschen. In diesem reinen lauteren Streben geht uns nicht nur das Berstündnis auf für G'tt und seinen hl. Willen, som