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Der Israelit · 1932-07-21 · Heft 30 (21.7.1932) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 30 (21.7.1932)
Date
1932-07-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 30 21. Juli 1932 Der Israelit Die deutsche Iudenheit steht am Scheideweg e töill sie dem 2tbfaUc, vom überlieferten Judentum folgend den weg des Ajaterialismus gehen? Mll ste> um das nackte Leben des kleinen Ich zu retten, auf Fortpflanzung verzichten und sich so dem wirtschaftlichen Nihilismus „anpasfen"? Diese „An p a s s u n g " h e i s; t T o d. Wer aber auch nur „das nackte Leben" der jüdischen Gemeinschaft retten will, wer eine Hilfe aus der sexuellen Hol der Zeit sucht, wird nur einen Weg finden, den Weg zur Thora und ihrer Sittlichkeit. Nur so werden sich ihm die Duellen eines optimistischen G'ttvertrauens erschließen, und der W i l l c z u m Kind wird in ihm wach sein und zur Tat werden. Tr wird leben — ein Leben, das auch den individuellen Tod überdauert, mmi Und d u sollst wählen das Leben! Korrespondenzen « ßneftrieftten. Deutsches Reich. Eine Aulimgemeinschaft für den Mittelstand. Frankfurt a. M., 20. Juli. Die Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel erklärt sich bereit, die Namen von Interessenten, die an der Verwirklichung der unter obigem Titel erschienenen Vorschläge des Herrn Eliefer Berlinger in Nr. 8 der „Blätter" der deutschen Landesorganisation der Agudas Jisroel Mitwirken wollen, entgegen zu nehmen und dann evtl, eine Gelegenheit zu einer gemein samen Besprechung des Gegenstandes herbeizuführen. Erez Jisroel-Csrogim. Frankfurt a. M., 20. Juli Angesichts des erhöhten Interesses für Jischuw Erez Jisroel, das in allen gesetzestreuen Kreisen heute sich äußert, sollte die n ä ch stl ie g e nd e Gelegenheit zur Förderung des Jischuw nicht versäumt werden: der ausschließliche Bezug von Erez Jisroel- Esrogim für das bevor stehende Sukkosfest. Wenn früher manche Bezieher von Esrogim wegen der manchesmal größeren Schönheit der griechischen und italienischen Esrogim diese bevorzugten, so liegt heute gewiß keine Berechtigung mehr vor, die Erez Jisroel- Esrogim um dieses äußeren und relativ untergeordneten Momentes willen minder zu schätzen. Der Befürchtung, daß wegen der größeren Jugend der Kulturen in Erez Jisroel es sich eher um gepfropfte Früchte handeln könne, wohnt ebenfalls keine Berechtigung inne, da den Händlern von rabbinischer Seite Hechscherim geliefert werden, die im Einzelfalle dafür garantieren, daß nur Früchte aus ungepfropften Pflanzungen zum Verkauf gelangen. Es ist Sache des Publikums, auf die Vorlegung dieser Hechjcherim zu acyren welwerband Schomre Schabbos. Berlin, 19. Juli. Das Präsidium des Weltverbandes Schomre Schabbos (bestehend aus den Herren Dr. N. Nachmilewitz, Dr. P. Sulzberger, Rabbiner Dr. Hermann Klein, H. Abramczyk, Willi Guggenheim, A. Löwenstein, Alfred Marcus, Jos. Silberstein und Generalsekretär Dr. Stern) ersucht uns um Veröffentlichung der nachstehenden Erwiderung auf die Angriffe, die Herr Ch. I. Eiß in den „Blättern" der Deutschen Landesorganisation gegen den Präsidenten des Weltverbandes, Herrn Dr. S. Grünberg, gerichtet hat: „In Nummer 8 der „Blätter" der deutschen Lanöesorganifation der Agudas Jisroel, Beilage zum „Israelit" vom 14. 7, 32, sind seitens des Herrn Ch. I, Eiß in Zürich heftige Angriffe gegen den Weltverband Schomre Schabbos und seinen Präsidenten, Herrn Dr. Samuel Grünberg, erhoben worden, die eine sofortige Erwiderung notwendig machen. Die Unterzeichneten Mitglieder des Präsidiums des Weltverbandes Schomre Schabbos bedauern es aufs tiefste, daß aus gesetzestreuen Kreisen gegen die Person des Herrn Dr. Grünberg derartige Angriffe erhoben und feine reinen Intentionen in' einer völlig unqualifizierbaren Weife verdächtigt werden konnten. Sie weisen insbesondere darauf hin, daß die Gründung des Verbandes nicht früher erfolgte, als bis die größten rabbinischen Autoritäten, unter ihnen, um nur einige zu nennen, die agudistischen Führer Chofez Chajim, Rabbi Chajim