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Der Israelit · 1932-07-21 · Heft 30 (21.7.1932) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 30 (21.7.1932)
Date
1932-07-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
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21. Juli 1932 Gericht über Begriff und Bedeutung von „Koscher" hat einiges Aufsehen erregt und wird in vielen Zeitungen glossiert. Auch ein anderer angesehener Advokat schloß sich dem Standpunkte Müllers an. Der Boden für eine organisatorische Zusammenfassung der religiösen (Elemente zu Paris wäre jetzt gegeben wie kaum je zuvor. Hoffentlich wird die Gelegenheit ausgenutzt. England. Jewish Board of Deputier geht nicht zur Jüdischen Weltkonferenz. London, 18. Juli. Die Frage der Teilnahme an der vom American Jewish Congreß und dessen Ehrenpräsidenten Dr. Stephen S. Wise für den 14. August nach Gens einberufenen Jüdischen Weltkonserenz bildete den Hauptpunkt der Beratung des Board of Deputies (Deputiertenrat der englischen Juden) in seiner am Sonntag in London abgehaltenen Sitzung. Die Sitzung) die viele Stunden dauerte, verlief sehr bewegt. Es lag ein Bericht des Joint Foreign Committee (Ausschuß zur Behandlung aus-, wärtiger jüdischer Angelegenheiten) vor, in welchem gegen die Teilnahme an der - Weltkonferenz Stellung genommen wurde. Zur Besprechung der Motive für diese ablehnende Stellungnahme des Joint Foreign Committee wurde die Beratung für vertraulich erklärt. Galerie- Besucher und Pressevertreter mußten den Saal verlassen. Es verlautet, daß zu der Meinungsverschiedenheit hauptsächlich die Frage Anlaß gibt, ob die Weltkonferenz den von Entrechtung bedrohten deutschen Juden helfen oder aber schaden könnte. Leonard G. Montefiore, der Präsident des Board of Deputies, vertrat die Ansicht, daß eine Einmischung auswärtiger jüdischer Führer den Interessen der deutschen Judenheit schaden könnte. Dieser Ansicht trat Dr. Samuel Daiches entgegen, der darauf hinwies, daß Teile der deutschen Juden selbst auf der Weltkonferenz vertreten sein werden. (Das dürfte kaum der Fall sein. Red.). Schließlich nahm der Jewish Board of Deputies mit 36 gegen 32 Stimmen den Beschluß an, der Einladung des American Jewish Congreß, Delegierte zu der am 14. August in Genf beginnenden jüdischen Weltkonferenz zu entsenden, nicht Folge zu leisten. Palästina auf der britischen Reichskonferenz. London, 13. Juli. ' Der Direktor der Pardeß Company und Vorsitzende der vor kurzem begründeten Jaffa Citrus Exchange, Herr Rochak, und die Herren Tolkowsky und Advokat Joseph, die sich als Abordnung der jüdischen Pflanzer Palästinas zur britischen Reichskonferenz nach Ottawa begeben, um dort die Forderung der palästinensischen Pflanzer zu vertreten, daß Palästina in die Imperial Prefence eingeschlossen wird, damit Palästina-Prydukte in Groß-Britannien und in die übrigen Länder des Imperiums zollfrei eingeführt werden können, weilten auf der Durchreise in London und wohnten einer unter dem Vorsitz von Sir Robert Waley-Cohen stattgefundenen Sitzung des Londoner Economic Board for Palestine bei. In dieser' Sitzung führte Herr Rokach u. a. aus: Trotz fortwährender Anstrengungen des Economic Board for Palestine ist es bis jetzt nicht gelungen, durchzusetzen, daß Palästina in die Imperial Preference eingeschlossen wird. Aber auch wenn es nicht durchzusetzen sein sollte, daß Palästina in die Imperial Preference eingeschlossen wird, werden die Palästina-Pflanzer mit anderen Produktionslärrdern durch Senkung der Produktionskosten, besseren .Transport, bessere Sortierung und Verpackung und durch die Arbeit der Citrus Exchange, die die Verschiffung und den Verkauf im Interesse. der Gesamtzüchter überwacht, zu konkurrieren verstehen. Es gibt jetzt in Palästina 150 000 Dunam mit Orangen bepflanzten Bodens, von denen mindestens die Hälfte in jüdischen Händen sind. Palästina exportiert 3% Millionen Kisten Orangen jährlich und beschäftigt 10 000 Menschen für 5 Monate im Jahr. Bei wachsender Ernte wird sich die Zahl der Beschäftigten erhöhen. Die Nachfrage nach Jaffa-Orangen übersteigt das Angebot, die. Qualität dieser Orangen ist unübertrefflich, die klimatischen Bedingun- : gen für ihre Züchtung sind in Palästina ideal. Hauptkonsument der Jaffa-Orange ist noch immer England. Es folgt Deutschland, das