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Der Israelit · 1932-07-28 · Heft 31 (28.7.1932) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 31 (28.7.1932)
Date
1932-07-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 31 Der Israelit 28. Juli 1932 rungswahrheit des Judentums wissenschaftlich erschlossen und in ihrer Originalität gesichert werden. Davon ist bei Schöps keine Rede. Cr scheint ausschließlich das Bibelwort zu kennen und arbeitet damit nach der Rlethoöe der evangelischen Theologen und, was noch schlimmer ist, auch nach der Methode der ersten Reformer-Generation ä la Creizenach und Konsorten, die ihrem assimilatorischen Reformeifer und ihrer Talmud- und Traditionsfeindschaft das Mäntelchen „offenbarungsgläubiger" Bibel-Cxegese umhängten. Dicht daß Schöps selber talmud- und traditionsfeindlich wäre! Beileibe nicht. Ihm ist nur, weil er offensichtlich nie an die Quellen des Judentums geführt wurde, der schlechterdings unlösbareZufam menhang von f christlicher und mündlicher Lehre niemals aufgegangen. Cr muß darum seine blutleeren, ins Israelitische übersetzten evangelischen „Heilswahrheiten", statt sie auf die Fülle der lebendigen jüdischen Gffenbarungsliteratur zu stützen, an die Zwirnsfäden einer dünnen philosophischen Bibelexegese hängen, und er kann deshalb auch nicht den Mut finden, der Bibelkritik gegenüber an der, wie bereits erwähnt, gerade von seinem prinzipiellen Standpunkt eigentlich geforderten Verbalinspiration festzuhalten. Denn die Vecbalinspiration — wenn sie nicht bloßes Dogma bleiben, sondern als religiöse Gewißheit empfunden werden soll — ist nur aus der Einheit des schriftlichen Mortes mit dem vollen „dtib", mit der ganzen Fülle der in den Buchstaben des Schriftwortes verankerten halächischen, agadischen und esoterischen mündlichen Lehre zu verstehen und dann, aber auch nur dann wissenschaftlich aus ihren eigenen Voraussetzungen heraus zu vertreten. Daß aber ohne Verbalinspiration und ohne die Gewißheit von der Authentie der überlieferten Texte das ganze theologische Gebäude des Verfassers jedes Fundamentes ermangelt, zeigt der salto-mortale ins Mystische, mit dem er dieses Gebäude trotz seiner kleinmütigen Konzessionen an die Bibelkritik retten will. In die „Verderbtheit und V e rschleiertheit der biblischen Texte" soll „G'ttes Mort eingegangen sein", und in den überlieferten „Menschenworten" soll ein „Abglanz von jenem sein, den eben keine grammatischhistorische Methode isolieren kann, sondern nur der Glaube". An die Stelle einer auf nationales vertrauen gegründeten und in einem System sich gegenseitig stützender Gedanken verankerten Glaubensfunktion tritt also ein ganz neu erfundener mystischer Subjektiv is mus mit dem unhaltbaren Anspruch, allgemein rezipiert zu werden. Das führt zu dem zweiten Moment, das dem an sich anerkennenswerten, mutigen versuch des Verfassers, die jüdische „Glaubenslehre gegenüber wesensfremden Anschauungen zu behaupten", die Lebensnähe und den Mirklichkeitscharakter raubt: das fast völlige Hinwegsehen über die grundlegende dogmatische Rolle, die der Gedanke des Volkstums in der jüdischen Lehre spielt. Mir betonen ausdrücklich: die ö o g m a t i s ch e Rolle, nicht etwa bloß die historische. Cs ist vollkommen berechtigt, daß jemand über den Lärm, den der Rationalismus heute in der ganzen Melt und erst recht in der jüdischen Gasse