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Der Israelit · 1932-07-07 · Heft 28 (7.7.1932) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 28 (7.7.1932)
Date
1932-07-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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7. Juli 1932 Der I s r a e Iit Nr. 28 Seite 5 Schulelend aus dem einen Punkts dem mangelhaften Verpflichtungsgefühl der Schuleltern» zu erklären und zu kurieren versuchen. Aber wieviel Leerlauf der Arbeit» wieviel Hemmungen und Spannungen und Geelendruck ließen stch leichtlich ausschalten» wenn nur die nicht mehr als selbstverständliche Pflicht zur pünktlichen Schulgeldzahlung allgemein beherzigt würde! Ganz zu schweigen von dein beschämenden -Rlißbrauch» der x>on durchaus Zahlungsfähigen unter groben Vertrauens^uschungen mit der wohstat der völligen oder teilweisen Schulgelöbefreiung getrieben wird. Gäbe -es ein wirksames Mittel» um diesen Uebelständen abzuhelfen» so wäre für die Sanierung unserer »»Schulkrankheit" ein Erhebliches getan! Aber soll es» darf es dabei sein Bewenden behalten» daß wir das Ungute» Unschöne und Zersetzende» das wir aus dem Zeitgeist in uns schöpften, nun auch wieder auszuscheiden uns bemühen? Wartet unserer nicht die größere» höhere Aufgabe» eben aus diesem Zeitgeiste dasjenige» was er an konstruktiven Ideen hervorgebracht» für den Dienst an unserer Sache so oder so zu verwenden? Herrscht doch heute wohl bei allen verständnisvoll mit der Angelegenheit Befaßten die Erkenntnis vor» daß es auf dem bisher beschrittenen Wege der Drosselung oder Einsparung kein weiter mehr gibt» daß früher oder später m der Zusammenbruch des ganzen Werkes erfolgen muß» wenn nicht entsprechend und aus der gedanklichen und sachlichen Umstellung unserer Zeit neue Kraftströme ihm zugeleitet werden. Und ebenso klar und selbstverständlich muß es erscheinen» daß eine Patentlösung» die mit einem Schlage alle unsere Ylöte behebt» schwerlich wird gefunden werden können. Sondern aus der Summe kleiner und größerer Mittel» zu denen die Einstellung unserer Zeit uns Weg und Zugang verschafft» kann und wird m. G. H. der Kräftezustrom erwachsen können» der uns dem erhofften Ziel näher kommen läßt. Auf eines dieser kleinen Mittel hinzuweisen und dafür zu werben, sei die Aufgabe der folgenden Ausführungen. Man darf den beherrschenden Gedanken unserer Zeit wohl in dem Kollektivismus erblicken» als dessen Exponenten die Konzerne» die Trusts» und die wirtschaftlichen wie politischen Großorganisationen dem öffentlichen Leben ihren Stempel aufdrücken. Das Cinzelleben» die individuelle Zielsetzung» die persönliche Schicksalsgestaltung löst sich mehr und mehr in den Waffenwillen» die SamMelwirkung» die Schicksalsverbundenheit großer und größter menschlicher und materieller Zusammenflüsse auf, wird von ihr bestimmt und schafft stch ihre Gesetze. Eine Würdigung dieser Entwicklung» eine Schatten- und Lichtverteilung» gehört, wie verlockend und vielleicht angebracht eine Auseinandersetzung mit diesen Geöankengängen vom Standpunkt der Tauroh auch sein mag» natürlich nicht zu den Aufgaben dieses Artikels» und seine Ausführungen sollen nur den Zusammenhang des vorzuschlagenden tzilfswerkes mit dem Zeitgedanken erläutern. Als sauberster 2lusdrnck der kollektivistischen Ideologie darf mit Recht wohl der V e rs i ch e ru n g s g e d a n k e n angesprochen werden und es ist sicher mehr als bloßer Zufall» daß während fast alle anderen Gebilde dieses Systems in der Letztzeit Sturmwetter zu verzeichnen hatten» das Versicherungswesen» als volkswirtschaftlicher Gedankenausdruck, nicht nur keine Rackenschläge, sondern sogar stetigen Zuwachs verzeichnen konnte. Liegt es nicht nahe» in irgendeiner »form diesen Gedankenkomplex mit der Hilfstat für unser Schulwerk zu verknüpfen und die Möglichkeiten» die eine versicherungsnahme für die Erschließung einer beachtlichen Einnahmequelle eröffnet» für unser Schulwerk auszuschöpfen? Run» der Gedanke ist bereits zur Tat geworden. Der Schulrat der Lehranstalten der Israelitischen Synagogengemeinde (Adas; Iisroel) zu Berlin hat mit der