Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 30 (21.7.1932)
- Date
- 1932-07-21
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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21. Juli 1932 Der Israelit Nr. 30 Seite 15 sen, der „Jude verdientermaßen ohne langes Federlesen aufgeknüpft." Seitdem, schreibt „Der Angriff" weiter, entfaltete die Judenpresse, voran das „Berliner Tageblatt", eine niederträchtige Hetzkampagne gegen den Schah und warf dem tüchtigen und ernsten Herrscher Tyrannei vor, bloß weil er stch vor den Anschlägen eines verbrecherischen' Juden geschützt hatte. Wegen dieser Hetzkampagne wurde der deutschfreundliche Gesandte Farsin abberusen, die Beziehungen zwischen Persien und Deutschland wurden sehr kühl, und jetzt wurde ein großer Bahnauftrag in Persien, ein Objekt von 400 Millionen Mark, der betreffenden deutschen Firma abgenommen und nach Schweden gegeben. So ist, schließt „Angriff", aus jüdischem Haß gegen einen tüchtigen Herrscher dem deutschen Volk wieder einmal Schaden getan worden, dazu ein Herrscher, der sich und sein Land tapfer gegen Juden verteidigt hat, verärgert worden. Zu den Auslassungen des „Angriff" weiß die ITA. mitzuteilen, daß man bis jetzt nichts davon gehört hat, daß ein „jüdischer Rabbiner aus Hamadan" an einer Verschwörung gegen den Schah beteiligt gewesen und gehängt worden wäre; wohl aber wurde vor einigen Monaten der einstige jüdische Abgeordnete im persischen Parlament, Joseph Levy, nach fast lOjähriger qualvoller Hast gehängt, weil man ihn beschuldigte, daß er vor 10 Jahren an einer Verschwörung gegen den Schah teilgenommen hat. In Wirklichkeit besteht gegen Levy nicht der Schatten eines Schuldbeweises. Im ganzen Lande herrscht die Ueberzeugung vor, daß man ihn darum in den Prozeß verwickelte, der mit einem Todesurteil endete, well er im Parlament offen gegen der jüdischen Bevölkerung angetanes Unrecht auftrat und darum den Machthabern unbequem wurde. Ueber den Fall Levy hat aber die Presse, die „Der Angriff" als „Judenpresse" tituliert, nicht ein Wort gebracht. Vermischtes Berlin, 15. Juli. Der Bachurimverein am Rabbinerseminar zu Berlin (Berlin R 24, Artilleriestr-. 31) bittet uns um Aufnahme folgender Zeilen: Es haben sich eine Reihe von Seminaristen zur Verfügung gestellt, die zu dendie Vorbeter- und Predigerfunktionen ausüben wollen. Es kommen auch kleinere Gemeinden in Frage, die die bisher übliche Vergütung nicht vollständig zahlen können. Ferner suchen wir für eine Anzahl unserer Chawerim zu den am 1. August beginnenden Universitätsferien (3 Monate) H a u s l e h r e r st e l l e n, auch an kleineren Plätzen, evtl, nur gegen Wohnung und Verpflegung. Es handelt sich um alle Arten von Schulnachhilfe, besonders natürlich um alle Fächer jüdisches Wissen. Angebote erbitten wir an unsere obige Adresse.! Bad Kifsingen, 10. Juli. Der erste Juli, der Höhepunkt im Kurleben eines Badeortes wie Kifsingen, war , in diesem Jahre für die hiesige jüdische Gemeinde ein! Tag von einschneidender Bedeutung. Es war ein Frei-; tag- und als am Abend beim G'ttesdienst in Gegenwart : von zahlreichen Kurgästen aus dem In- und Auslande; der Sabbat begrüßt wurde, da vermißte man auf dem für den Rabbiner bestimmten Platz den bisherigen ehrwürdigen Inhaber dieses Amtes, Herrn Bezirksrabbiner. Dr. S. Bamberger. Seit 30 Jahren war man gewöhnt, i ihn dort als sichtbaren Vertreter nicht nur seiner Ge-! meinde und seines Bezirkes, sondern auch als einen der ' ausgezeichnetsten, durch tiefgründige Gelehrsamkeit her-! vorragenden Vertreter des Judentums überhaupt zu j sehen. Sang- und klanglos hatte er seine Würde nieder-! gelegt und stand an diesem Abend inmitten der übrigen! Gemeindemitglieder. Man war, ohne daß der Einzelne j sich