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Der Israelit · 1932-07-14 · Heft 29 (14.7.1932) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 29 (14.7.1932)
Date
1932-07-14
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Hfäffet? der fandesorgantfatton des Ngndas-Aisroel in Deuffefiland. 8. Jahrgang Berlin, 14 Juli 1932 / 10. Tammus 5692 Nummer 8 Schriftleitung: Wolf S. Jacobson in Werkln. Zersplitterung der Kräfte — oder gemeinsame Aufbauarbeit? Von Manfred Heuberger in Frankfurt a. M. Die Lage der religiösen Bevölkerung Erez Iisroels, ihrer wirtschaftlichen Existenzmöglichkeiten, ihrer religiös-geistigen Freiheit, ihrer Institutionen, ist aufs Schlimmste gefährdet. Trotz seiner zahlenmäßigen Stärke war der alte Iischuw schon immer in wirtschaftlich schwacher Position, seitdem die intensiven Trommler-Methoden der Zionisten immer mehr Crsolg damit hatten, allenthalben die für Palästina- Aufbau bestimmten Gelder mehr oder weniger für die Zwecke des neuen Iischuw flüssig zu machen. Hinzukommt, daß die soziale Schichtung des alten Iischuw eine „Autarkie", eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit vom ausländischen Spender-Kapital, auf geraume Zeit unmöglich macht, während das neue Palästina wenigstens anfangen kann, auch aus Eigenem zu seiner Lrhaltung beizutragen. So geht man z. B. mit der 2lbfid)t um, binnen kurzem das Schulwesen aus der Betreuung durch die Fonds mehr oder weniger auszuschalten und unter die Fürsorge des Iischuw selbst zu stellen. Die orthodoxe Iudenheit Erez Iisrocls hat solche Möglichkeiten vorerst nicht; das; ihre Institutionen vor dem finanziellen Zusammenbruch stehen, wenn nicht bald Entscheidendes geschieht, ist ein offenes Geheimnis; Niemand meist, wie lange sie noch dem Trommelfeuer der Verlockungen widerstehen können, mit dem sie systematisch überschüttet werden. Der nnoiö winv, der versuch, die selbständigen orthodoxen Institutionen unter das zionistische Joch zu spannen, wird von der furchtbaren Not der Zeit begünstigt, was geschieht, um die Kräfte zusammenzufassen, um den alten Iischuw in seinem Existenzkämpfe zu stärken, um ihm die Möglichkeit zu geben, auch einmal ganz aus eigener Kraft sein Geschick in die Hand zu nehmen? Nichts — nichts geschieht, um der unseligen Zersplitterung Tinhalt zu gebieten, die auf dem Gebiete der Fürsorge für den alten Iischuw Platz gegriffen hat. Noch immer herrscht das Prinzip der engabgegrenzten, ängstlich auf ihre Kompetenzen bedachten K a u l a l i m , der Unterstützung von Landsmannschaften durch die „Landsleute" i n d e r G 0 l a — längst überholt durch den Amalgamierungsprozest der Kriegsjahre mit ihren neuen Staatenbildungen, durch die endlich gedämmerte Erkenntnis, daß Juden, religiöse Juden, wenn es um -die Sorge für Tauroh und Mizwaus geht, nicht deutsche, polnische, galizische, ungarische Juden sind — sondern Juden, O’Tin mit gleichen Interessen, gleichen Sorgen, gleichen Kämpfen. Das wenigstens soll- < ten 20 Jahre Aguöas Iisroel gelehrt haben! warum also die eifersüchtige Scheidung und Grenzziehung? Warum nicht Sammlung aller Kräfte für Rettung der Tauroh im heiligen Lande, für proöuktivierung des religiösen Iischuw, für Lrhaltung des Crhaltungswerten, für Ausscheidung des Entbehrlichen, für Vereinheitlichung und Vereinfachung der Verwaltung? Wo; bleibt die große, von Aguöas Iisroel als Treuhänderin aller Interessenten zu organisierende Kampagne für eine großzügige, aus kleinen Gaben, aber aus vielen Taschen fließende Sammelaktion? Sollten nicht persönliche wünsche, Befürchtungen oder gar Verdächtigungen