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Der Israelit · 1932-07-14 · Heft 29 (14.7.1932) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 29 (14.7.1932)
Date
1932-07-14
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 8 Der Israelt'f Blätter 14. Juli 1932 Der Aufruf verkündet dann, daß der Keren Hajifchmv der Agudas Iisroel zur intensivsten Propaganda mit den verschiedensten Sammelmitteln aufrufe. Neben einmaligen größeren Zuwendungen sollen überall verpflichtungsscheine zu jährlichen Beiträgen unterzeichnet werden und es werden (neben den dem Kole! reservierten Rabbi Meir bal Haneß-Büchsen) als neues Volkssammelmittel stciflederne Sammeltaschen (t]DS 'v'p) eingeführt, in welche jeder thoratreue Jude an jedem (läge einige Groschen für den Keren Hajischuw einwersen soll, die in keinem Haus fehlen dürfen und deren Entleerung allmonatlich stattfindet. Dem Gammelmaterial sind ausführliche Instruk tionen für die Erez Iisroel-Kommifsare bei jeder agudistifchen Ortsgruppe beigefügt, außerdem ein Arbeitsplan, der in 4 Kapiteln Einwanderung, Anfieölung, Erziehung und Organisation und Sammeltätigkeit des Keren Haji f ch u w behandelt. Das erste Kapitel sieht die Cr richtung von Informationsbüros, Mithilfe bei der Erlangung von paffen und Zertifikaten, regelmäßige Berichte über die Wirtschaftslage in Lrez Iisroel, die Errichtung von Fachkursen für junge Leute sowohl in landwirtschaftlicher als handwerksmäßiger Betäti tung, sowie die Veranstaltung von Touristenreisen nach Crez Iisroel'vor. Das zweite Kapitel stellt die Bemühungen in den Vordergrund, durch Ausbringung neuer Wittel aus dem im Besitze der Äguöo befindlichen Machane Iisroel-Loden agudistifche Kibuzim anzustedeln. Die Talmud Thora-Gchulcn, Iefchiwos und Töchterschulen.^sollen in ihrer Existenz gesichert und ausgebaut werden. Die Entwicklung der orthodoxen Gemeinden und die endliche Erwirkung ihrer öffentlich-rechtlichen Anerkennung gehört gleichfalls zum Programm der polnischen Agudas Iisroel. Gleichzeitig versendet die Agudo-Leitung in Polen einen Fragebogen, der zwecks Erlangung von Zertifikaten zur Einwanderung nach Crez Iisroel von denjenigen ausgefüllt werden soll, die in der nächsten Zeit einzuwandern beabsichtigen. Die Zentrale fügt hinzu, daß sie keinerlei Gewähr für die Erlangung von Zertifikaten und insbesondere für den Zeitpunkt der Erlangung übernehmen kann, daß sie aber eines möglich vollständigen und gewissenhaft verifizierten Materials bedarf, um die nötigen Bemühungen bei den behördlichen Instanzen mit Ausstcht auf Erfolg fortsetzen zu können. Es ist zu hoffen, daß den wohldurchdachten und mit feuriger Energie angepackten neuen Plänen der polnischen Crez Iisroel-Zentrale durch die zähe und geduldige Arbeit ihrer Helfer und Anhänger im ganzen Lande der praktische Erfolg gesichert und damit die Voraussetzung für eine produktive Crez Iisroel-Arbeit der 2lguöas Iisroel-Weltorganifation als eines Ganzen erst geschaffen wird. durch sie in der freien Zeit, zumeist an Sonntagen bearbeitet wird. Die Gründung einer Geflügelzucht und die Einrichtung einer, wenn auch zunächst nur bescheidenen Viehhaltung ist gegenwärtig im Gange Neben der praktischen Erlernung der Landwirtschaft, sind theoretische Kurse eingesührt, die von einem stud. agr., einem unserer tatkräftigsten Gesinnungsgenossen, geleitet werden. Selbstverständlich wird auch auf die jüdische Ausbildung der.Ehaluzim be fonderer wert gelegt. Der Dafjaumi, Mifchnajos und Tnach wird Tag für Tag gelernt, am Schabbos finden regelmäßig Vorträge und Diskussionen statt Am Rosch-chaudesch Siwan besuchte der wisch nitzer Raw, Oberrabbiner Elieser Hager, in Leglei tung des Dajans, Perm Rabbiner David Schneeball sowie zahlreicher Ieschiwo-Bachurim und Zeire Agudas Iisroel aus Wischnitz die Hachschoro-Kolonie der 2lgudo-Ehaiuziin in Millew. Die Ehaluzim gingen den Gästen bis zum nahen Dorf entgegen und es fand ein feierlicher Empfang statt, bei dem als erster