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Der Israelit · 1932-06-30 · Heft 27 (30.6.1932) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 27 (30.6.1932)
Date
1932-06-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 27 Der Israelit 30. Juni 1932 die Erfahrung wird Euch lehren, daß von der Unterjochung Ihr zur höchsten Spitze der Macht gelangen werdet. V. S. S. V. F. F. Der Fürst der Juden in Konstantinopel, 21. Cahlin 1489." Zu diesen köstlichen Pseudodokumenten fügt BIüher, bezeichnend für seinen-neuentdeckten wahrheitsbegriff, folgenden Aachsatz: „Ls versteht sich von selbst, das; an der Echtheit dieses fürstlichen Bescheides Zweifel erhoben worden sind. Die Sache ist ja hochpolitisch. Man hat gesagt, der Brief sei von böswilligen Christen erfunden worden, um die Juden zu verdächtigen. Dem saturierten Christentum kann man in der Tat jede Bosheit Zutrauen, darüber gibt es in der Geschichte bis auf den heutigen Tag genügend Beispiele. Aber die ganze Frage nach der Echtheit ist ja falsch; wer sie stellt, und damit etwas zu beweisen vermeint, der zeigt nur das eine, das; er selber die Iudenfrage nicht geistig stellt. Dieser Fall liegt ja auch vor bei den sogenannten „Protokollen der Weisen von Zion". Auch hier besagt die Lchtheit oder Unechlheit gar nichts, sondern nur ihr intelligibler Inhalt. Dieser aber ist bei jenem Erlaß des Fürsten der Verbannung unbedingt wahr. Denn das Judent u m h a t d a n a ch gehandelt. Der Crlas; ist das Merkmal eines politischen Ingeniums von durchdringender Weisheit. Cr zeugt von einer königlichen Perspektive und einer Statthalterschaft für das Reich Iehuda von wahrhaft überlegener Art. Mit Gut und Böse hat das natürlich nichts zu tun." „Pak man einmal den Unterschied verstanden zwischen dem Empirisch-Geschichtlichen mit seinen Bergen von Dokumenten und seinem endlosen Hin und Her von Passiertsein oder nicht: und der Lbene der r e L n e n H i st o r i e, von der wir hier immer reden, so wird man auch den Satz billigen: in dieser Cbene ist jener Crlas; des Fürsten unbedingt geschrieben worden; ohne ihn ist die weitere Geschichte und das Auftreten ds Judentums in der europäischen Welt unerklärbar. Nimmt man aber seine Wirklichkeit an, so verliert das geschichtliche Gesetz, unter dem das Iudentunl steht, jede Spur von Undeutlichkeit." Soweit Blühec. Da wir selber die Iudenfrage nicht geistig stellen, so ist für uns die Hauptfrage die der Echtheit, dieses „fürstlichen" Bescheides. Zunächst wird es uns Juden ein wenig verwundern, das; der Rabbiner von Arles Lhamor geheißen haben soll. Lhamor heißt Lsel, vermutlich war er nicht solch ein Lhamor, sich Lhamor zu nennen. Ls hat niemals einen Rabbiner v o n 2l r l e s gegeben, der L h a m o r hieß. Also hat der Rabbiner von Arles niemals einen solchen Brief geschrieben. Schon das Dat u nt: l 5. Sabbath 1489 verrät das Falsifikat. Cs hat ferner nie „Fürsten der Iud e n " in k o n st a n t i n o p e l g e g e b e n , nie einen Rat der „Großen Satrapen". Daß der zweite Brief eine Unmöglichkeit ist, zeigt schon die Anrede: „Vielgeliebte. Brüder in Mose!" wir sind bereit, Blüher zehntausend Mark zu zahlen, wenn er in der gesamten hebräischen Literatur, privaten wie öffentlichen, einen Brief mit solcher Ueberschrift uns nachweist. Cs