im vergangenen Jahre 650 000 Kisten bezog. Die Nebenprodukte der Jaffa-Orangen (Fruchtsäfte, Orangeade, Pektin, Parfumbestandteile usw.) lassen sich industriell enorm auswerten. Der I s r a e lit__ A. Goldwater, Generaldirektor der Palestine Corporation, führte aus: In den letzten fünf Jahren haben sich die. kleinen Industrien in Palästina außerordentlich entwickelt. Palästina bietet heute eine fundamentalere Sicherheit der Kapitalsanlage als viele andere Länder. Noch braucht Palästina heute Jnvestierungskapital, aber dieses Kapital wird kommen. H. Viteles, Generaldirektor der Central Bank of cooperative Jnstitutions of Palestine, gab einen Ueberblick über die landwirtschaftliche Entwicklung in Palästina seit den 10 Jahren des Bestehens der Bank. Das in jüdischen Händen befindliche Citrus-Gebiet hat sich in diesen 10 Jahren versechsfacht. Die jüdische Milchproduktion, die vor 10 Jahren eine halbe Million Liter jährlich betrug, beträgt heute 5 Millionen Liter jährlich. Noch vor 3 Jahren mußte Tel-Awiw 90 Proz., heute nur noch 50 Proz. seines Gemüsebedarfs bei Arabern decken. Fast jede Gemüseart wird jetzt von Juden erfolgreich gezüchtet. In diesem Jahre wurde das Experiment gemacht, neue Kartoffeln und Tomaten von Palästina nach England und Frankreich zu verschicken. Vor 3 Jahren importierte Palästina 20 Millionen, jetzt nur noch 7 Millionen Stück Eier jährlich. Infolge Anbaus von Klee sind die Kosten der Milchproduktion zurückgegangen. Heute denkt man in Palästina sogar an Käseexport; Bananen existierten vor 7 Jahren in Palästina fast noch nicht; im letzten Jahre schon wurden 300 Tonnen Bananen exportiert. Vier Monate im Jahr hat Palästina Erdbeeren. Die Central Bank, die den Farmern und Züchtern Darlehen gewährt, hat einen ungeheuren Anteil an dieser Entwicklung. Die Central Bank verdankt ihren Aufschwung dem stetigen Interesse, welches die drei großen Kontroll-Jnstitutionen — Palestine Corporation of Newyork, Jewish Colonisation Association in Paris und Economic Board for Palestine in London — sowie die Advisory Committees in Palästina ihr gegenüber bekunden. ValSstina. Einreiseerlaubnis für 37 Rabbiner nach Palästina. Ierusalem, 18. Juli. Der High Commissioner Sir Arthur Wauchope hat die bisher bestandenen Einschränkungen der Einreise für Rabbiner gewisser Altersstufen aufgehoben, so daß von jetzt ab Rabbiner aller Altersstufen aus allen Ländern nach Palästina kommen können. Voraussetzung ist, daß das Oberrabbinat die Garantie übernimmt, daß die Einrestenden der Öffentlichkeit nicht zur Last fallen werden. Auf Grund der Aufhebung der erwähnten Beschränkung erhielten 37 Rabbiner, denen früher die Einreise nicht gestattet war, nunmehr Einreise-Visa. Jerusalemer Brief. Jerusalem, 30. Juni. Sabbalentweihung. — Polizei und Alischmeres Schabbos. — Die Waffecfrage. — Agency und ANsrachi. — Antireligiöse Demonstration. Der neueste Fall öffentlicher Sabbatentweihung in der heiligen Stadt ist die Eröffnung eines Verkaufsladens für Sodawasser und Zigarren auf der Jaffastraße. Der Inhaber des Ladens beruft sich darauf, er verabfolge Speisen, dürfe also seinen Betrieb am Sabbat offen halten. Er erklärte ferner, Rabbiner Kuk habe ihm gestattet, die während der Woche zum Verkauf gelangenden Waren am Sabbat durch einen Vorhang zu verdecken und lediglich Speisen zum sofortigen Genuß zu verabfolgen. In Wirklichkeit ist aber von diesem Vorhang nichts zu entdecken und der Chillul-Schabbos entwickelt sich ungehemmt weiter. ^Weiter gehen auch die Bemühungen der Agudas Jisroel, die Polizei zu einer milderen Behandlung derjenigen jungen Menschen zu veranlassen, die sich unter Einsatz ihrer Person um die Verteidigung des Sabbats und um die Verhinderung seiner öffentlichen Entweihung bemühen. Das berechtigte Bestreben, die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten, darf nicht dazu führen, daß die Polizei zu einer Schutztruppe der mooirnnivtyrm wird und eine nervöse Empfindlichkeit an den Tag legt, wenn gegen diese von Seiten der Mischmeres Schabbos- Gruppe mit kräftigen Worten eingeschritten wird. Die Wasserfrage steht noch immer im MUtelpunkt des Tagesinteresses. Es ist ein überaus schwacher Trost für die von der Kalamität betroffenen breiten Kreise der Bevölkerung, daß die Regierung auf eine in zwei Iah - 'ren einmal wirksam werdende künftige Regelung der __Nr. Frage verweist. Man begreift nicht, warum nicht unter Einsatz größerer Mittel für die Anfuhr' von ausreichenden Wassermengen auf dem Wege der Eisenbahn gesorgt wird. Helle Entrüstung herrscht mit Recht in misrachistischen Kreisen über das Verhalten der Agency-Leitung gegenüber den misrachistischen Kolonien. Das Misrachi- Organ stellt fest, daß infolge dieses Verhaltens das gesamte Kolonisationswerk des Poel Hamisrachi vor dem Zusammenbruch steht. 