Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 31 (28.7.1932)
- Date
- 1932-07-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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£9. JUL 32 28. Juli 1932 Nr. 31 Frankftrrt a: M., den 24. Tammus 5692 Oer Israeli IH]| Ein Centralorgan fQr das orthodoxe Judentum fßöI I a mm Searilnbßf Dfln ©r. Ir» 1« 1 a n Begründet von Dr. Lehmann In Mainz. Abonnement ab Juli 1929: Deutschland 1.30 Mark monatlich; Ausland: Btorteljahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 8.—; Amerika.! Dollar; England 4 sh.; ab 1 Juli Frankreich23 Fr.; Belgien ab 1.7.27. BelgaS. Holland 2fl.; Italien ab 1.1.28.18Lire; Iugo» slavien 33 Din.; Litauen 7.50 Sit.; Rumänien ab 1. 7. 27. 150 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 5 Fr.; Tfchecho-Slowakei 25 Kronen; Ungarn Pengo 8 ab 1'. Juli 1927; Dänemark 3.80 Krön.; Norwegen 3.50 Krön.; Schweden 3.50 Krön. Einzelnummer vierzig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 60 Eolvps. für die stebengesp altene Nonpareille-Zeile.' Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 40 Pf. Die 75 mm breite Reklamezette: letzte Textsette 2.— Mk.» vorletzte Textseite 2.50 Mk.; Thiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Jnferataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit ®. nt. o. H.» Frankfurt a. M , Rechnetgrabenstratze 7, Tel. Hansa 21084 so«, durch sämtl. Annaneen-Exped. d. In- und Auslands. Alleinige Inseratenann. für Franks. Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Ostendstratze 83 Tel. 46888. Platzoorschr. ohne Verbindltchk. aahlungen direkt.an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 19842. — Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr.79805. — Postsparkafsenant Budapest Nr. 18424.—Postscheckkonto Warschau Nr. 190757. — Postscheckamt Zürich Nr. V1U7254. — Postscheckamt Amsterdam Nr. 24869 — Postscheckamt Prag Nr. 79.060 — Rumänische Kreditbank Bukarest und ihre sämtl. Filialen Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten sich ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit“ für den Monat August Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag desIsraelitG.m.b.H., Frankfurt a.M« «an« BBKiiB konstruierte Zudentümer. ' (Schluß.) II. von einer ganz anderen Seite und teilweise von entgegengesetzten Voraussetzungen sucht ein anderer, offenbar ebenfalls jugendlicher Autor in das innerste Wesen jüdischer Lehre einzudringen, dessen Schrift uns nicht mehr und nicht weniger verheißt als die Grundlegung einer „systematischen Theologie des Judentums".*) Der Gegensatz zu Chrenfeld liegt darin, das; Schöps — auf dem geistvollen, heute zu Unrecht fast vergessenen Gedankenbau S a l o m o n Ludwig Stein hei ms (1840) fußend —, die Mendelssohn'sche Theorie von dem Vernunftcharakter der offenbarten Lehren des Judentums, die Chrenfeld retten möchte, aufs schärfste verwirft und das Kriterium der Offenbarungswahrheit im Gegenteil gerade darin findet, daß sie auf dem Wege logischen Denkens und autonomer Vernunfttätigkeit nicht ermittelt werden kann. Stein- Heim hat in seinem großen vierbändigen werke über die „Offenbarung nach dem Lehrbegriff der Synagoge", von der kantischen Kritik der reinen Vernunft ausgehend, unter Aufgebot bewunderungswürdigen Scharfsinnes ein Denkverfahces herausgemeißelt, das es der Vernunft gestatten soll, an jedem in Wort gefaßten Begriff zu diagnostizieren, ob er ein Geschöpf menschlicher Begriffskonstruktion ist, also *) Jüdischer Glaube in dieser Zeit. Prolegomena zur Grundlegung einer systematischen Theologie des Judentums. Von Ha»s Joachim Schöps. Berlin 1932. PH ilo-Verla g G.m.b.H. keiner denkunabhängigen, transsubjektiven Wirklichkeit entspricht, oder ob er die Wesenheit einer realen Existenz vergegenwärtigt. Wan kann, nach Steinheim, eineni Begriff anmerken, ob er erdacht ist, oder ob eine Realität öahintersteht. Dieses letztere Merkmal, das Merkmal der objektiven öenkunabhängigen Wahrheit, findet Steinheim nun an den Grundlehren des Judentums, die sich eben damit als wirkliche Offen barungswahrh eiten — im Gegensatz zu bloßen Vernunftkonstruktionen — legitimieren. Steinheims erster Band muß auf jeden, auch den kritischen Leser überwältigend wirken — die drei anderen Bände allerdings fallen stark ab und münden in einem