Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 33 (11.8.1932)
- Date
- 1932-08-11
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 2 Nr. 33 Der Israelit 11. August 1932 Zu Füßen dieser beiden Koryphäen saß krakowsky und die aus deren Geist gewonnene, gesunde Mschung von weitgehendem wissen mit strenger Logik und scharfer Analytik bilden die Basis seines Werkes. K. ist in seinem werke zunächst bestrebt, textlich weitgehendste Klarheit zu schaffen' (2'"L2r)' sowohl im Rambam (der Text von Rambam ist im aso mitgedruckt), wie auch in den Duellen des Rambam. Zum ersteren Zweck vergleicht er die diversen Rambam-Ausgaben (so heißt es z. B. auf Seite 41: '13 *p Knoun '"221) miteinander und, sofern sich irgendwelche Abweichungen ergeben, sucht er an Hand des Inhaltes festzustellen, welche Lesart die einleuchtendere ist. Durch eine solche Richtigstellung fallen zuweilen Berge von v'bisbs weg. So wird z. B. eine von den tonangebenden Kommentaren des Rambams bereits empfundene Schwierigkeit inma^.n '3 7t'8 'is .YWi Tiato (0. 34) bloß durch eine Versetzung des Paragraphzeichens behoben.nnaVi^a-i b"Xr im naw H8 ordnet diese Versetzung von sich aus an; K. entdeckt sie im Text einer sephardischen Ausgabe. Ebenso wird ein sehr unverständlicher Satz in #n 'n '3"D D'TO 'bn (S. 58) durch die in einer sephardischen Ausgabe anderslautende Version — awn^ianstatt 3'i7ft?i— vollständig klar. Das gleiche gilt auch von den Duellen des Rambam. Hier bedient sich K. der Neuerscheinungen oder der Neuausgaben, wie: ,rn2 »onaio pnpn ma '"'3Vii xn^2» ö’kv »puna ^8::n im 'p8* wvi 133*1 usw. zur Klärung der nirmvii in ->120 -8-isv '8n^>3a o*v usw. und zur Entdeckung neuer Duellen. Da genügt zuweilen eine noch so winzige, durch die "besagten Werke im b"m pw1? statuierte Aenöerung, um die unüberwindlichsten Schwierigkeiten im Rambam von der Lilöfläche verschwinden zu lassen. So oft es K. gelingt, derartiges festzustellen, so klingt diese Feststellung in die begeisterten Worte aus, wie: (S. 146) "*roa jnrru2 onna anaim* (S. 46) uan naiv "•»"rrn onsiaai tPT8a (S. 45) nn ’iai "">2 ni’unp ^2 dwpö i^K msw. Aber auch neue Duellen, die nicht gerade auf komplizierten M8NV13 beruhen, und zwar auch solche, die von sehr weit hergeleitet sind, wie z. B. von xmim anpos (S. 2); a^nn vip'?' (S. 8); o’^nn tzma (S. 112) usw., auch solche Duellen sind in diesem Werke in sehr großer Anzahl anzutreffen. Ueberhaupt darf für K. kein Ausspruch im Rambam, und mag er noch so harmlos erscheinen, ohne Duelle bleiben. In n'ohn '3 nun gelegentlich der Koöifizierung des Satzes '13 *p3*n ^33 auf all deinen Lebenswegen fei dir seiner, G'ttes, bewußt", gebraucht der Rambam den Ausdruck: nam 3^33 ni»na pnnv ^3 *?3ip 8^ „darum esse der Mensch nicht alles, wonach sein Gaumen gelüstet, wie ein Hund oder ein Esel." Dieses Beispiel von nam 3*?2' wie belanglos es auch sein mag, sagte sich k., muß auf irgendeine Stelle in unserem Schrifttum zurückzuführen sein. Und wirklich — ü. zeigt uns zwei Stellen dafür, von denen die eine in '3 3"L 8ap 833 und die andere sich in: v"a Ü'NOL befindet. Soweit das weitverzweigte wissen, das in diesem Werke zutage tritt. Und nun die Logik, die uns aus demselben entgegenleuchtet. In pns naipn 'la^rt '??'n'n(0. 