da schweigen, wo es gilt, entweder zusammen zu arbeiten oder durch Linzelarbeit Flickwerk zu leisten, ins Faß der Danaiden zu schöpfen? In Lrez Iisroel selbst müßte die Erhebung gegen das alte, veraltete System beginnen, dort müßte man verkünden, daß das Interesse der Einzelnen nicht gewahrt ist durch das allgemeine „sauve qui peut", sondern durch Einigung, gemeinsame Arbeit für das allen gesetzestreuen Kreisen am höchsten stehende Ideal der D’&ff rvoV» tod im öffentlichen Leben. Line Alijah-Gemeinschaft des Mittelstandes für Westeuropa. Von Eliefer Derlinger in Berlichingen. Die in den letzten Monaten im „Israelit" veröffentlichten Erörterungen zum Erez Iisrocl-Problcm, das ja auch in den Augen der westeuropäischen und auch der deutschen Juden einen immer brennenderen Charakter annimmt, veranlassen mich zu folgendem praktischen Vorschlag. Die Palästina-Zentrale der Agudas Iisroel sollte die Initiative zur Gründung einer Alijah - Ge - m einsch 6 sl, d. h. zu einer Zusammenfassung derjenigen Interessenten des Mittelstandes ergreifen, die, sei es in naher Zukunft, sei es später, selber sich in Erez Iisroel niederlassen wollen. Sobald man die Namen dieser Interessenten kennt, sollten sie zu einer Tagung zusammenberufen werden und möglichst selbständig, wenn auch unter sachvecstäitdiger Beratung, eine Alijah-Arbeitsgemein schaff gründen, deren Aufgabe es ist, die zu treffenden Vorarbeiten und Vorbereitungen in Ehuzo-I'orez und Erez Iisroel unverzüglich in Angriff zu nehmen. Die Leitung dieser Arbeitsgemeinschaft sollte aus einem Rabbiner, einem oder einigen genauen Kennern Erez Iisroels und einigen fachlich ausgebildeten Vertretern der Aulim bestehen. Sämtliche Mitglieder müßten monatliche Beiträge je nach dem Maße ihres Könnens und ihrer Absichten leisten, außerdem sollte durch ehrenamtlich dnrchzuführende Propaganda die Gemeinschaftskassc gestärkt werden. Dies würde bei dem stark persönlichen Charakter der ganzen Gemeinschaft wahrscheinlich weit leichter gelingen, als propagandistische Maßregeln großen Stils, die sich auf die Masse stützen, Erfolg versprechen. Cs sollte ganz davon abgesehen werden, die Gemeinschaft zu einer breiten Organisation auszubauen, sondern sie soll möglichst individuell, einfach, schlicht und willensstark ihre Aufgaben erfüllen. Ich stelle meinen Vorschlag zur Diskussion und hoffe, daß die Palästina-Zentrale der 2lgudas Iisroel sich, falls er ein Echo findet, der 2lusführung annehmen wird. Gesellschaftsreise der Palästina- Zenkrale der Agudas Iisroel. Die beabsichtigte Gesellschaftsreise der Palästina- Zentrale nach Erez Iisroel soll bei genügender Beteiligung Ende 2lugust stattfinden. verschiedene Teilnehmer haben sich bereits angemeldet, wir bitten weitere Interessenten sich sofort zu melden, damit .der endgültige Termin festgesetzt werden kann. Prospekte sind anzufordern bei der Palästina-Zentrale der 2lgudas Iisroel, Frankfurt (M), Schwanenstr. l2. Große Erez Iisroel-Aktion der polnischen Agudas Iisroel. Auf Grund der Eindrücke und 2lnregungen, die der Präsident der polnischen Lanöesorganisation der Agudas Iisroel, Herr I. M. Lervin, auf seiner letzten Erez Iisroel-Reise empfing, hat die Erez Iisroel-Zentrale der 2lgudas Iisroel in Warschau nunmehr eine große systematische Propaganda für eine orthodoxe Alijah nach dem heiligen Lande eingeleitet, die sich über ganz Polen erstreckt. In einem an alle religiösen Juden in Polen gerichteten Aufruf heißt es wie folgt: „Schon wiederholt haben wir uns an die jüdische Öffentlichkeit gewendet und auf die heilige Pflicht hrngewiesen, die