Lebensversicherungsgesellschaft Phönix einen Legatversicherungs-Vertrag abgeschlossen» der es gestattet» mit kleinen Jahresbeiträgen eine Versicherung einzugehen» die unwiderruflich im Erlebens- oder Ablebenssalle des hochherzigen Spenders nicht an ihn oder seine Angehörigen» sondern an die Schule zur 2luszahlung gelangt. Leleihungssätze und alle sonstigen Modalitäten» die für Lebensversicherungen in Betracht kommen» sind unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Verhältnisse unserer Zeit so günstig gehalten» daß man ruhig behaupten darf» daß jede abgeschlossene Versicherung mittelbar und unmittelbar eine Entlastung des so überaus angespannten Schulbuögets und eine erhöhte Sicherstellung des Schulwerks in späteren Tagen bedeutet. In der Tat haben auch schon vorher andere große Organisationen (Keren Kajemes Ljisroel» Keren- Hathora u. a.) auf derselben Grundlage Verträge mit dem Phönix abgeschlossen und die Urteile über diesen Schritt lauten 'durchwegs günstig. Es sind neue Wege» die mit diesem Unternehmen beschritten werden» und es gehört die ganze» große Summe jüdischen Optimismusses dazu» um erhoffen zu können» daß stch ein größerer Kreis von Eltern der Schulkinder und sonstigen »freunden der Schule bereitfinden lassen werden» für eine Lebensversicherung» die ihnen zwar den Sechar mizwoh, aber keinen materiellen Rutzen einträgt, ein bescheidenes Gelöopfer zu bringen. Aber ist der Weg auch neu, so ist der Gedanke» dem er zustrebt» doch uralt: Der Wunsch» über die Lebenszeit hinaus mit der Gemeinde» der man zugehört» verbunden zu bleiben und zu ihrer Erhaltung» zur Erhaltung ihrer Institutionen auch dann noch einen Beitrag zu leisten, »früher war die Stiftung von Legaten der dafür gegebene Weg; unsere verarmte Zeit muß schon dafür andere» neue »formen schaffen. Der eben skizzierte ist erfolgverheißenö genug, um den Wunsch zu rechtfertigen» daß er von recht Vielen zur Hilfe für das jüdische Schulwerk eingeschlagen werden möge! Korrespondenzen « Dacbricbfen. Deutsches Reich. Etat der Berliner jüdischen Gemeinde endgültig verabschiedet. Berlin, 30. Juni. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde hat' in seiner Sitzung am 28. Juni den Gemeinde-Etat für das Jahr 1932 in der von der Reprüfentantenverfammlung in ihrer Sitzung am 23. Juni beschlossenen Fassung en bloc angenommen. Damit ist der Etatentwurf „Gemeindebeschluß" geworden. In seiner letzten Fassung weist der Etat, wie schon berichtet, eine Erhöhung der Ausgabenseite um etwa 50.000 RM. gegenüber der ursprünglichen Vorstandsvorlage auf, bleibt jedoch um etwa 30.000 RM. hinter dem Ausgabenansatz des Etatausschusses der Repräsentantenversammlung zurück. Friedhofsschändung fällt nicht unter Amnestie. Berlin, 1. Juli. Der Preußische Staatsrat beschloß am Freitag, entsprechend dem Vorschläge seines Verfassungsausschusses, gegen das vom Landtag beschlossene Amnestiegesetz für politische Vergehen und Verbrechen Einspruch zu erheben. Damit ist das A m n e st i e g e s e tz g e f a l l e n. Es kann nämlich nunmehr Gesetzeskraft nur erlangen, wenn der Landtag sich in einer neuerlichen Abstimmung mit einer Zweidrittel-Mehrheit dafür ausspricht. Eine Zweidrittel- Mehrheit für dieses Gesetz ist aber im Landtag nicht vorhanden. Aus der Begründung, die der Verfassungsausschuß und mit ihm der Staatsrat für seine ablehnende Haltung gegenüber dem vom Landtag beschlossenen Amnestiegesetz gibt, ist hervorzuheben, daß der Staatsrat es nicht für angängig hält, das Vergehen der Friedhofsschändung zu amnestieren. Hiergegen bestehen nach Auffassung von Verfassungsausschuß und Staatsrat schwere Bedenken, da die Art der Ausführung der Tat und die Gesinnung des Täters bei Friedhofsschändung ihn als der Amnestie unwürdig erscheinen In dem Amnestiegesetzentwurf, den nunmehr der Staatsrat vorbereiten wird, wird das Vergehen der Friedhofsschändung also nicht mehr unter die Amnestie fallen. Ebenso ist anzunehmen, daß die Strafen gegen die Helden vom Kurfürstendamm am letzten jüdischen Neujahrstage nicht unter die neue Amnestie fallen werden. Die Gründung eines Alachsike