222) berührt der Rambam das bekannte Problem von nsPT» und ni'N3' d. h. vom Allwissen G'ttes und der Willensfreiheit des Menschen, und gibt auf den scheinbaren Widerspruch zwischen diesen beiden Wahrheiten etwa folgendes zur Antwort: G'tteswissen ist wie G'tt selbst, wie wir letzteren mit unseren Sinnen, solange wir hienieöen leben, nicht erfassen können, so können wir auch ersteres nicht erfassen. Diese Antwort mißfällt dem i"38i insofern, als er meint, daß eine Frage, die man letzten Endes mit nichts anderem beantworten kann, als mit unsrem Nichtverstehen-Rönnen, besser gar nicht angeschnitten wird. Hierauf erwidert K. etwa folgendes: Eine Antwort ist nur nötig für eine Frage. Eine Frage aber kann nur gestellt werden über Dinge, die im Bereiche des menschlichen Denkens liegen. J. B. man kann fragen, um praktisch zu sprechen, wie wird in einem halben Jahre die politische Lage in der Welt sein; man kann aber nicht fragen, was heute in einem halben Jahre für ein Wetter sein wird. Ersteres liegt im Bereiche des menschlichen Denkens, letzteres nicht. Der Rambam, meint K., will gar keine Antwort geben auf die Frage über das Allwissen G'ttes, er will vielmehr sagen, daß nach den Denkgesetzen des Menschen, dies überhaupt nicht als Frage gestellt werden kann, weil, wie G'tt selbst außerhalb des Bereiches des menschlichen Denkens steht, so auch sein Allwissen. Eine bessere Antwort konnte demnach der Rambam nicht geben. Das ist eben die Schule von Reb Eh^jün V'XT- XDie sehr K. in des Rambams Wort einörang, beweist ferner folgende Stelle: Im Vorwort (nanpn) auf Seite 4 schreibt der Rambam wie folgt: nitpan 'i'u? 183^ »naomn nan 8"nm •»wan na*7 i83^> nurna 113'n *nap 131 K’jrann n pi K. macht darauf aufmerksam, daß es bei denninsvin heißt.Man '2'2v und bei den nurna: ,wan '131- (Diese geänderte Ausdrucksweise ist um so bemerkenswerter, als eine Zeile vorher, wo nämlich von 31 die Rede ist, der 812V und nsv verfaßte, der Rambam sich dort wieder einer anderen und zwar folgender Ausörucksweise bedient: 'ip^y sminVi 383^ NlwaN'was auch zweifellos im Wesen jener Werke begründet ist. Schreiber.) K. erblickt in dieser Diktionsänderung eine Bestätigung der Halevy'schen Forschung in dem klassischen Werk O’jttinn mm, wonach die 8nsoin noch von der Zeit der a'iiV8in ll'rttn herrührt und sie somit die D’rur, gleich der nawa» direkt, ö. h. ohne auf die nawa Bezug zu nehmen, behandelt, darum heißt es ,™an „die Gegenstände, die auch in der N2L>a behandelt werden." Anders aber die nin"l3' die später entstanden sind; für sie ist die formulierte niwa Gegenstand ihrer Behandlung, deshalb heißt es: n^wan nai „die w 0 rteder m^a“. Gewannen wir so Einblick in das Werk und kennen wir seine zwei Bestandteile: wissen und Scharfsinn, so ist nicht zu übersehen, daß dasselbe noch einen dritten Bestandteil aufweist, der sich würdig den ersten zwei anreiht. Nämlich: Dort, wo Aeußerungen anderer zu dem vom Rambam behandelten Gegenstand vorliegen, führt K. dieselben an Drt und Stelle an und setzt sich mit ihnen auseinander, je nach dem, ob sie zur gleichen Rleinung wie der Rambam, oder zur entgegengesetzen zu interpretieren sind. (S. 'n 'r Ti nun ni3?na rs und matora rs 8'" 'bn »nawn)* was das bedeutet, braucht nicht erst gesagt zu werden. Die Beispielserie aller drei Teile ließe sich beliebig vermehren, allein der Rahmen einer Rezension ist bereits weit überschritten. Eins sei jedoch noch ausgesprochen, daß nach all dem Obengesagten, ein Entbehren des min» iss beim Studium des Rambam, nach bescheidener Meinung des Schreibers, kaum denkbar ist. Cs wäre daher dringend zu wünschen, daß durch regen Absatz dieses ersten, kostbaren Teiles^) des Werkes es dem wilnaer Komitee vergönnt sein möge/ auch die mit gespanntem Interesse erwarteten anderen Teile und Werke des Autors baldmöglichst zu veröffentlichen. Bücherbesprechungen. T'38 ^ivv bifc» nm