der Leiter der Kolonie, Herr Mordechai Wolanow, im Namen der Ehaluzim die Gäste begrüßte. Für die Zeirei 2lgudas Iisroel von Wischnitz sprach Herr Mos. Salomon ermunternde Worte, für die Ieschiwo Herr I. Bachmann. Hierauf hielt Herr Oberrabbiner Hager eine längere Ansprache, in der er all denjenigen den wärmsten Dank aussprach, die sich um die Gründung dieser vorbilöungsstätte für Crez Iisroel Verdienste erworben haben, insbesondere dem Guts Pächter von Miliew, Herrn Katz, wie auch den Baalebatim von Miliew, die den Ehaluzim ihre Gast freundschaft bezeigen Auch den Damen des Wirt fchaftskomitees, die sich in selbstloser Hingebung unl die gute Verpflegung der Ehaluzim bemühen, wurde wärmster Dank ausgesprochen. Der Oberrabbiner ermahnte die Ehaluzim, sich bewußt zu sein, daß sie als Pioniere eines neuen echt religiösen Iischuw in Crez Iisroel wirken sollen. Landwirtschaftliche Vorbildung. i. Einrichtung einer Aguda- Hachschoroh in der Bukowina. Unsere Freunde, die Zeirej 2lgudas Iisroel in Ezernowitz, haben die Gründung eines agudistischen Ehaluzius in Rumänien (Bukowina) vorgenommen. Der Eholuz besteht aus ca. 30 Chawerim, die ihre landwirtschaftliche Ausbildung in Miliew auf dem Gutshofe des Herrn Katz genießen. Die Gründung ist durch finanzielle Beteiligung und. Unterstützung der Zentrale der Zeirej 2lgudas Iisroel in Ezernowitz zustande gekommen. Sie hat auf die religiöse Bevölkerung einen sehr starken Eindruck gemacht und es ist zu hoffen, 'oaß sie weiter zu ihrem Teil dazu beitragen wird, die jüdische Jugend dieses Landes von der wirtschaftlichen Abhängigkeit von den Zionisten, die so oft auch eine geistige im Gefolge hatte, frei zu machen. Es handelt sich bei dieser Farm um ein ziemlich großes Gut, das aus 2000 ha besteht. Die Ehaluzim werden, obgleich sie sich noch im Stadium des Lernens befinden, gleich den nichtjüöischen gelernten Arbeitern bezahlt. Cs wurde ihnen auch ein, großer Gemüsegarten zur Verfügung gestellt, 6er i ii. Hochs choroh in Polen. 2luf Grund eines Beschlusses der pKs Konferenz in Kl l a w a vom Clul 5691 ist nunmehr auf dem Besitz „Rembielinek" bei Eorzzal eine Hachfchoroh für die Zeire Agudas Iisroel und paualei Agudas Iisroel des Warschauer Bezirkes eingerichtet worden. Der Gutsbesitzer, Herr M. Tschwirkowsky, hat für diesen Zweck einen Gutshof von 150 Morgen — Aecker und Gartenland — zur Verfügung gestellt. Die theoretische und praktische 2lusbildung erfolgt durch einen Diplomlandwirt. Mit dieser landwirtschaftlichen 2lusbildung geht die geistige Erziehung durch Einrichtung regelmäßiger Schiurim, Diskusstonsabende usw. Hand in Hand. 2luch junge Leute aus dem Ausland können zu Zloty 15.— monatlich Aufnahme finden. Ein Interview mit Sejmabg. S. Vitkeuberg aus Riga. Herr Gejmdeputierter S. Vittenberg, der Direktor des Thora-im-Dcrech-Crez-Schulwesens in Riga, weilt zur Zeit in Wien zur Teilnahme am 2l ch t e n Europäischen Nationalitäten- ' Kongreß. Er hatte die Liebenswürdigkeit, sich in einem Interview über Feine Teilnahme an diesem Kongreß zu äußern: Bisher hat das orthodoxe Judentum in den östlichen Ländern an den Minoritätskongressen nicht teilgenommen; Bedenken politilcher wie weltanschaulicher Natur hielten es davon ab. Daß es sich entschlossen hat, an diesem Kongreß, zunächst lediglich zu informativen Zwecken, tcilznnehmen, bedeutet durchaus nicht, daß diese Bedenken nunmehr gegenstandslos geworden feien. Die Teilnahme erfolgt vor allem deshalb, weil dieser Kongreß durchaus keine praktischen Ziele verfolgt und auch keinerlei bestimmtes Programm für die politische Stellungnahme der Minoritäten innerhalb der betreffenden Länder vorzeichnen will. Das einzige grundlegende Prinzip: völlige Loyalität gegenüber dem Staat und absolute Anerkennung feiner Integrität wird vom orthodoxen Judentum ja vollauf anerkannt. Es ist im übrigen klar, daß die Politik der jüdischen Minorität nicht immer die gleiche sein kann,., wie die der anderen Minoritäten, während