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Der Israelit · 1932-07-14 · Heft 29 (14.7.1932) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 29 (14.7.1932)
Date
1932-07-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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14. Juli 1932 Der Israelit Nr. 29 Seite 3 i 1932 heit tzerft und ist nicht gen mn >er auch . Drum Echstes!lle Not SIahaß -je zschlagl kann, chrt die weinin die i n k t c n alter | ie Hei- 1 c Welt lweg inn, sunden währt: ümmel enerell rö mit wahren ismus erden, ur die > auch ragen 'tikum irtsein. CinllNgS-! gibt , -as Lgenireise 't — wirt-! i ch mehr nach jetzt >enö- »eÄiv D’a terer für kein ' in eibt, war daß auf resp. renn H'i gesein, - ist das alte heit '2N', den ge- >ohl ens ten icht Zelen. ein en. uch en, en. liche fragt, wie sich sich denn die nächstliegendste wirtschaftliche Möglichkeit denken, so heißt es: wir leben doch jetzt beide, ein jeder für sich, wir werden in gleicher weise zunächst auch zusammen leben können. Und später wird der Himmel für uns sorgen, wie er für alle sorgt. Line solche Einstellung wird allerdings nur dann gutzuheißcn sein, wenn sic Ausdcuckeines jugendfrischen ungebeugten Lebenswillens ist, der sich durchzusetzen entschlossen ist, der aber auch die äußersten Konsequenzen übernehmen will: Verzicht auf 9.0 proz. des Lebenskom - fo rts. Daß ein solcher Verzicht möglich ist, beweist unser eigenes Leben im Schützengraben und noch mehr die Lebenshaltung jener Lhaluzim, die in der Begeisterung für unser Land sich in vollkommen primitive Verhältnisse fügten, warum soll man einen Enthusiasmus nicht gutbeißen, wenn er sich auf das Ideal einer jüdischen Ehe richtet, die allein dem Untergang des jüdischen Volkes entgegenwirken kann. Auch die anderen, die für einen so idealistischen Flug ins Ungewisse nicht den Mut und willen aufbringen können, werden es als ihre Pflicht betrachten müssen, den bisherigen Standardihrer Lebenshaltung zumindest erheblich zu beschränken, um so die Möglichkeit einer Lhe nicht unnötig lange hinauszuschieben. In manchen Fällen wird man mit der Lrwerbstätigkeit der Frau auch nach der Eheschließung rechnen können und setzt sich damit nicht in Gegensatz zur jüdischen Tradition. Manchem jungen paare kann so über die ersten Monate des Lhestandes hinweggeholfen werden, die durch Beschaffung der notwendigen Gebrauchsgegenstände besondere Schwierigkeiten bieten. Die in früheren Zeiten in jüdischen Kreisen üblichen Zuschüsse durch Organisationen bleiben heute natürlich aus, und es erscheint z. Zt. auch unwahrscheinlich, diese durch die Gemeinden auch wiederum zu beleben. Der Lrwerbstätigkeit der Frau sind aber durch die Mutterschaft natürliche Schranken gezogen. Zumindest läßt eine Mutterschaft keine außerhäusliche Berufsarbeit. zu. (Max Hirsch.) Drum wird seit langem die Frage der „ Kameradschaftsehe", die die Kinderzeugung — zumindest zunächst — verhindern soll, diskutiert. Sozi a l^b l o l o g i s ch ist sie von Fachleuten (Grot - j a h n u. a.) als minderwertig gekennzeichnet worden, da sie erfahrungsgemäß nur selten — auch später — nur selten die für die Volkserhaltung erforderliche Zahl von Kindern hervorbringt, was gerade für die besonders gefährdete jüdische Bevölkerung zu beachten ist. R e i ß n e r7) hat nun versucht, die Jüd. Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik 1931. Heft 1. Möglichkeit einer Kameradschaftsehe vom jüdischen 7) Hanns Reißner. Das Problem der Geburtenkontrolle in der Gegenwart und im jüdischen Schrifttum. unwillkürlich die Macht G'ttes verringern und G'tt sie dafür strafe?J — iVss D’»n *v>xn — ara'i rr wr rV. o'am in o’pno naw erblickt wegen sonstiger Schwierigkeiten die Sünde darin, daß nnKi nwa in Zorn geraten seien, was eines n-n unwürdig sei und einer Entweihung des g'ttlichen Namens gleichkomme. In einer Zeit, wo jede Magd in Israel durch die Ereignisse, die sie miterlebt hatte, solch prophetische Höhe errungen hatte wie p Vpnv, sei es nnRi new nicht zugekommen, Vmir?' mit wii» zu -apostrophieren. — Hiergegen läßt sich einweNden, daß es sich ja vielleicht um gar keinen wirklichen Zorn handelte, sondern nur um Zurechtweisung. Aber wenn es auch wirklichen Zorn gewesen sein sollte, fo erkennt in diesem Falle p~nbv darin noch keine Versündigung. v'iiv mp kV '2 i«vn kV d’iiö virnpv n»2i 'm VnpV pi 2,112» yirV — außerdem müßte dann ja auch pn» gezürnt haben. Es ist schwer auszudenken, daß der Mann, der als höchsten Beruf betrachtete, Frieden zu stiften, mV» 2ni» tnVff rpm durch maßlosen Zorn gesündigt haben sollte. nV2p a-y erörtert p-nViz? im Namen des r"»i feinste Unterschiede zwischen 'i Vnp und my, Vnp» oy. Der Befehl hatte gelautet TnRpnRi;i,i» myn n« Vnpm (my ist die Gemeinde mit den Aeltesten und dem punav an der Spitze), bei der Ausführung aber heißt es Vnpn riKpnKinvviVnp'i (Vnp ist der Plebs, die rohe Masse des Volkes) nVnw V1V2 N'W 'rav v,1p DRIp 2"NK1 2N'VK12 DH'SpT VW my DRIp (Köinan) nVpVp Vw- Hierbei würde auch besonders gut hervortreten, daß Ahron mitgesündigt hatte, denn auch bei der Ausführung steht pnw wn ausdrücklich genannt. Schon wegen onip’BRV 2’»w na yi sind wir genötigt, zu dem Gedanken Stellung zu nehmen, den wir in letzter Zeit immer wieder in Zeitungen und Zeitschriften auftauchen sehen, als ob Mofcheh schon zu seiner Zeit die Wünschelrute angewendet habe, als das Volk Israel Schrifttum aus zu begründen. An anderer StelleH habe ich ans den Irrtum einer solchen Vorstellung hingewiesen. Der auf Kinderzeugung beruhende Lharakter der jüdischen Lhe geht bei der Kameradschaftsehe verloren. Im Sinne des jüdischen Schrifttums wird man auch nie und nimmer das Gut der Frühehe damit erkaufen wollen, daß man sich durch künstliche Lmpfängnisverhütung in dauernden schweren Konflikt zum Religionsgesetz begibt. Dagegen können durch die neueren biologischen Kenntnisse die Sorgen bei Lingehen einer Frühehe etwas gemildert werden. Durch Berücksichtigung der natürlichen periodischen Sterilität der Fräu kann man nach dem ersten Kind die Pausen zwischen den einzelnen Geburten auf einen natürlichen Abstand von 2—5 Jahren verlängern, wenn Erhaltung von Gesundheit und Rüstigkeit der Frau dies fordern. Diese im einzelnen Fall von rabbi nischen Sachv e r st ä n d i g e n z u prüfende Frage gehört im Grunde genomnren schon zu den Problemen der R o t in der jüdischen Lhe, denen das orthodoxe Judentum in den letzten Jahren besondere Beachtung und Erörterung geschenkt bat. (Fortsetzung der Serie folgt.) lvschenrundschau. Der Kongreh der europäischen Minderheiten. Der Kongreß