Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 29 (14.7.1932)
- Date
- 1932-07-14
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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günstige Folge, daß die Rigaer Stadtverwaltung das Rigenser orthodoxe Schulwesen weit mehr als bisher fördert: in das diesjährige Budget wurde ein Betrag von 50.000 Lats hierfür eingesetzt. In kultureller Einsicht darf der Aufbau und die Entwicklung des orthodoxen Schulwesens hier als bekannt vorausgesetzt werden; vom Kindergarten bis zum Gymnasium hinauf ist das Schulwesen der Thora-im-Derech-Erez-Anstalten orthodox öurchorganisiert. Ein besonders erfreuliches Zeichen der Renaissance ist die Errichtung zweier neuer Ieschiwoth im letzten Jahre: in Dwinsk wurde die Rowogrodeker Ieschiwoh „Bejs Iausef" errichtet, in Riga eine Ehabadjeschiwah durch den.Lubawitscher Rebbe. Außerdem wurden zwei Ieschiwaus ketanaus neu eingerichtet. In organisatorischer Hinsicht läuft die Arbeit ebenfalls in aufsteigender Linie. Das Organ „Unsere Stimme" erscheint wöchentlich seit einem Jahre in achtseitigem Umfang, die Jugend, geleitet durch ihren Führer Ehodakow, ist dem Agudaideal und der Agudaarbeit treu ergeben. Der Rachwuchs in der Provinz ist an 15 verschiedenen Orten in sogenannten Volksheimen „Iawneh" zusammengefaßt. Diese Heime sind durch die Zeirej Agudas Iisroel gegründet worden und stehen unter ihrem Einfluß. Bei genügender Mitwirkung durch die aguöistifchen Zentralinstanzen darf der Agudaarbeit in Lettland auch für die Zukunft eine sehr günstige Prognose gestellt werden. Das erste Examen der Belh-Zakob-Lehrerirmenbildungsanstalt zu Men. Die Iugendblätter der Agudas Iisroel-Gruppen in der Slowakei veröffentlichen aus Anlaß des 20jährigen Bestehens der Agudas Iisroel einen Artikel Jakob Joel Brauns „Zwanzig Jahre seit Kattowitz", dessen Tendenz, die agudistische Jugend in der Vertiefung ihres agudistifchen Bewußtseins, in der kompromißlosen Hingabe an die agudistische Idee und die agudistische Organisation, zu kräftigen und zu fördern, wir anerkennen und vollen Umfangs unterstreichen. In diesem Artikel Brauns, des unermüdlichen Kämpfers für die Reinhaltung der agudistischen Idee, heißt es: „ . . .- ein neutralisierter Keren Hathora, eine dreiviertel entagudisierte Leth Jakob- Schule . . . sind durchaus nicht Hochziele für eine Gegenwart, deren Blick ganze Welten zu umfassen gewöhnt wurde und sich nach einer jüdischen Deutung dieser Pflichtenwelt im Geiste aufrechter Thoratreue sehnt." Wenn Agudismus bedeutet: die Erziehung der orthodoxen Gesamtheit, der Jugend zumal, zu dem Bewußtsein, daß das jüdische Volk allein durch die Tauroh geworden ist, daß sie den gesamten volksorganismus zu beseelen, daß sie als der Alleinfouverän in unsrem Kreis zu herrschen hat,' wenn Agudismus bedeutet, orthodoxes Judentum, Judentum schlechthin, so wie Braun seinen Artikel beschließt, dann, so glauben wir, haben die verantwortlichen Männer des Keren Hathora, die verantwortlichen Führer der Beth Jakob-Bewegung, nach unserer Meinung, diese aguöistische Idee nicht zu 50 proz. oder zu 25 proz., sondern voll, hundertprozentig erfaßt, dann dient ihre Leistung, auch wenn sie von der Ideologie, in der Ueberfülle der Arbeit, nicht immer sprechen oder schreiben, der Vertiefung dieser Ideologie in höchster Weise, dann sind sie Aktivisten in des Wortes umfassendstem Sinn. Am Donnerstag, den 26. Siwan (50. Juni), fand in Wien die Prüfung von 15 Kandidatinnen der vor zwei Jahren begründeten Beth Iakob-Lehrerinnenbildungsanstalt zu Wien, statt. Sie wurde dem, welcher Ohren