gibt zwar im Talmud einmal die Wendung „Bruder in den Gesetzen"; aber „Brüder in Mose" ist weiter nichts wie eine plumpe, dumme und sinnlose Nachahmung der christlichen Wendung „Brüder in Christo". Der Brief ist eine niederträchtige, gemeine Fälschung, ist nie geschrieben, es ist kein wahres Wort daran, und Blüher selbst weiß, daß er unecht ist. Rur kommt es ihm nicht auf die empirische Echtheit an, nur auf „seinen intelligiblen Inhalt" legt er wert. Die Empirie ist ihm ein lästig Ding. Denn nach den empirischen Wahrheitsbegriffen begeht derjenige eine Fälschung, der einem Andren Briefe zuschreibt, die er nicht geschrieben hat, selbst wenn nach Stil und Inhalt jener sie geschrieben haben könnte. Aber das spielt bei Blüher keine Rolle, denn diese wahrheitsbegriffc sind — jüdisch. „Unsere Völkischen," so schreibt er, „welche die Religion des Wotan wiederherstellen wollen, sind der ehrlichen Meinung, daß sie ein altes germanisches Gesetz erfüllen, wenn sie nicht ehebrechen, nicht stehlen, nicht lügen, nicht töten, und daß sie es verletzen, wenn sie das Gegenteil tun. Aber sie verwechseln hier eine archäologische Tatsache mit einer religiösen: sie erfüllen und brechen das Gesetz des Mose, ob ste wollen oder nicht. Die Gesetze der Germanen tragen keinen Offenbarungscharakter. Jene haben das Gesetz des Mose in ihrer Kindheit durch das Medium des.Reuen Testamentes hindurch gehört und ausgenommen, dieses einzige Medium, wodurch es freilich noch Gewicht hat: und da nützt kein Schwärmen und Faseln von germanischer Urreligion." Blüher wird es daher gewiß kein großes Kopfzerbrechen machen, wenn ich ihm sage, daß nach dem Gesetz des Mose er mit diesem Briefe eine Fälschung weitergegeben habe, ob er wolle oder nicht. Denn das Gesetz des Mose bezieht sich in der Tat auf die Empirie: du sollst nicht falsches Zeugnis ablegen wider deinen Nächsten, auch nicht eitles Zeugnis, d. h. ein Zeugnis dessen, was du nicht gesehen und daher nicht beglaubigen kannst. Aber das gilt ja nur nach dem Gesetz des Mose und nicht nach der völkischen Ueberzeugung von Hans Blüher. Aber wir können über die Entstehung dieses Briefes eine genaue Aufklärung geben, die allerdings auch nicht nach der Empirie beurteilt werden will, sondern nach ihrem intelligiblen Inhalt. Und da wird es von großem wert sein, von folgendem Brief Kenntnis zu nehmen: Herrn Hans Blüher, Berlin-Hermsöorf. Lieber Hans Blüher! . > Deutschen Gruß und Heil zuvor! Mein.'vielbeschwertes Herz sucht bei Dir und Deinem hohen schriftstellerischen Talent Hilfe; Hilfe für unser Volk und seine heroische Lebensauffassung; Hilfe für unsere Rasse und die Reinheit unseres Blutes. All-Juda bedroht uns. Denn es hat das Herz unserer Deutschen. Der hohe Rang ihrer ärztlichen Kunst ist seit Jahrhunderten fast wie ein Dogma, alle hängen sie an ihrem jüdischen Arzte, und seitdem der Jude Ehrlich sein Salvarsan entdeckt hat, gibt es nicht mal mehr einen echten Syphilitiker. Ihre Anwälte gelten als unheimlich tüchtig, und ihre Kaufleute sind trotz unseres Boykotts noch immer zum Teil führend in der Wirtschaft. Kannst Du nicht einmal einen Generalangriff gegen All- Juda machen? Dem blöden deutschen Volk die Augen aufreißen und ihm suggerieren, daß die jüdischen 'Aerzte ste vergiften, die Anwälte ' sie verraten und