Hadaß-vereins. Berlin, 1. Juli. Auf Initiative der Herren S ch o y e r und Gemeindedajan Rabb. Dr. Jakobovits fand am 27. Juni eine Sitzung statt, an der etwa 30 Herren aus allen interessierten ostjüdischen Kreisen der Gemeindeorthodoxie teilnahmen. Es wurde unter allseitigem Beifall die Gründung der „Vereinigung zur Förderung des gesetzestreuen Judentums M a ch s i k e H a d a ß" vollzogen. In einer Sitzung am 28. Juni verabschiedete die Redaktionskommission die Satzung. Die Vereinigung zur Förderung des gesetzestreuen Judentums (Machsike Hadah) hat das Ziel, sämtliche religiösen Interessen der gesetzestreuen Juden in Berlin wahrzunehmen, ihre religiösen Einrichtungen und Bestrebungen zu fördern, ihre Organisationen — bei voller Wahrung ihrer Selbständigkeit — organisch zusammenzufassen und Gemeindemitglieder, die zu tatkräftiger Unterstützung des gesetzestreuen Judentums bereit sind, zusammenzuschließen und einander näherzubringen. Richtschnur und Schranke für alle Maßnahmen und Beschlüsse der Vereinigung ist das jüdische Religionsgesetz. Zu den Aufgaben der Vereinigung gehört insbesondere: die gesamten religiösen Interessen des gesetzestreuen Berliner Judentums wirksam zu fördern und zu vertretenfür Limud Tauroh borabbim durch gemeinsame Schiurim Sorge zu tragen; die Jugend auf traditioneller Grundlage zu vereinen, sie zum Lernen und zu religiöser Tat anzuspornen; regelmäßige Zusammenkünfte und religiöse Vortragsabende zu veranstalten; Aussprachen über religiöse Gemeindeangelegenheiten herbeizuführen und ein Gemeindeleben im Sinne der väterlichen Tradition zu wecken und zu pflegen. Die Vereinigung ist eine religiöse und keine politische. Sie bleibt unabhängig von allen bereits bestehenden Organisationen ähnlicher Art. Die Lage der Leipziger Gemeinde. Leipzig, 5. Juli. In der Repräsentantenversammlung vom 27. Juni stand die Beratung des Haushaltsplans auf der Tagesordnung. Vom Vorstand wird die traurige Tatsache bekanntgegeben, daß flüssige Mittel nur noch für die nächsten 2—3 Monate vorhanden seien. Wie es dann werden soll, kann niemand sagen, da noch 380.000 Mk. an Steuern hereinzubringen sind. Der Haushaltsplan für 1932/33 weist mit 500.000 Mk. gegenüber dem Vorjahre eine weitere Kürzung von Mk. 125.000 auf. Diese Kürzung wirkt sich bei den wichtigsten Posten wie folgt aus: Der Posten „Kultus und Unterricht" erfährt eine Kürzung um Mk. 28.000. Hiervon sind in erster Reihe die kleineren Beamten und Angestellten (Lehrer, Schochtim und Verwaltungsbeamte), die keine Anstellung auf Lebenszeit und keine laufenden Verträge besitzen, betroffen, während die höheren Beamten von dieser neuen Kürzung unberührt bleiben. Bei „Kaschrus und Mikwoh" beträgt die Kürzung 16.000 Mk., beim „Bestattungswesen" 20.000 Mk. Zum Punkte „Wohlfahrtswesen", das eine Streichung von 102.000 auf 60.000 Mk., also auf über 40 Proz. aufweist, waren Milderungsanträge verschiedener Parteien eingebracht worden, die aber im Hinblick auf die trostlose finanzielle Lage der Gemeinde der Ablehnung verfielen. Die Leipziger Gemeinde besitzt bislang, wohl als einzige unter den großen Einheitsgemeinden, keine eigene orthodoxe Synagoge. Da sich jedoch die „Synagoge Otto Schill-Straße", eine Stiftung des bekannten Philantropen Eitinger, der auch das hiesige „Israelitische Krankenhaus" erbauen ließ, nicht mehr aus eigener Kraft erhalten kann, soll diese jetzt von der Gemeinde übernommen werden. Oesterreich. Agudas Iisroel und der jüdische Weltkongreß. Wien, 4. Juli. Die Exekutive der Agudas Jisroel-Weltorganisation hat die ihr übermittelte Einladung des American Jewish Eongreß zu einer auf den 14. August nach Genf einberufenen Konferenz zur Beratung über die Veranstaltung eines jüdischen Weltkongresses in ablehnendem Sinne beantwortet. Es heißt in dem an den deutschen Vertreter des American Jewish Eongreß gerichteten Antwortschreiben der Agudas Iisroel wie folgt: „Wir erblicken in dem geplanten und vom amerikanisch-jüdischen Kongreß schon seit Jahren befürworteten Weltkongreß der Iudenheit keine wirkliche För-

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