Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1932-08-04 · Heft 32 (4.8.1932) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 32 (4.8.1932)
Date
1932-08-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2450704-2450735--78976-2536712
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 8 Nr. 32 Der Israelit Vermischtes. Berlin, 27. Juli. Der mit der kommissarischen' Leitung des Justizministeriums betraute Staatssekretär Hölscher hat auf eine Beschwerde des nationalsozialistischen Landtagsabgeordneten Dr. Freister, daß der zu einer Veranstaltung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten eingeladene Landgerichtspräsident Dr. Daltrop in Kassel sein Bedauern, der Einladung persönlich nicht Folge leisten zu können, zum Ausdruck gebracht und den Landgerichtsdirektor Becker als amtlichen Vertreter des Landgerichtsprüsidenten mit dem Besuch der Veranstaltung beauftragt hat, folgendermaßen geantwortet: „Die Einladung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten ist nicht anders behandelt worden, als eine Einladung anderer Verbände, da zu einer abweichenden Behandlung kein Grund vorlag. Die meisten anderen Reichs- und Staatsbehörden in Kassel sind ähnlich verfahren. Es besteht kein Anlaß, die getroffenen Maßnahmen zu beanstanden." Dettelbach a. 2lt., 24. Juli. Die Esragruppe Frankfurt a. M. weilt wieder in unserem freundlichen Städtchen und hat unter den alten Führern — I. Lange und M. Breuer — ihr altes Heim bezogen, die idyllisch gelegene „Meiersmühle", welche von Wald, Wiese, Wässerlein und Weinbergen umrahmt ist. Etwa 12 Minuten vom Orte entfernt, kann man sich dort unbehindert und ungeniert jüdisch „ausleben". Der Esra hat seine eigene Seser Thora dabei, die Jungens fungieren abwechselnd als Vorbeter und *nip byn, man lernt täglich rr-m, in mehreren Abteilungen, auch ein TJn» und Damenschiur bestehen. Dazwischen sind kleine Vorträge und „Aussprachen" eingeschoben. Sport, Spiel, Spaziergang und Mainbad vollenden das altjüdische Idealbild n'xni 'nb mrn oaV- In diesem Rahmen muß vor allem auch der Küche gedacht werden. Es ist in der Tat keine kleine Aufgabe, die sich die Wirtschaftsdamen — Frl. Posen, Aron, Bamberger, Lange, Nußbaum — gestellt, um täglich für den gesunden Appetit und Geschmack von 30—35 jungen Personen zu sorgen. Doch die Damen lösen die Aufgabe mit ebenso viel Liebe als Ausdauer und Vorsicht. Ob die Fleischtöpfe Aegyptens wohl das Volumen hatten wie die des Esra? Genug, Quantität und Qualität geben sich einander nichts nach und den -pa» den die Wirtschafterinnen zum Ende einheimsen, haben sie redlich und sauer verdient. Trotzdem was wawa rwnanv. trotz der politischen Hochspannung gibt es keinerlei Reibungen oder Belästigungen. Allerdings sorgt der Esra durch taktvolles Auftreten dafür nicht zu provozieren, 'k Da -umn- Mögen dem Esra sonnige Tage beschieden sein zu seinem Land- und Ferienaufenthalt! Bad Brückenau, 31. Juli. Eine angenehme Abwechslung bot sich den jüdischen Kurgästen durch eine Vortragsveranstaltung im Hotel Strauß, bei der Herr Redakteur S ch ach no w itz, Frankfurt a. M., über seine Erlebnisse und Erfahrungen in Palästina berichtete. In zwei Vorträgen je vor Sabbatausgang, die dadurch einen religiös erbaulichen Charakter erhielten, daß sie vom Texte des Wochenabschnittes ausgingen und in Sidraerklärungen ausklangen, führte der Redner die gespannt lauschende Hörerschaft über das Mittelmeer durch die Gefilde Judäas, nach Galiläa bis zum Libanon hinauf und dem Jordanstrom entlang bis zu Jericho hin, zeigte in anschaulichen Bildern die alten heiligen Ruinen und den neuen Ausbau, die Lebenskraft des alten Jischuw, die