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Der Israelit · 1932-08-11 · Heft 33 (11.8.1932) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 33 (11.8.1932)
Date
1932-08-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 33 Der Israelit 11. August 1932 Jahre lang das Distriktsrabbinat Schwabach führte. Vol-, tiefes Bedauern aus. Sein umfassender historischer Sinn ler Wehmut dachten wir daran, wie einst diese Gemeinde versuchte es stets, den Schwierigkeiten der Judenfrage geführend in unserem Kreise war, eine stattliche Gemeinrecht zu werden. Es bleibt ihm unvergessen, wie ehrlich schast, die der jüdischen Allgemeinheit das Beispiel selbster die Sorgen der gläubigen Juden teilte, namentlich loser Hingabe an Thorawillen und Thoraleben gegeben wenn die Verfolgung sich gegen Handhabung der religiöhatte. Erst eine blühende Jeschiwa, später eine Präpasen Normen richtete. Die Beziehungen der Agudo zu ihm randenschule haben dem Namen Schwabachs auch dann! waren außerordentlich freundschaftlich. Sein Begrüßungseinen guten Klang gegeben, auch dann noch, als im histo- > schreiben an die erste Kenessio Gedaulo fand warme rischen Kreislauf der Dinge und Menschen die meisten; Worte und zeigte tiefes Verständnis für Streben und Enkel derer, die, einst aus Nürnberg vertrieben, in Schwa- Wirken der Agudas Jisroel. bach eine freundlichere Heimat gefunden hatten, den Rück- Frankreich. Schwere Fudenexzesfe in Tunis. Paris, 5. August. In Sfax (Tunis), gingen am 25. Juli Ausschreitun- Oesterreich. Bundeskanzler Dr. Seipel s. 2l. Wien, 3. August. Der Heimgang des ehemaligen Bundeskanzlers, des weg in die Großstadt wieder gefunden hatten. Nun ist das Rabbinat Schwabach infolge der Leistungsunfähigkeit der Gemeinde und der Sparpolitik des Verbandes auf - g e l ö st und zum größeren Teil dem Rabbinat Ansbach eingegliedert,- die Gemeinde Schwabach zählt kaum noch Minjan. All diese Empfindungen mögen wohl die Teilnehmer an der schlichten Abschiedsfeier in unserer Synaj gen vor sich, über die jetzt erst der Pariser Vertretung goge beherrscht haben. Zunächst brachte Herr Kultusvorder ITA. nähere Mitteilungen zugehen, da die Pariser stand Feuchtwanger dem Scheidenden den Dank der Gemeinde für sein Wollen und Streben zum Ausdruck. Dann ergriff Herr Bezirksrabbiner Dr. Munk, Ansbach das Wort, um darzulegen, wie sehr der aus seinem Amte scheidende Rabbiner es verstanden habe, den großen Traditionen der Gemeinde gerecht zu werden, wie er in seiner lauteren Gesinnung seinen großen Vorgängern sich würdig an die Seite stellen könne, wie er in unbedingter Treue zur Thora und zu seinem Beruf selbstlos und aufrecht dem Thorawillen Geltung zu verschaffen wußte. In wehmütiger Erregung dankte Herr Rabbiner Dr. Manes den Vorrednern. Es ist für viele von uns ein erhebendes Bewußtsein, daß er nur vom Amte scheidet, seinen Wohnsitz aber in unserer Mitte beibehält. Denn wir in Schwabach wissen es eben kraft unserer Traditionen vielleicht besser als manche größere Gemeinde, welchen S'chus es für eine Gemeinde bedeutet, einen Talmid Chochom und Jehudi alten Schlages zu beherbergen. Anschlag auf eine Synagoge und Ueberfall auf Synagogenbesucher in Aöln. Köln, 8. August. Vor der Synagoge in der R o o n st r a ß e zu Köln wurde eine Bombe in Mörserform von 7,5 cm Durchmesser gefunden, die von der Polizei rechtzeitig entfernt werden konte. Der Vorfall hat in jüdischen Kreisen erhebliche Beunruhigung heroorgerusen. Es wird angenom men, daß der Anschlag von einer der Synagoge gegenüber aus dem Rathenau-Platz befindlichen Geschäftsstelle der NSDAP., von wo aus wiederholt Ueberfälle auf jüdische oder jüdisch aussehende Passanten unternommen wurden, ausgegangen ist. Drei Besucher der Synagoge der AdaßJeschurun in der St. Apernstraße wurden am letzten Sonntag um 6.30 Uhr morgens von jugendlichen Nationalsozialisten überfallen. Zwei der Angegriffenen konnten sich in die Synagoge flüchten, der dritte wurde in roher Weise so mißhandelt, daß er eine schwere