das religiöse Judentum zur organisierten angestrengten Arbeit für Iischuw Erez Iisroel auf den Grundlagen von Taurob und Emuno erwecken müßte. Trägt die Mizwo von Iischuw Erez Iisroel Ewigkeitscharakter und haben zu alle n Zeiten religiöse Juden mit Aufopferung ihres Lebens daran gearbeitet, den Iischuw im heiligen Lande in jeder weise zu stärken und zu verbreitern, so ist diese Mizwo im j e tz i g e n 2l u g c n b l i ck v 0 n u n g I e i ch g v ö ß e r e r B e d e u t u n g a l s j e in a l s z u v 0 r. Es handelt sich ja heute darum, die Heiligkeit von Erez Iisroel zu retten, es handelt sich um die Schicksalsfrage, ob Erez Iisroel das b eilig e L a n d f ü r d a s h e i l i g e v 0 I k b l e n - b e n ) oll. Das religiöse Judentum ist nicht davon frei zu sprechen, daß es versäumt hat, mit der nötigen Plan m ä ß i g k e i t und unter Organisierter Z u s a m m c n f a s s u n g all l er K r äste für die 2lnsiedlung in Erez Iisroel zu wirken, und daß es n u r d a d u r ch dazu kommen konnte, daß der neue Iischuw sich vollständig unter dem Einfluß nichtreligiöser Elemente entwickelt hat, unter dem Einfluß von Persönlichkeiten, die nicht nur in ihrer privaten Lebensführung dem traditionellen Judentum fernstehen, sondern die dem ganzen neuen Iischuw den Stempel der Verweltlichung und der Entfremdung von aller Iüdischkeit aufdrücken. Das religiöse Erziehungswesen und seine Institutionen werden von Tag zu Tag schwächer und der größte Teil des jungen Geschlechtes wird erzogen, entfremdet allem Glauben und entfremdet aller Taurohbeobachtung. Die öffentliche Sabbatentweihung nimmt leider von Tag zu Tag zu und die ganze Volkserziehung zeigt Tendenzen, die weit hinweg führen vom wahren Judentum. Schuld hieran sind aber nicht bloß jene, die, selber ohne Emuno, irrtümlich glauben, Erez Iisrocl auf weltlicher Grundlage aufbauen zu können, schuld sind auch wir religiöse In d e n , die es zu dieser Lage haben kommen lassen, schuld sind diejenigen Juden, die fest überzeugt sind, daß der „Aufbau" von Erez Iisroel ohne Gesetzestreue eine Zerstörung ist, die durchdrungen sind von der Wahrheit, daß wir „um unserer Sünden willen aus unserem Lande ins Exil gehen mußten" und daß daher die Rückkehr nur auf Grundlage der Thora und ihrer Nlizwos geschehen kann. Schuld sind alle gläubigen Juden dadurch, daß sic sich n i ch t v e r - einigt und organisiert haben zur 2l r b e i t der 2l l i j a h und der Ansied - l u n g in Erez Iisroel, um auf diese weise die religiösen Institutionen, insbesondere das religiöse Erziehungswesen sowie ihren eigenen Einfluß aus das religiöse Gemeinschaftsleben in Erez Iisrocl zu verstärken. Die 2lrbeit des orthodoxen Judentums war bis jetzt zersplittert und sie war eben wegen dieser Zersplitterung, wegen der Trennung in verschiedene Kolalim und Institute, bei all ihrem gewaltigen quantitativen Umfang, nicht imstande, den der eigenen Kraft entsprechenden Einfluß auf das allgemeine Gemeinschaftsleben in Erez Iisroel auszuüben. Go kann cs nicht weiter geben. Zu gewaltig ist die Verantwortlichkeit für uns, für unsere Kinder und für Erez Iisroel als das heilige Land unserer Zukunft, zu groj; die Verantwortung^ als daß wir dieses Land herrenlos der Entweihung seiner Heiligkeit überlassen dürften, zu groß die Verantwortung vor G'tt, der Erez Iisroel zum heiligen Land für die Juden bestimmt bat, als daß wir untätig dasttzen dürften, um durch diese Untätigkeit Erez Iisroel zu eine m „Golus- Lande in hebräischer U e b e r s c tz u n g" werden zu lassen."

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