Erfolge und die Sorgen des neuen Jischuw, das Leben in der Stadt und auf dem platten Lande in ihren religiösen Schattierungen. Im zweiten Vortrag am letzten Samstag, am Vorabend der Reichstagswahlen, verbreitete sich Redner zum Schluß auch über die politische Lage in Deutschland und die der deutschen Juden. Auf die Rede Gregor Strassers im Rundfunk kurz vor Sabbateingang anspielend, nahm er es. als Symbol, daß in den jüdischen Häusern die Frauen vom Radiokasten weg an den Sabbattisch gingen, um die Sabbatlichter anzuzünden, die Männer dem Apparat den Rücken kehrten, um ins G'tteshaus dem Sabbat entgegenzuziehen . . . Der Schabbos mit allem, was er an heiligem Ewigkeitsgut symbolisierte, wird alle jenen Augenblickströmungen überdauern, uns halten und erhalten, wie wir ihn, den Sabbat, durch die Jahrtausende gehalten und erhalten haben. — Die Gäste gaben ihrem" Danke für diesen sinnigen Sabbatausklang in reichem Beifall Ausdruck. Auch unserem Wirt, Herrn Siegfried Strauß, dem Initiator der Vorträge, werden die Kurgäste Dank für diese geistigen Darbietungen wissen. E. Personalien. Bad Homburg, 1. Aug. Durch das am 24. Tammus erfolgte Ableben ihres hochverdienten Ehrenvorsitzenden, des Herrn Stadtrat a. D. Julius Vraunschweig, ist die Israelitische Kultusgemeinde zu Vad Homburg v. d. H. in tiefe trauet versetzt worden. Fünfundzwanzig Jahre hat der Verblichene die Geschicke seiner Gemeinde mit sicherer Hand gelenkt, bis ihn vor zwei Jahren Gesundheitsrücksichten zur Niederlegung seiner öffentlichen Aemter veranlaßten. Mit ihm ist eine Führernatur von großem Format dahingegangen. Von selten repräsentativem Aeußeren, war er eine starke und in sich geschlossene Persönlichkeit, die, abhold jeder Problematik, stets sich von ihrem graden Verstand, ihrem sicheren Urteil und ihrem feinen Gefühl leiten lassen durfte. Aus der Stärke dieses harmonischen Wesens floß dem Verblichenen seine verantwortungsbewußte Entschlußkraft, floß ihm aber auch jene Ueberlegenheit, mit welcher er Eventualitäten vorbeugte und Konflikte verhütete. Unbeirrbar das höhere Ziel im Auge, wußte er mit diplomatischem Geschick in den verbindlichsten Formen das jeweils Erstrebenswerte zu erreichen. So gelang es ihm, in einer von Irrungen und Wirrungen aufgewühlten Zeit, alle Kämpfe und Stürme von seiner Gemeinde wegzuhalten und trotz aller Ungunst der Verhältnisse, sie ideell und materiell derart zu unterbauen, daß sie ihren Charakter als eine wahre K'hilloh Kedauscho stets voll und ganz bewahren konnte. Daß ein Mann von solchen Matzen und Fähigkeiten auch im öffentlichen Leben eine bedeutende Rolle zu spielen berufen war, kann nicht befremden. Das Vertrauen seiner Mitbürger trug ihn zu den höchsten städtischen Ehrenstellen empor. In der Notzeit des Krieges ward er als damaliges Mitglied des Magistrats mit der Versorgung der Bevölkerung betraut, und er waltete seines Amtes gerade in diesem Falle in vorbildlicher, um nicht zu sagen, einzigartiger Weise. Ohne viele Worte hat er die vielerörterte Synthese von Deutschtum und Judentum gelöst, indem er sie lebte. Aber auch hiermit erschöpft sich nicht seine Tätigkeit im Dienste der Allgemeinheit und der Wohltätigkeit. Er war Vorsitzender der Kann'schen Stiftung, des Israelitischen Mädchen-Ausstattung-Vereins und tätiges Mitglied vieler karitativer Vereinigungen, und stets in Bereitschaft, wo es galt, zu helfen, zu heilen und zu retten. So verwirklichte er durch fein Leben und Wirken die hohe ideale Forderung des Dichters: „Der edle Mensch sei hilfreich unü gut, immer üb' er das Nützliche, Rechte." (Weitere Personalien und Vermischtes siehe Seite 11.) Die Woche. Frankfurter