dessen bewußt wurde, Zeuge eines Ereignisses, das! in der Geschichte des Judentums wohl ganz vereinzelt dastehen dürfte: der zwangsweisen Pensionierung eines Rabbiners, der bei ehrwürdigem Alter -in voller Frische des Körpers und Geistes seines Amtes gewaltet hat und nun aus irgend welchen Erwägungen seiner! Würde entkleidet wurde. Rabbiner Dr. S. Bamberger ist ein Sohn des Aschaffenburger Rabbiners Simcho Bamberger, Schwiegersohn seines Vorgängers Rabbiner Moses Löb Bamberger in Kifsingen und Enkel des großen Würzburger Raws, Rabbiner Seligmann Bär Bamberger, des Begründers' der Bamberger'schen Raübinerfamilie. Mitglieder dieser Familie gaben dem jüdischen Leben in Bayern und ganz besonders in Unterfranken fast seit einem Jahrhundert ihr Gepräge. Mit Rabbiner Sekel Bamberger in Kissingen scheidet jetzt die Familie Bamberger überhaupt aus dem öffentlichen rabbinischen Leben Bayerns .aus. Selbstverständlich hört die rabbinische Stellung und insbesondere die lehrende Tätigkeit Rabbiner Bambergers damit nicht auf und ohne Zweifel erkennt auch die Gemeinde in Kifsingen, daß ein Rabbiner nicht aufhört, Anspruch auf die ihm zukommende Ehrung zu haben und auch Rabbiner bleibt, wenn er den Tatar abgelegt hat. Glücklicherweise ist Gewähr geboten, daß in Zukunft die Geschicke des Rabbinats Kifsingen unter dem Nachfolger, Herrn Bezirksrabbiner Dr. Ephraim, bisher Burgpreppach, im Geiste des bisherigen Stelleninhabers weitergeführt werden. Sicheren Berichten nach scheint dadurch auch der Bestand des Nabdinates Burgpreppach nicht gefährdet zu fein, so daß in diesem- Falle eine Fortsetzung der bayerischen Rabbinatsauflösungen nicht befürchtet zu werden braucht. Dem scheidenden Rabbiner aber mögen noch viele Jahre segensvollen stillen Forschens und Lehrens an dem Orte seiner bisherigen Wirksamkeit mit G'ttes Hilfe beschieden sein. München, 12. Juli. Der ehemalige russische Soldat Ephraim Abramowitz aus Wilna, der angeblich in einem deutschen Gefangenenlager gewesen ist, wird seit Jahren von seinen Angehörigen gesucht. Nachforschungen bei den amtlichen Nachweisebüros in München, Spandau und Wien, waren bisher erfolglos. Sollte irgend jemand einen Gefangenen dieses Namens gekannt haben oder über seinen Verbleib etwas wissen, so wird gebeten, entsprechende Mitteilungen an das Rabbinat München, Haydnstr. 10, 2. gelangen zu lassen. Nürnberg, 18. Juli. Ein aus Jerusalem stammender Rabbi ist z. Zt. in Begleitung seines Dieners hier. Er besuchte den hiesigen Rabbiner und befand sich gerade auf dem Heimweg, als er eine Naziwirtschaft passieren mußte. Dort wurde er und sein Begleiter von einigen jungen Rowdies in die Kneipe gezerrt und auf das Brutalste mißhandelt. Er erlitt schwere Hautabschürfungen und trug ein verletztes Auge davon. Der Begleiter erhielt mehrere Schläge mit der Faust ins Gesicht. Der Rabbi mußte ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Die polizeilichen Erhebungen sind bis jetzt fruchtlos verlaufen. Es ist hier das Produkt und die Frucht gemeiner fanatischer Hetze. Harmlose Passanten werden mißhandelt und sind ihres Lebens nicht sicher. Im Interesse des gesamten Judentums müssen derartige Exzesse öffentlich gebrandmarkt und der breiten Oessentlichkeit mitgeteilt werden. kattowih, 13. Juli. In der gesamten orthodoxen Welt feiert man in diesem Monat das 20jährige Jubiläum der Gründung der Agudas Jisroel-Weltorganisation in Kattowiü. Doch gerade hier in Kattowitz, an der Stätte, wo die Wiege der Agudas Jisroel stand, gestalteten sich die Zustände so, daß es 20 lange Jahre dauern mußte, bis sich einige unentwegte Kämpfer zusammenschlossen,! eine Agudas Jisroel-Ortsgruppe zu gründen. A m iSonntag, den 3 0. & im an fand d i e Grün- 'dungsversammlung statt, zu deren