Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 28 (7.7.1932)
- Date
- 1932-07-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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7. Juli 1932 Der Israelit Nr. 28 Seite 7 L ew in, der die Versammlung leitete, erklärte in der Eröffnungsansprache, in der Hitler-Bewegung in Deutschland erlebe man zum ersten Male einen Antisemitismus, der sich im Gegensatz zu den bisherigen antisemitischen Bewegungen, seiner Gefühlsbarbarei nicht im geringsten schämt. Gegen diese Barbarei soll die Kulturwelt aufgerusen werden. Es sprachen dann der stellvertretende Vorsitzende des Jüdischen Parlamentsklubs, Dr. R o s m a - r i n. Redakteur N. S z w a l b e und der frühere Präsident des Jüdischen Parlamentsklubs Adv. H a r t g l a ß erklärten, weder das deutsche noch das polnische Volk seien antisemitisch verseucht. Die Ursache des Antisemitismus liege nicht bloß in der Person Hitlers: das wirtschaftlich verelendete Volk sucht nach einem Sündenbock, und als einen solchen zeigt man ihm den Juden. Nicht die Völker sind zu verurteilen, sondern die antisemitischen Hetzer in Deutschland und in Polen, die die Masse in die Irre führen. Hartglaß zählte die Sünden des polnischen Antisemitismus auf und appellierte an die polnische Regierung, nicht allein für den Schutz ihrer jüdischen Bürger in Deutschland, sondern auch für die Sicherung normaler Lebensbedingungen der Juden in Polen zu sorgen. Eine Protestresolution wurde einstimmig angenomüie aus Moslemiten bestehende Polizei eingriff. Die Familie Menahem, anerkannte Führerin der Jüdischen Gemeinde in Aden, bemühte sich vergebens, sich mit dem britischen Oberkommissar in Verbindung zu setzen. Wären nicht die meisten jüdischen Häuser in Aden sestungsartig gebaut, so hätte es zu einem noch schrecklicheren Blutbad kommen können, So aber blieb das dauernde Bombardement jüdischer Häuser mit schweren Steinen durch die Exzedenten ziemlich ohne Wrikung. — In den Telegrammen wird noch berichtet, wie jüdische Geschäfte zerstört, die Waren geplündert, Synagogen demoliert Thorarollen und religiöse Bücher zerrissen und auf die Straße geworfen, zahlreiche Juden niedergeschlagen und schwer verletzt wurden. Erst als alles vorbei war, besuchte der britische Oberkommissar die Familie Menahem und versprach behördliche Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ruhe, wenn die Juden sich verpflichten, nach sechs Uhr abends die Wohnungen nicht zu verlassen. Es erschienen auch Tanks in den Straßen, so daß die Araber es nicht mehr wagten, die Ueberfälle zu wiederholen. 90 der' Aufrührer, die nicht ständige Einwohner von Aden sind, wurden in das Innere Arabiens deportiert. Unter der jüdischen Bevölkerung besteht aber wenig Hoffnung, daß die unter der Einwohnerschaft von Aden zu suchenden wirklichen Anstifter und Führer der Pogrome bestraft werden würden. Amerika. Tagung des American Jewifh Congreß. Washington, 3. Juli. Am Sonntag, den 26. Juni, mittags, wurde in Washington die zehnte Jahrestagung des American I e w i s h C o n g r e ß mit einer Ansprache des Ehrenpräsidenten des Kongresses, Rabbiner Dr. Stephen S. W i s e, eröffnet. Er widmete den Hauptteil seiner Rede der für den 14. August d. I. nach Genf einberufenen Jüdischen Weltkonferenz und polemisierte gegen die öffentliche Stellungnahme des Präsidenten des American Jewifh Committee, Dr. Cyrus Adler, gegen die Genfer Konferenz. Auch Professor Dr. Albert E i n - st e i n habe auf Einladung des American Jewifh Congreß zur Teilnahme an der Jüdischen Weltkonferenz eingeladen, seine Stellungnahme zu dieser Konferenz damit begründet, daß nach seiner Ueberzeugung ein internationaler Zusammenschluß aller Juden zur Verteidigung ihrer Rechte und überhaupt ihrer Position in den einzelnen Ländern ein Ziel von großer Dringlichkeit und Bedeutung sei. — Richter Julian W. Mack sprach ebenfalls zu dem Problem der Jüdischen Weltkonferenz und richtete die Mahnung an den American Jewifh Congreß, sich in dieser Angelegenheit nicht zu übereilen. Nathan O. P e r l m a n unterbreitete den Bericht des Administrative Committee des American Jewifh Congreß. Die orthodoxen Parlamentarier beim Regierungschef. Warschau, 30. Juni. Die orthodoxen Deputierten des