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Der Israelit · 1932-07-28 · Heft 31 (28.7.1932) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 31 (28.7.1932)
Date
1932-07-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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28. Juli 1932 Nr. 31 Seite 3 Der Israel r 1 Wochenrundschau. Der Tag der Entscheidung in Deutschland. Am nächsten Sonntag sollen Deutschlands Bürger die Entscheidung darüber fällen, ob für die nächste Zukunft ein ideenloser blinder Wille zur Wacht der beherrschende Faktor im deutschen Gtaatsleben sein, oder ob auf den Grundlagen einer aus echtem deutschen Kulturgefühl geborenen Verfassung Recht und Sittlichkeit — allen Gewalten einer sinnbetäubenden politisch-wirtschaftlichen Krisis zum Trotz — die Führung behalten sollen. Das ist wahrlich eine Alternative, vor der das Herz des deutschen Juden erzittern mag — als Deutscher wie als Jude. Der uns durch Prophetenmund in der schwersten Zeit unsrer nationalen Katastrophe vor zweieinhalb Jahrtausenden verkündete G'tteswille weist uns den weg: m iizm — das Gesamt wohl des deutschen Volkes ist das Ziel, das uns vorzuschweben hat, wenn wir am Sonntag an die Urne treten, und dieses Wohl kann auf die Dauer nur auf Recht und Sittlichkeit, nicht auf den blinden Wachtwillen gegründet sein. Daß der Hinblick auf unsre Rechtsstellung als Juden innerhalb der deutschen Volksgemeinschaft nach genau der gleichen Richtung weift, ist kein Zufall. Die Haltung eines Volkes oder einer Partei zur Iudenfrage ist nun einmal seit dem Augenblicke, da uns G'ttes liebende Gerechtigkeit ins Golus der Rationen hinaussanöte, zugleich der untrügliche Waßftab dafür, bis zu welchem Grade die Rächt des blinden, Sündenböcke suchenden, in Haßgefühlen schwelgenden Egoismus vor der Worgenröte der sittlichen Vernunft bereits aewichen ist. Unser Schicksal als kleine, ganz auf das Rechtsgefühl der Wehrheit angewiesene religiöse Gemeinschaft, steht in G'ttes Hand, dessen Zeugen an die Wenschheit wir sind und bleiben. Tun wir alle ohne Ausnahme unsre Pflicht mit dem Stimmzettel Ln der Hand, unsre Pflicht an uns selber, unsre Pflicht an unsrer deutschen Heimat. Zur Schulsrage in Erez Iisroel. von einem Witarbeiter, der in der letzten Zeit für das Lrez Iisroel-Schulwerk der Palästina-Zentrale der Aguöas Zisroel vielfach werbend tätig war, erhalten wir nachfolgende Zuschrift: die veranlassende Kraft. Und G'tt gibt nicht das Wasser | in den Felsen, weil das Volk murrt und nach Wasser schreit, sondern G'tt spendet das Wasser, weil es längst im Felsen war und die Wolkensäule vorbedacht diesen Lagerplatz gewählt hat. Keine Wünschelrute kann Wasser da hervorbringen, wo kein Wasser ist. Nicht der Stab verwandelt bitteres Wasser in süßes, sondern nur das G'tteswort, und nicht der Stab bringt jetzt Wasser, sondern nur das G'tteswort, dessen Träger wir sind. All dies ist in Wirklichkeit schon in den Worten ddV s’sia atn y^on-jan n’inn xi isvv enthalten, doch ist es nur für den verständlich, der nach der Regel p vnv nnx ixV *i*ma zu denken versteht. Die wilde Horde jedoch, bnp, begreift dgl. nur, wenn man es klar ausführt. Das „nicht wir" war gesagt. Daraus