51 far Chittin existiert kaum mehr, Ksar Gideon dürfte in Kürze vollkommen verödesein und der Stützpunkt Scheich-Awrik, die Kolonie dk:■ Poel Hamisrachi, wird nun ebenfalls dem Untergang preisgegeben. Dabei hat dieselbe Agency, die hier keinelei. Geldmittel zu besitzen behauptet, genügendes Gell verfügbar, wenn es sich um die N e u e r r i ch t u n g einer kolonisatorischen Niederlassung des links gerichteten Schomer-Hazoir handelt. Die Misrachi-Blätter sind überzeugt, daß hier eine ganz bewußte linksradikale und antireligiöse Kulturpolitik der Jewish Agency vorliegt. Man will in derselben Weise, wie man die religiösen Schulen des Misrachi systematisch zurückgesetzt und benachteiligt hat, auch Kolonien, in denen religiöser Geist herrscht, nicht aufkommen lassen. Wie niederschmetternd diese Erfahrungen für den Misrachi sind, läßt sich begreifen. Amerika. Konferenz der orthodoxen Jugendorganisation Ijoung Israel in Amerika. Newyork, 12. Juli Zu der Konferenz der Poung Israel-Jugendorganisation, die vorige Woche stattfand, hatte Präsident H o o o e r ein Begrüßungstelegramm geschickt. Es heißt darin, daß der Präsident den Leistungen der Organisation auf kulturellem Gebiete warme Anerkennung zolle und sich freue, daß die in dem Verband organisierte Jugend diejenigen hohen Ideale pflege, welche die jüdische Rasse zum Heile der Menschheit im besonderen Maße gehütet und verbreitet habe. Die Konferenz began nam Freitag Abend mit einem feierlichen Kabolas-Schabbos-G'ttesüienst und anschließender Sabbatnmhlzeit. Herr Chajim E p st e i n, der Vorsitzende der Organisation, begrüßte die nach mehreren hundert zählenden Delegierten sowie zahlreiche Gäste. Bei den Beratungen, die am Sabbat Vormittag nach beendetem G'ttesdienst begannen, beschäftigte man sich mit einer auf den Namen von Poung Israel geplanten Siedlung in Erez I isr o e l. Alsdann hielt der bekannte orthodoxe Arzt und Forscher aus Baltimore, Dr. David Macht, einen außerordentlich interessanten Vortrag über die jüdischen Speisegesetze im Lichte der modernen wissenschaftlichen Physiologie. Der Sabbat Nachmittag brachte wiederum eine eigenartige Verbindung von alter Tradition und modernem Organisationsapparat, indem während der feierlichen Seud o-S ch l is ch i s vom Präsidenten der Jahresbericht erstattet wurde. Am Sabbat Abend wurden neue Vegrüßungszuschriften und Telegramme verlesen vom Gouverneur Roosevelt, Nizegouverneur Hermann Lehmann und Rabbiner Silver, dem Präsidenten der Agudas harabonim. Der Sonntag und Montag war dann den geschäftlichen Debatten über die Organisationsfrage gewidmet und es wurden außerdem Referate gehalten ■ über Chisuk- Hadaß, die Wege der Selbsterziehung für die jüdische Jugnd und die Sabbatbeobachtung im modernen Leben. Auf letzterem Gebiete wurden eine Reihe praktischer Maßnahmen zur Förderung der Schmiras-Schabbos unter der Jugend ins Auge' gefaßt. Personalien. Basel, 20. Juli. Zum Gedächtnis des Herrn Leoi E i s e n m a n n dessen Ableben bereits kurz gemeldet wurde, schreibt man uns von befreundeter Seite: Der Dahingegangene war ein überaus frommer, g'ttesfürchtiger Mann, der nicht nur seine äußeren Lebensformen nach den Gesetzen des Judentums einstellte; auch fern Inneres entsprach wahrhafter Frömmigkeit, und echte tiefe Herzensbildung machte sein ganzes Wesen harmonisch und ausgeglichen. Neben seiner großen G'ttesfurcht liebte er seine Mitmenschen als treuer Bruder und Helfer. Nie war ein Weg zu weit, nie eine Stunde zu spät, um zu einem Kranken oder Hilfsbedürftigen zu eilen und ihm zu helfen. Betrat Levi Eisenmann ein Haus, so wurde es auch dem Bedrücktesten leichter ums Herz; ging doch von diesem Manne eine Ruhe aus, die beinahe Wunder wirken konnte. Für ihn gab es kein Verzagen und kein Verzweifeln, nie sah

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