Parlamentes unter Führung von Oberrabbiner Ahron Lewin hatten eine Audienz beim Ministerpräsidenten, bei welcher Gelegenheit sie eine große Reihe von jüdischen Problemen behandelten. Sowohl die Frage der Sonntagsruhe wie des schweren Steuerdruckes, die die wirtschaftliche Lage der Juden unerträglich macht, kamen zur Sprache, Auf Pomerelien (die früher zu Deutschland gehörenden Provinzen) übergehend, entwarfen sie ein Bild von der Pogromstimmung, die besonders in der Stadt T h o r n und Umgebung ganz unhaltbare Zustände gezeitigt hat. Sie beriefen sich dabei auf die Berichte des orthodoxen „Togblattes", deren Richtigkeit nicht anzuzweiflen sei. Sie berührten auch den nationalsozialistischen Antrag im Preußischen Landtag zur Beschlagnahme der Vermögen der in Deutschland wohnenden polnischen Juden. Im letzteren Punkte hat die polnische Regierung, wie bereits gemeldet, vorbereitende Schritte unternommen. Bezüglich der anderen Fragen zeigte der Ministerpräsident ein lebhaftes Interesse und erbat sich eine eingehende Denkschrift. Sobald er diese erhalten und studiert haben würde, wollte er die Deputierten zu einer zweiten Konferenz zu sich bitten. Rutzland. Stockung in Biro-Bidschan. Moskau, 1. Juli. Der von der Regierungs-Kommission für jüdsichen Aufbau Komzet aufgestellte Plan, noch im Verlauf des Jahres 1932 14.000 Juden in Biro Bidschan anzusiedeln, wird, wie die Sowjetpresse seststellt, nicht verwirklicht werden können. Die staatsindustriellen Unternehmungen in Biro-Bidschan stellen, wie „Emeß" berichtet, nur qualifizierte Arbeiter ein und weisen die jüdischen Arbeiter, wenn sie nicht voll qualifiziert sind, zurück. Die jüdischen Arbeiter sind auf diese Weise zur Abwanderung aus Biro-Bidschan gezwungen. Für die jüdische Kolonisation in Biro-Bidschan zeigen diese Staatsunternehmungen keinerlei Interesse. Eine andere Mitteilung besagt, daß fast die Hälfte der einige Hundert Personen zählenden jüdischen Eniwanderer aus dem Auslande Biro-Bidschan verlassen haben. England. Pogromgefahr in Aden besteht weiter. London, 1. Juli. Die ITA. gelangte erst spät in den Besitz der beschlagnahmten Telegramme, in denen eine eindrucksvolle Schilderung der Vorgänge in Aden während der Pogrom- Tage gegeben wird. Es wird u. a. erzählt, daß von Juden bewohnte Straßen lange Zeit ganz dem exzedierenden arabischen Mob ausgeliefert waren, ohne daß Palästina. Nach den Wahlen in Tel-Awiw. Tel-Awiw, 1. Juli. Die Stadtratwahlen in Tel-Awiw hielten lange Monate die Bevölkerung in Spannung. Der starke Patriotismus der Tel-Awiwer ließ einen Skandal, der das Ansehen der Stadt geschädigt hätte, nicht aufkommen. Eher hätte man sich damit abgefunden, auf die Wahlen ganz zu verzichten und die alte „Jrija" in ihrem Amte zu belassen. Nun haben die Neuwahlen doch stattgefunden, ohne das Bild wesentlich zu verändern. Das Zentrum hat einen Sieg über die Linke errungen. Die Wahlbeteiligung betrug 85 Proz., d. h. 12 500 Bürger gingen an die Urne. Alles spielte sich in schönster Ruhe ab. Stark zurückgegangen ist die Stimmenzahl der „Ole Polen". Ihr Kandidat ging 'aber durch, und das ist für die Orthodoxie von Bedeutung. Herr Josef Fetter, der große Verdienste für das religiöse Leben der Stadt hat, wird die religiösen Belange in der „Jrija" vertreten. Der Uebergang des Erziehungswesens von der »ewish Agency an den W a a d H a l e u m i hat zu allerlei Unzuträglichkeiten geführt. Besonders fühlen sich jetzt die Kolonien benachteiligt, und sie haben beschlossen, ihre Beiträge einzustellen und das Schulwesen in den Kolonien selbst in die Hand zu nehmen. Bekantlich ist der Kolonistenverband aus dem Waad Haleumi längst ausgetreten, und es ist erklärlich, daß Vermischtes. Mainz. 