veranstaltet, mit dem überlegenen Cwigkeitsbewußtsein des religiösen Denkers hinwegschreitet und sich auf das weit wichtigere Anliegen konzentriert, die Wahrheiten der sinaitischen Offenbarung dem modernen Bewußtsein zu erschließen. Und diese — wenn man es so nennen will — Einseitigkeit des Verfassers ist gewiß bei weitem sympathischer und letzten Endes wahrhaftiger, als die übliche umgekehrte Tendenz zionistischer Feiertagsleitartikler, den religiösen Gehalt des jüdischen Lebens in einen billigen Cnthusiasmus für gute Crnten im alten Palästina und sonstige konkret-nationale Interessen auszulösen. Allein es geht auf der anderen Seite wahrlich nicht an, den ganzen Gedanken des G'ttkönigt u m s , der zu den nachweislich grundlegenden Zügen der jüdischen Glaubenslehre gehört, und der doch wiederum den Aufbau des ganzen g'ttgewolltcn Gefchichtsprozesses auf das Wechselspiel der Volksindividualitäten zur Voraussetzung hat, mit Schöps einfach zu ignorieren, wenn man eine systematische Theologie des Judentums schaffen will. Freilich hat Rabbenu Sandia Gaon recht, wenn er den Inbegriff des nationalen Seins des jüdischen Volkes ausschließlich in seine Eigenschaft als Träger der Offenbarung setzt; aber das ändert nichts an der vom Schöps vollkommen weggedeuteten Tatsache, daß eben die Form dieser Trägerschaft die Form des Volkstums ist und sein muß, weil sich ja die ganze Weltgeschichte nach jüdischer Konzeption in der Form des nationalen Wettkampfes abrollt, um in die mefsianifche Sammlung der Nationen um den König der ganzen Cröe als irdisches Ziel alles Geschehens einzumünden. Auch an diesem Punkte rächt sich die einseitig christlich-theologische und frühreformerische Schulung des Verfassers, der überall nur übervolkliche Kirchen und geschichtslose Dogmatik sieht und dadurch tragischer Meise der jüdischen Dogmatik selber eines ihrer wichtigsten Fundamente entzieht. Das ist aber noch nicht das Tragischste. In den Mittelpunkt seiner systematischen Theologie stellt Schöps den Begriff der G'ttesfurcht, und er weiß auch etwas von einem nicht nur offenbarenden, sondern fordernden Morte G'ttes, worunter nach dem Totalzusammenhang seiner Ausführungen nur das Gesetz, die aus der Offenbarung ja nun einmal nicht wegzueskamotierenden Ta r jag R! iz -- wos, verstanden fein können. Aber dieses Gesetz erscheint in dem Grundriß dieser systematischen Theologie wie ein spukhaft hie und da auftauchendes Gespenst, ohne begrifflichen Zusammenhang rückwärts und vorwärts, ohne begriffliche Auswirkung, als ein lästiger Gast aus fremden Landen, den man'Zwar nicht ganz aussperren kann, dem aber keinerlei Lebensspielraum gewährt wird. Das ist aber nicht nur ein unjüöischer, sondern aus dem Boden der vom Verfasser selbst anerkannten Voraussetzungen ein gänzlich unwissenschaftliches Verfahren, wollte der Verfasser seine Aufgabe ernst nehmen — daß sie ihm subjektiv ernst ist, soll gewiß nicht bezweifelt werden —, so hätte er den Gesamtbestand des die Fülle der Crscheinungswelt voraussetzenden, ergreifenden, umprägenden Gesetzes als das entscheidende charakteristische Merkmal der stnaitischen Offenbarung seinen dogmatischen Gedanken zu Grunde legen, nicht aber darüber hinweg in den luftleeren Raum hineinphilosophieren dürfen, hätte er der dogmatischen Frage, warum das „fordernde Mort G'ttes" die Form des Rechtes annimmt, einen Hauptteil seiner