Gehirnerschütterung erlitt. Die Rowdies find unerkannt entkominen. Der Rabbiner der Adaß Jeschurun, Dr. D. C a r l e b a ch , hat wegen dieses Vorfalls, der einen besonders krassen Fall in einer Reihe von Angriffen gegen jüdische Synagogenbesucher darstellt, beim Kölner Polizeipräsidenten Vorstellungen erhoben. Der Polizeipräsident hat Schutz der Synagoge durch eine Schupopatrouille zugesagt. Ireiskaak Danzig. Nationalsozialistischer Uebersall auf jüdische Marktleute in Danzig. Danzig, 7. August. Auf dem großen Obstmarkt zu Danzig wurden die jüdischen Obsthändler von Nationalsozialisten überfallen. Die bei den jüdischen Obsthändlern beschäftigten deutschen Markthändler schützten die Kaufleute vor den Angriffen der Nationalsozialisten und verjagten diese. Die Hitler- Leute drohen, ihre Angriffe nicht früher einzustellen, als bis die jüdischen Obsthändler vom Markte verschwunden sein werden. Die Woche. Berlin. Die Reichsorganisationsleitung der nationalsozialistischen Partei nimmt in ihren Richtlinien für die Kirchenwahl auss schärfste Stellung gegen die I u d e n m i s s i o n , weil sie „das Eingangstor fremden Blutes in den deutschen Volkskörper" sei. Insbesondere sei die Eheschließung zwischen Deutschen und Juden zu verbieten. Wir sind damit ganz einverstanden. — Der Kammergerichtsrat Dr. Daniel Cohn wurde zum Reichsgerichtsrat ernannt. — In Kreuz bürg (Oberschlesien) wurden in den Schankraum eines jüdischen Gastwirts und in die Wohnung eines jüdischen Kaufmanns Handgranaten geworfen. Man nimmt nationalsozialistische Anschläge an. Genf. Die englische Regierung hat die Aufnahme des Königreichs Irak in den Völkerbund beantragt. Die Irak- Regierung hat eine Erklärung unterzeichnet, worin sie den Schutz der nationalen und religiösen Minderheiten' zusagt. Bern. Das Bundesblatt veröffentlicht folgenden Beschluß des Bundesrats: „Das Tragen von nationalsozialistischen Braunhemden auf Schweizer Gebiet wird verboten. Hinsichtlich des Gebrauchs von nationalsozialistischen Emblemen wird größte Zurückhaltung empfohlen." Wien. Die Hauptleitung der österreichischen Nationalsozialisten hat einen Befehl ausgegeben, in dem den österreichischen Nationalsozialisten untersagt wird, den Ruf „Juda verrecke" zu gebrauchen und religiöse Gemeinschaften öffentlich zu beleidigen oder zu bedrohen. Paris. Der Sozialistenführer Longuek, ein Enkel von Karl Marx, der in Budapest die soeben Hingerichteten Kommunisten Fürst und Szalley verteidigte, berichtet, daß nach seiner Ueberzeugung die Tatsache, daß die beiden Angeklagten von Geburt Juden waren, entscheidend für ihre Verurteilung gewesen sei. Budapest. Der jüdische Großindustrielle Leo von Buday-Goldberg er wurde vom Reichsoerweser als Vertreter der ungarischen Industrie zum Mitglied des Magnatenhauses ernannt. Riga. Anfang Juni wurden, wie gemeldet, die Frau des Kaufmanns Leib Schmuchkin und ihre zwei Töchter ermordet. Der Vorfall hatte größte Erregung heroorgerusen. Der Raubmörder Prudnikow wurde nunmehr vom Rigaer Strafgericht zum Tode verurteilt. Moskau. Man erwartet für die jüdischen Handwerker, deren es in der Sowjetunion 180 000 gibt, eine starke wirtschaftliche Erleichterung durch die neue Verfügung, die den freien Einkauf von Rohmaterial und Verkauf van Fertigprodukten zuläßt. — In Smolensk wurde der erste Kongreß dernationalen Minderheiten Sowjetrußlands eröffnet. An den Beratungen nehmen 200 Vertreter der nationalen Minderheiten teil. Jerusalem. Im Juni sind 524 jüdische Einwanderer nach Palästina gekommen, von denen sich 301 ohne Aufenthaltsbewilligung im Lande niedergelassen haben. Jtemtjotf. 