zu hören, Augen zuXfehen hat, zu einem weithinstrahlenöen Leuchtfeuer, zu einem weithin klingenden Siegeslieö eines durch Leistung erprobten Agudismus. Oberrabbiner Iesaia Fürst, das Mitglied unseres Rabbinischen Rates, leitete die Prüfung, welche durch die Dozentinnen R. Deutschländer und E. L a n ö s - b e r g und den Leitern der Anstalt, Direktor Dr. L. Deutschländer und Rabbiner Dr. Joel p o l - lak, in Gegenwart in- und ausländischer Gäste, (Sejmöeputat w i t e n b e r g, Riga, Rabbiner Hager, Groß-Wardein usw.) vorgenommen wurde. Die Prüfung zeigte, daß die 15 Kandidatinnen nicht nur den Wissensstoff in einer geradezu vollendeten Weife beherrschen, Kenntnisse in den verschiedenen Gebieten besitzen, die den, welcher dieser Prüfung beiwohnen durfte, geradezu zur Bewunderung zwangen. Sie gab allen Teilnehmern dieses denk- Einen Tag der Sommerfrische für Erez Zisroel! Allen jüdischen Kurgästen, allen Gesinnungsgenossen, denen die Möglichkeit gegeben ist, auch in diesem Jahre die Sommerfrische aufzusuchen und Ruhe, Ausspannung und Genesung zu finden, legen wir die Bitte nah, einen Tag für Erez Zisroel zu opfern, einen Tag des Kur- und Ferienaufenthaltes der Thora in Crez Iisroel zu schenken, einen Tag weniger kostspielige Zerstreuung, einen Tag der Sammlung auch für die seelischen ideellen Anliegen. Adelt Eure Erholungszeit dadurch, daß Ihr auch von Eurem Vergnügen und von Eurer Erholung den materiellen Gegenwert eines einzigen Tages für unser Schulwerk spendet. Möge jedes Herz, das sich jetzt nach Heilung und Ausspannung sehnt, für diese Anregung Verständnis haben und sich bereit finden, den Sommeraufenthalt durch eine Spende für die Thora in Erez Iisroel zu einer Mizwah zu gestalten. Darüber hinaus richten wir an jeden ^lgudisten und jede Agudistin das Ersuchen, zu berechnen, was er am 17. Tamus und 9. Aw für sich und seine Familie an Speise und Trank erspart und diesen Betrag im Sinne des talmudifchen xnpnx xrv’ivm x^x für unser Schulwerk zu spenden. An unsere Führer allerorten, an die Jugend und an die reifen Agudisten ergeht unser Ruf, an dieser „Drei-Wochen-Aktion" tatkrästig mitzuarbeiten. Zeiget, daß die Erez Iisroel-Liebe der Aguda keine bloße Phrase i st. Aus Wunsch werden Redner und Materialien über die Arbeit der Agudas Iisroel in Erez Iisroel von der Zentrale zur Verfügung gestellt. Die Zuwendungen für das Schulwerk in Erez Iisroel überweise man an eine der folgenden Adressen: Palästina-Zentrale der Agudas Iisroel Franks, a. M. Schwanenstraße 12 Postscheckkonto 55 900 Dr. M. 2luerbach für Palästina-Schulen der Agudas Iisroel Berlin Artilleriestraße 51 Postscheckkonto 67144 Berlin Palästina-Schulwerk der Agudas Iisroel Wien n Leopoldsgasse 16 Postsparkaffe D 115621 Palästina - Zentrale der Agudas Iisroel Zürich Traubenstr. 1 Postscheckkonto VIII 12017 Zürich. würdigen Erlebnisses das sichere Bewußtsein, daß bei allen diesen 16 Kandidatinnen ihres Wissens Blüte nicht Kenntnis, sondern Erkenntnis ist: Die Erkenntnis vom Sinn und Sein des jüdi- 'chen Volkes. Jede dieser Kandidatinnen wird ihren Beruf als Berufung auffassen, pionierdienst zu Ieisten, nicht für ein dreiviertel entagud i s i e r t e s , sondern eben für dieses „hundertprozentig" agudistische Judentum. Jede wird pionieröienste leisten und ihren Schülerinnen eine jüdische Lebensform, eine jüdische Weltanschauung vermitteln, die hundertprozentig jüdisch und darum, und eben darum „hundertprozentig" agudistisch ist. Dies kam trefflich zum Ausdruck in der nach Form und Inhalt gleich vollendeten Rede des Frl. Glück, Bratislava, in welcher sie den