Untersuchungen widmen müssen. Man kann doch nicht, und zwar ausgesprochenermaßen aus einer historischen Quelle heraus, konstatieren, daß es ein „forderndes Wort G'ttes" gibt und nachher mit geschlossenen Augen an Form und Inhalt dieses fordernden Mortes vorübergehen! Dem Verfasser ist das Wesen des Gesetzes, ist dessen Durchleuchtung durch die philosophische Gedankenarbeit von Jahrtausenden und sind die Auswirkungen dieses Gesetzes über die ganze Breite des jüdischen Denkens und Seins ein Buch mit sieben Siegeln verblieben. Auch hier haben eben — weil aller guten Dinge drei sind — die gesetzesfeindliche evangelische Theologie und die assimilatorische jüdische Reform gemeinsam Pate gestanden und in der Seele eines zweifellos begabten und wahrheitsdurstigen Mannes, der die Cierschalen des Liberalismus abstreifen möchte, wahrheitskeime zerstört, die bei ungehinderter Lntfaltung geradeswegs in die Nähe der geschichtlichen Thora - Erkenntnis hätten führen können. Blickt man auf die beiden Büchlein zurück, die hier aus verschiedenen Lagern den versuch unternehmen, die oft recht unbequeme überlieferte Wahrheit mehr oder minder gewaltsam entweder dem System eines unsterblichen nichtjüöischen Denkers oder aber dem Geist und der Methode der evangelischen Theologie anzupassen, so'zeigt sich in beiden Fällen, daß das Ergebnis nicht nur einseitig konstruierte und daher unwahre Zipfel-Iudentümer sind, sondern daß mit solchen Konstruktionen auch eine geistige Verarmung eintritt im Vergleich zu dem unausschöpfbaren synthetischen Reichtum, der aus der ewig sprudelnden originalen Volksüberlieferung des Judentums in die Geister und Herzen aller Generationen strömt. •(20, 12 121V3) Versuch einer Deutung. Von Dr. M. Ascher in Ber-les-Bains. (Schluß.) In lauter Gier seid ihr hier um den Felsen versammelt, der euch sein Wasser geben soll. Eigentlich müßte ich -warten, bis ihr in Ordnung aufgestellt seid mit den Aeltesten an der Spitze. Ihr seid ja nur wie eine wilde Horde (nbpbp bv vivch. Würde nicht schon das Wasser im Felsen sein, wahrlich G'tt würde euch gar nicht zu trinken geben. Nachdem ihr jedoch nun einmal noch aus solch niederer Stufe steht und das Wasser doch schon da ist, will G'tt es euch nicht entziehen, wie ihr es eigentlich wegen eurer Kleingläubigkeit und Widerspenstigkeit verdient hättet. Allein glaubt ihr denn wirklich, wenn ihr nun gleich Wasser sehen werdet, nm srton-pn!?ll'v 03^ X’XU daß wir, pnxi n«?n, euch Wasser aus dem Felsen heroorsprudeln lassen können?! Wer sind denn wir?! Wir sind ja nur Werkzeug. Alle diese Gedanken und zwanzig mehr mögen in dem a>a oa*> K’su nrn yVon^an verborgen sein. Der große Meister, der es fertig bringt, mit fünf Wörtlein das herrliche Gebet nb xi «an xi 'x zu verfassen, will dem fmn sbon b& durch tiefdurchdachte Kürze gerecht werden. Es ist aber etwas anderes, ob man mit G'tt spricht oder zum i-xiv' bnp. Hier war aanins gegeben. Hier genügte es nicht, daß das Volk zufrieden gestellt fei und Mofcheh und Ahron wieder in ihrer Würde gelten. Man würde sonst Gefahr laufen, daß bei nächster Gelegenheit das Volk in seiner Kleingläubigkeit wieder murre, wie es ja auch tatsächlich geschah. Hier galt es vor allem dem Volke G'ttoertrauen anzuerziehen und ein für allemal ihnen die Augen zu öffnen, dem Volk die Größe G'ttes zu zeigen, das Volk zur Höhe zu erziehen. Wenn der praktische Effekt da