20 000 jüdische Arbeiter der Konfektionsindustrie sind wegen Lohndiffe.renzen in Streit getreten. Die gespannte wirtschaftliche Lage hat in letzterer'Zeit wiederholt zu Streiks und Aussperrungen gesübrt. ML\ Nahrungsmittel! Jnteressantes Preisbuch fbi Ww§m&tOi Whucfrm&M&x Frankfurter Hirsch~Apoiheke, Zeil 111 Niederlagen: ReformhausBoermel-Ernst, Schillerst, Version sich selber geworfen hatte, blutete am Halse. Und schon verbreitete sich die Kunde, die Juden wollten einen Moslim abschlachten. Eine große Menge bedrängte das Geschäftshaus der Brüder Didi, die sich nur mit knapper Not in den Schutz der Polizei retten konnten. Nun aber strömte die Menge nach dem jüdischen Viertel und stürzte sich insbesondere auf die Läden der jüdischen Juweliere. Es kam zu schweren Mißhandlungen und Plünderungen. Eine große Verletztenliste wird aufgeführt. Auch im europäischen Viertel wurde eine große Anzahl angesehener Juden, zum Teile schwer, verletzt. Selbst der Arzt, der den verwundeten Araber behandelte, wurde angegriffen und mißhandelt. Die Panik im jüdischen Viertel war unbeschreiblich, als die Menge die große.-Synagoge zu stürmen suchte. Auch die jüdischen Kinder einer danebenliegenden hebräischen Schule wurden bedroht, konnten sich jedoch noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. Eine kleine jüdische Selbstwehr war machtlos. Auch die Behörden, die unter persönlicher Leitung der Gouverneurs voll ihre Pflicht taten, konnten zunächst nicht viel ausrichten. Erst als verstärkte Polizei und auch Militär eingesetzt wurde, trat im Ganzen Ruhe ein. Einzelne Ueberfälle auf Juden ereigneten sich aber auch noch am folgenden Tage. Unter den' Verwundeten befindet sich auch der Chacham der Gemeinde, Rabbi Simon Cohen. Eine Untersuchungskommission ist in Sfax eingetrosfen, deren Aufgabe es sein wird, die hinter der fanatischen Menge stehenden Rädelsführer ausfindig zu machen. Polen. Protest der jüdischen Gemeinde Lodz gegen die Bedrohung der Gstjuden durch die Nationalsozialisten in Deutschland. Lodz, 28. Juli. Der Rat der jüdischen Gemeinde Lodz hat sich in einer eigens zu diesem Zwecke einberusenen Sitzung mit der politischen Entwicklung in Deutschland und der durch sie für die in Deutschland lebenden Ostjuden entstandenen Gefahren beschäftigt. Es wurde eine Resolution gefaßt, in der gegen die Bedrohung des osteuropäischen Judentums durch den deutschen Nationalsozialismus fchärfstens protestiert wird. Abschriften der Resolution wurden dem Völkerbund und der polnischen Regierung eingesandt. Im Anschluß an die Protestversammlung des Gemeinderates fand eine Geschäftssitzung statt, in der die Frage der Teilnahme an der Vorkonferenz für einen jüdischen Weltkongreß behandelt wurde. Es wurde beschlossen, an dieser Konferenz im Hinblick darauf, daß ihre Verhandlungen vermutlich kein positives Resultat ergeben und bloß die innerjüdischen Gegensätze vertiefen werden, nicht teilzunehmen. Polnische Briefe. 111. Rzeszow, 28. Juli. Die schreckliche Kluft zwischen einzelnen Teilen des polnischen Judentums, die zum ersten Mal bei den Parlamentswahlen im Jahre 1928 zum Vorschein kam, gangränifiert schon heute das ganze össentliche jüdische Leben. Es ist kaum ein Gebiet gesellschaftlichen Wirkens in der polnischen Judenschaft vorhanden, wo die brausende Haßwelle ihre Verheerungen nicht zu verzeichnen hätte, wo die dunkeln Gespenster leidenschaftlicher Parteikämpfe nicht eingedrungen wären. So vor allem in den jüdischen Gemeinden. Als im Jahre 1922 die einheitliche jüdische Front in Polen entstand und die Zionisten die Leitung dieser Front pro foro externo übernahmen, wuchs ihr Einfluß auch in den innerjüdischen Beziehungen zusehends. In weiterer Folge dieser politischen Hegemonie des Zionismus ge- Preffe wie auf Verabredung oder auf höhere Weisungj langte die Führung der wichtigsten jüdischen Gemeinden die Vorkommnisse vollkommen verschwiegen hat. Es bein zionistische Hände. So war es in Warschau, Lodz, gann mit einem nichtssagenden Streit zwischen einem Lemberg. Aber nach dem großen Riß, Ler das Judentum arabischen Arbeiter und den jüdischen Kaufleuten Didi. im Jahre 1928 nach außen hin entzweite, änderten sich Prälaten Dr. Seipel, löste auch in jüdischen Kreisen Der Araber, der in die Glastüre gefallen war, nach einer auch hier die Verhältnisse gründlich. Heute geben in War-

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