Universität gegen den Antisemitismus. Der akademische Senat der Frankfurter Universität gab vor kurzem das Urteil seiner disziplinarischen Untersuchung wegen der Nazi-Krawalle aus Anlatz des Uniformverbots an der Frankfurter Universität im Juni bekannt. Zwei Nazis wurden mit Entfernung von der Universität bestraft, zwei Studenten (ein Linksgerichteter und ein weiterer Nazi) wurde die Entfernung angedroht, ein Nazmann erhielt einen protokollarischen Verweis, ein Linksstudent bekam einen einfachen Verweis und zwei Nazis wurden freigefprochen. Obwohl bei den Krawallen in Frankfurt keine Juden verletzt oder sonst irgendwie behelligt worden sind, hat sich der Rektor und der Senat der Universität in einem begrüßenswerten Aufruf an die Frankfurter Studenten mit scharfer Deutlichkeit auch gegen die antisemitische Hetze an den deutschen Hochschulen gewandt. In diesem Aufruf heißt es u. a.: „Die Achtung des Andersdenkenden ist ein Grundstein unserer Staatlichkeit. Wo diese Achtung verpönt wird, hört humanistischer Geist auf und beginnt ungeistiges Zünftlertum und eine Selbstgerechtigkert armseliger Art. Allein wir lehnen jede Hetze, wir lehnen mit vollem Vorbedacht auch einen Antisemitismus ab, wie er in diesen Kämpfen zutage getreten ist. An unserer Kultur haben alle Volksteile Anteil und Heimatrecht. Es gibt nur einen höchsten Maßstab, den der sittlich-geistigen Würdigkeit und den gibt uns nicht das Blut sondern der Wille zur eigenen Vollendung." Thora-Lehr-Anskalt Iefchirva. Anläßlich des Jahrzeitstages des Herrn Rabb. Dr. Salomon Breuer b~st, findet, wie alljährlich, am Sonntag, den 7. August ds. Js., 6. Aw 5692, abends 8.15 Uhr im großen Hörsaal der Jeschiwa ein öffentlicher Gedenkschiur mit anschließender Ansprache statt. Speiseöl. Das Rabbinat der Israelitischen Religionsgesellschaft weist darauf hin, daß in neuerer Zeit Speiseöl aus verbotenen tierischen Fetten hergestellt wird, oder daß solche verbotene Fette dem Oele beigemischt werden. Wer sich vor Uebertretung unserer heiligen Speisegesetze schützen will, solle daher nur Oel genießen, das unter Aufsicht hergestellt wurde. Es ist ungeordnet, daß die der Aufsicht der Israelitischen Religionsgesellschaft unterstellten Geschäfte von jetzt an nur 'unter onarw hergestelltes Oel verkaufen dürfen. Lehrauftrag für jüdische Theologie. Herrn Dr. Nahum Glatzer, hier, ist ein Lehrauftrag an der Frankfurter Universität für jüdische Theologie geworden. <rs handelt sich hier um die Neubesetzung einer Stelle, die bisher Martin Buber inne hatte, dem jetzt eine Honorarprofessur für Religionswissenschaft übertragen worden ist. Dr. Glatzer ist erst 30 Jahre alt, hat in Frankfurt die Breuer'sche und später die Hoffmann'sche Jeschiwo besucht und sich durch Selbstunterricht fortgebildet. Er war am Franz Nosenzweig'schen Jüdischen Lehrhaus tätig und hat im Dezember 1931 mit einer Dissertation über die „Geschichtslehre der Tannaiten" den Doktorgrad erworben. In Gemeinschaft mit Ludwig Straus hat er im vorigen Jahre eine Chrestomatie der jüdischen Literatur unter dem Titel „Sendung und Schicksal" herausgegeben, die auch im „Israelit" besprochen worden ist. Dr. Glatzer wird.über, jüdische Ethik lesen. Limmnd-Amk des Esra. Es ist bisher nicht unsere Art gewesen, die Ergebnisse unserer Arbeit der jüdischen Oeffentlichkeit zu unterbreiten. Das Limmud-Amt hat aber in den vergangenen Jahren so an Bedeutung gewonnen, daß wir es für 4. August 1932 zweckmäßig halten, nunmehr einen Bericht über.unser Wirken an die Oeffentlichkeit gelangen zu lassen. Die folgende Abrechnung für das vergangene Arbeitsjahr ist geeignet, einen Einblick in unsere Tätigkeit zu geben. Abrechnung vom 1. April 1931 bis 30. Juni 1932. E i n n a h m e. n: Saldo per 1. 