nKa tripm 'Qibv um nao •pnn 8Pi •po’ia p"pi Ein zeitgemäßes und doch wiederum zeitloses Buch Zeitgemäß, weil der Verfasser die jüdischen Irrungen und Wirrungen der Gegenwart kennt und sie an Hand von Gleichnissen und Gestalten bald sarkastisch, bald zürnend, bald elegisch mahnend bekämpft. Und wiederum zeitlos, weil er ihnen die Ewigkeitsforderungen und Ewigkeitswerte der Tauroh entgegenhält. Eine bewegliche, leicht arbeitende Phantasie, eine kristallklare, reine Ausürucksform unterstützen ihn in diesem Vorhaben — ganz zu schweigen von -der selbstverständlichen Basis einer tiefinnerlichen und graniten fundierten G'ttesfurcht. Köstlich illustriert er im Vorwort seine Anschauung von der Art agadischer Vorstellungen, deren das Werk eine Fülle bietet. Im Anschluß an den Posuk aus Schir Hafchirim a'iriana ’inai niv'ema ’iiano vergleichen unsere Weisein dem Wein, max dem Apfel. Wein, führt der Verfasser aus, wird um so wertvoller und besser, je älter er ist, er veraltet nie. Die Lehren unserer Alten gewinnen eine um so sicherere Bedeutung, einen um so tieferen Sinn und Inhalt, je älter sie sind, bleiben immer frisch. Nicht so der Apfel. Seine Süßigkeit und Würze sind an die Zeit gebunden, sind von der Zeit seiner Reife abhängig und können sich in Wohlgeschmack nicht von der Zeit loslösen. Aus diesem Gesichtspunkte heraus verbindet sich der Autor mit seiner, mit unserer Zeit, greift tapfer in sie hinein und illustriert goldene Taurohworte drastisch und kräftig im Vergleich zu ihnen, im Hinblick auf sie. 2) Der Preis dieses vornehm ausgestatteten iaa ist RM. 10.—. Zuschriften sind zu richten entweder an das Komiteemitglied: Eh. Basman, Wilno, Ul. Zawalna 10, oder an die Rabbinerwitwe: Rabinowa V. Krakowska, Wilno, W. Pohulanka 16—17. Mannigfache Beziehungen und Verirrungen der -Gegenwart werden gestreift, so z. B. die Art vieler polnischer Judenmädchen, die höchstens durch den abweisenden Zuruf ihrer nichtjüdischen Genossinnen an ihre Abstammung erinnert werden und . vieles andere. Der .zweite^ Teil enthält zunächst M2i2w des Verfassers an 1110 »hu*- die Fragen an ihn über Ausführungen seines ftüher veröffentlichten Sefers oins uv gerichtet haben. Wir finden u. a. auch eine mivn on sawa>tr a«n iVya* Wertvoll und bedeutend sind die sich daran schließenden kurzen Auszüge aus ungedruckten Manuskripten seines Schwiegervaters V2» »ana Sie klären schwierige Stellen aus der npinn i' des Rambam und erhellen die Berechtigung der-von diesem gewählten Dreizehnzahl für die naiax (£5 wäre lebhaft zu wünschen, daß die Mittel zur Drucklegung dieser Manuskripte zur Verfügung gestellt werden. . So ist das Buch eines der köstlichsten, anschaulichsten und eindrucksvollsten Druschsforim und bietet auch aus anderen Gebieten Hervorragendes. Das Werk ist zu beziehen durch den Autor: Oberrabbiner Stuhl, Bauske, Lettland. Sp. 8nsvn '3 Ü'8WN ivm8 von Michael Higger. New York Verlag Bloch. 1929. Eine nützliche Sammelarbeit liegt hier vor. Nach der maßgebenden Tosesta-Ausgabe von Zuckermandel hat Higger die agadischen Bestandteile der Tosefta selbständig zusammengestellt, die Texte evtl, verbessert und die Zitate korrigiert, sowie ihre genaue Grundstelle angegeben. Es wäre vielleicht gut gewesen, jeweils die Seitenzahl der Zuckermandel'schen Ausgabe hinzuzufügen. Die Einleitung enthält bemerkenswerte Sätze über die Bedeutung der Agada. Die Ausstattung des Buckes ist sehr su rühmen. Möge der Verfasser die wohlverdiente Anerkennung aller Leser erlangen! P. Aquila and Onkelos, by A. E. Silverstone M. A. Th. D. Manchester Universit. Press 1931. Publications of the Universit. of Manchester, Semitic Languages Series No. 1. 