ist, daß das dürstende Volk jetzt sein Wasser hat, so sind damit nnxi rwn zu Helden gestempelt und haben durch ihren Akt das Vertrauen des Volkes wieder gewonnen. Dies konnte aber hier nur Nebenzweck fein, Hauptzweck hätte der moralische Effekt sein sollen, das Volk zum G'ttoertrauen zu erziehen. Mosche und Ahron haben wohl zu dem Volke geredet wie geboten war:y^on ^x an°Qii, und auch das Schlagen auf den Felsen war sicher nicht als Sünde zu begreifen, denn wenn geboten war nvvn ax np, so durfte mit Recht als Zweck das Schlagen vermutet werden, nachdem es ja auch schon früher hieß nsn bs mani und wenn nach dem einmaligen Schlagen nur Tropfen kamen, wie einige der Weisen meinen, so mußte nva mit Recht erwarten, daß nach dem doppelten Schlagen sich die Quelle besser erschließe, was denn auch erfolgte. Verlleicht aber kamen nach dem ersten Schlagen Tropfen, nur um Mosche in letzter Stunde darauf aufmerksam zu machen, daß es mit dem Schlagen allein nicht getan fei, sondern hier das Wesentliche sei yi>on J>x onw wegen des Wunders am Felsen das Volk aufzuklären und ihm wieder G'ttvertrauen einzuflößen und dadurch G'tt zu heiligen. — „Können w i r euch wohl aus diesem Felsen Wasser hervorbringen", war ein prächtiger Beginn der ivia-Rede, aber nw nva hätte seine Rede fortsetzen müssen. Als Fortsetzung denken wir uns etwa: ihr sollt wissen, liebe Brüder, daß nicht wir euch führen, sondern G'tt euch führt. Wenn die Wolkensäule dieesn Lagerplatz wählte, so könnt ihr ganz sicher sein, daß hier auch Wasser in Fülle ist, um unseren Durst und den unserer Tiere zu stillen. Noch wissen auch wir nicht genau die Stelle, wo das Wasser hervorquellen wird. G'tt hat uns aber in Seiner Gnade für würdig befunden. Sein Werkzeug zu sein. Den G'ttesstab sollen wir nehmen. Nun werdet ihr gleich Wasser hervorquellen sehen. Es geht dabei ganz natürlich zu. Ist es vielleicht weniger Wunder, wenn es kein Wunder ist?! Das Wasser ist längst in dem Felsen vorhanden, und G'tt hat uns absichtlich hierhergeführt. Ihr aber werdet gleich ungeduldig und murret, wenn ihr ohne Wasser seid. Haben denn wir euch hierhergebracht, hat nicht G'tt , absichtlich diesen Lagerplatz gewählt?! Solltet ihr nicht darüber Nachdenken, daß ihr ja solange mna lebte, Wasser hattet?! War dies nicht wegen a'aa's nisr? Suchet doch auch ihr Verdienst zu erwerben, von Stufe zu Stufe aufzusteigen, heget doch endlich Vertrauen zu G'tt, der alles zum Guten lenken wird. Es bedarf da nicht besonderer Wunder. Wenn die Sonne scheint, ist das nicht auch ein Wunder; wenn ihr der Kuh Grün zu fressen gebet, und dies Futter sich in Milch verwandelt, ist das etwa nicht auch ein Wunder?! Wenn ihr wollt, ist alles Wunder. Es handelt sich hier aber um gar nichts Besonderes. Ihr habt nur Vertrauen in G'tt zu haben, der uns alle speist, der uns am sechsten Tag Manna gibt für den siebenten mit. So war es, und so wird es ewig sein. — Der G'ttesstab, der Felsen, ja wir Moscheh und Ahron sind weiter nichts als Werkzeug in G'ttes Hand. Wenn der Stab ausschlägt um anzuzeigen, daß hier Wasser ist und sich dann in Fülle Wasser bietet, so hütet euch, Brüder, zu glauben, daß hier Menschenkraft etwas veranlaßt: wir sind nur die Bolst strecker des g'ttlichen Willens. Nicht wir können Wasser^ aus diesem Felsen hervorbringen, sondern G'tt allein ist v

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