4. 31 . . . . RM. 210,50 Eingänge a. d. einzelnen Esragruppen RM. 7665,74 RM. 7876,24 Ausgaben: ' Subventionen . . . . RM. 7629,38 Spesen.. RM. 177,24 Bestand am 30. 6. 32 . . RM. 69,62 RM. 7876,24 Wir haben im. vergangenen Rechnungsjahr 40 Bachurim auf deutschen und 8 Bachurim auf ausländischen Jeschiwaus Lernmöglichkeit gegeben. Es waren dies in der Hauptsache Esräer aus den verschiedenen Esmgruppen Deutschlands, aber auch mehrere Nichtesräer erhielten von uns Subventionen. Die Mittel hierzu wurden, wie aus der Abrechnung hervorgeht, von den einzelnen Esragruppen aufgebracht Längere Anleihen, teils von den Esragruppen, vornehmlich aber von Frankfurter Baalebattim, haben es uns bisher ermöglicht, trotz zeitweiliger schlechter Kassenlage unseren Verpflichtungen pünktlich nachzukommen. Wir sind auch für die Zukunft der Ueberzeugung, daß wir trotz schwerer Wirtschaftslage unsere Aufgabe, den Limmud Hathauroh in der Jugend zu fördern, werden erfüllen können. Anschrift des Limmud-Amtes: Rudi Hirsch, Ffm., Sandweg 10. Postscheckkonto: Alfred Lustig, Ffm., Nr. 41148. Bankkonto: Städtische Sparkasse, Ffm., (Postsch.-Nr. 3), Girokonto Nr. 25136, Josef Vogel. Das Jomi-Sijum. Am Donnerstag, den 24. Tamus, abends 8 Uhr, fand in den Agudä-Räumen, Schwanenstrahe 12, unter starker Beteiligung der Sijum auf «av> 'oa statt. Mittelpunkt des Sijums war der von Rabbi H. Holpern meisterhaft ausgeführte Hadran. Die Pausen zwischen der n-iwo nixa wurden mit von Diwre Thora gewürzten Reden ausgefüllt. Es sprachen außer Herrn Herz Holpern noch die Herren Lew in, Judelowitsch und der als Ehrengast erschienene' Hallunger Raw. Erst in später Nachtstunde trennte man sich ungern von dieser rma b& nna». Besuch. Wie uns mitgeteilt wird, kommt der Strikower Rebbe von Nauheim aus am Sonntag Abend 7 Uhr nach Frankfurt und bleibt hier bis Dienstag früh. Er steigt bei Herrn Schwarzblum, Ostendstraße 20, ab. Personalien. Herr Nathan Kiesler, Hanauerlandstraße 130, feiert am 12. August sein 25 jähriges Dienstjubiläum als Kassenbote im Hause Beer, Sondheimer u. Co. Frankfurter Vereinskalender. Verein Mekoe Ehajtin. Schabbos abend eine Stunde vor Nacht Midrasch. Herr Dozent Julius Ehrentreu. Sonntag morgens nach Schul (ebenso Mittwoch), a-m «n, vormittags 9.15 Uhr (ebenso Dienstag 6.30 Uhr) Gemoro. Herr Rabb.-Aff. G. Posen. Samstag morgen nach Schul im Hörsaal: Dinim, Herr Dr. E. Posen — nachmittags % Stunde vor Mincho im Vereinslokal Mikro, Herr Dr. W. Hofmann. — 4 Uhr (ebenso Sonntag 8.30 Uhr vorm.) im Vereinslokal Gemoro. Herr I. Soffer. Montag (auch Donnerstag) nach Schul: Mischna Mitgliederlernen. — abends 7 Uhr (auch Mittwoch) Gemoro Herr Rabbiner Dr. Jos. Breuer. — abends 8.15 Uhr. (auch Donnerstag) Gemoro. Herr Dr. E. Posen Dienstag (auch Freitag) nach Schul: Mischna. Herr Dr. E. Posen. Von Montag bis Freitag morgens nach Schul im Sitzungszimmer Gemoro. Herr Dr. S. Ehrmann. Sonntag, Dienstag und Mittwoch abends 8.15 Uhr, im Vereinslokal Schaßlernen. Herr Herz Holpern. Iahrzeiksstiflungen. Sonntag, 7. August: Siegfried Weil-Stiftung. Montag. 8. August: Rabb. Dr. Salomon Breuer b"xi- Stiftung Mittwoch, 10. August: Salomon Rosenbaum-Stifsung. Gebetzeiten. Freitag abend 7.20 Samstag 6.30 Samstag morg. 7.43 Samstag nachm. 1.00 u. 5.00 Samstag abend 8.55 Wochengottesdienst: Morgens 6.15 Nachmittags 7.15 Tefillin-Legen am Morgen 3.45 Mittwoch nachm. 6.00 — Abends 8.35. Donnerstag morg. 6.10 — Abends 7.15. Fastenbeginn Mittw. abend '7.50. Fastenende Donnerstag abend 8.35

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.