sämtliche Minoritäten Europas in den Regierungen der Länder,; in welchen sie die Majorität darstellen, Stütze und Rückendeckung finden, ist die jüdische Minorität die minoritas' pura, die klassische zweitausendjährige Minorität. Aber nicht nur in dieser politischen Hinsicht ist die jüdische Minorität eine solche besondere Art, auch in Bezug auf die Kulturpolitik unterliegt sie besonderen Gesetzen und Bindungen, der Sondercharakter des jüdischen Volkes spiegelt sich in seiner Kultur, ihren Formen und Bedürfnissen wieder: Religion und Ration sind zu untrennbarer Einheit verbunden, eines ist ohne das andere unmöglich, wertlos. Eine Folge dieser Tatsache ist die Vermischung, der sogenannten Kulturinteressen mit rein religiösen Belangen. Dort, wo andere nur weltliche Kulturdingezu verteidigen haben, haben wir für religiöse Forderungen zu kämpfen. Wenn wir uns zur Teilnahme an diesem Kongreß, unter den einleitend erwähnten Einschränkungen, entschlossen haben, so geschieht dies nicht nur, weil es sich um den 8. Kongreß handelt, und die ersten 7 Kongresse erwiesen haben, daß diese Zusammenkünfte unsere besonderen Interessen in keiner weise schädigen (?), sondern vor allem weil der Zentralpunkt dieses Kongresses, seinem Inhalt und seinen 2luswirkungen nach, unsere ureigenen Angelegenheiten berühren kann. Das Zentralthema lautet: „Anerkennung der Volkstumsrechte im Wirken der Kirchen". Wir als Volk, in welchem Volkstümliches und Religiöses so vollständig zusammengehören, haben ür diese Frage das größte Interesse. , Cs ist von charakteristischer Bedeutung, daß der Kongreß in den Mittelpunkt seiner Beratungen ein Thema stellt, das abseits von den tagespolitischen Fragen liegt. Daß dieses Thema gewählt wurde, zu einer Zeit, da die kulturelle Autonomie der Minderheiten durch den Chauvinismus, der in vielen Staaten gegenwärtig herrscht, gefährdet ist, zeigt, daß man allmählich zur Ueberzeugung kommt, daß die Kultur der Minoritäten durch politische Machtmittel nicht geschützt werden kann. Man kommt zur Ueberzeugung, daß die Machtmittel der Minoritäten nicht Armeen und durch die Gewalt getragene Maßnahmen sind, es bleibt für sie als Schutz ihrer kulturellen Eigenart nur eines: Vertiefung und Verinnerlichung der eigenen Kultur. Die Geschichte wird zur Lehrmeisterin und gerade Wien, das uns jetzt so freundliche Gastfreundschaft gewährt» zeigt als Hauptstadt eines einst so großen Reiches, daß äußere Machtmittel niemals auf die Dauer den Bestand einer Sache garantieren können. Nur die innere Kraft einer Idee gewährleistet, sichert ihren Sieg. Diesen Gedanken demonstriert dieser Minoritäten-!'ongreß, in ihm tritt er vor die großen und kleinen Völker der Erde, er sagt ihnen in seiner Sprache, was die Lehre unseres Volkes schon vor Jahrtausenden gekündet. Cr sagt ihnen, daß die Kultur eines volles nicht durch die Zähl der Volksgenossen bedingt : l, sie ist allein getragen und bedingt durch die Tiefe, die Inbrunst und die Wertigkeit dieser Kultur selber. Wir glauben, daß die jüdische Minorität in beonöerer Weise berufen ist, an der Popularisierung dieses Gedankens mitzuwirken und daß gewiß das orthodoxe Judentum das Recht und darum auch die Pflicht hat, zur Verbreitung dieser Erkenntnis beizutragen.*) Ueber die Lage der Agudas Iisroel in Lettland machte uns Herr Vittenberg folgende 2lngaben: in o l i t i f ch e r Hinsicht macht die Agudas Iisroel bedeutende Fortschritte. Bei den letzten Wahlen zum ettländischen Sejm wurden drei Juden gewählt, darunter zwei aus der agudistischen Liste u. z. der bewährte Vorkämpfer des orthodoxen Judentums in Lettland, Mendel Dubin und Herr Vittenberg. Bei den letzten. Rigaer Stadtratwahlen wurden von acht jüdischen veroröneten vier auf der Aguöaliste gewählt. Dies hatte unter vielem anderen die *) Siehe hierzu die Stellungnahme der Agudo-Leitung im Korrespondenzteil dieser Nummer des „Israelit" unter Wien.

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