1. Juli. Nach der erhebenden E l l u l - Tagung, bei der wir, wie noch allgemein erinnerlich, mehrere unserer berufensten Führer, u. a. die Herren Jacob N o s e n h e i m, Rabb. Dr. Pinchas K o h n, Rabb. Dr. Arnold Klein, hier begrüßen durften, hat die Mainzer Ortsgruppe sich bemüht, den Agudagedanken in einer Reihe von Veranstaltungen hier weiter zu vertiefen. — Es sprachen während des Winterhalbjahres die Herren Dr. med. Arnold M e r z b a ch , Frankfurt über „Nervosität als jüdische Erziehungsaufgabe", Direktor Dr. Elias, Frankfurt über „Väter und Söhne — Jugend und Alter" und Herr Nabbinatssubstitut Dr. Selig Auerbach, Würzburg über „Eine interessante Epoche aus der Geschichte der rheinischen Gemeinden". Die Vorträge waren gut besucht und boten anschließend Gelegenheit zu Aussprachen. Die 20. Wiederkehr des Gründungstages von Kattorvitz bot der Ortsgruppe willkommenen Anlaß zu einer schlichten Gedenkfeier, bei der der Vorsitzende der Ortsgruppe, Herr Rabb. Dr. V a m b e r g e r, in großen Strichen einen Abriß der Vorgeschichte, der Gründung der Aufgaben und der Leistungen von Agudas Jisroel gab, dabei auch der großen Töten gedenkend, die Agudas Jisroel in letzter Zeit zu beklagen hatte, der Rabbinen Chajim Sonnenfeld und Dr. Jaak Auerbach Das Referat hatte liebenswürdigerweise der hier sehr geschätzte Herr Redakteur S ch a ch n o w i tz , Frankfurt a. M. übernommen, der in packender und zu Herzen gehender Weise über „Agudas Jisroel in Erez Jisroel" sprach. Der Redner verstand es, in einem einstündigen Vortrag, ausgehend von der Kattowitzer Gründung, seidie Kolonien von den vom Waad Haleumi eingesetzten ®rrc&niffcn auf bcr Ostfahrt und der Palästinareise „W°°d Hachimich" mch. oiet 3„ °rw°r.°n haben. 3n | J? XÄ OnSTrSÜ religiöser Beziehung könnte durch die Selbständigj erreichtund im heiligen Lande noch zu verwirklichen hat. machung der Kolonie auf dem Gebiete der Erziehung nur j Wenn der Binjan Houmoh, wie es Schachnowitz formugewonnen werden, wenn nicht die mit größter Anftren-!^^ im ^[Jen cLne anfe^nf^e und erfreuliche Etappe gnn° geführten Fr.ed-n-n-rmt.t,Ungen doch noch zu einem ' L^N^'Ä^S^ Lf!°dLg"L'^ Erfolge führen sollten .Man will auf die Kolonisten,' ga&e, an deren Lösung Agudas Jisroel zu arbeiten hat. die die besten Zahler sind, nicht verzichten. Jetzt wäre die geeignetste Zeit für die in Agudas Jisroel organisierte Orthodoxie, für die Schule in den Kolonien etwas zu erreichen. Es geht dort ein Sehnen nach religiöser Vertiefung, dem aber die Lehrkräfte deö Waad Hachinuch nachzukommen, weder die'Möglichkeiten noch den Willen hatten. Die wirtschaftliche Lage in Palästina. Tel-Awiw, 1. Juli. Die wirtschaftliche Lage hier im Lande hat sich ungünstiger gestaltet. Das Versickern der Gelder aus dem Ausland wirkt kritisch auf die kulturellen und sozialen Institutionen der palästinensischen Judenheit und deren Beamtenapparat, aber auch auf sonstige Existenzen wie z. V. Rentner. Hinzu kommt die seit Monaten herrschende ungünstige Witterung. In Jerusalem ist Wassernot. Alle Neubauten sind infolgedessen eingestellt worden. Die Behörde hat den privaten Bedarf so eng einschränken müssen, daß selbst für Geld das vorgeschriebene kleine Quantum nicht überschritten werden kann. — Noch vier regenlose Monate stehen vor der Tür! S. G. Es ist nicht möglich, im Nahmen eines kurzen Berichtes die Fülle von erhebenden Gedanken wiederzugeben, die der Redner bei Schilderung seiner Erlebnisse im hl. Lande dem interessiert lauschenden Publikum zu vermitteln verstand, die gespannte Aufmerksamkeit, die stellenweise tiefe Ergriffenheit und der starke Beifall zeigten dem Redner, daß seine Worte dankbaren Widerhall gefunden haben, auch bei vielen Besuchern, die aus anderen Kreisen anwesend waren, um den geschätzten Schriftsteller zu hören. In einem kurzen Schlußwort wurde vom Vorstandstische an die Anwesenden appelliert, es nickt bei dem Besuch von Vorträgen der Agudoh zu belassen, sondern an der Stärkung der Organisation tatkräftig mitzuarbeiten und vor allem die Jugend wieder zur Agudoh zurückzuführen. " C. Berlin, 3. Juli. Am Freitag, den 4. Tamus 5692 (8. Juli 1932), dem Sterbetage' des Begründers dos Rabbiner-Seminars zu Berlin, R. Esriel Hildesheimers s. A. findet in der Seminarsynagoge, Artilleriestraße 31, vorm. 11 Uhr. eine Gedenkfeier statt. Mit der Feier wird die Aushändigung der Nabbinatsdiplome an die zu entlassenden sechs Schüler verbunden werden. — In Anlehnung an die Gedenkfeier werden mehrere der zu entlassenden Schüler am Mittwoch, den 6. und Donnerstag, den 7. Juli, vorm. 11 Uhr im Hörsaal I, 2. St. halachische Vorträge halten. Hamburg, 1. Juli. Oberkantor Hermann Lieber, Hamburg, wurde neuerdings von der Schweizerischen Rundfunkgesellschaft eingeladen, am Sonntag, den 10.