Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 28 (7.7.1932)
- Date
- 1932-07-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. 28 Der Israelit 7. Juli 1932 Wasserleitung neckt und ihr das Gespenst der Holzverkleinerungsmaschine. 6icr wie ec gehört, jetzt bald in jedem Hause angeschafft werde, vor das Auge führt. Doch sollte Sorele dato von dem sie schikanierenden Ftiegengenossen befreit werden. Der „General" begann zu kränkeln und kurz darauf hatte der ..General Flederwisch" der Welt Valet gesagt, aber nicht am Schauplatze seiner Berühmtheit, nämlich in preßburg, sondern in seinem Heimatsorte, welcher für ihn eigentlich die Fremde war, da er seit seiner frühesten Jugend nur in preßburg heimisch war. (Er wurde nämlich, da er krank und arbeitsunfähig geworden, eines schönen Tages von preßburg, wo er nicht zuständig war, nach seiner Heimatsgemeinde per Schub expediert, wo er bald darauf starb und ein unrühmliches Ende nahm. In preßburg hätte sich sein Leichenbegängnis feierlicher gestaltet, er wäre gewiß mit militärischen Ehren begraben worden. Ob unserer Sorele nicht dasselbe Schicksal wartet, wissen wir nicht, denn auch sie ist nicht nach preßburg, wo sie ein Menschenalter verbracht, zuständig, sondern nach dem slowenischen Orte Verbo. Dort hatte sie noch vor einigen Jahren ihren Bruder, einen Fleischhauer; und die Spötter in der Iudengasse erzählen sich noch heute, daß sie einmal an ihren Bruder einen jüdischen Brief geschrieben und folgende Adresse, da sie selbst nicht deutsch schreiben konnte, einem anderen diktierte: „An mein Bruder Iokew Flasch Hacker in verbau um d e n T ck h e r u m ". Ob unsere findigen Postbeamten das Kunststück vollbracht hätten, diesen Brief seinem Adressaten zuzustellen, ist sehr fraglich. Die verboer Post soll dies vollbracht haben. Freilich ist verbo etwas kleiner als Wien. AM der Agpdas Zisroel in Palästina. IX. Am Strande von Tel-Awiw. Auf dem Sande am Strand haben sich mehrere schöne Hotels und Kolonnaden aufgetan. Zum Ausbau eines modernen Seebades ist Tel-Awiw noch nicht gekommen, obwohl die blauen Wellen mindestens so schön sind wie in Abbazia und der goldene Sand die schönsten Märchenschlösser unseren Kindern verspricht. Dazu hat das industriell wachsende und sich kräftig ausbreitende Tel-Awiw noch keine Zeit gesunden. Einige Ansätze sind da. Ein paar Kaffeeveranden, die die Inhaber buchstäblich in den Sand und — für die Zukunft bauten, erinnern ein ganz klein wenig an Scheveningen. Aus weit ins Meer hineingebauten ärmlichen Badekabinen springen junge Menschen in die Fluten. Ein paar alte Liegestühle stehen am Strand. Man macht nur Miene, sich darauf zu setzen und schon hat man einen halben Piaster Gebühr zu zahlen. Hat man gezahlt, will man auch sitzen und sich von der frischen Brise des Meeres durchwehen lassen. Da wird man aber schon von jemand sehr höflich und dringlich um ..Panim Jafoth" (freundliches Gesicht) gebeten. Man wird, ob man will oder nicht, fotografiert und hat für drei Bilder, die sofort angefertigt werden, einen Schilling zu zahlen. Man kann, wenn man den Guten in der Heimat besonders imponieren will, sich dabei sogar zwischen die Höker eines Kamels setzen und den Kopf mit einem Turban oder Fez bedecken. Solch kamelhafter Größenwahn kostet einen Schilling mehr. Das ist bis jetzt alles, was an den blauen Wellen von Tel-Awiw an ein Strandleben erinnert . . . Haifa, die Stadt am Karmel. Haifa ist ein prachtvoll gebundenes Buch mit einzelnen losen, vertuschten und häßlichen Blättern darin. Als Ganzes von der Höhe gesehen, bietet die