Borsitzen- 1 den Herr Josef 5k o h n gewählt wurde. In einer schönen, von Thoraworten gewürzten Ansprache sprach er über die Wichtigkeit der Einigung der Orthodoxie. Dann erläuterte Herr Rabbiner Hirschhorn (Jaworzna) in einer längeren Rede Zweck und Ziel der Aguda und ihre Stellung innerhalb des Judentums. Danach schritt man zur Wahl des Vorstandes, zu dessen Vorsitzenden im 1 Anschluß daran einstimmig Herr Josef Sohn gewählt ' wurde. Die Gründung der Agudas Jisroel hinterließ in jüdischen Kreisen der Stadt einen gewaltigen Eindruck. : Besonders der Plan, ein C h e d e r und eine B e t h - Jaakow-Schule zu gründen, verstärkte noch die Anziehungskraft, so daß sich heute viele beteiligten, die früher entschiedener Gegner gewesen waren. Warschau, 10. Juli. Große Erregung hat in der jüdischen Bevölkerung der Prager Vorstadt das antisemitische Verhalten eines städtischen Richters hervorgerufen, das im offenen Gegensatz zur geltenden Praxis und sicherlich auch zu den geltenden Vorschriften steht. Der Diener des Vesdin von Praga, Herr Jacob Kormann, war in einer im Anschluß an einen Din Thora bei Gericht anhängig gewordenen Sache als Zeuge vorgeladen. Der Termin wurde trotz der rechtzeitig vorgetragenen Bitte des Zeugen auf Sabbat festgesetzt und der Zeuge zur zwangsweisen Vorführung verurteilt. Da Kormann nicht aufzufinden war, weil er am Sabbat in Begleitung des Rabbiners wechselnd in verschiedenen Synagogen amtiert, wurde er zu Zloty 200.— Strafe verurteilt. Den zweiten Termin setzte der Richter wiederum auf Sabbat fest und beleidigte den Zeugen, als er daraufhin erschien, in einer die jüdische Religion schwer kränkenden Art und Weise. Als es zum Schwur kam, verweigerte Kormann die Eidesleistung am Sabbat unter Berufung auf das Religionsgesetz. Er wurde daraufhin vom Richter mit weiteren Zloty 150.— und 2 Tagen Haft bestraft und sofort in Gesellschaft zweifelhafter Elemente zum Polize'ikommissariat gebracht. Nachdem er dort bis Montag festgehalten war, wurde ihm dann erklärt, daß er jetzt erst zwei Tage Haft absitzen müsse, weil der A r r e st in Polizeigewahrsam nicht als Haft gelte. Das ganze Verfahren trägt so offenkundig den Charakter der antisemitischen Schikane an sich, daß die von dem Sejmdeputaten Lewin sofort eingereichte Beschwerde wohl zu einer Genugtuung für den zu Unrecht betroffenen jüdischen Beamten führen wird. Riga, 10. Juli. In L i v e n h o f wurde auf Initiative des Herrn Rabbiner Teitz eine große Jefchiwo eröffnet, die in einem eigenen Bau untergebracht ist. Zu den Eröffnungsfeierlichkeiten waren die Führer der lettländischen Orthodoxie erschienen und die Herren Abgeordneten Dubin und Wittenberg hielten Ansprachen, in denen sie der Freude über diese Erstarkung des thoratreuen Judentums in Lettland Ausdruck verliehen. Personalien. Berlin. 15. Juli. Nach 27jähriger segensreicher Amtstätigkeit ist infolge Erreichung der Dienstaltersgrenze Oberbibliothekar Dr. Moritz Stern, der Leiter der Bibliothek und Kunstsammlung der Berliner jüdischen Gemeinde, in den Ruhestand getreten. Was er für den Ausbau und die Ausgestaltung der ihm unterstellten Sammlungen in planmäßigem Wirken mit unermüdlicher Arbeitskraft geleistet hat, wird von allen Geistesarbeitern auf dem Gebiete jüdischen Wissens aufs höchste geschätzt und anerkannt. Mit berechtigtem Stolze kann er auf eine von reichem Erfolg gekrönte Tätigkeit zurückblicken. Ist doch unter feinet Verwaltung das Bibliothekswesen der Gemeinde zu einem wohlgeordneten Institute von Hauptbibliothek, Filialbibliothek und sieben Zweigbibliotheken mit über 70 000 Bänden erwachsen und durch Zahl und Qualität der Judaica und Hebraica in die erste Reihe der großen Bibliotheken getreten. Die von ihm geschaffene Handbibliothek