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Der Israelit · 1932-08-04 · Heft 32 (4.8.1932) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 32 (4.8.1932)
Date
1932-08-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Der Israelit Nr. 32 Seite 5 4. August 1932 . ■ Hierbei muß auf eine merkwürdige Erscheinung jm Verhältnisse der erwähnten Letonungsöifferenzen zu den Akzentzeichen, die bekanntlich in trennende und verbindendeb) zerfallen, hingewiesen werden. Da erstere den logischen Abschluß des Satzes anzeigen, letzere den Zusammenhang der einzelnen Worte im Satze angeben, wäre nach unserer Regel vorauszusetzen, daß Attoh mit der Betonung der ersten Silbe stets ein trennendes, mit der der zweiten Silbe stets ein verbindendes Akzentzeichen tragen solle; doch stellt sich heraus, daß vielemale Attoh mit der Betonung der zweiten Gilbe ein trennendes Akzentzeichen besitzt?) Ich lasse hier zur Beleuchtung dieser Merkwürdigkeit eine genau zusammengestellte Tabelle folgen: 162 mal Attoh auf der zweiten Silbe betont mit Verbindungsakzent, 53 mal Attoh auf der ersten Silbe betont mit Trennungsakzent, dagegen 188 mal Attoh auf der zweiten Silbe betont mit Trennungsakzent, 57 mal W'attoh auf der zweiten Silbe betont mit Verbinöungsakzent, 5 mal W'attoh auf der ersten Gilbe betont mit Trennungsakzent, dagegen 109 mal w'attoh auf der zweiten Gilbe - betont mit Trennungsakzent, 6 mal Ha-attoh auf der letzten Gilbe betont mit Verbindungsakzent, dagegen 3 mal Ha-attoh auf der letzten Silbe betont mit Trennungsakzent, und das 1 mal So-attoh auf der letzten Silbe betont mit Trennungsakzent, zeigt auch diese Merkwürdigkeit. Trotz dieser Inkonsequenz in der Akzentuierung bleibt aber unsere Regel unberührt, denn es ist in erster Linie der Sinn der Stelle im Satze, wo das wort vorkommt, zu berücksichtigen, und da ergibt es sich, daß dieser trotz des Trennungsakzentes doch nicht abgeschlossen ist. wir kehren nunmehr zu der Besprechung der Betonung des Wortes Attoh in den eingangs zitierten Sätzen zurück. Das wort Attoh am Beginne des Satzes nr>8 'n ‘rm ist also auf der zweiten Silbe zu betonen, wogegen das Attoh im Satze nn« avia "»na auf der ersten zu betonen ist, da es hier den Sinn des Satzteiles schließt. Denn die Worte y’BnnV an gehören nicht, wie fälschlich angenommen wird, zu Attoh, sondern bilden ein besonderes Attribut G'ttes, analog dem Attribute tpna r,>na, welches syntaktisch allein mit dem Attoh verbunden ist. Ebenso verhält es stch mit den Sätzen 'lai imp qawi imp nnx und qaip «‘lui nn« wnp. Sollte dieser Aufsatz, der aus einen schwerwiegenden, aber gering geachteten verstoß in der Betonungslehre Hinweisen will, die Anregung zu ähnlichen Bestrebungen, die Reinheit in der Aussprache unserer Liturgie herbeizuführen, bieten, wäre ein Herzens-, wünsch des Verfassers erfüllt. Wrrrponaenre» « ßacbricbten. Deutsches Reich. Zentrumspartei und Judentum. Berlin, 1. August. Der Vorsitzende der Berliner Zentrumspartei, Schulrat Kellermann, erklärte in einer Versammlung am Vorabend der Reichstagswahlen, das Zentrum sei keine rein katholische Partei, vielmehr eine religiöse Partei, in der gläubige Juden und Protestanten ebenso Platz finden könnten, wie die gläubigen Katholiken. Ihr ethi- 8) In dem Aussatze über die Akzente in der Encykl. Lud. Bd. II, S. 50 u. ff. ist eine genaue Tabelle der verbindenden und trennenden Akzente angeführt. H Dagegen kommt nirgends in der Bibel ein Fall vor, wo ein auf der ersten Silbe betontes Attoh ein verbindendes Akzentzeichen aufzuweisen hätte. sches Grundgesetz sei der Dekalog des Alten Testaments. Kellermann trat für die konfessionelle Schule