ergibt sich von selbst das „sondern". Dies „sondern" blieb unausgesprochen. Dies „sondern", die G'ttesheiligung, war aber die Hauptsache. — In diesem Sinne läßt sich verstehen, daß es sich hier um nichts Geringeres handelte, als die außerordentlich günstige Gelegenheit — verpaßt zu haben, G'tt vor den Augen der i>xav' »an zu heiligen. Wenn auch ^x-r ' na nna 'nvapai zu bedeuten hat ama nts-n m vnpb und dies nach n-s v>-nmo und jrfe in ganz bestimmtem Sinne zu verstehen ist, so gilt bei einem pnxi nwa doch iznpx nnpa, Es wird uns damit die Folge der Unterlassung eher begreiflich. Menschen gebührt es nicht, die Berechtigung einer g'ttlichen Strafe messen zu wollen. Mögen andere Religionen in ihren Propheten oder Großen Halbgötter oder Engel ohne Fehl sehen: unsere Großen bleiben Menschen, die Schwächen haben können, die aber die Schwächen überwinden und sich zur höchsten Stufe moralischer Größe hinaufarbeiten. Von demselben nva, von dem es im Moment einer Schwäche heißen mußte 'a amaxn xi> p» bezeugt G'tt selbst xin Taxa wa ioa. Es ist ja unser -nvaa i>x-ir>a my x’ai av xi>i ,ivai rwn IBHnnDHHnBHBBHnBHHEMBBBHni Die einzelnen Gruppen der heutigen gesetzestreuen Judenheit sind darin einig, daß wir von der Neubesiedlung des Landes Israel uns nicht fernhalten dürfen. Bittet man aber einen wohlmeinenden deutschen Agudisten um kräftigere Mithilfe, so erhält man — erfahrungsgemäß — die Gegenfrage als Antwort: Wie steht es mit dem px *jtt oy v-no-Problem in dem agudistischen Palästina-Schulwerk? , Diese Frage ist vom Standpunkt des treuen deutschen Agudisten aus ebenso wahlberechtigt, wie es die vielleicht entgegengesetzt lautende Frage treuer Agudisten aus anderen Ländern ist. Wir müssen jedoch einsehen und die Einsicht propagieren, daß dies eine wenn auch berechtigte, so doch nur uns angehende Frage ist. Gewiß wird mit der Zeit auch in Erez Jisroel die Notwendigkeit eines Ausgleichs zwischen weltlichem und thorakundlichem Schul- Das Fehlen des „Nun" ln Aschre. Von Rabbiner Dr. Kaatz in Hiridenburg O. S. Es gibt neun Psalmen, bei denen das Alphabet berücksichtigt ist und zwar: Ps. 9 und 10, wo allerdings die alphabetische Ordnung nur teilweise durchgesührt ist. Ps. 25 mit einigen Auslassungen. Aehnlich Ps. 34. In Ps. 37 wird die alphabetische Reihe genauer angewandt, wenn auch nicht ganz gleichmäßig. Bei den Psalmen 111 und 112 kommt je ein Satzteil auf jeden Buchstaben. In Ps. 119 werden jedem Buchstaben 8 Verse gewidmet. Der letzte der alphabetischen Psalmen ist der schon im Talmud (Ber. 4b) wegen der aus anderen Psalmen zu Gebetszwecken vorangestellten Verse -"wx genannte Psalm 145. Er umfaßt 21 Buchstaben des Alphabets. Der Buchstabe Nun hat keinen Vers. Das Auslassen dieses Buchstabens hat die Forscher vielfach beschäftigt. Nach der Ansicht neuerer Erklärer ist der Grund hierfür der, daß drei Strophen zu je 7 Versen beabsichtigt seien, so daß nur 21 Verse heraüskamen. Aber diese Erklärung befriedigt schon deshalb nicht, weil es kaum zutrifft, daß gerade jeweilig 7 Verse eine zusammenhängende Gedankengruppe bilden. Die alte griechische und lateinische Bibelübersetzung, die Septuaginta und die Vulgata, weist, wie schon der Viur