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Der Israelit · 1932-08-04 · Heft 32 (4.8.1932) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 32 (4.8.1932)
Date
1932-08-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 32 Der Israelit 4. August 1932 Zum Schluß erläuterte Sokolow die finanzielle Lage und zeigte an Hand von Ziffern, unter welch schwerem finanziellen Druck die Exekutive stehe. Nach einer Reihe von Nachrufen, die Leo Motzkin den verstorbenen Mitgliedern und Freunden hielt, erstattete Dr. Chajim A r l o s o r o f f das Referat über die politische Lage in Palästina selbst. Sir Arthur Wauchope sei der erste Oberkommissar, der für die Entwicklung des jüdischen Nationalheimes wirkliches Verständnis zeige. Er bekämpfe entschlossen alle antizionistischen Traditionen innerhalb der Beamtenschaft. Ein Fortschritt sei es auch, daß die jetzige Palästinaregierung bloß 249 landlose Araber anerkenne, während man früher mit einer Ziffer von 4000 gearbeitet habe. Für die Zukunft des jüdischen Nationalheimes in Palästina sei die Lösung der transjordanischen Frage, d. h. die Einbeziehung dieses Gebietes in die Sphäre jüdischer Kolonisationstätigkeit von entscheidender Bedeutung. Besondere Aufmerksamkeit müsse der — bisher gar nicht allgemein bekannten — Tatsache zugewendet werden, daß der Großmufti von Jerusalem seine antizionistische Tätigkeit jetzt nicht mehr bloß in Palästina entwickelt, sondern sie durch eine heftige antijüdische Agitation in den benachbarten arabischen Ländern unterstützt. An das Referat Dr. Arlosoroffs schloß sich eine lebhafte Aussprache. Namens der radikalen Zionisten forderte Jizchok Grünbaum, daß die Exekutive den French-Bericht bedingungslos ohne Gutachten zurückweisen und zurückgeben müsse. Am Sonntag wurde die Generaldebatte über die politischen Berichte der Exekutive fortgesetzt. Ueberraschung löste die versöhnliche Haltung des Revisionistenführers Richard L i ch t h e i m aus, der behauptete, die Differenz zwischen Revisionisten und zionistischer Exekutive habe sich in der letzten Zeit verringert. Sokolow trat dem Radikalismus der Aussassung entgegen, daß man den French-Bericht bedingungslos ablehnen müsse. Die Exekutive halte es für unbedingt notwendig, in Verhandlungen über die Einzelheiten des Berichtes einzugehen. Schärfere Töne als Lichtheim schlug der Vizepräsident der Revisionisten, G r o ß m a n n, an. Doch erkannte er die politischen Erfolge Dr. Brodetzkys an. Der Arbeiterführer Ben G u r i o n erklärte, in Palästina sei noch für Millionen von Juden Platz. Er wandte sich sehr scharf gegen die Disziplinlosigkeit der Revisionisten. Für eine Sabbatklausel in den Pachtverträgen des jüdischen Nationalfonds. London, 26. Juli. Das Präsidium des Weltverbandes Schomre Schabbos hat an das Aktionskomitee der Zionistischen Weltorganisation ein Memorandum gerichtet, in dem das Aktionskomitee aufgefordert wird, zu beschließen, daß in die Verträge, die der Jüdische Nationalfonds mit seinen Siedlern abschließt, ein Passus ausgenommen wird, der den Chi llul Schabbos auf dem Boden des Nationalfonds verbietet. Eine ähnliche Anregung hat bereits die Exekutive der Jewish Agency gegeben, und die Forderungen des Misrachi liegen in der gleichen Richtung. Der Weltverband Schomre Schabbos weist in seinem Memorandum daraus hin, daß in einer Zeit, in der die wirtschaftlichen Bedingungen der Sabbatheiligung fast überall in der Welt sich in katastrophaler Weise verschlechtert hätten, Erez Israel fast das einzige Land geblieben sei, in dem die Beobachtung des Sabbat keinen ernsthaften Schwierigkeiten begegne, da doch der Sabbat nicht nur religiöser, sondern auch nationaler Wochenruhetag sei. Um so stärker sei das Verlangen der religiösen Judenheit ohne Unterschied der politischen Stellung, daß dem Sabbat in Erez Israel sein uneingeschränktes Recht werde. Der Sabbat habe Heimatrecht in Erez Israel, und es sei heilige Pflicht all derer, die die Macht dazu hätten, dem Sabbat zu seinem Recht zu verhelfen. Tsryecho-Siowakei. Rabbiner Mordechai Jehudo Winkler Bratislava, 29. Juli. Am 17. Tamus, dem Tage, da dereinst die Gesetzestafeln zerbrachen, ist einer der größten Gaonim unserer Zeit, Rabbi Mordechai Jehudo Winkler, unter dem Namen der Mader Gaon in der ganzen Welt bekannt, im 88. Lebensjahre