ein. Er forderte jüdische Lehrer für jüdische Kinder, katholische Lehrer für katholische Kinder. Die nationalsozialistischen Exzesse in Königsberg. Königsberg, 1. August. Am Wahltage übten die Nationalsozialisten in Königsberg einen blutigen Terror aus. Gegen mehrere Linkspolitiker wurden Attentate verübt. Auch die Wohnung des Syndikus des Centralvereins deutscher Staatsbürger, Kurt S a b a tz k y, wurde angegriffen. Daß das Attentat keinerlei blutige Folgen hatte, ist nur dem glücklichen Umstand zuzuschreiben, daß Herr Sabatzky. nicht in seiner Wohnung anwesend war. In den jüdischen Geschäften Lachmowski und Sommerfeld wurden die Scheiben der Schaufenster eingeschlagen. Der Centralverein schreibt hierzu, daß er sich in seiner Aufklävungspropaganda und in seinem Kampfe gegen die Judenhasser in keiner Weise einschüchtern lassen und seine Arbeit mit verdoppelten Kräften fortsetzen werde. Die Unterstützung in der Wahlzeit, die der Centralverein in allen Teilen und Schichten der Bevölkerung gefunden hat, berechtigen ihn zu der Hoffnung, daß er auch in seinem weiteren notwendigen Kampfe Unterstützung durch Menschen und Mittel finden wird. Aus der Breslauer Gemeindevertretung. Breslau, 1. August. Die Juni-Sitzung der Gemeindevertretung war der Fortsetzung der Etatberatung gewidmet, wobei es sich zumeist um Einsparungen harrdelt. Trotz aller Abstriche bleibt ein Fehlbetrag von 115.000 Mark, vorausgesetzt, daß der Rückgang der Steuereinnahmen 25 Proz. nicht überschreitet. Der Zuschlag zur Reichseinkommensteuer ist, wie bereits gemeldet, auf 16 Proz. erhöht worden, obgleich der Vorstand lebhafte Bedenken gegen diese Erhöhung geltend macht. Man fürchtet den Austritt großer Steuerzahler, wogegen die Mehrheit der Gemeindevertretung auf dem Standpunkt steht, daß man diesen „welken Blättern" am Baume des Judentums keine Träne nachweinen dürfe. Aus dem Verwaltungsbericht ist zu erwähnen, daß den unter Aufsicht stehenden Fleischern vom Gewerbeaussichtsamt die Genehmigung erteilt worden ist, im Sommer nach Sabbatausgang Fleisch- und Wurstwaren an jüdische Kunden, die sich als solche durch eine Bescheinigung des zuständigen Rabbiners ausweifen, abgeben zudürfen. Eine lange Diskussion entspann sich um die Gehaltskürzungen, die sich auf Grund der Notverordnungen bereits auf 22 Proz. belaufen. In der geheimen Sitzung wurde beschlossen, die Gehälter von Mk. 150.— bis Mk. 300.— monatlich, die nach der 3. Notverordnung um 9 Proz. zu senken sind, nur um 6 Proz. zu kürzen. Generalversammlung des jüdischen Lehrervereins für Bayern. M a r k t b r e i t, 26. Juli. Am 17. und 18. Juli hielt der jüdische Lehrerverein für Bayern seine 51. Generalversammlung in Würzburg ab. Trotz der Ungunst der Zeiten war eine stattliche Zahl bayerischer Lehrer erschienen. Der erste Vorsitzende, Rosenfeld (München), erstattete den Geschäftsbericht, aus dem besonders hervorzuheben ist, daß das bayerische Kultusministerium Wünsche und Anträge des Vereins immer wohlwollend prüft und freundlichstes Entgegenkommen zeigt. B e r l i n g e r (München) zeigte in seinem aus begeistertem Herzen kommenden Referate über den hebräischen Unterricht auf der Unterstufe neue Wege und Mittel, mit Hilfe derer das Kind zum hebräischen Sprechen gebracht und in ihm das nötige Sprachgefühl erzeugt werden kann. Der als Abgesandter des Verbandes anwesende Koll. Steinhardt wünschte, daß die gewonnenen Erkenntnisse und die zur Durchführung kommenden Einrichtungen auch den übrigen Vereinen im Reiche dienstbar gemacht werden möchten. Um den Rückgang der Spenden auszugleichen und die Unterstützungsquote an Witwen und ruhegehaltlich schlecht gestellte Lehrer kn gleicher Höhe wie bisher zu sichern, wurde beschlossen, den für heutige Verhältnisse sehr hohen Beitrag von 26 Mk. auch für das Jahr 1933 zu belassen. Dauerwellen und Haararbeiten ist Vertrauenssache! I EUGEN OCHS Spezialist dafür Moselstr. 