Stadt ein überwältigendes Bild. Hoch zur Linken die grünbewaldeten Terrassen des Karmel, tief unten wie ein blauer Teppich aus durchsichtiger Seide ausgebreitet, das Meer. Dazwischen die Häusergruppen der auseinandergerissenen Stadt bis zum Meereslüften. An den Wänden der Villen empor rankt sich der Wein. In den Gärten blüht und duftet die Olive und der Mandelbaum. Unten kauern armselige Lehmhütten wie graue Sandhaufen. Alles ist vor dem blauen Wasser so hingelagert, als sollte der leuchtende Teppich all dieses aufnehmen und einpacken, die Häuser, die Villen, die Hütten, die Oelbäume, die Weinranken, die Palmen und die Orangen. Zur rechten Seite erheben sich die galiläischen Berge, der Hermon und der Tabor, schlanke Zwillingsbrüder zur Seite des alten, in die Breite gehenden Vater Karmel. Es ist alles terrassenförmig in diesem Haifa gelagert. Oben der Karmel, unten die alte Stadt Haifa, dazwischen auf dem Hang Hadär Häkarmel, die ausblühende jüdische Stadt von Haifa, das Tel-Awiw des Nordens. lieber die Altstadt hinaus, nordöstlich, fast ganz ins Meer hineingebaut, neue hübsche Häuschen mit Gärten davor, die in Felder und Wiesen übergehen. Eine neue jüdische Niederlassung, Bath-Galim genannt. Die „Tochter der Wellen!" Wie von den Wellen gezeichnet ist dieses kleine neue jüdische Dorf, Stranddorf, wie manche in Vorausahnung der kommenden Entwicklung heute schon sagen. Eine auf den gelben Sand gespülte Fata Morgan«. Sauber, keusch, still in glücklicher Erwartung, so liegt Bath-Galim wie eben aus den Fluten hervorgegangen. Bath-Galim! Schon der Name spielt wie eine liebliche Musik dem Herzen zum Tanze auf ... Promeniert man abends beim klaren Lichte der Ruthenberglaternen durch die breite schöne Straße von Hadar-Hakarmel, die nicht minder von Licht und Leben und Lachen erfüllt ist wie die Allenbystraße in Tel-Awiw, so schaut man unwiderstehlich immer wieder zur Höhe des Karmel hinauf. Dort hatte der eifernde Prophet Elijahu das Volk versammelt, um mit dem Baal und seinen Propheten abzurechnen. Dort hatte er dem zweifelnden Volke das Bekenntnis abgerungen: „Der Ewige ist G'tt!" Man glaubt, heute noch des Propheten Donnerstimme von dieser Höhe zu hören: „Wie lange noch?!" Von Berg zu Berg und von Tal zu Tal bis zum Scharon und zum Emek ist die Stimme vernehmbar. Sie eifert heute gegen den modernen Götzen, den Ball, aus dem eine neue Generation einen Baal ge- Was da oben auf der Höhe in die Nacht so scharf blinkt, ist das Technikum, eine technische Hochschule aus der Gründung des Deutschen Hilfsvereines, die in Palästina als Lehranstalt des Aufbaus in weit höherem Ansehen steht als die vorläufig rein akademischen und ideologischen Studien gewidmete Hochschule aus dem Skopus. Das Licht daneben kommt aus der Biramschule, ebenfalls einer deutschen Gründung, mit Dr. Ernst Simon als geistigem Leiter. Da oben, gleichsam in einer höheren Sphäre, von den Realitäten des Lebens und der Tücke der Wirklichkeiten unberührt, kann man sich den Träumen des Vrith-Schalom (Friedensbundes mit den Arabern um jeden Preis, ob diese wollen oder nicht) ungestört hingeben. Das weitere Licht kommt von einem Spital und das daneben ist ein Hospiz und dort weiter ein Kloster, und so weiter und weiter viele Lichter, die leider nicht uns gehören'... Und man schaut hinunter ins Tal, wo sich die Häuser und Häuschen mit kleinen Lichtpünktchen oder erloschenen Fenstern bis zum nachtblauen Wasser dehnen. Ein Rauschen und Raunen, ein Brüten und Brauen des Orientes an der Fahrstraße zum Abendlande . . . Ein verhaltenes Hämmern, begleitet