dahingegangen. Hervorragend durch seine klassische Bedürfnislosigkeit und bescheidene Lebensweise, bewundert wegen seiner weithin glänzenden Gelehrsamkeit — sein mehrbändiges Responsenwerk ->viab 1 Die Woche. Berlin. Der Vertreter des internationalen Nansenamtes in Deutschland, das konsularische Befugnisse gegenüber den staatenlosen russischen Emigranten ausübt, hat sich einen Beirat aus Vertretern der verschiedenen Emigrantenorganisationen zugesellt. Unter den Emigranten befinden sich mindestens 10 000 ehemals russische Juden. Königsberg. Die Nationalsozialisten verloren bei den Wahlen zur Kammer der deutschen Studentenschaft an der hiesigen Universität ein Drittel ihrer Mandate. Es ist dies erfreulicherweise die 12. Niederlage, die die Nationalsozialisten innerhalb eines halben Jahres bei Hochschulwahlen erlitten haben. Paris. Wie Hias mitteilt, ist am 1. Mi in den Vereinigten Staaten das Gesetz in Kraft getreten, daß ausländische Ehegatten, falls sie am 1. Juli 1932 oder später geheiratet haben, in die Vorzugsquote eingereiht werden, also nach Amerika einwandern können, falls der eine Eheteil in Amerika wohnt. Madrid. Der spanische Ministerpräsident erklärte einem Vertreter der ITA., es sei im spanischen Ministerrate niemals erwogen worden, die sefardifchen Juden in Bausch und Bogen zu repatriieren. In Spanien herrsche Religionsfreiheit, und das religiöse Bekenntnis ist für niemand ein Hindernis, sich dort auf eigene Gefahr niederzulassen. Bukarest. Die neue rumänische Regierung will einer systematischen Intensivierung der rumänisch-palästinensischen Handelsbeziehungen näher treten. Warschau. Hier fand eine Landeskonferenz des jüdischen Kulturoerbandes „Schulkult" statt, an der hundert Delegierte und viele Gäste teilnahmen. Der Verband vertritt die jiddischistische antireligiöse Richtung. — Im Dorfe Kraschewitz bei Polen wurden 4 christliche Krämer unter dem Verdachte verhaftet, den Neubau des Geschäftshauses eines jüdischen Konkurrenten durch Dynamitsprengung schwer beschädigt zu haben, so daß er einzustürzen droht. — Die beiden jungen Leute, die vor etwa 6 Wochen einen Uebersall auf eine Gruppe von Rabbinen in der Vorstadt Praga verübt hatten, haben im Gefängnis Selbstmord begangen. Die Verhandlung gegen sie sollte dieser Tage stattsinden. Belgrad. In einem Einzelfall ist durch das Appellationsgericht und auch durch die höchste Instanz, das Kassations-Gericht, festgestellt worden, daß in Jugoslawen die rabbinischen Gerichte kompetent sind, in Ehescheidungsfragen für Angehörige der mosaischen Religion rechtsgültige Urteile zu fällen. Kiew. Laut offiziellem Bericht sind in diesem Jahre aus dem Rayons Kalinindorf bereits über tausend Altsiedler und 500 Neukolonisten auszewandert. Moskau. Die jüdischen Kommunisten, insbesondere der Verband der militanten jüdischen Atheisten „Apikoires" hat feine Propaganda gegen die Beobachtung von Roschhaschono und Jomkippur bereits jetzt begonnen! — Der größte Teil der im Juni ds. Js. aus Amerika nach Biro-Vidschan ausgewanderter Juden hat enttäuscht die Rückreise nach Amerika angetreten. Jaffa. Hier wurde durch den High Commissioner die erste palästinensische Früchteschau eröffnet. Es sind dort 400 Obstarten ausgestellt. Jerusalem. Das Komitee für die Errichtung einer muselmanischen Universität hat beschlossen, eine theologische, eine technische und eine medizinische Fakultät einzurichten. — In Nahalall fand eine Massenversammlung der jüdischen Siedler von Emek Jisreel statt, in der gefordert wurde, daß Zehntausende von Chaluzim nach Palästina zu entsenden seien, um die Aufnahmefähigkeit des Landes für alle Schichten der Judenheit zu erhöhen. — Einundsechzig palästinensische Einwohner, zum größten Teil Kommunisten, die absichtigen, nach Viro-Bidschan auszuwandern. Montreal. Im Hinblick auf das starke Anwachsen des Antisemitismus in Kanada (selbst die Blutbeschuldigung hat in diesem Jahre nicht gefehlt) haben die jüdischen Organisationen ein Komitee zur Bekämpfung der antisemitischen Bewegung gegründet. Rewyork. Der bisherige stellvertretende Gouverneur von Newyork, Colonel Herbert Lehmann, wird an Stelle des gegenwärtigen Gouverneurs, des Präsidentschaftskandidaten Roosevelt, zum Gouverneur von Newyork gewählt werden. Herbert Lehmann spielt im jüdischen Leben eine