172 8. Diese Monographie will beweisen, daß Aquila, Onkelos, Akylas ein und dieselbe Person sind, daß Onkelos- Akylas bezw. Aquila der Verfasser des bekannten Targums und der griechischen Uebersetzung der Bibel ist; ferner, daß die Peschitta, d. h. die syrische Uebersetzung des Pentateuchs, später als unser Targum abgefaßt wurde. Der Verfasser macht sich seine Aufgabe nicht leicht: er zählt die Stellen auf, in denen Onkelos und Akylas in der midraschifchen Literatur erwähnt werden (Kap. I und II), stellt nebeneinander (Kap. VI) die Uebersetzungen des Aquila (griechisch), des Onkelos und der Septuaginta (die Onkelos bekämpfen und außer Gebrauch setzen will) und vergleicht ferner Stellenim Onkelos mit der Peschitta. Etwas Anderes ist es, ob man Silverstone in seinen Schlußfolgerungen überall beipflichten wird. Daß die syrische Bibelübersetzung jünger als bas Targum ist, hat er bewiesen; daß Onkelos und Akylas nur in der Schreibweise sich unterscheiden, daß die Phonetik, die Aussprache hier eine Rolle spielen, Hab er ebenfalls klargelegt. Ob aber Aquila mit ihnen identisch ist, der Kardinalstreitpunkt, diese, Frage ist nicht restlos gelöst, so sehr sich S. auch bemüht, sie zu bejahen und so bestechend seine Hinweise bisweilen sind. Daher gehört das dritte Kapitel zu den schwächsten des Buches. Dies im Einzelnen zu begründen, ist hier nicht der Platz. Der Wert der Abhandlung liegt darin, daß wir das ganze einschlägige Material beisammen haben, so daß man sich sein eigenes Urteil bilden kann. Die ausführliche Bibliographie und der Index sind zu begrüßen. Das Bändchen zeichnet sich durch Druck und Ausstattung aus. S. 59, Anmkg. lies ani» — onV, S. 87 2 Könige 4. &r,. I. E. Mischna Magillah, Edited with Introduction, Translation, Commentary, and Critical Notes by the Rev. Joseph Rabbinowitz B. A. Th. D. Oxford University Press. London Humphrey Milford 1931 142 8. Nach einer längeren Einleitung (35 S.), die u. ck. vom Namen des Traktates, seinen Quellen, der Pflicht des Lesens der Megilloh, der Liturgie, dem Purimfest, handelt, gibt der Verfasser den Text der Mischnah mit kritischen Bemerkungen nach den verschiedenen Handschriften und einer Uebersetzung nebst ausführlichen Erklärungen unter dem Text. Dis Uebersetzung ist zu billigen; in Klammern sucht sie den gedrängten Urtext zu erweitern, doch so, daß ersichtlich ist, wie dieser eigentlich lautet. Ob es in I, 2 (S. 42) nötig war, statt und in ,i»in jriapiöi aber (— hat) einzusetzen, bleibe dahingestellt; es wird durch aber etwas in den Text hineingelegt, das er nicht bietet. Was die Anmerkungen bezw. Erklärungen betrifft, so sind sie sehr oft zu begrüßen, z. B. S. 55 (nxin -nivn I, 5), S. 60 (onso I, 8), S. 63 (jvnivK I, 8), S. 114 (poTia* IV, 3). Wozu aber die Erklärung von rav (S. 42 zu I ,2), v>y>an (S. 60f., zu I, 8), (S. 78 zu II, 4), iaiv (S. 81 zu II, 5),, :n,3 noaan (S. 88 zu III, 1)? Genügte nicht meistens die Anführung der Bibelstelle? Jedem Juden, jedem jüdischen Kinde sind diese Begriffe geläufig. Diese und ähnliche Erläuterungen sind nur zu rechtfertigen, wenn der Hep ausgeber auch -an andere als an nur jüdische Kreise gedacht hat, an „Gentiles". Dann verstehe ich auch die nicht seltenen Hinweise (ich zähle 10) auf das N. T., die in einer auf Juden berechneten Ausgabe des beliebten Traktates unmöglich waren. Aber die captatio beneoolentiae möge hingehen. Doch so weit sollte sie sowie die „Wissenschafüichkeit" nicht getrieben werden, daß