der Mendelssohnschen Schule bemerkt, einen Satz mit Nun auf. Dem Biur ist hierbei ein Irrtum unterlaufen, denn er gibt an, der Satz der Septuaginta laute in hebräischer Uebersetzung: in r^xi» ivn aaittn x urnaa pxa, während er in Wirklichkeit lautet: i'vya i»aa vnpi vaan tzaa x jnxv Es erhellt ohne weiteres, daß dies ein willkürliches Einschiebsel ist, das dem V. 17 nachgebildet wurde, eine Willkür, die sich in der Septuaginta häufig findet. betrieb sich Herausstellen und wird dann dortselbst ebenso eingesehen werden wie vor drei Menschenaltern bei uns? Wenn zur Zeit die gar nicht wissensfeindlichen Thoralehrer des hl. Landes dem Schuldetrieb noöj alles Profane fernhalten zu können meinen, so sollten wir wenigstens versuchen, hierfür Verständnis zu erlangen und uns in ihre von unseren Problemen nicht beschwerte, reine Seele hineindenken. Nur allmählich wird es uns durch intensive Mitarbeit an ihrem Schulwerk, durch Geld, aber auch durch Enssendung würdiger Lehrkräfte gelingen, das Mißtrauen zu zerstören, das allem europäischen Gehaben gegenüber ihnen durch das Auftreten früherer Kulturbringer aufgenötigt wurde. Aber wie sollen wir die großen Unternehmungen wagen können, wenn nicht erst einmal wir mit unseren Gaben und, soweit geeignet, mit unserer Person I Die Frage, warum das Nun fehle, hat auch den Talmud beschäftigt. Er gibt als Grund an (Ber. 45), daß mit diesem Buchstaben ein Satz vom Falle Israels beginnt, denn es heißt: rrt-aa „Gefallen ist, nick'! steht ferner auf die Jungfrau Israel." (Arnos 5, 2) ... Aber David habe sie im heiligen Geist gestützt, denn es heißt (Ps. 143, 14) „Es stützt der Herr alle Fallenden." (Vgl. die Psalmenkommentare von Raschi und S. R. Hirsch.) Diese Erklärung des Talmuds kann meines Erachtens nicht als bloßer Drasch angesehen werden, sondern vermag uns den Weg zu einer schlichten Antwort auf die Frage nach dem Fehlen des Nun-Verfes zu zeigen: Der Sänger des Psalms hat in dem Satze m iaia a^onn bzb beibe Buchstaben, sowohl Bameä) als auch Nun, vereint und zwar Samech in iaia und Nun in a^snn* Nach der Andeutung des Talmuds haben wir uns den Sachverhalt etwa folgendermaßen vorzustellen: Der Satz hätte ohne wesentliche Sinnveränderung auch lauten können: 'n tnftna „Fallende stützt der Herr", und er hätte dann sowohl Nun als auch Samech in alphabetischer Reihenfolge enthalten. Aber der Sänger hat es vermieden, den Satz mit dem ominösen Wort zu beginnen und es vorgezogen, dem Wesen der ganzen Hymne entsprechend, das tröstende Wort iaio an den Anfang zu stellen, obwohl dadurch die Reihenfolge des Alphabets verändert wurde. Dies ist m. E. der Kerngedanke der talmudischen Erklärung, die in der Form eines Drasch eine schlichte Antwort auf die Frage nach dem Fehlen eines mit Nun beginnenden Verses gibt. Daß bei den Worten Fallen und Stützen hier in erster Reihe der Gesamtheit Israels gedacht wird, liegt im Wesen des talmudischen Geistes und entspricht, zumal in diesen drei Wochen der Trauer um Zion und Jerusalem, dem Empfinden der jüdischen Seelen. In diesem Zusammenhang sei, obwohl nicht unmittelbar zum Thema gehörend, noch auf folgendes hinge-

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