16 - Telef. 31591 Unverbindlicher Besuch erbeten Der von Seminarlehrer Bamberger für die bestehenden Bezirkskonferenzen vorgelegte Arbeitsplan, der eine allseitige Durcharbeitung der Psalmen vorsieht, wurde angenommen. Holland. Siebzigster Geburtstag des Gberrabbiners von Amsterdam. Amsterdam, 26. Juli. Dieser Tage beging der Oberrabbiner von Amsterdam, A. S. Onderwyzer, seinen 70. Geburtstag. Oberrabbiner Onderwyzer wurde in Muiden bei Amsterdam geboren, schon im Alter von 26 Jahren zum Oberrabbiner der aschkenasischen Gemeinde in Amsterdam bestellt und 1919 als Nachfolger von Rabbiner Dünner b"5», zum Oberrabbiner von Amsterdam gewähtt. Oberrabbiner Onderwyzer gehört zu den hervorragendsten und sympathischsten Erscheinungen der holländischen rabbinischen Welt und hat sich durch sein bedeutendes Wissen, seine Beredsamkeit, vor allem aber durch seine aufrichtige religiöse Hingabe an alle wahrhaft orthodoxen Bestrebungen einen großen Kreis von Verehrern geschaffen. Oberrabbiner Onderwyzer war vom ersten Tag an ein überzeugter Anhänger und Förderer der Agudo-Vewegung und hat bei zahlreichen Tagungen der leitenden Körperschaften dieser Organisation eine zentrale Rolle gespielt. Oberrabbiner Onderwyzer hat auf wissenschaftlichem Gebiete sich durch die Herausgabe einer holländischen Uebersetzung des Pentateuch mit Rafchi ausgezeichnet Zu seinen Schöpfungen gehört die Bezalel-Organisation in Amsterdam, die sich die Sorge um die Interessen der jüdischen Handwerker und Handlungsgehilfen zur Aufgabe macht. Vor 4 Jahren war Oberrabbiner Onderwyzer anläßlich seines 40 jährigen Diensijubiläums Gegenstand großer Ehrungen seitens der holländischen Judenheit. Seinem damals geäußerten Wunsche entsprecherrd wurde von der Veranstaltung von Festlichkeiten anläßlich seines 70. Geburtstages abgesehen. England. Tagung des zionistischen Aktionskomitees. London, 28. Juli. Die Tagung des Aktionskomitees wurde vorgestern unter Vorsitz von Dr. Leo M o tz k i n eröffnet. Dr. Vrodetzky erstattete das politische Referat, das die Veränderungen in der Leitung der Palästina-Politik infolge des Regierungswechsels, die Bodenprobleine, die Fragen der Sicherheit und die Einwanderungsfrage behandelte. Vrodetzky erklärte offen, daß trotz des Rücktritts von Weizmann die politischen Richtlinien der Exekutive auch heute die gleichen seien, wie öiejeyigen, die Weizmann von jeher vertreten und befolgt habe. Der French-Bericht befindet sich zur Zeit in Beratung und die Einwendungen der Exekutive würden auf Grund genauer Vorschläge, die auch dem politischen Komitee vorgelegt werden sollten, formuliert werden. Es bestehe weder Grund zu übertriebenem Pessimismus, noch zu einer besonders optimistischen Beurteilung der Lage. Nachum S o k o l o w erstattete in hebräischer Sprache den Bericht der Exekutive. Er ließ einleitend den Ehrgeiz erkennen, die zionistische Leitung zur Führerin des ganzen jüdischen Volkes in der schweren Krise, in der es sich befinde, zu machen. Seine Reife nach Amerika habe ihm gezeigt, daß der Drang, den Brüdern in Europa zu helfen, dort infolge der Veränderung der wirtschaftlichen Verhältnisse nicht mehr in früherer Stärke vorhanden sei. Auf der anderen Seite sei aber das Interesse für Palästina gewachsen. Der praktische Erfolg der Kampagne wäre größer gewesen, wenn Marshall noch gelebt hätte.

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