im großen Lesesaal der Hauptbibliothek ruft immer von neuem Lob und Dankbarkeit aller Benutzer hervor. In gleicher Weise ist die Kunstsammlung, die von ihm neu eingerichtet und in allen ihren Teilen reich vermehrt wurde, für ähnliche Sammlungen vorbildlich geworden. Noch mehr aber als durch Organisieren, Sammeln und Ordnen hat sich Dr. Stern dadurch verdient gemacht, daß er die Schätze von Bibliothek und Kunstsammlung durch Veröffentlichungen und .Führungen, durch Darbietung gut orientierender Kataloge und durch Ausdehnung der Benutzungszeiten den weitesten Kreisen zugänglich machte. Nirgends dürfte man wohl leichter und schneller als in Berlin ein Buch oder ein Bild zur Benutzung erhalten. Dazu spendete Dr. Stern in persönlichem Verkehr mit nie versagender Hilfsbereitschaft aus dem großen Schatze seines' Wissens einem jeden reiche Belehrung, selten hat sich jemand im Inland und Ausland vergebens um Auskunft an ihn gewandt. Verehrung und Dankbarkeit aller Interessentenohne Unterschied der politischen und religiösen Stellung begleiten den bescheidenen, jeder Phrase und Wichtigtuerei abholden Gelehrten in den wohlverdienten Ruhestand. Mit ihm scheidet aus dem Beamtenkörper der Jüdischen Gemeinde ein treues Mitglied der A d a ß Jisroel, ein Mann von bewährter Festigkeit der religiösen Gesinnung, ein Muster und Vorbild gesetzestreuer jüdischer Lebensführung. E. B. Phittppsburg (Baden), 15. Juli. Tiefste Trauer löste innerhalb unserer Gemeinde die Nachricht aus, daß ein Herzschlag dem Leben eines unserer treuesten Mitglieder, Herrn Norbert G u t m a n n , ein jähes Ende bereitete. Der Verstorbene, der nur ein Alter von 46 Jahren erreichte, war Inhaber des gleichnamigen Mehl- und Landesproduktengeschäftes. Sein Tod riß eine große Lücke in unsere Reihe. Er versah das Amt eines Hilfsvorbeters und war einer der besten und pünktlichsten Synagogenbesucher. An seiner Bahre entwarf Herr Lehrer Neuberger von hier ein getreues Lebensbild des Verstorbenen. Mit beredten und tiefempfundenen Worten schilderte er dessen wahre Religiosität und sein festes G'ttvertrauen. Die Wertschätzung, die er genoß, zeigte sich dann auch an der stattlichen Beteiligung bei der '"ih die auch von Seiten der nichtjüdischen Bevölkerung kam. — Möge G'tt den Hinterbliebenen Trost spenden und unsere kleine Gemeinde vor weiterem Verlust bewahren. Frankfurter Vereinskalender. Verein Mekor Chajtm. rDW Eine Stunde vor Nacht. Midrasch, Herr Julius Lewin. Sonntag morgens nach Schul (ebenso Mittwoch), dik "n, vormittags 9.15 Uhr (ebenso Dienstag 6.30 Uhr) Gemoro. Herr Rabb -Aff. G. Posen. Samstag morgen nach Schul im Hörsaal: Dinim, Herr Dr. E. Posen — nachmittags % Stunde vor Mincho im Vereinslokal Mikro, Herr Dr. W. Hofmann. — 4 Uhr (ebenso Sonntag 8.30 Uhr vorm.) im Vereinslokal Gemoro. Herr I. Soffer. Montag (auch Donnerstag) nach Schul: Mtfchna Mitgliedeclernen. — abends 7 Uhr (auch Mittwoch) Gemoro Herr Rabbiner Dr. Jof. Breuer. — abends 8.15 Uhr. (and) ^Donnerstag) Gemoro Herr Dr E. Posen Dienstag (auch Freitag) nach Schul: Mischna. Herr Dr. E. Posen. Von Montag bis Freitag morgens nach Schul im Sitzungszimmer Gemoro. Herr Dr. S. Ehrmann. Sonntag, Dienstag und Mittwoch abends 8.16 Uhr, im Veretnslokal Schaßlernen. Herr Herz Halpern. Jahrzeitsstiftungen. Schabbos, 23. Juli: Loeb Schwab-Stiftung. Dienstag, 26. Juli: David Held-Stiftung. Ortsgruppe Frankfurt a. 21t. des Jüdischen Frauenbundes. Arbeitssitzung:, Donnerstag, den 28. Juli, 10 Uhr vormittags, Langestraße 3, 1. — Gäste sind freundlich willkommen. Gebetzeiten. onrs N3V Freitag abend 7.35 Samstag naavn 6.30 Samstag morg. 7.45 Samstag nachm. 1.00 u. 5.00 Samstag abend 9.20 Wochengottesdiensti Morgens 6.15 Nachmittags 7.15 Tefillin-Legen am Morgen 3.15