die Kaufleute ste ausplündern wollen? Ich sende Dir mit gleicher Post den Goethe von Gundolf zurück. Ist es nicht eine Schmach, daß dieses beste Luch über unseren größten deutschen Dichter von einem Juden geschrieben ist, der eigentlich Gundelfinger heißt? Und der Kerl sieht noch nicht einmal richtig jüdisch aus, nur sein Iugendbild hat noch die jüdische Form, aber in älteren Jahren hat er einen fast germanischen Typus bekommen. Das wirft doch unsere ganzen Rassentheorien über den Haufen. Diese Juden haben in ihrer Vitalität direkt die Fähigkeit einer Mimikry, oder aber wir müssen mit unserer ganzen mühsam aufgebauten politischen Auserwähltheitstheorie aufräumen. Hier kannst nur Du helfen. Cs wäre geradezu eine nationale Tat, wenn Du hier einmal den ganzen jüdischen Schwindel entlarven würdest. Rette das Rheingold wie Hagen von Tronje. In Treuen Dein Gerhard von Heidingsfeld. Cs versteht sich von selbst, daß an der Lchtheit dieses Briefes Zweifel erhoben werden können. Die Sache ist ja hochpolitisch. Man hat gesagt, der Brief sei von böswilligen Juden erfunden worden, um Blüher zu verdächtigen. Dem ohnmächtigen Judentum kann man in der Tat jede Bosheit Zutrauen, darüber gibt es in der Geschichte bis auf den. heutigen Tag genügend Beispiele. Aber die ganze Frage nach der Echtheit ist ja falsch, wer sie stellt und damit etwas zu beweisen vermeint, der zeigt nur das eine, daß er das Problem Blüher nichtgeistig stellt. Hier besagt die Echtheit oder Unechtheit gar nichts, sondern nur ihr intelligibler Inhalt. Dieser gber ist Die guten Boten. Betrachtungen zum Wochenabschnitt. Von Dr. M. Lalvacy b"*i -Posen-Berlin. Schon gleich zu Anfang zeigt sich in der Wesensart und Einstellung der beiden guten Kundschafter, wenn wir den Worten des Midrasch nachspüren, ein großer Unterschied. Raschi weist bereits auf den Widerspruch hin, der sich in Kap. 13 Vers 22 findetrra'i aaaa iVsm inan iy, gemeinsam wanderten s i e (Mehrzahl) gen Süden dem heiligen Lande zu und e r (Einzahl) kam bis nach Ehewraun. Dieser eine war K a l e w. Er hielt sich also augenscheinlich von den übrigen fern und nahm an ihrem Ratschlag nicht teil. Als er das Land der Väter betreten hatte, suchte er zu'allererst die heilige Stätte aus, zu der ihn die teuerste Erinnerung führte, die Grabstätte der Ahnen, der Stammeltern des jüdischen Volkes. (n"i> nenn) D’^na nxya bxvD ^snm niarr nap bv nanrn -|!>n Dort wollte er im Gebet die Kraft gewinnen, den bösen Einflüsterungen der Kollegen zu widerstehen. Die Frage, warum Josua seinen Freund und engen Gesinnungsgenossen nicht begleitet hat, kann mit dem Hinweis auf den Segen, den Mosche seinem Schüler mit auf den Weg gegeben,o-’arm nxy» -prpv ~> beantwortet werden. Indem er durch die Namensänderung in Josua die Ueberzeugung gewinnt, daß ihn G'tt schützen werde vor dem Rate der Kundschafter, fühlt er sich gerüstet und immun gegen die Einflüsterungen Andersdenkender. I Im Gegenteil durste er vielmehr noch bis zuletzt hoffen, sie von ihrem bösen Vorhaben wieder abzubringen. Kalew dagegen mußte sich diese innere Festigkeit e r st e r w e r b e n. Er sucht die Grabstätten der Ahnen auf, um sich dort die Kraft zu holen, seiner Aufgabe treu zu bleiben. Beachtenswert ist nun, was unsere b~m bemerken: Josua habe keine Kinder gehabt, während