der n a t i o n a l e n Minderheiten in Wien endete mit Resolutionen, die der Enttäuschung über den Völkerbund Ausdruck, geben. Wortführer der j ü d i s ch e n Minderheiten waren M o tz k i n und R u r o ck. während Motzkin „repräsentierte" und sich mehr in Förmlichkeiten hielt, führte Rurock das große Wort im Rainen von „fünf Millionen Juden in Osteuropa" (Legitimation bitte!). Cr sagte einleitend: „Fast alle Minderheiten sind in der glücklichen Lage, durch ihr Stamm- und Mutterland ihren Vertreter im Völkerbunde zu haben. wir, die älteste Minderheit, die Juden, bleiben unvertreten. wir sind um so enttäuschter über den Mißerfolg des Minderheitenschutzes, als gerade wir Juden auf dem 8) Jacob Levy daselbst 1932, Heft 1. dürstend durch die. Wüste zog. Da scheint i*y s*y bop die nun sich hier in bewußten Gegensatz zu den heidnischen Sitten jener Zeit stellt. So sehen wir dies ja auch an manchen anderen Stellen der npn min. Es wurde viel' von Uebereinstimmung zwischen dem Gesetze Hammura- bis und der mosaischen Gesetzgebung gefaselt, und Aehnlichkeiten im Ausdruck wurden von pedantischen Philologen schon als Uebereinstimmungen ausgefaßt. Gerade die Aehnlichkeiten im Ausdruck beweisen jedoch, daß sich die Thora bewußt in Gegensatz zur heidnischen Gesetzgebung stellt. Nach Hammurabis Gesetz z. B. wird dem Sklaven aus Mangel an Unterwürfigkeit das Ohr abgeschnitten, nach unserem Gesetz wird gerade aus Mangel an Freiheitsgefühle dem Knecht das Ohr durchbohrt. Was nun unseren Fall von yVvn Vr 221211 anbetrifft, wollte die ,11m gerade in Gegensatz zu dem, was die Menschen sich unter Zauber der Wünschelrute vorstellen, durch prmi w» zeigen, daß nicht das Schlagen auf den Felsen das Wasser hervorbringt, sondern nur das Wort G'ttes es ist, welches das Wasser dort oder dort sein läßt. ~ (Fortsetzung folgt.) Kleines Feuilleton. (Die Juden und die 300 Jahrfeier der Universität Dorpat.) Das 300jährige Bestehen der Universität Dorpat wurde in diesen Tagen durch einen grandiosen Festakt gefeiert, dem der schwedische Kronprinz, die Spitzen von Staat und Gesellschaft, sowie ausländische Gelehrte in großer Zahl beiwohnten. Im Namen der estlänüischen Judenschast begrüßte der Leiter des Jüdischen Kultusausschusses, Herr Eisenstadt, die Universität in he- Friedenskongreß das Problem des Minderheitenschutzes aufgerollt haben." Das ist richtig und spricht gegen eine Reberspitzung der Minderheitspolitik bei den Juden des Ostens, gegen Rurock! Wo die Juden nicht durch ein Kuriengesetz im Parlamente geradezu wie durch höhere Gewalten auf die linke Minderheilenbank verwiesen sind, sollten sie sich dreimal überlegen, bevor sie freiwillig diesen Platz wühlen und anderen Rationalitäten die Hand zur Bildung eines O p p 0 s i t i 0 n s b l 0 ck s bieten. Eben in Erkenntnis der von Rurock angeführten Tatsache, daß kein Mutterland für uns als Rückendeckung da ist, das imstande und bereit wäre, unseren wünschen und Interessen beim sog. Wirtsvolke oder im Völkerbünde Rachachtung zu verschaffen und daß es bei jenen Koalitionen immer darauf binausgeht, daß der Jude für andere Minoritäten, die cs ihm selten lohnen, die Kastanien aus dem Feuer zu holen hat ... Die Erfahrung in Polen hat es bis zur Evidenz gezeigt, daß was ein Grünbauin mit all seinem Gepolter vom