Oser Grodzienski (Vorsitzender des rabbinischen Rates der A. I.), Sejmdep. Oberrabb. Lewin-Rzeszow, Oberrabb. Zirelsohn-Kischinew und Oberrabb. Chajim Sonnenfeld ihre rückhaltlose Zustimmung erklärt und ihre Mitarbeit zugesagt hatten. Für die unerhörten Verdächtigungen, mit denen der Artikelschreiber die Gründung des Weltoerbandes zu diffamieren sucht, wird er auch nicht den leisesten Schatten eines Beweises bringen können. Die tatsächlichen Behauptungen des Artikelschreibers über den Weltverband und seinen Präsidenten sind vom ersten bis zum letzten Satz unwahr: Es ist unwahr, daß an einer Berliner Schemiras Schabbos-Konferenz eine Resolution gegen Chillul Schabbos in den argentinischen Kolonien angenommen wurde, während man über den Chillul Schabbos in Erez Israel zur Tagesordnung überging: wahr ist vielmehr, daß weder auf dem Berliner Sabbat-Welt-Kongreh, noch auf irgendeiner sonstigen Veranstaltung des Weltverbandes eine Resolution betreffs Argentiniens gesoßt oder auch nur beantragt wurde, daß hingegen auf besagtem Kongreß nicht weniger als 3 Resolutionen sich mit Erez Israel befaßten. Es ist unwahr, daß der Verband in seiner praktischen Wirksamkeit an den sabbatlichen Fußballspielen und anderen Mißständen im Heiligen Lande vörbeigegangen ist; wahr ist vielmehr, daß der Verband seine ganze Autorität zur Besserung jener Mißstände eingesetzt hat. Es ist unwahr, daß der Präsident des Weltverbandes Aufrufe zugunsten des Nationalfonds unterschrieben hat; vielmehr wird festgestellt, ohne den Vorwurf als solchen zu werten, daß Herr Dr. Grünberg niemals seinen Namen unter einen Aufruf des Nationalfonds gesetzt hat. Es ist unwahr, daß Polen, Litauen, Ungarn und andere Länder dem Weltverband nicht angeschlossen sind und daß dieser seinen Namen zu Unrecht führt: wahr ist vielmehr, daß. fast alle namhaften Sabbat-Organisationen der Welt dem Verbände angehören oder mit ihm in engem Konnex stehen. In Polen sind u. a. die Sabbat-Vereine von Warschau, Wilna, Lemberg, Lodz und Kalifch korporative Mitglieder des Verbandes. Schließlich zur Kalenderreform: Nicht nur Herr Oberrabbiner Dr. Lewenstein weiß hiervon genügend zu berichten, sondern die gesamte jüdische Welt kennt unsere Leistungen auf diesem Gebiete, die wesentlich zur Beseitigung der drohenden Gefahr beigetragen haben." (Wir weisen darauf hin, daß sowohl die Leitung der „Agudas Jisroel" als auch die Redaktion der „Blätter" die von Herrn Eiß erhobenen Anklagen von vorneherein aufs entschiedenste mißbilligt und für sachlich unberechtigt gehalten hat. Das ist ja auch in einer Nachbemerkung der „Blätter"-Redaktion sofort zum Ausdruck gekommen Red.). dem C. V. gelungen ist, der Auffassung Geltung zu verschaffen, daß die Goebbels-Parole: „Fertigmachen nach Palästina!" dem § 3 der Notverordnung vom 28. Juni d. I. widerspricht, da sie eine Aufreizung zu Gewalttätigkeit darstellt. Plakatierung dieser Parole, wie dies zuletzt in Breslau geschah, würde jetzt gesetzlich geahndet werden. Dr. Reichmann berichtete über seinen und Dr. Ludwig Tietz' Besuch beim Rektor der Universität Prof. Lüders, der erklärt hat, die Forderung, daß Juden die Universität Berlin zu verlassen haben, sei keineswegs offiziell von den Nazi - Studenten gestellt worden. Dr. Reichmann trat ausländischen Zeitungsmeldungen entgegen, daß in Deutschland Panik unter den Juden und Pogromstimmung herrscht. Ernster zu werten sei, daß die Nationalsozialisten an ihrem Judenprogramm festhalten. Ihr Maximalprogramm für den Fall der alleinigen Uebernahme der Macht lautet: Kein Jude kann Volksgenosse, also Staatsbürger, sein. Wer nicht Staatsbürger ist, soll nur als Gast in Deutschland leben können und muß unter Fremdengesetz stehen. Für den Fall, daß sie mit Hilfe anderer Parteien regieren, haben sich die Nationalsozialisten eine-Art Minimalprogramm zurechtgelegt, daß den Ausschluß der Juden aus Beamtenschaft, Theaterwesen, Schule, Aerzteschaft, Anwaltschaft, Durchführung eines generellen Schächtverbots usw. zum Inhalt hat. Die in manchen jüdischen Kreisen gehegte Annahme, daß die Nationalsozialisten ihre antisemitischen Forderungen nur zu agitatorischen Zwecken erheben und ihre judenfeindliche Demagogie zurückstellen werden, wenn sie zur Macht kommen, ist falsch. In mehr als 12jähriger Agitation hat die NSDAP, ihre Anhänger zu Antisemiten erzogen. Jetzt, wo die Partei Anspruch auf Macht erhebt, verlangt die Anhängerschaft Erfüllung des Programms. Nach einer eingehenden Aussprache mit den Presse- Vertretern wurde beschlossen, die Presse-Besprechungen jetzt häufiger einander folgen zu lassen. Die Reichstagswahlen und die Juden. Berlin, 6. Juli. Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens lud die Vertreter der jüdischen Presse zu einer Presse-Besprechung ein. Syndikus Dr. Alfred Wiener, der die zahlreich beschickte Besprechung leitete, stellte im Hinblick auf die Ende dieses Monats sich vollziehende Reichstagswahl fest, daß endlich die republikanisch-demokratischen Parteien eingesehen haben, daß jeder Widertand gegen den Vormarsch der Nationalsozialisten wirkungslos bleiben muß, solange man dieser Bewegung mit den Waffen von einst entgegentritt. Eiserne Front und Reichsbanner haben nunmehr die Macht der äußeren Manifestation richtig erkannt und mit Erfolg ausgenutzt. Was die neue Regierung anbetrifft, so liegt bis jetzt kein Anlaß zur Klage vor, daß sie dem Druck Hitlers nach der Richtung einer antijüdischen Politik irgendwie nachgegeben hat. Die Parole muß heute lauten: Aktiverung des Einzelnen. Sind doch die Nationalozialisten — das muß zugegeben werden — durch Hingabe des Einzelnen groß geworden. Dr. Reichmann wies aus die verstärkte antisemitische Hetze der Nationalsozialisten hin und teilte mit, daß es Bemerkenswerte Beschlüsse des Deutsch-Israelitischen Synagogenverbandes in Hamburg. Hamburg, 12. Juli. Es darf als bekannt vorausgesetzt wersien, daß in Hamburg der Kultus getrennt von der Gemeinde von besonderen Kultusverbänden verwaltet wird. Die Wahrung des orthodoxen Kultus' obliegt dem Deutsch-Israelitischen Synagogenverband. Dieser hat jetzt durch seinen Vorstand und sein Delegiertenkollegium in erster Lesung beschlossen, die Statuten dahin abzuändern, daß die Mitgliedschaft zum Synagogenverband abhängig sein soll von der Mitgliedschaft zur Deutsch-Israelitischen^ Gemeinde. Alle Beamten, s e l b st der j e w eilige Oberrabbiner, sollen verpflichtet sein, Mitglieder der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu sein. Diejenigen Mitglieder, die aus der Gemeinde ausgetreten sind, sollen ihr Stimmrecht (aktives und passives Wahlrecht) verlieren. Der Gemeinde soll auch ein Vetorecht für den Fall der Aenderung der Statuten des Synagogenverbandes eingeräumt werden. Um die Tragweite dieser Beschlüsse ermessen zu können, muß man sich vergegenwärtigen, daß der Austritt aus der Gemeinde erfolgt ist, weil diese den Bau des neologen Tempels finanziert und ungeachtet der eigens eingeholten Gutachten des Hamburger Oberrabbiners und Prof. Hoffmannsdas aktive tittö passive Frauenwahlrecht eingeführt hat. Durch seine jetzigen Beschlüsse zwingt der Synagogenverband eine Mitglieder zumindest indirekt dazu, einer Gemeinde anzugehören, die sich über Gutachten des Hamburger Oberrabbiners hinwegsetzt und die Reform-Tempelbauten finanziert. Während im Synagogenverband wahlberechtigt auch diejenigen sind und bleiben, welche öffentlich den Sabbat entweihen, wird das Wahlrecht denjenigen genommen, welche sich am Tempelbau durch ihren Steuerbeitrag nicht beteiligen wollen. Ob unter diesen Umtänden der Hamburger Synagogenverband noch Anpruch aus den Namen einer jüdischen Kehilloh erheben kann, erscheint zumindest recht fraglich. In persönlicher Hinsicht ist zu bemerken, daß es sich bei denjenigen, welchen man das Wahlrecht entziehen zu dürfen glaubt, zum Teil um Personen handelt, welche sich um den Synagogenverband verdient gemacht haben, ja sogar leitend in ihm tätig gewesen sind. Unter diesen Umständen erscheint es auch bedeutsam, daß die Delegierten, welche den Mut zu derartigen Be-

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