von verlorenen Stimmen, trägt der sanfte Wind vom Meerbusen herauf. Dort halten Arbeiter bei dem Hafenbau Nachtschicht. In einem Garten am unteren Hang unmittelbar über der alten Stadt tanzen würdige Derwische, die Rechte auf die Brust gepreßt, bei flackernden Fackeln und den Klängen eines Schlagbaumes. Es scheint ein religiöser Tanz zu sein, denn der Rhythmus ist schleppend und getragen. Und ganz unten nach rechts die scharfen Lichtpünktchen, an denen sich Lichter im eigenen Herzen entzünden: Bath-Galim, die Tochter der Wellen, in ruhigem Nachtschlummer, von den Bergen geschützt, von den Wellen gestreichelt und geküßt . . . Unten in der Ar aber st ad t. Das ist Haifa km Ganzen gesehen. Steigt man bei Tag den Hang, auf dem sich die jüdische Stadt in Schönheit und Bewegtheit ausbreitet, in die alle Stadt hinab, so ist man mitten im Orient, wo er am dunkelsten und widerlichsten ist. Enge, winkelige, schmutzige Gassen, noch kleiner, kahler und dürftiger die Häuser, noch verwahrloster und schmutziger die Menschen. Die einen bieten ihre Waren und ihre Dienste an, andere lungern herum oder sonnen sich im-Straßengraben. Vor den Höfen hocken sie und schmatzen an ihren Wasserpfeifen oder sitzen in den Schänken, die im Hafenviertel bis ins Meer hinein sich aneinander drängen, trinken Kaffee und spielen Würfel. Die Geräusche und Gerüche (wer hat denn das Märchen von den „Wohlgerüchen Arabiens" aufgebracht?) benehmen die Sinne und den Atem. Bei urserer Einbootung droht ein Bruderkrieg unter den Söhnen Allahs auszubrechen, da verschiedene Stämme um unser Gepäck raufen. Bis ein Riesengeselle mit einem amtlichen Plakat auf der Brust dazwischenkommt, mit Herkulessaust die Kerle rechts und links zur Seite wirft und unsere Koffer in seinen amtlichen Schutz nimmt. Die Vertreibung der Feinde stellt er uns natürlich nachher extra auf die Rechnung, neben den amtlichen Gebühren. Es regt sich bei mir der Verdacht/daß jene Halunken eigens zu diesem Zwecke gedungen sein konnten. Aber Haifa ist eine aufstrebende Stadt, die Stadt der Zukunft. War sie immer schon durch ihre natürlich gedeckte Küste der beliebteste Landungshafen von Palästina und damit die erste Handelsstadt Nordpalästinas und Haupthafen für das Ostjordanland, so ist sie in den letzten Jahren noch Knotenpunkt der ägyptisch-syrischen Bahn geworden. Die Stadt wächst jetzt mehr und mehr mit jedem Hammerschlag beim Hafenbau. Der Bau geht seinem Ende entgegen, das kann auch jeder Laie konstatieren, wenn er vor der fast geschlossenen Einbuchtung steht, in die das stille ruhige blaue Wasser wie in ein gewaltiges Becken eingefangen ist, das durch die Kulisse des Karmel noch einen ganz besonderen Reiz erhält. Gearbeitet wird auf den Gerüsten und Notbrücken fieberhaft. Wie besessen holen die kräftigen Arme aus, zerren die Karren herbei, ziehen am Kran, schreien und johlen, singen und pfeifen und hämmern ohne Unterlaß, als gälte es, das Meer aus seinem Bette und die Welt aus ihren Fugen zu reißen. Wie sich der Tag senkt, die Abendschatten von den grünen Höhen immer tiefer herabklettern und wir am Hafen aus das Motorboot warten, das uns, zu unserer „Carnaro" bringen sollte — es sind bald die letzten Boote, die diesen Liebesdienst Mutter Carnaro erweisen, nächstes Jahr wird man im ausgebauten Hafen direkt aus das Schiff steigen, wie man es heute in Triest oder in Bremerhaven tut — legen die arabischen Arbeiter für einige Minuten die Arbeit nieder, werfen sich auf den Boden, berühren eltttgs Male mit der Stirn die Erde und näseln in monotonem Singsang Gebete. Wir erinnern