Dank der Absolventinnen aussprach und gleichzeitig den Geist kennzeichnete, in welchem die jungen Lehrerinnen an ihre schwere Aufgabe herantreten wollen. Wir sind tief davon überzeugt, daß Brauns Sorge, deren reinen und edlen Charakter wir bestimmt nicht verkennen, unberechtigt ist, überzeugt davon, daß auf die Leistungen von Beth Jakob —■ und diese Prüfung war ja nur eine Leistung in der Fülle der anderen — das Wort unseres großen Lehrers gilt: „Deine Taten werden Dich nahebringen." Wir sind davon überzeugt, daß diese Prüfung im Wiener Seminar, so bescheiden und anspruchslos sie stch auch abspiclte, die schönste Gabe ist, die von agudistifchen Menschen der agudistifchen Idee und der agudistifchen Organisation in diesen Agudajubiläum- Wochen dargebracht wurde. W. S. I. Roch einmal das Aktivisten-Programm. Von LH. I. Liß in Zürich. Ich bin der Redaktion der holländ. Agudazeitung sowie Herrn David Ullmann, Kassel für ihre Stellungnahme zu meinem ersten Artikel sehr dankbar, denn dadurch ist mir die Möglichkeit gegeben, über einige Anschauungen der Aktivisten deutlicher zu schreiben, als ich dies vielleicht in meinem letzten Artikel getan habe. vor allem will ich feststellen, daß es ein Irrtum ist, wenn man glaubt, daß ein Aktivisten-Programm existiert. Wir haben nur ein 2l eb e i t s p c o g r a m m publiziert. Faktisch sind alle Punkte, die wir in unserem Arbeitsprogramm auffübren, in dem Agudaprogramm enthalten, welches sämtliche Fragen im Geiste der Tauroh und der Mizwaus lösen will. Aus diesem Aguda-Programm haben wir nur einige Punkte herausgenommen, auf welche wir glauben, daß die Aktivisten stch momentan speziell zu konzentrieren haben. Wenn wir z. B. die Unterstützung der selbständigen Orthodoxie in Erez Iisroel als einen unserer Olrbeitsprogrammpnnkte betrachten, obwohl solcher zum Programm der palästinazentrale gehört, so wollen wir damit eben sagen, daß wir diesen Arbeitsfaktor zu einein solchen für sämtliche Aktivisten erheben. Cs ist deshalb unverständlich, wie die geehrte Redaktion der holländischen 2lgudazeitung von einer organisierten Opposition gegen die gegenwärtige Leitung sprechen kann. Im Gegenteil, als Mitglied des Geschäftsführenden 2lusfchusies und der politischen Exekutive der A. I. Weltorganisation kann ich behaupten, daß im Prinzip gar kein Meinungsunterschied zwischen der weltlcitung und den Aktivisten existiert. Differierende Meinungen bestehen nur in Betreff der praktischen 2lrbeit. Rehmen wir zu allererst die Frage vom sogenannten „Schaumrei-Schabbos-Weltverband", zu welcher die redaktionelle Rachschrift der holländischen 2l. I.-Zeitung bemerkt, daß wenn A. I. einen solchen Verband nicht gründet, sondern eine andere juridische Person, daß dann 21. I. diesen Verband unterstützen muß. Cs wundert mich sehr, daß man von aguöistischer Seite Hollands eine solche Behauptung aufstellen kann, denn gerade die holländische 21. I. war diejenige, die einen 2lntrag auf der Berliner Zentralratssitzung im Jahre 1927 durch Herrn Oberrabbiner Hirsch. Zwolle stellte, daß 21. I. die Schaumrei-Schabbos-Angelegenheit in Händen nehmen solle. Der 2lntrag war erweitert worden durch praktische Vorschläge, wie Gründung von Hilfskassen usw. Dieser 2lntrag war von der Leitung als ein so bedeutender angesehen worden, daß man solchen auf die Tagesordnung der 2. Kenessio Gedaulo stellte. Ratürlich war dieser Antrag dem Misrachi nicht angenehm, denn dadurch würde 2l. I. außer Keren Hathora und Beis Iaacob noch diese bedeutende Sache als ihr 2lktivum nennen können. Dies ist denn auch die Veranlassung für den Misrachisten