Minoritätenrecht gegen die Regierung nicht erreichen konnte, die besonnene Politik der Agudas I i s r 0 e l mit der Regierung als glatte Selbstverständilchkeit fertig brachte. Es ist schon ganz richtig, was Rurock im weiteren Verlauf seiner Rede von den Gefahren, die zur Zeit dem jüdischen volkskörper und der jüdischen Volksseele in Osteuropa drohen, von der systematischen Untergrabung der jüdischen Existenz durch die Mehrheitsvölker, von den Gefahren für den Sabbat und die S ch e ch i t a sagte. Wir glauben aber nicht, daß die fünf Millionen Juden, in deren Rainen sprechen zu dürfen, Rurock gewiß ehrlich glaubt, seiner Meinung sind, daß diese internen Fragen sich auf internationalem Wege durch Völkerbund oder Minderheitskongreß regeln lassen. In einer letzten Resolution des Kongresses über die „Völkerbundstätigkeit" wird auch auf die bekannte O st j u d e n e n t s ch I i e ß u n g des preußischen Landtags deutlich angespielt. Es dünkt uns bei dieser Gelegenheit die Bemerkung angebracht, daß den preußischen Rationalsozialisten mit diesem künstlich entfachten Weltradau viel zu viel Ehre angetan wird, was ist in jener dunklen Rächt im Landtage so Ueberraschcnöes geschehen? Daß die phantastischen Pläne dieser Schrittmacher des dritten Reiches nach oben in der Luftlinie keine Grenzen kennen, wußte man ja immer schon. Hat nicht die gleiche niiiTannfiffli bräischer Sprache und überreichte dem Rektor eine Adresse des eftländischen Judentums. Von der Hebräischen Universität in Jerusalem, die mit der Universität Dorpat einen ständigen Bücheraustausch pflegt, traf eine schriftliche Begrüßung ein. Beim Festakt sprach auch das Mitglied des Professorenkollegiums der Universität Dorpat, der jüdische Privatdozent Dr. I. Stahl. Aus Anlaß der 300 Jahrseier der Universität Dorpat beschloß der Prosessorenrat der Universität, einen L e h rstuhl für jüdische Wissenschaft an der Universität zu begründen. Die in Estland bestehende Gesellschaft von Hebraisten zur Förderung jüdischer Wissenschaft an der Universität Dorpat wurde eingeladen, an der Einrichtung des Lehrstuhls mitzuwirken. Die Universität Dorpat hatte von je freiheitliche Traditionen, sie war während der Judenverfolgungen unter edm Zarismus eine Zufluchtsstätte für bildungshungrige jüdische junge Leute, die an den übrigen Universitäten des zaristischen Rußland wegen des Numerus clausus oder aus anderen Gründen nicht studieren konnten. Diese freiheitliche Tradition bewahrte sich die Universität auch, als nach dem Zusammenbruch des Zarismus Estland zu einem selbständigen Staat wurde, in dem die Juden volle bürgerliche Gleichberechtigung und national-kulturelle Autonomie haben, und die Universität in Dorpat eftländische Staatsuniversität geworden ist. Die Universität wurde 1632 vom schwedischen Kö'./.g Gustav Adolf gegründet, aber erst seit 1802 führt sie eine kontinuierliche Existenz. 1802 hat Zar Alexander verfügt, daß auch Juden an der Universität Dorpat studieren sollen. Die ersten jüdischen Studierenden waren Meyrowitz und Zeller aus Wilna, ihnen folgten zahlreiche Juden aus dem Baltikum, namentlich aus Kurland und Livland. Große jüdische Gelehrte gingen aus dieser Universität hervor. Auch heute studieren in Dorpat viele Juden.

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