von Kalew's Nachkommen erzählt wird (vgl. Kap. 14, 24) mv'M' isnrv daß ihnen das Gebiet bei der Verteilung des Landes zugefallen fei, wie das Buch der Richter Kap. 1 berichtet. Diese Tatsache macht uns das verschiödentliche Verhalten dieser beiden Führer, die der Gesinnung nach zueinander gehörten, erklärlich. Josua, der keine Kinder hatte, durfte der eigenen inneren Kraft vertrauen, da er seiner sicher war. Der Segen des Lehrers hatte ihn ermahnt und gestärkt. Er hatte aus Niemanden Rücksicht zu nehmen. Konnte er die Bösen nicht beeinflussen, hatte er nichts zu verlieren. Wäre es ihm dagegen gelungen, sie zum Guten zurückzuführen oder schwankende zu stützen, dann hätte er sich reichlich belohnt gefühlt. Anders Kalew. Ihm war das Glück beschieden, auf Kinder Rücksicht nehmen zu müssen. Da es dem Menschen ja versagt ist, nvi-ai ak> ima, das Innerste der Gedanken zu erkennen, mußte er sich die Aufgabe, die Kundschafter zu beeinflussen, versagen. Die Menschen können sich in ihrem Urteil nur an Tatsachen, an das in Erscheinung Tretende halten. Was sollen Kinder von ihren Eltern denken, wenn sie diese immer wieder mit Andersdenkenden vereinigt finden und deren Mission nicht verstehen? Es würde Ihnen schwer fallen, auf die Dauer an eine innere Gegensätzlichkeit zu glauben. Es wäre dann unausbleiblich, daß die Kinder erschüttert werden in ihrem Vertrauen auf den ehrlichen Willen ihrer Eltern. Kalew hatte sich aus diesem Grunde, nachdem er die tiefe Kluft zwischen den übrigen Kundschaftern und sich I erkannt hatte, von den übrigen zurückgezogen, er ging gefestigt und gesichert seinen eigenen Weg. Die eigene, , durch Grübeln und Nachdenken an heiliger Grabesstätte; erworbene Festigkeit hat sich bei ihm bewährt und hat z sich sortzuerhalten vermocht, so daß seine Kinder zu j denen gehörten, die Generationen später als Lohn der Festigkeit ihres Ahnherrn Anteil hatten am Boden der Väter. (Das Licht Israels.) Der "k-rriv' mrr" neu h erausgegeben. Das grundlegende Werk der Mussar- Bewegung, in dem Rabbi Jizchok Blaser, der ehemalige Petersburger Rabbiner, die eigenen und die Gedanken von Rabbi Jisroel Salanter über die Mussarbewegung zusammengesaßt hat, ist seit mehreren Jahrzehnten vergriffen gewesen. Die Mussar-Jeschiwoth von Novogrudock haben sich deshalb ein wirklich großes Verdienst erworben, wenn sie das Buch neu ediert (Verlag Hadfoso, R. Szulman, Miedzyrzec k. Lukowa, Polen, Garbarska 3) und zu einem volkstümlichen Preis (Mk. 3.—) auf den Markt gebracht haben. Das Buch enthält in schöner Ausstattung die grundlegende Zusammenfassung der theoretischen Begründung für das Mussarlernen von Rabbi Jizchok Blaser, die Briefe, die Rabbi Jisroel Salanter von Deutschland aus an seine Schüler und an Ratsuchende in Kowno und Wilna gerichtet hat, einige nirgends sonst veröffentlichte Miszellen von Rabbi Jisroel Salanter und seinen berühmten „Mussar-Brief". Biographische Notizen der Schüler über Rabbi.Jisroel Salanter und Miszellen beschließen den Band. 1 (Molod.) In einem Teile des Rödelheimer wirb als n!?ia für nan Montag nachm. 5 Uhr 341/.-, angegeben. Es muß richtig heißen: Sonnbag nachm, ufw. Auch für ax und Ww'ift der Molod in diesen Ausgaben. um einen Tag zu spät angegeben.

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