führende Rolle. »3YV3 ist weltberühmt und legt beredtes Zeugnis ab von. seinem tief eindringenden Geist und seinem überwältigend reichen Wissen —, geschmückt mit der Krone des Alters, stand er in den letzten Jahrzehnten unbestritten an der Spitze der rabbinischen Welt in Ungarn. Rabbiner Mordechai Jehudo Winkler wurde 1844 in einem kleinen Städtchen des Komitats Neutra geboren, war zuerst Kaufmann und wurde, nachdem er verschiedene kleinere Rabbinate bekleidet hatte, vor 33 Jahren Rabbiner von Mad, wo er eine große Jeschiwo führte. Viele Hunderte seiner Schüler wirken als Rabbiner und Gemeindeführer in feinem Geiste. - Die Bestattung fand Freitag Nachmittag unter Teilnahme von vielen Tausenden statt. Den ersten Hesped hielt der Dajan von Mad, Rabbi Chajim Zwi Ehr enreich, der voraussichtlich Nachfolger des Heimgegangenen wird, alsdann sprach besonders eindrucksvoll der Schwiegersohn des Heimgegangenen, Oberrabbiner Dusch i n s k i - H u st, sowie eine große Zahl von Rabbinen der Nachbargemeinden Mit dem Mader Gaon ist wieder einer der wenigen Thoragelehrten großen Stiles dahin gegangen, die sich in unserer zerklüfteten Zeit weltumspannender Autorität erfreut haben. Sein Heimgang bedeutet ein npan m pm .irasan Die orthodoxe Landeskanzlei für Uarpathorußland. Prag, 27. Juli. Auf ein Protesttelegramm, das die Zionisten an das Unterrichtsministerium sandten, soll dieses — wie zionistische Blätter melden — erklärt haben, daß eine staatliche Bestätigung der von der Versammlung in Uzhorod gebildeten Landeskanzlei zunächst nicht erfolgen werde. Man darf aus dieser Erklärung wohl nur das eine schließen, daß die Staatsbehörde zunächst die Legalität der getroffenen Maßnahmen und die Kompetenz der beiden miteinander konkurrierenden Landeskanzleien von Uzhorod und Seiljvus prüfen will. Rutzland. Die Siedlungsarbeit in Biro-Bidschan stockt. Lebensmittelknapphejt und Mangel an Ankerkünfken. — Gerichtliche Untersuchung gegen den regionalen Leiter des Regierungsgetreidetrusis. Moskau, 23. Juli. Die Staatsanwaltschaft des Biro-Biüschan-Gebietes hat eine dringende Untersuchung gegen den Leiter der dortigen Abteilung des staatlichen Getreidetrusts CH. Garon angeordnet. Wie die ITA. gemeldet hat, weigerte sich Garon, in der Stalindorfer Abteilung des Getreidetrusts neueingetroffene jüdische Arbeietr zu beschäftigen. Wegen dieser Weigerung wird er sich auf Grund der strafrechtlichen Bestimmungen vor Gericht zu verantworten haben. Das von der Kommunistischen Partei zur Untersuchung der Gründe für die Lebensmittelknappheit in Biro-Vidschan eingesetzte Komitee hat Mißbräuche bei der Verteilung der Nahrungsmittel festgestellt und die Ergebnisse seiner Untersuchung der Staatsanwaltschaft, die gegen die Schuldigen einschreiten wird, übergeben. Andererseits hat das Vodenkommissariat die Auflassung aller Unterkunfts- und Verpflegestationen im Rayon Chabarowsk angeordnet. Diese Stationen waren zur Sicherung der Lebensmittelzuteilung an jüdische Durchwanderer auf dem Wege nach Biro-Vidschan und zu deren Beherbergung errichtet worden. Ferner wurde der Bau des Chabarowsker Gebäudes für das Agrarinstitut eingestellt. Wie der jiddisch-kommunistischen Zeitung „Emeß" mitgeteilt wird, gefährdet diese Maßnahme die Durchführung des gesamten jüdisch-landwirtschaftlichen Planes. Die jüdischen Führer in Biro-Bidschan haben sich telegraphisch an die Moskauer Zentralstellen mit der Bitte gewandt, die aufgelassenen Verpflegsstationen wieder zu errichten. Seitens der amtlichen jüdischen Kolonisationsorgane in Sowjetrußland wird nunmehr die bereits vor einiger Zeit von der ITA. gemeldete Tatsache, daß die jüngst nach Biro-Bidschan ausgewanderten Gruppen jüdischer Arbeiter aus Deutschland und Argentinien unter allerlei Mißständen zu leiden hatten, bestätigt. Das Mitglied der Leitung von Ozet, Raschkes, hat telegraphisch nach Moskau berichtet, daß die in Biro-Bidschan angekommenen deutschen und argentinischen Arbeitergruppen in einech Zeltlager untergebracht wurden. Erst im Herbst sollen ihnen definitive Unterkunftsräume zugeteilt werden. Im Hinblick auf die Klagen, die diese Gruppen über die ihnen unterwegs widerfahrenden Mißhelligkeiten vorgebracht haben, richtet Raschkes an die Moskauer Behörden die

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