uns, daß auch für uns angebracht wäre, die Minuten bis zum Anlangen des Motorbootes mit dem Minchogebet auszufüllen. Ob sich die jüdischen Arbeiter hier und anderswo, in den Fabriken und auf den Feldern, an diesen Moslims, für die, wie uns scheint, die Arbeit ein Gebet und das Gebet eine Arbeit ist, ein Beispiel nehmen? Die jüdische Stadt am Karmel hange. Hadar Hakarmel, die jüdische Stadt, hat sich ganz auf die große Zukunft Haifas eingestellt. Ein gutgeführtes Hotel (Hotel Groß) genügt, neben vielen kleinen Restaurants, mit seinem Komfort, moderner Aufmachung und vorzüglicher Küche den. Bedürfnissen des Fremdenverkehrs vollkommen. Schöne Geschäfte sind in diesem Viertel entstanden. Die Straße spricht, vom Droschkenkutscher, dem Schutzmann bis zu den auf der Straße spielenden Kindern, genau wie in Tel-Awiw, hebräisch. Von den 17 500 Juden, die Haifa bei einer Gesamtzahl von 30 000 Menschen zählt, wohnt die größere Hälfte auf Hadar Hakarmel (der Rest wohnt unten in Bath-Galim, oben in „Newe Schaanan", auch in der Altstadt). Noch ist also Hadar Hakarmel ein Zwerglein im Vergleich zu Tel-Awiw, aber es verspricht, es zu überflügeln, weil es alle Voraussetzungen hat, die Chance des Meeres besser für sich auszunutzen. Das Agenturwesen und die Exportgeschäfte blühen. Zwischen Bahnhof und Hafen wächst ein Industriezentrum aus dem Boden: Die großen Mühlen, Mazzotfabrik. Schemen" stellt Seife her und „ N e s ch e r " ' Zement und Baumaterial, Ruthenberg gibt dazu.die Elektrizität. Wie es mit dem jüdischen Geiste hier bestellt ist, können wir in der kurzen Zeitspanne nicht feststellen. Man hat den Eindruck, daß gerade hier der Zionismus dem öffentlichen Leben seinen Stempel noch nicht aufgedrückt hat. Alles, was da ist, blüht und gedeiht, ist aus der Privatinitiative hervorgegangen, die sich gerade hier, wo das Leben, im Gegensätze zu der ruhigeren See, tobt und flutet, keine Fesseln anlegen läßt. Hermann Struck, der große Künstler in seinem herrlichen Eigenheim auf dem Hang mit dem Ausblick auf das Meer, — dessen Atelier zu besuchen zum Programm für Haifa gehört — berichtet uns über eine große Reihe unbegrenzter jüdischer Möglichkeiten auf diesem jüdischen Neulande auf der Höhe vor Haifa. Eine kleine Synagoge, die aber von Bedeutung sein muß, da wir dort den Ortsrabbiner treffen, ist am Montag morgen, am Fasten Esthers, so gepackt voll, daß die höflichen Leute erst aufstehen, um uns Platz zu machen. Zumeist Männer höheren und mittleren Alters, denen das- Fasten schon am Morgen in aller Frühe das Gesicht bleich färbt. Unten auf der Straße aber stehen schon Wagen an Wagen, Auto an Auto. Jungvolk drängt sich an die Wagen, nimmt die Plätze km Sturm. Alle Wagen setzen sich nach einer Richtung in Bewegung, nach Tel- Awiw. Die Jugend flüchtet aus dem Esther-Fasten von Haifa zum Purim von Tel-Awiw . . . Von oben, von der Karmelhöhe herab, dröhnt des Propheten Stimme: „Wie lange noch?! . . . —tz. (Fortsetzung folgt.) Ainderscks. On benPelek Gin hartnäckiges und undankbares Volk waren doch die Linder Israel! wie hatte Mosche für sie gebetet und gefleht, als G'tt nach der Heimkehr der Kundschafter das ganze Volk vernichten wollte. Und nun empörten sie sich gegen den treuesten aller Führer und wollten ihm nicht mehr gehorchen! voll Haß und Ueiö erhob sich korach gegen Mosche ( und Aharon. Gr gönnte es ihnen nicht, daß die beii den Brüder die Führer des Volkes fein durften. „warum sollen nur die Söhne Amrams Ghren genießen," sagte er, „mein Vater Iizhar wäre ebenso würdig, daß von ihm Fürsten und Hohepriester abstammen!"