krassen, zum Teil antitraditionellen Subjektivismus. Man kann daher begreifen, daß ein junger theologischer Denker wie Schöps heute, im Zeitalter der neu erwachenden Sehnsucht nach wirklicher religiöser Wahrheit, an dem alten Steinheim Feuer gefangen hat, und daß er nun aus diesem starken geistigen Antrieb heraus, nachdem er überdies noch in den Bannkreis Franz Rosenzweigs getreten war, der herrschenden neolog-liberalen Ausklärungstheologie mit ihrer moralisierenden, spielerischen und zweideutigen Verschwommenheit den Krieg erklärt. Für Schöps ist die jüdische Religion weder ein Postulatder praktischen Vernunft, noch humane „prophetische" C t h i k, noch überhaupt der Ausdruck zeitlos geltender allgemeiner Wahrheiten, wie es der Liberalismus will, sondern das Ergebnis einer einmaligen, am Sinai erfolgten Offenbarung, einer realen „Selbstbewegung G'ttes in die Geschichte hinein." Cr fordert also Besinnung auf die „Wirklichkeit des Offenbarungsfaktums" sowie auf die geoffenbarten Grunötatsachen und „tzeilswahrheiten" des „israelitischen Glaubens". Was diese Heilswahrheiten inhaltlich sind, dafür will der Verfasser im letzten Abschnitt seines Buches in dem „Versuch einer Grundlegung der systematischen Theologie des Judentums aus heutigem Bewußtsein" die Bausteine liefern. Cs sind im wesentlichen die Einzigkeit G'ttes, die Schöpfung der Welt aus dein Nichts,, die sittliche Freiheit, die Offenbarung des „fordernden Wortes G'ttes" und die Crwählung Israels, Vergeltung und Umkehr. Man sollte meinen, daß Schöps hiernach —sofern man seine Terminologie ins Altjüdische übersetzt —- sowohl negativ, als positiv auf dem Boden der Tradition, auf. dem Boden der Orthodoxie stehe, denn wer mit so starken Worten die historische Einmaligkeit und reale Wirklichkeit der Sinaioffenbarung betont, muß doch wohl, wenigstens verlangte das die Logik unverbildeten wissenschaftlichen Denkens, von absolutem vertrauen zu den diese Offenbarung in Schrift und volkstradition beurkundenden historischen Ouellen erfüllt sein. Denn woher sonst könnte die Gewißheit von der Realität eines historischen Vorganges stammen als aus Urkunden und Traditionen — unbeschadet der tausendfgch möglichen nachträglichen Wardeiung und Bewährung dieser primären Gcwißhcitsqncllc aus dem analysierenden Denken nach Art Steinheims und aus nachträglicher geschichtlicher und aktueller Erfahrung jeder Art. . Um so überraschender ist es nun, öaß Schöps von vorneherein seinen Standpunkt „jenseits von Orthodoxie und Liberalismus" nehmen, also eine echte, aus Emuno eingestellte „Glaubenslehre der Synagoge" gegen das' geschichtliche Judentum, das man heutzutage Orthodoxie nennt, entwickeln zu sollen glaubt! Die psychologischen Ursachen dieser Inkonsequenz sind, wenn man die Schrift kritisch würdigt, leicht zu erkennen; sie aufdcckcn heißt zugleich wieder einmal an einem Schulbeispiel zeigen, wie arm und einseitig jedes künstlich konstruierte Judentum im Verhältnis zu dem Reichtum der wirklichen G'ttesoffenbarung ist, den allein die als „Orthodoxie" stigmatisierte jüdische Ration nun seit mehr als dreitausend Jahren durch die Weltgeschichte trägt. Schöps hat offenbar zunächst einmal in unverhältnismäßig stärkerem Maße aus protestantisch-theologischen Ouellen geschöpft als aus jüdischen, die ihm anscheinend nur in sekundärer Vermittlung fließen. Cs ist kein Zufall, daß das Buch gleich auf der ersten Seite mit der Berufung auf den protestantischen Theologen C m il Brunner und einem«— übrigens durchaus zu unterschreibenden — Zitat ans dessen Werk beginnt, und daß es sich Hann bis zu Ende in einer dem originaljüdischcn Empfinden höchst fremdartigen christlich-theologischen Terminologie -bewegt. Diese Aeußerlichkeit für sich allein wäre noch nicht entscheidend. Man kann methodisch von der modernen, positiven Theologie her beiden christlichen Konfessionen gewiß auch für die Systematik der jüdischen Religionsphilosophie mancherlei profitieren. Aber dann ist erstens zehnfache Wachsamkeit vonnöten, daß die methodische Form nicht unmerklich die Inhalte beeinflußt, und es muß zweitens durch ein um so tieferes Eindringen in Bibel und Talmud, i n Halacha und 71$ ab a , in. jüdische .Religionsphilosophie, Mussar und Ehassidus-Literatur die einheitliche und authentische, durchaus einzigartige Öffenba- 1